Viele Fragen vor dem hauskauf

Hallo alle miteinander !

Meine Frau und ich liebäugeln gerade mit einem niederdeutschen Hallenhaus aus dem Jahr 1848.

Die substanz ist zum Teil nicht mehr berauschend, zum Teil allerdings ok. Bevor wir allerdings mit konkreten Wünschen zur Bank gehen, müssen wir erst eimal für uns klären, ob das Haus nach unseren Wünschen umbau- und sanierbar ist.

Wenn ich die Konstruktion eines Ständerbaus richtig verstanden habe, müsste man doch im Innenbereich auf keine tragende Wand stoßen !? Das Haus ist durch drei Generationen gelaufen und ist dementsprechend verbaut. SIchtbare gemauerte Wänder in der Diele würden wir behalten und als Stilelemente einsetzen.
Was ich mich frage ist die Möglichkeit zum Dachausbau. Momentan gibt es im Westteil einen ersten Stock, der allerdings wegen eines Wasserschadens herausgerissen werden müsste. Zudem ist er eh zu klein. Kann ich, in der Art wie über der Diele der Heuboden, grundsätzlich eine neue Ebene einziehen? Klar, ich sollte zum Architekten, das kommt auch, sobald wir wirklich Kaufen wollen.

Allgemein würde ich mich über Erfahrungsberichte zu ähnlichen Projekten sehr freuen, um zu sehen, auf welche Dinge man achten sollte.

Vielen Dank !

Martin
wird schon...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 18.10.05

Begehung mit Fachmenschen!


Ich kann nur dringend eine Begehung mit einem Fachmenschen (Sachverständiger, Bauingenieur, Statiker, erfahrener Zimmerer) empfehlen, um mal eine grundsätzliche Einschätzung der Sanierungsfähigkeit zu erhalten.
Natürlich kann es auch im Ständerbau tragende Wände und Stützen geben, gewollt oder ungewollt, nach Setzungen, Umbauten oder Lastverschiebungen. Außerdem gibt es für den Begriff "Ständerbau" regional unterschiedliche Bedeutungen: ist es ein Gebinde- oder Geschoßbau?
Schließlich bedeutet Ständer ja lediglich ein tragendes, senkrechtes, wandbildendes Holz, welches stockwerk- oder geschoßhoch im Gebäude vorhanden ist.
Meist wird Ständerbau im Sinne des Geschoßbaus verwendet. Hier geht der Ständer über mehrere Geschosse und die Deckenbalken sind meist über Schlitzverbindungen eingeschoben. Bei größeren Tragweiten der Deckenbalken können auch tragende Zwischenwände eingestellt sein, im Originalzustand, wie auch verursacht durch spätere Ein- und Umbauten.
Grundsätzlich lassen sich auch später neue oder andere Ebenen einfügen. Wie und auf welche Weise muß aber örtlich geklärt werden. Dies ist aber abgesehen von der architektonischen Überlegung, eher eine technische Frage.
Der Königsweg wäre die Einschaltung eines o. g. Fachmenschen und die Abklärung bautechnischer Problematiken mit dem zugehörigen finanziellen Aufwendungen und dann erst zur Bank.
Die paar Euronen für eine Begehung sind meist gut angelegt, denn Sie bringen vornehmlich Herz und Bauch mit (ohnen was Böses unterstellen zu wollen) und der Ekspärde Augen und Verstand.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri
planen + bauen mit holz
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Malangeri - planen + bauen mit holz | | 18.10.05

Sachvesrtändiger -auf jeden Fall


Wir werden das Haus definitiv mit einem Profi besuchen, das ist fest geplant. Aber die Schere ist natürlich da : Geht es nicht, kann ich mir das sparen und umgekehrt.

Hatte das Hallenhaus so verstanden, als ob die Dachkonstruktionnur auf zwei bzw. vier Ständerreihen aufliegt und dazwischen quasi nichts nötig ist.

Gibt es vielleicht Eigner ähnlicher Gebäude, die mir mal eine grobe Umrisszeichnung zukommen lassen können?

Danke
Martin
wird schon...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 18.10.05

Infos zum NDHH


Ich hab hier einen interessanten Link gefunden:
http://www.kirchner-raddestorf.de/heimat/regional/ndswohn.htm
Da wird schon einiges beschrieben und dargestellt.
Im Prinzip hast Du recht, aber wie schon gesagt durch Umbauten oder Setzungen muß der ursprüngliche Lastverlauf nicht mehr unbedingt vorhanden sein.
Nächste Fragen wären, ob sich die vorhandenen Querschnittsgrößen und Tragweiten mit der künftigen Nutzung und den heutigen statischen Forderungen vereinbaren lassen.
Was machen die Fundamente und Gründungen der einzelnen Ständer?
Viel Spass beim Forschen wünscht
Martin M.
planen + bauen mit holz
Mitglied der Fachwerk.de Community
Malangeri - planen + bauen mit holz | | 18.10.05

Niederdeutsches Hallenhaus


Guten Abend,
wenn Sie mal ein wenig "googeln" zu den Themen
Niederdeutsches Hallenhaus
Zweiständer-Fachwerkhaus
Ankerbalkenvierständer,
werden Sie Grundrisse und Schnitte die Menge finden.

Das Zweiständerhaus hat die angenehme Eigenschaft, alle möglichen Umbauten zuzulassen, auch eine Ebene im Dachraum mit dann noch ordentlicher Raumhöhe. Wenn Sie dann nicht alles über die Giebel belichten wollen, brauchen Sie allerdings Gauben auf der Seite, alles möglich und Vorbilder gibt es genug.

Außerdem kann man in einer Ecke anfangen und, wenn später mehr Geld da sein sollte oder eben eine Generation später (die wollen auch noch bauen) macht man an der anderen Ecke weiter.

Vom Typus her gibt es kaum etwas umbaufreundlicheres als das NDH.

Gutes Gelingen

Dietmar Beckmann
Neue Nutzungen für alte Gebäude
Mitglied der Fachwerk.de Community
Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | | 18.10.05

Fotos machen und ins netz


Sehr geehrter Herr Kreplin,

Art bzw. Typ der Ständerbauweise ist entscheidend für Ausbau und Nutzung des 1.OG bzw. event. auch ausgebauter Spitzboden (wegen Lastabtrag auf innenliegende bzw. auch außenliegende FW-Wände)

weiterhin: ist "Heuboden" zwischengestützt? oder als reines Sparrendach ausgeführt?

"Neue Ebene einziehen" bei Dachausbau ist nur möglich wenn darunterliegende Ständer vorhanden sind, auf welche gestützt werden kann.

Gruß Frank
Altes und Schönes erhalten !
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro für Baustatik - Weimar | | 18.10.05

hallenhaus-Bilder aus der Bilddatenbank: