verschiefertes Fachwerkhaus - Innendämmung mit Glaswolle / Rigips

Liebe Fachwerkfreunde!

Ich bin Besitzer eines ca. 1906 erbauten Fachwerkhauses, welches komplett verschiefert ist.
Vom Vorbesitzer wurden keinerlei Isolierungen durchgeführt - die Beheizbarkeit bzw. Verbräuche waren dementsprechend gruselig.
Auf Anraten eines mir bekannten Handwerkers wurde das Haus komplett von innen durch vorgestellte Trockenbauprofile mit Glaswolle und Rigips-Beplankung nachträglich gedämmt. Zwischen dieser Dämmung und der Wandinnenseite ist überall ein Abstand von 1 -3cm für die Luftzirkulation. Eine Dampfsperre ist nicht eingebaut.

Diese Ausführung habe er bei seinem Fachwerkhaus auch gewählt und es gäbe keine Probleme mit Feuchtigkeit.

Ursprünglich war ich mit der Konstruktion glücklich ... bis ich hier im Forum über diverse Hinweise auf die Eignung einer solchen Dämmung gestolpert bin!

Meine Frage ist nun - wie schlimm ist die Dämmung für das Haus???
Eine Schlagregenbeanspruchung der Hauswand ist durch die Verschieferung auszuschließen - somit müsste die Hauswand selbst trocken sein - Sorge bereitet mir der mögliche Tauwassereintrag.


Marc | 05.12.16

GKB-Innendämmung


Ihre Bedenken sind grundsätzlich gerechtfertigt. Diese Art der Innendämmung ist prinzipiell fachwerkungegeeignet und kann zu dem von Ihnen bereits benannten Kondensatausfall an der Innenseite der Fachwerk-Aussenwand führen. Erst recht, wenn planmäßig warmfeuchte Luft durch eine Luftzirkulation in die Konstruktion geleitet wird. EIne luftdurchströmte Dämmung ist im übrigen in ihrer Dämmwirkung stark beeinträchtigt.

Eine solche Innendämmung sollte nur von einem Fachbetrieb oder einem PLaner mit Kenntnisse der fachwerktypischen, baukonstruktiven und bauphysikalischen Zusammenhänge geplant werden. Handwerker sind keine PLaner.

Als Innendämmung wird i.d.R. heute eine 4-6cm starke, hohlraumfreie, kapillaraktive und diffusionsoffene Holzfaserdämmung eingebaut. Und das auch nur nach Begutachtung der spezifischen Einbausituationen und der eventuellen Besonderheiten der Bestandskonstruktion. Auch eventuelle Feuchtebelastungen z.B. im Sockel-/Schwellenbereich müssen vorher untersucht und zuverlässig abgestellt worden sein.
... den Dingen auf den Grund gehen ...
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Will Pickartz Architekt AKNW | | 05.12.16

...planmäßig warmfeuchte Luft durch eine Luftzirkulation


soll bei dieser Konstruktion grundsätzlich NICHT eingetragen werden.
Der Luftspalt ergibt sich zwischen der naturgemäß unebenen / schiefen Fachwerkwand und dem in Waage gestellten Trockenbauwänden.
Die Formulierung war insofern missverständlich.


Marc | 05.12.16

Dauerhaft Tödlich


Diese "Konstrukte" finden sich leider häufig. Sehr häufig sogar. Sie funktionieren nie (und mit nie meine ich wirklich "niemals") dauerhaft. Ob mit oder ohne Dampfsperre hinter der Gipskartonplatte gibt es immer Stellen in denen die Raumluft bis in einem kälteren Bereich vordringt und dort aus kondensiert.
Wie schnell es dann zu Schäden am tragenden Fachwerk kommt ist sehr unterschiedlich. Es hängt u.a. mit dem Material der Ausfachung und vielen weiteren Randparametern ab.

Meist kann man schon nach wenigen Jahren erkennen wohin die Reise geht und ob die Schäden früher oder später auftreten werden. Dann liegt es am Bauherrn ob er die Sache angehen will oder ggf. einfach nur die Symptome bekämpft und weiter wurschtelt.
Die Entscheidung es anzugehen und gut zu machen sollte man dann unter Einbeziehung weiterer Faktoren treffen...
- Muss ich sowieso Bauteile öffnen
- Will ich ggf. an den Installationen etwas tun.
- Sind schon statische Schäden sichtbar
- Möchte ich das Gebäude ggf. nur kurz nutzen
- Lege ich wert auf eine Bauphysikalische Optimierung und ein anderes Wohnklima
- Muss ich sowieso etwas an den Heizkosten schrauben
usw usw.

Trotzdem viel Freude mit dem Fachwerk - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land
Fachwerkflüsterer - Häuser ihre Geschichten und Geschichte erzahlen lassen
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Ingenieurbüro Bergisches Land - Markus Mattonet | | 05.12.16

Fachwerkinnendämmung


Dein Handwerker war leider fachlich nicht sehr versiert-
möglichst immer vorher fragen, ob Bedenken bestehen.

Unebene Wände- die zumindest luftdicht sein sollten, damit nach außen keine Konvektion stattfinden kann- können einfach zB durch innenseitig vertikal ausgerichtete C-Profile aus dem Trockenbau oder auch durch Holzständer mit Gipsfaserplatten gedämmt werden- den Hohlraum mit Zellulose ausblasen lassen.
Als Verkleidungsmaterial auch Lehmbauplatten auf Unterkonstruktion, Heraklith oä.

KEINE Luftschichten innerhalb der Konstruktion vorsehen.
Diese unterbrechen die Kapillarität, können bei Undichtigkeiten durch warme Raumluft an der kalten Außenwand Kondensation bewirken und reduzieren wegen der Luftbewegung die Dämmwirkung.

Kapillaraktive Materialien sorgen für schnelle Austrocknung und Feuchteabfuhr und sind wesentlich schadensresistenter als zB Mineralwolle und EPS.

Bei dir muß kein Schaden entstehen- die Konstruktion ist aber dämmtechnisch mangelhaft und birgt Risiken.
Du kannst gelegentlich versuchen, die Holzfeuchte der Fachwerkhölzer an der Innenseite zu messen-
bei steigenden Feuchtewerten die Konstruktion ändern.

Andreas Teich

Funktion ist relativ


Also bei mir hat diese Konstruktion keinen Schaden angerichtet. Mein Haus wurde in den 70er Jahren mit alukaschierter Glaswolle und Rigips gedämmt. Keine Schäden zu sehen. Weder an der Glaswolle noch an den Fachwerkbalken. Aber die Isolierwirkung war weitestgehend nicht vorhanden, da die Belüftung durch das Fachwerk gegeben war.
Ein Fachwerkhaus ist romantisch und hat große Vorteile. Die Raumaufteilung ist nicht vernünftig
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.12.16

Funktion ist relativ


Also bei mir hat diese Konstruktion keinen Schaden angerichtet. Mein Haus wurde in den 70er Jahren mit alukaschierter Glaswolle und Rigips gedämmt. Keine Schäden zu sehen. Weder an der Glaswolle noch an den Fachwerkbalken. Aber die Isolierwirkung war weitestgehend nicht vorhanden, da die Belüftung durch das Fachwerk gegeben war.

Ich habe jetzt 40er Pavadentro wie an den übrigen Wänden verwendet.
Ein Fachwerkhaus ist romantisch und hat große Vorteile. Die Raumaufteilung ist nicht vernünftig
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.12.16

Welche Lösungsmöglichkeiten ???


Vielen Dank für die Kommentierungen!
Zusammengefasst verstehe ich das so, dass der eigentlich gutgemeinte Luftspalt zwischen Innendämmung und Außenwand tatsächlich ein Problem darstellt.

Welche Abhilfen sind nun möglich???
- ein kompletter Neuaufbau der Isolierung (Mineralwolle raus und direktes Aufbringen von Holzfasermatten auf die Außenwand) wäre wohl ideal ... ist bei einem gerade erst renovierten Haus finanziell und von der Wohnsituation her schlichtweg aber nicht möglich ...
- wäre eine "Füllung des Luftspaltes" mit geeignetem Material (schüttfähig und kapillaraktiv) eine mögliche Option? Damit würde doch der schädliche Kondensatanfall verhindert??


Marc | 08.12.16

welche Lösungsmöglichkeiten


Die bauphysikalische Geschichte wurde von Herr Pickartz schon behandelt.

Was die Lösungsmöglichkeit anbelangt kann man folgendes unter Vorbehalt sagen:

der Hohlraum kann durchaus ausgeblasen werden.
Leider ist das aber nicht so einfach wie es sich anhört.
Der Spalt 1-3 cm ist nicht direkt das Problem, sondern die Glaswolle.
Es kommt darauf an, welche Dämmung verwendet wurde, in der Regel geht die Dämmung noch etwas auf und vermindert den Abstand zur Wand. somit können die jeweiligen Abstände noch geringer sein als vermutet.
Beim Ausblasen oder Schütten besteht die Gefahr der Brückenbildung und es kann nicht zu 100% eine homogene Dämmschicht gewährleistet werden.

Fasrige Dämstoffe scheiden bei der Auswahl aus, was möglich wäre ist Perlite.
Das Einblasen gestaltet sich nicht nur schwierig, sondern auch Zeitaufwendig. Dazu kommen noch die Zugänglichkeit der Wände und von wo ausgeblasen werden kann.

Leider gibt es nicht viele Firmen die dazu bereit sind eine solche Arbeit zu übernehmen.

Ein positives hat der Wandaufbau, es wurde keine Dampfbremse eingebaut, dadurch ist zumindest die Rückdiffussion in den Raum gegeben.

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ST-Service & Trade UG | | 08.12.16

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