Vorwand setzen - Lehmbauplatten/Gipskarton - Aufbau?

Hallo zusammen,

im Obergeschoss meines Fachwerkhauses stellt sich der Wandaufbau in jedem Raum durch diverse Renovierungseskapaden des Vorbesitzers wie folgt dar:

Oberfläche Raufaser mit diversen Anstrichen. Darunter stösst man meist auf Gipsputz. Dieser Gipsputz wurde aufgetragen auf ca. 6-7 Lagen alte Tapeten aus allen Jahrzehnten. Darunter normal verschiedene Farben (Ölfarben o.ä.) auf einem Oberputz - darunter dann die richtige Wand (Lehm mit Stroh)
Im letzten Raum habe ich so gut es ging alles runtergeholt und auf die Überreste dann Lehmunterputz/Oberputz/Dekoputz von Claytec verarbeitet. Das war eine echt schwierige Heidenarbeit, und das Endergebnis absolut nicht zufriedenstellend für mich.

Im nächsten Raum stehe ich nun vor der gleichen Problematik und würde gerne das Endergebnis verbessern. Dafür würde ich hier gerne mit Ständerwerk arbeiten und Vorwände setzen um am Ende geradere und glattere Wände zu haben. Der geringe Raumverlust durch die Installation spielt keine Rolle.

Meine Frage:

Wie baue ich eine solche Vorwandinstallation richtig auf?

Muss alles komplett runter bis auf den "nackten" Lehm? Oder können die Reste der ursprünglichen Wand drauf bleiben (ggfls. auch alte Tapeten?)

Wie wäre der richtige Aufbau? Sollte ich Lehmbauplatten verwenden oder geht auch Gipskarton? Die "neue" Wand soll am Besten nur gestrichen werden, ohne erneute Tapete oder Putz.
Sollten die Zwischenräume zwischen alter und neuer Wand mit Dämmung ausgefüllt werden oder können die Zwischenräume auch leer bleiben? Wenn Dämmung rein muss - welche am Besten?

Was muss ich beachten um keine Probleme mit Feuchtigkeit zu bekommen (Kondenswasser zwischen den Wänden o.ä.?

Könnte mir vielleicht jemand den idealen Aufbau einer solchen Vorwand und die dafür zu verwendenden Materialen beschreiben?

Das würde mir sehr helfen - vielen Dank schon jetzt!

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| 13.08.16

Innenwand


Wie ich sehe sind wollen Sie in die Fußstapfen Ihres Vorgängers eintreten und mit Ihren eigenen "Eskapaden" glänzen.
Wahrscheinlich war die Zwiebeltaktik Ihrer Vorgänger sogar besser, immerhin hat es wohl funktioniert. Ob das mit einer Vorsatzschale funktioniert ist zweifelhaft.
1. Ihren Lehmputz kann man überarbeiten, das ist das Gute an reversiblem Lehm.
2. Wenn Sie von Vorsatzschalen ähnliche Vorkenntnisse haben besteht die Gefahr das "das Endergebnis absolut nicht zufriedenstellend " wird.
Unabhängig davon kann es ernste Schäden geben, das ist dann nicht mehr lustig.
Gefühlsmäßig tendiere ich bei Ihrer Frage zu einer Lösung mit hohlraumfreier, kapillaraktiver Innendämmung, möglichst mit Wandheizung.
Ob und wie das geht kann nur im Rahmen der Kenntnisse des Zustandes vor Ort und im Rahmen eines umfassenden Sanierungskonzeptes festgelegt werden.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 13.08.16

was genau


ist absolut nicht zufriedenstellend?
handelt es sich um Innenseiten der Aussenwände?
mit näheren Infos kann man auch den ersten Raum noch retten.
greets Flakes
mehr Bäume Pflanzen als Bäume Fällen
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| 13.08.16

Danke Flakes,


aber an den ersten Raum habe ich mich schon langsam gewöhnt. Es war halt der erste Lehmputz den ich selber verarbeitet habe.
Im Endeffekt geht es um einen begehbaren Kleiderschrank, da kann ich mit den ganzen Kellenkanten und Streifen leben. Ich hatte halt die Vision einer total glatten Wand und am Ende war es doch eher sehr rustikal. (Komplett unabhängig von Außen- oder Innenwand, das Gesamtbild ist gleich von Decke zu Wänden).

Ok, Herr Böttcher vielen Dank erstmal für die meist übliche Antwort die man hier auf jede Frage bekommt - Gesamtenergetische Sanierung, Fachmann mit Konzept und so weiter und so fort, machen Sie ja nichts selbe sonst bricht das Haus morgen zusammen.

Sorry wenn ich das ein wenig überspitzt darstelle aber es ist echt fast immer so.
Eine normale konstruktive nette Antwort mit einem vernünftigen Hinweis "sollte man nicht machen, weil(!)" oder kannst Du machen, müsstest Du so oder so vorgehen" gibt es eher selten.

Zurück zum Raum:

Ich sehe ein das eine Vorwandslösung nicht ideal ist. Es wäre mir auch in der Tat nicht ganz wohl dabei.

Ich denke auch wenn das teurer und aufwändiger ist, werde ich wohl meinen zweiten Versuch mit der Lehmputzfamilie starten. Im Prinzip kann es ja nur besser werden.

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| 14.08.16

Innendämmung


Das Sie meine Antwort schon kennen, sie Ihnen nicht zusagt und Sie wohl langweilt bedeutet nicht das sie nicht richtig ist.
WAHRHEIT KANN LANGWEILIG SEIN.
Dafür kann ich nichts.
Wenn Sie meinem Vorschlag nicht folgen weil Sie ihn schon oft gehört haben so kann ich daran auch nichts ändern. Das Ergebnis wird Ihr Nachfolger denn wohl auch Renovierungseskapaden nennen- eher nicht denn die Nachbesserung/Schadensbeseitigung werden Sie selber übernehmen müssen. Spätestens dann werden Sie meinem Vorschlag folgen.
Sie haben gefragt warum es keine konkreten Tipps gibt in der Art "sollte man nicht machen, weil(!)" oder kannst Du machen, müsstest Du so oder so vorgehen"- ja verdammt noch mal ich kenne weder Ihr Haus noch wo es steht noch was daraus mal werden soll noch die ganzen anderen Randbedingungen!
DESHALB
schreibe ich immer wieder diese langweilige Zeugs mit vor Ort sein und angucken und Gesamtkonzept.

Unabhängig davon ein paar Tipps von mir zum Putzen mit Lehm:

Wenn Sie beim Putzen Kellenstriche und Dellen sehen dann liegt das an Ihren handwerklichen Fähigkeiten, die müssen Sie verbessern (auch wieder so eine langweilige allgemeine Weisheit!).
Was übersteht kann man abschleifen, was fehlt kann man auffüllen. Mit Rabotierbrett, Glättkelle und einer Sprühflasche mit Wasser kann man eine Menge nachbessern.
Beim nächsten Mal geben Sie sich mit dem Unterputz mehr Mühe, das erspart Ihnen solches Nacharbeiten.

Ein paar allgemeine Regeln zum Putzen:
Unterputz:
Auffüllen von Unebenheiten mit der Kelle, Herstellen einer ebenen, senkrechten, gleichmäßig saugenden Fläche. Dazu ist eine Kardätsche aus Metall oder Kunststoff unverzichtbar.
Oberputz:
Auftrag mit Kelle, egalisieren mit der Kardätsche. Ebenheit erreichen Sie mit gleichmäßigem Druck und gleich angestelltem Winkel an der Kardätsche, das ergibt eine gleichmäßige Putzdicke. Der Putz sollte dabei immer gleiche Konsistenz haben.
Verbleibende Unebenheiten in Unter- und Oberputz werden jeweils nach dem Durchtrocknen! abrabotiert und aufgefüllt.
Feinputz:
Auftrag mit der Glättkelle (Konsistenz dickflüssig) auf den angefeuchteten Oberputz.
Bei Fachwerk empfehle ich Ihnen eine Putzbewehrung einzubetten. Die hilft auch die Ebenheit zu bilden.
Bei Lehmputz können Sie üben und ohne Materialverlust nachbessern, bei einer Vorsatzschale nicht- es sei denn Sie brechen alles wieder ab. Die erforderlichen bautechnischen und physikalischen Grundkenntnisse fehlen Ihnen trotzdem.

Für Ungeübte gibt es noch die Möglichkeit nur mit Kelle, Reibebrett und den Händen zu putzen. Das ergibt einen lebendigen, stukturierten Putz der nicht eben ist aber mehr dem Charakter eines alten Fachwerkhauses entspricht.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 14.08.16

Aufbau


Hallo Josef,
solche Wandaufbauten findest du bei sämtlichen Lehmherstellern wie Claitech Aiwa ....
Im Allgemeinen sind alle sperrende Untergründe zu entfernen.
Dann kannst du Lehmbauplatten, Schilf usw. verwenden welche mit einer zb Lehm Hanf Schüttung gefüllt wird. Anleitungen findest du wie gesagt bei sämtlichen Lehmherstellern.
Heiko
Gut Ding braucht Weile
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| 14.08.16

Innendämmung


Wer oder was ist bitte "Claitech Aiwa"?
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 14.08.16

Danke soweit.


Claytec und Aiwa sind renommierte Lehmprodukteproduzenten. Super Firmen die hilfreich sind wenn man ein altes Fachwerkhaus renoviert.
Sind auch immer sehr freundlich in der Beratung und geben konstruktive Ratschläge. Habe auch bisher ausschließlich diese Produkte verwendet. Kann ich nur empfehlen Herr Böttcher;-)

Heiko, danke für den Hinweis nochmal! Ich werde dann vermutlich weiter mit Lehmputz arbeiten und versuchen hier den Fachwerkcharakter wieder herzustellen und den Lehmwänden wieder Luft zum Atmen geben:-)!
Ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen und von mal zu mal muss und kann es nur besser werden. Dafür mag ich konstruktive Vorschläge so sehr bei denen man noch was lernen kann.

Ich gebe auf jeden Fall nicht so schnell auf!

Einen sonnigen Sonntag dann noch in die Runde!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.08.16

Innendämmung


Claitech soll also die Firma Claytec bedeuten.
Aha.
Wenn ich bei Aiwa google komme ich auf einen japanischen Elektronikhersteller.
Das soll dann wohl die Firma eiwa Lehmbau GmbH sein.
Macht nichts, klingt ja fast genauso.

Stellen Sie sich vor da fragt einer in einem Forum nach vorbeugenden Mittelchen gegen Verstrahlung weil er neben einem Atomkraftwerk wohnt und Angst um seine Kinder hat.
Wirfste ab und an`ne Kaliumcyanidpille ein, schreibt ihm einer.
Der meinte zwar Calciumcyanamidpillen aber das macht nichts. Klingt ja fast genauso.
Dolle Hilfe.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 14.08.16

Echt jetzt?


Herr Böttcher, sorry aber - echt jetzt?
Kann doch niemand ernst nehmen das sie hier direkt wieder so eine Antwort von sich geben nur weil jemand Firmennamen falsch schreibt.

Es wusste doch jeder was gemeint war oder? Mir ist das eine Hilfe gewesen - und hier ging's ja um mich... Ok?

Nix für ungut - aber Ihnen wünsche ich echt einen guten entspannten Rest vom Sonntag, auf das Sie besser gelaunt in die neue Woche gehen!

Thema kann dann zu, Danke soweit!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.08.16

Innendämmung


Wenn Sie (oder Heiko) mit dieser Meinung die Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller für deren Systeme mit der gleichen Sorgfalt und Korrektheit wie das Beispiel mit den Namen behandeln passiert genau das was ich Ihnen schon von Anfang an versuche verständlich zu machen.
This separates the boys from the men.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 14.08.16

Lehmwand innen dämmen


M
Die Wände möglichst bis auf den Lehm freilegen.
Tapeten haben immer ein Schimmelpotential, daher besser entfernen.

Wenns mit dem Putzen nicht so klappt ists am leichtesten, zuerst Putzlehren zu installieren und diese als Anschlag zu nehmen, um eine glatte Fläche zu bekommen.
Dh also, die Zwischenräume zwischen den Lehren komplett auswerfen, dann über den Lehren abziehen.

Wenn's fest ist den Oberputz/Feinputz auftragen.
Den Arbeitsgang kann man bei höheren Ansprüchen besser von einem Putzer vornehmen lassen.

Bei youtube gibts videos dazu.

Wenn gedämmt werden soll zuerst die Wand grob mit Lehmputz nivellieren, dann auf die Wand und auf die Rückseite der Platte Lehmputz als Kleber auftragen und an die Wand ansetzen und anklopfen.
Mit Richtlatte die Ebenheit kontrollieren.
Heraklithplatten oder Lehmbauplatten lassen sich auch so verwenden und dann verputzen
Im Herbst bin ich wieder bei Bonn und könnte es mir ansehen- du bist in meiner Nähe-ggf mail schreiben.

Andreas Teich

Klingt


gut! Habe mich auch inzwischen entschieden von einer Vorwandinstallation abzusehen und auch hier weiter mit Lehmputz zu arbeiten, in der Hoffnung das Ergebnis diesmal zu verbessern.

1,5 Wände habe ich schon bis zum Lehm freigelegt, werde jetzt bei der ersten die Fehlstellen zunächst mit grobem Lehmstroh-Putz auffüllen und dann im 2. Durchgang versuchen eine möglichst glatte (gerade muss nicht unbedingt sein, aber möglichst glatt!) Wand hinzubekommen. Darauf dann nochmal Lehmoberputz oder ggfls. direkt Lehmdekoputz, oder Lehmfarbe auf den Oberputz, mal schauen.

Herr Teich, Sie können gerne im Herbst mal auf einen Kaffee reinschauen und einen Blick drauf werfen - konstruktive Kritik ist immer herzlich willkommen.
Bis dahin bin ich dann hoffentlich schon im nächsten Raum angelangt. Ich schicke Ihnen eine Mail dazu!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 16.08.16

Aufbau-Bilder aus der Bilddatenbank: