Suche nach schadstoffarmen Baustoffen für Anbau (Alternativen zu Bitumen, Styropor etc.)

Hallo,

ich habe ein paar Fragen zu schadstoffarmen Baustoffen, d.h. ich suche Alternativen zu Styropor etc.

Geplant ist ein eingeschossiger Anbau ohne Keller an unser altes Haus. Dort sollen der neue Eingangsbereich mit Flur, ein Kinderzimmer und ein Bad untergebracht werden (gesamt ca. 34 qm Wohnfläche). Ein Pultdach (14-15° Dachneigung) bildet den oberen Abschluss und den Anschluss an das alte Haus. Die Fußböden in Flur und Bad bekommen Fliesen, das Kinderzimmer einen massiven verschraubten (wahrscheinlich geölten) Dielenboden.
Nun sind wir auf der Suche nach vernünftigen Materialien, die halbwegs gesundheitsverträglich sind. Natürlich muss das Ganze im Rahmen der Vorschriften bleiben, da der Planer (wegen der Haftung) das sonst ablehnt. Gebaut wird mit Poroton T8 oder T9, evtl. perlitgefüllt.

Auf der Bodenplatte ist eine bituminöse Abdichtung geplant. Gibt es dazu Alternativen? Unser Planer besteht auf dieser Abdichtung, aber vielleicht gibt es doch eine DIN-konforme andere Möglichkeit, die wir ihm vorschlagen könnten. Die Bodenplatte liegt leicht erhöht auf Frostschürzen, damit das Erdgeschoss-Niveau des Bestandshauses erreicht wird.
Sollten wir nicht um diese Bitumenschicht herum kommen: bringt eine zusätzliche Estrichschicht etwas mehr Schutz vor den Ausgasungen des Bitumens? Vor allem im Kinderzimmer, wo durch den Dielenboden nicht zwingend ein Estrich notwendig wäre. Oder gibt es andere Möglichkeiten, den Schadstoffeintrag des Bitumens in das Zimmer zu verhindern?

Kann man beim Estrich auch noch einen "herkömmlichen", ohne die ganzen verarbeitungsfördernden Zusätze, verlangen? Baut einem das noch jemand ein? Was hat das für Konsequenzen bezüglich dem weiteren Oberbelag und der Trockendauer?

Als Dämmung auf der Bodenplatte kommt für uns kein Styropor in Frage. Welche Alternativen sind empfehlenswert?

Das Dach bekommt (wahrscheinlich) eine Zwischensparrendämmung mit Mineralwolle. Eine zusätzliche Decke gibt es nicht, die Räume sind bis oben offen. An der Unterseite der Sparren dienen Platten als Putzträger für reinen Kalkputz. Gipskarton kommt nicht in Frage. Was eignet sich hier am besten? Heraklith-Platten, Lehmbauplatten, Holzweichfaser....? Was kann man da auch bedenkenlos im Bad einsetzen?

Welchen Kalkputz kann man empfehlen? Im Ökobaustoffladen wurde mir "Otterbein" empfohlen (Grund- und Oberputz). Ist der o.k.? Es sollen alle Wände und Decken mit Kalk verputzt werden. Darauf dann Kalkfarbe, Silikatfarbe....?

Können wir einen Kalkputz als Außenputz auf Poroton T8 oder T9 (evtl. perlitgefüllt) aufbringen? Wenn ja, benötigt man hier ein Gewebe zur Rissvermeidung? Oder wäre ein anderer Putz empfehlenswerter?

Noch eine Frage zu den Ziegeln: Wir überlegen noch, ob mit oder ohne Perlitfüllung. Gibt es wichtige Gründe, die FÜR oder GEGEN einen der Steine sprechen?

Was sollten wir bezüglich Schadstoffen noch beachten, was ich jetzt hier nicht aufgeführt habe bzw. noch nicht daran gedacht habe (Fliesenkleber etc.)?

Ich freue mich auf Tipps und Hinweise und bedanke mich herzlich für's Lesen.
Jule


Jule | 05.03.17

Abdichtung


Was mich unabhängig von Ihren Ideen interessiert:
WELCHE Schadstoffe sollen aus einer Abdichtung und WIE z.B. in den Flur oder das Bad gelangen?
Immerhin benutzen viele Bauherren kunststoffmodifizierte Dickbeschichtungen oder verschweißbare Dichtbahnen.
Haben Sie dazu Erkenntnisse aus Untersuchungen, Schadstoffmessungen in Gebäuden, Labortests o.ä.?
Dann würde mich interessieren welche "verarbeitungsfördernden Zusätze" in Estrichen Sie meinen und welche schädlichen Auswirkungen die haben.

Zu Ihrer Planung:
Ich halte einen Dielenboden im Kinderzimmer nicht als optimale Lösung denn hier fällt einiges an Belastungen an wie mechanische Beschädigungen, Tinte usw. Auch aus hygienischen Gründen halte ich fugenlose Beläge aus Kautschuk oder Linoleum dort für besser.
Das Warmdach wird so NICHT funktionieren. Mineralwolle ist schon allein auf Grund ihrer geringen thermischen Trägheit ungeeignet, von der fehlenden Kapillarität ganz zu schweigen. Dann fehlt eine Dampfbremse. Diese Art der Konstruktion weist nur eine geringe Fehlertoleranz auf, ich rate Ihnen davon ab (Ihr Architekt hoffentlich auch).
Als Dämmung gibt es eine ganze Reihe von Alternativen, sowohl vom Material als auch vom Aufbau her.
Otterbein ist der Name eines Herstellers, keine Bezeichnung für einen Baustoff. Die Produkte sind in Ordnung, genauso wie die anderen Markenprodukte die es bei werkgemischten Trockenmörteln gibt. Diese Hersteller arbeiten alle nach gemeinsamen Standards, entweder selbst gesetzt oder durch Vorschriften geregelt. Ein P IIa der Gruppe M 5 unterscheidet sich deshalb kaum in der Zusammensetzung, höchstens in der gedachten Verwendung, in der Handhabung und im Preis. Deshalb IMMER in die Verarbeitungsvorschriften und die Anwendungsrichtlinien schauen.
Die letzten zwei Fragen zur Dämmung:
Ist das Bestandsgebäude neben dem Anbau unterkellert?
Steht bindiger Baugrund an?
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.03.17

Leichtputz


Auf die hochgedämmten Ziegel muss außen ein Leichtputz


Methusalem | 05.03.17


Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!

Über die Schadstoffproblematik habe ich keine Erkenntnisse aus Untersuchungen etc.. Ich habe lediglich viel darüber gelesen, auch in diesem Forum. Außerdem habe ich - denke ich jedenfalls - einen gesunden Menschenverstand. Ich möchte einfach vermeiden, mir problematische Stoffe ins Haus zu holen. Auch wenn ich keine fundierten Kenntnisse darüber besitze, so möchte ich ein evtl. Risiko doch so gering wie möglich halten. Das betrifft auch die "verarbeitungsfördernden Zusätze" in Estrichen. Wenn dem nicht so ist, umso besser. Aber ich möchte mir nicht später Vorwürfe machen müssen, dass ich aus Unwissenheit gesundheitlich bedenkliche Stoffe eingebaut habe, obwohl es Alternativen gegeben hätte. Bei evtl. gesundheitlichen Beschwerden bleibt da immer die Überlegung in diese Richtung.... Und dann lassen sich diese Dinge nicht mehr ändern.
Der Umstand, dass viele Bauherren diese Dichtungen etc. verwenden, lässt leider nicht unbedingt auf deren Unbedenklichkeit schließen. Viele denken darüber nicht nach und bauen es einfach ein, weil es halt so geplant wird, die DIN's eingehalten werden müssen etc. Da wird oft wenig hinterfragt.

Beim Kinderzimmer handelt es sich eher schon um ein Jugendzimmer. Von daher halten sich die Belastungen in Grenzen. Später wird dieses Zimmer unser Schlafzimmer. Ein Dielenboden sollte es werden, weil 1. das "Kind" Holzböden mag (die haben wir im alten Haus) und 2. die "Eltern" einen gesunden, am Raumklima beteiligten, Boden möchten.

Beim Dach wird mit Sicherheit eine Dampfbremse vorhanden sein. Den genauen Aufbau habe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Was für eine Dämmung würden Sie statt Mineralwolle empfehlen?
Ich hatte das Dach lediglich wegen meiner Frage nach geeigneten Platten als Putzträger beschrieben. Leider natürlich nicht ganz detailliert. Der Architekt hat dieses Dach geplant. Normalerweise kommt da Gipskarton auf die Raumseite, welchen wir aber nicht möchten.

Das Bestandsgebäude ist unterkellert. Eine Baugrunduntersuchung steht noch aus.

Jule


Jule | 05.03.17

Poroton


Nicht mal die Ziegelsteine sind heutzutage unbedenklich, google mal woolrec


Methusalem | 05.03.17

Anbau


Angst oder Bedenken gegen was auch immer zu haben ist nichts Verwerfliches, dann bitte ich Sie aber in Zukunft das auch so anzugeben und nicht Ihre Befürchtungen als gegebene Tatsachen darzustellen.
Immerhin lesen das auch andere die dann falsche Schlüsse ziehen könnten.
Wenn Sie auf solche Baustoffe wie Abdichtungen, Gipskarton bzw. Gipsfaserplatten, Tonziegel usw. verzichten wollen so ist das bauseits und planerisch möglich. Sie müssen dann Ihrem Planer diese Vorgaben nennen und er muß sie umsetzen; wie gesagt machbar ist es. Sie müssen dann einige Abstriche an der Wohnqualität und Kostenerhöhungen in Kauf nehmen.
Dazu einige Beispiele: Dampfbremsen sind Kunststofffolien, OSB- Platten als Ersatz dafür sind nicht vollständig formaldehydfrei, Lehmbauplatten können erhöhte Werte an Radionukliden beinhalten usw.
An Dämmstoffen gibt es eine ausreichende Auswahl auch an organischem Material, angefangen von Seegras über Weichholzfaser, Hanf usw.
Die Dachhaut auf Ihrem Pultdach wird ohne bituminierte Schweißbahnen und Kunststoff nicht auskommen. In modernen Zigeln KÖNNTE, wenn ich Ihren Gedanken folge, genauso wie in Estrichen VIELLEICHT auch was drin sein was da nicht reingehört.
Ich will Ihnen damit keine Angst machen aber zeigen das Sie mit diesem Ansatz, nur mit "hätte, könnte, vielleicht doch..." keine fundierten Entscheidungen hinsichtlich Ihres Vorhabens treffen können.
ENTWEDER Sie informieren sich OBJEKTIV- das geht ganz gut über das Internet- oder Sie vertrauen den Fachleuten die Sie beauftragen u.a. weil sie davon mehr Ahnung haben.

p.s. Ich hoffe das vor Ihrem Haus keine Straße mit Bitumenbelag verläuft. Der ist so um die 30 cm dick.
Setzen Sie das mal ins Verhältnis zu dem paar kg Bitumen (übrigens anders zusammengesetzt) das unter Ihrem Estrich und unter den Fliesen im Bad - also gasdicht maskiert-liegen würde.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.03.17


Herr Böttcher, es tut mit leid, dass mein Anliegen falsch rübergekommen ist und ich mich nicht so ganz klar ausgedrückt habe. Das war keine Absicht.
Ich weiß, dass es immer gewisse Risiken gibt und versuche, einen gangbaren Mittelweg für mich zu finden.

@Methusalem:
Den woolrec-Film habe ich gesehen - gruselig! Da schwindet das Vertrauen in die Industrie noch mehr....


Jule | 05.03.17

Baustoffe


Es muß Ihnen nicht leid tun, aber ich wollte Ihnen zeigen das man WISSEN nicht durch Latrinenparolen (oder neudeutsch alternative Fakten) ersetzen kann- siehe "Mr. Präsident".
Übrigens ist der Begriff "schadstoffarm" den Sie verwendet haben ein guter Ansatzpunkt denn es gibt keine schadstoffreien Baustoffe, egal ob Öko oder nicht.
Das ist nur eine Frage der Analysetechnik- siehe Beispiel Lehmbaustoffe.
Das gleiche trifft für Gipsbaustoffe zu, sowohl REA- als auch Naturgips sind gesundheitlich völlig unbedenkliche Baustoffe obwohl da Kadmium, Blei und andere Schwermetalle enthalten sind. Allerdings in Konzentrationen die selbst dann ungefährlich bleiben wenn Sie jeden Tag zum Frühstück einen Becher REA- Gips essen würden.
Bitumen werden im Wohnungsbau als Schmelzklebstoffe oder in Emulsionen eingesetzt, bei Normaltemperatur sind sie ebenfalls völlig unbedenklich. Nur bei hohen Temperaturen beginnen sie Kohlenwasserstoffe auszugasen; bis dahin gasen aus Holz und anderen Ökobaustoffen schon lange gefährliche Kohlenwasserstoffe aus.
Wenn Sie konsequent gesünder leben wollen fangen Sie mit dem Einkauf im Supermarkt an, mit dem Kleingedruckten auf den Fertigsuppentüten oder den Joghurtbechern an.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.03.17

Ökologische Baustoffe


Es gibt genügend Alternativen zu allgemein üblichen Materialien:

Beim Fußbodenaufbau kann EPDM-Folie verwendet werden, Katja Sprint, Erika von Börner, wobei Bitumenbahnen mMn als Feuchtigkeitssperre auch nicht problematisch sind.
Estrich ist unter Dielen unnötig, geölte Hartholzdielen zB aus Eiche sind für die meisten Einsatzbereiche geeignet.
Als völlig unschädliche Dämmung können auf dem Boden Schaumglasplatten verwendet werden, ansonsten Zellulose, Holzfaserplatten, Hanf
Beim Dach oben Holzfaser-Unterdachplatten, als Dämmung viel besser als Mineralwolle Zellulose, Holzfaser, Hanf.
Darunter zB Holzfaserplatten mit einer dampfbremsenden Funktionsschicht, die ggf mit Lehm- oder Kalkputz versehen werden können.
Statt Ziegelwänden sind zB CLT-Holzwände oder Holzständerwände mit verputzbare Holzfaserplatten als Außendämmung möglich-alternativ Dämmung mit Zellulose zwischen Stegträgern.
Perlitefüllung bei Ziegeln spart Wanddicke wegen besserer Dämmung.

Wenn einige Arbeiten selbst ausgeführt werden muß es mit ökologischen Baustoffen nicht teurer werden als mit konventionellen.Zudem haben ökologische Baustoffe auch div techn.Vorteile
Bei Fragen mailen-siehe Profil
Andreas Teich

Ein paar Gedanken...


Eine gesunde Skepsis vor chemischen Zusätzen ist nicht fehl am Platz, man kann aber auch über Bord gehen.

Ziegelwände mit oder ohne Perlit scheinen mir unbedenklich.

Bodenplatte -> die XPS-Dämmung unter die Bodenplatte legen, da gast nix aus.

Abdichtung der Bodenplatte -> finde ich unbedenklich. Wenn das ganze nicht zu feuchtebelastet ist, könnte man auch zwischen Dämmung und Bodenplatte abdichten.

Zusätze im Estrich -> das wird in der Masse gebunden, und noch mit dem Fertigbelag abgedeckt. Scheint mir unbedenklich.

Massiver verschraubter Dielenboden -> auf was verschraubt ? Höhenausgleich beachten. Typische Empfehlung ist flächig auf Holzweichfaser aufliegend, mit etwas weniger hohen Latten zum Verschrauben dazwischen. Im Kinderzimmer ist mit der einen oder anderen Delle und Schramme zu rechnen.

Wie soll der Anbau geheizt werden ?

Dach -> Mineralwolle ist nicht gut bei Sommerhitze. Ich würde mit Holzflex oder Zellulose arbeiten. Ja, da sind Borsalze drin, die gasen aber nicht aus. Eine gute Dampfbremse verwenden (z.B. Intello ist m.E. ein "sauberes" Material). Darunter Querlattung / Untersparrenfilz und Beplankung mit Gipsfaserplatten (stabiler und mehr thermische Masse als Gipskarton).

Kalk an den Wänden - ok. An der Decke - zu "anstrengend". Decken dürfen eine andere, glatte Textur haben.

Kalk- und Silikatfarben sollten beide ok sein, mit Silikatfarbe wird es schneller gehen. Kalk deckt nicht so besonders, bei unseren Wänden brauchte es meistens drei Anstriche.

So gern ich Holz habe, mit Spanplatten & co. holt man sich potentiell einiges an Ausgasung ins Haus. Empfehlungen siehe z.B.

https://www.stadt-zuerich.ch/content/dam/stzh/hbd/Deutsch/Hochbau/Weitere%20Dokumente/Fachstellen/Nachhaltiges_Bauen/3_Nachhaltig_Bauen_fuer_die_Stadt/4%20Wohlbefinden%20(Innenraumklima)/Holzwerkstoffe_in_Innenraeumen_(Merkblatt).pdf

OSB in den Decken war für mein empfindliches Näschen kein Problem, das Fussbodenöl von Natural war auch ok.
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.03.17


Das ist wieder ein typisches Beispiel für die Gefahr von Foren und einem (manchmal sogar gefährlichem) Halbwissen aus dem Internet (dem Trump zum Dank haben wir dafür nun auch einen Namen "alternative facts", wie Herr Böttcher schon treffend erwähnte). Ich verstehe Herrn Böttcher, dass er dabei regelrecht emotional wird.

Ich verstehe nicht, wie man seinem Architekten / Planer derart misstrauen kann, dass man sich ausgerechnet in einem Internetforum darüber informiert um nun alles in Frage zu stellen, was der Fachmann vorschlägt.

Wenn Ihnen baubiologische Aspekte so wichtig sind, hätten Sie einen Architekten mit Zusatzqualifikation / Schwerpunkt Baubiologie beauftragen müssen. Der hätte dann g a n z h e i t l i c h ein K o n z e p t erstellt. Nun einzelne Schichten von Bauteilen ohne genaue Kentniss der Randbedingungen auf diesem Wege in Frage zu stellen, ist fischen im trüben Wasser. Ggf. funktioniert das, ggf. geht es schief, die Chancen stehen bei 50 zu 50.

beste Grüße,

Stefan

p.s.: ich bin durchaus baubiologisch aufgeschlossen, benutze bei der Entscheidung für Materialien und Aufbauten aber gerade auch meinen gesunden Menschenverstand.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Sokrates
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| 06.03.17


@ Herr Böttcher

"Wenn Sie konsequent gesünder leben wollen fangen Sie mit dem Einkauf im Supermarkt an, mit dem Kleingedruckten auf den Fertigsuppentüten oder den Joghurtbechern an."

Das tue ich bereits seit geraumer Zeit.


@yogumon

Der Anbau soll mit Heizleisten beheizt werden. Es ist eine Gasheizung vorhanden.
Der Kalkputz an der Decke dient weniger der Optik als vielmehr dem Raumklima.


Herzlichen Dank an Alle für die Infos und die Links. Es sind viele hilfreiche Tipps dabei!

Allen noch einen schönen Abend wünscht Jule


Jule | 06.03.17

Raumklima


Hmm, ich komme hier gut mit liebem Kalk an den Wänden und bösem Gips an der Decke klar. Die alte Decke war auch auf Gipsbasis, das scheint also auch früher funktioniert zu haben.

Mit den Heizleisten hätte ich da eher Probleme. Hohe Vorlauftemperatur ist nix gut für die Effizienz eines Brennwertkessels, von einer Wärmepumpe ganz zu schweigen. Den Warmluftschleier mit dazugehöriger Staubverwirbelung braucht ihr bei anständig gedämmten Wänden nicht. Dann lieber grosszügig dimensionierte konventionelle Heizkörper, wie wir sie haben.
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.03.17

Wenn Sie es schon...


...neu und schön und gesund haben wollen, dann gönnen Sie sich besser eine Wandheizung in Lehmputz, und vergessen die kleinen hässlichen Staubsammler (Heizleisten). Eine WH braucht zudem tatsächlich weitaus weniger Vorlauftemperatur und: Sie bekommen wirklich Strahlungswärme, nicht nur im Prospekt.

Zum Fußbodenaufbau: Ich sehe keine wirklichen Bedenken gegen moderne Bitumenbahnen. Die Diskussion um PAK und Teer jedenfalls hat mit diesen Bahnen nichts zu tun. Wenn Sie diese auf Leichtbeton legen und darauf einen Estrich abziehen, ist sie auch optisch weg.

Darauf kann mit Holzweichfaserplatten und zwischenliegenden Lagerhölzern ein Dielenboden verlegt werden. Bei Wahl des richtigen Aufbaues muss die Dielung nur 20mm stark sein, und Sie können sich auch Eiche oder Esche ohne exorbitante Kosten leisten.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 07.03.17


Hallo Herr Böhme,

ja, die Wandheizung in Lehm geputzt wäre natürlich das Beste! Bei einem kompletten Neubau würde ich das auch sofort machen. Da wir aber unser (altes) Haus mit normalen Heizkörpern beheizen und dort auch schrittweise Heizleisten nachrüsten möchten zwecks Außenwandtemperierung, wollen wir dieses System auch im Anbau nutzen. Unterschiedliche Systeme, zumal mit unterschiedlichen Vorlauftemperaturen, halten wir nicht für geeignet.
Wir hatten auch im neuen Flur und Bad mit einer Fußbodenheizung geliebäugelt, uns dann aber doch dagegen entschieden - eben wegen den unterschiedlichen Systemen und auch der zeitlich anderen Steuerung der FUBO-Heizung (wegen der Trägheit).

"Wenn Sie diese auf Leichtbeton legen und darauf einen Estrich abziehen, ist sie auch optisch weg."

Meinen Sie mit "Leichtbeton" die Bodenplatte? Die wird doch sicher nicht aus Leichtbeton hergestellt.?
Einen Estrich über der Dämmung auf der Bodenplatte hatte ich mir zwecks Abdeckung der Bitumenbahn ja auch schon überlegt (obwohl dieser bei einem Holzboden nicht sein müsste).

"Darauf kann mit Holzweichfaserplatten und zwischenliegenden Lagerhölzern ein Dielenboden verlegt werden. Bei Wahl des richtigen Aufbaues muss die Dielung nur 20mm stark sein, und Sie können sich auch Eiche oder Esche ohne exorbitante Kosten leisten."

Meinen Sie ein System wie Pavatex mit den Fugenlatten? Auf was sollte man beim Aufbau achten, damit die Dielung (wie beschrieben) nur 20mm stark sein braucht?


Jule | 07.03.17

Gründung Anbau


Ich hatte vergessen mich zur Gründung des Anbaues bzw. zur Bodenplatte zu äußern. Bei dieser Konstellation sollte normalerweise statt einer Bodenplatte ein bis auf die Gründungstiefe des Kellers abgetrepptes Streifenfundament errichtet werden um Setzungsrisse zum Altbau zu vermeiden. Falls der Keller direkt gegen den senkrecht geschachteten bindigen Baugrund gemauert wurde ist das nicht erforderlich, vorausgesetzt Ihr Planer definiert Sollbruchstellen und setzt dort Bewegungsfugen. Der Wandanschluß kann z.B. mit Halfenschienen gesichert werden, beim Dach muß sich der Dachdecker was einfallen lassen.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 07.03.17

Doch,


für den Unterbau meinte ich schon Leichtbeton. Ohne einen Statikerblick sollten Sie da sowieso nix machen, Georg hat die wichtigen Punkte auch schon angesprochen.

Ein System mit implizierten Latten von Gutex oder Pavatex hat mir persönlich etwas zu weiche Holzweichfaserplatten und ist auch etwas teuerer. Zudem in der Aufbauhöhe und Elementmaßen halt etwas unflexibel. Ich nehme lieber etwas festere HWPl von DOSER oder Steico (Rohdichte 0,25)und lege mir die Latten so dazwischen, wie's im Raum am besten passt. Die Latten immer ca. 2mm flacher als die HWPl, so liegt die Dielung vollflächig auf der HWPl. Netter Nebeneffekt: Der Aufbau ist entkoppelt und hohlraumfrei und somit schallarm.

Viel Erfolg

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 07.03.17


Hallo Herr Böttcher,

ein bis zur Kellersohle reichendes Fundament mit Abtreppung ist geplant. Allerdings trotzdem eine Bodenplatte. Da der Statiker alles eher etwas "verbissen" sieht, zweifle ich diese Planung eigentlich nicht an.

Hallo Herr Böhme,

danke für die Beschreibung des Bodenaufbaus. Das klingt interessant. Platten und Latten wären hier aber nicht mit Nut und Feder verbunden wie bei den fertigen Systemen?


Jule | 07.03.17

Nein,


die wären tatsächlich lose. Das ist in der Praxis recht vorteilhaft.
Holz schwimmt immer oben
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Restauratio GmbH | | 07.03.17


Was wären denn die Vorteile?


Jule | 07.03.17

Holzdielen-Bodenaufbau


Je nach Aufbauhöhe können auch KVH-Balken verwendet werden, dazwischen vollständig Zellulosedämmung, Perlite oä.einfüllen.Hölzer mit untergelegtem Gummigranulat, Sperrholz oä nivellieren- so kann jede beliebige Höhe genau erreicht werden- meistens besser als mit vorgegebenen Holzfaserplatten, die sich zudem noch etwas komprimieren lassen.

Bei ca 50 cm Abstand der Unterkonstruktion kann praktisch jeder 20 mm dicke Dielenboden verwendet werden-
im Zweifel einfach mehrere Nut und Feder Dielen ineinanderschieben und im geplanten Abstand Hölzer unterlegen und die Dielen mittig mit 150 kg belasten (übliche gleichmäßig verteilte Flächenlast wären 200 kg/qm).

Die Systemböden mit Nut und Feder-Profil der Traglattung und der Holzfaserplatten lassen sich nur etwas besser verarbeiten-
haben aber keinen techn. Vorteil gegenüber lose eingelegter Traglattung, die günstiger und leichter zu besorgen ist.

Andreas Teich

Wie schon beschrieben:


- es gibt kein fixes Raster, damit besser an die Raumform anpassbar und weniger Verschnitt
-keine teueren Sytemlatten mit spezieller Nut
-verschiedene Stärken des Aufbaues möglich
-die trittfesteren Platten mit 0,25 g/cm³ bleiben bei der Verlegung besser in Form als die leichteren Systemplatten von Gutex und Pavatex und stützen eventuelle Querfugen bei Systemdielen besser.

Derartige Aufbauten sind im Vergleich zu Lagerholzkonstruktionen leichter herzustellen, das Fehlerpotential ist geringer, und diese Böden liegen vor alles wesentlich ruhiger. Systemdienen würde ich zudem auf Lagerholzkonstruktionen nicht verlegen.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 07.03.17

Gründung Anbau


Also Gürtel und Hosenträger.
Naja, es ist Ihr Geld und nicht das des Statikers.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 07.03.17

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