Schädliche Innendämmung Fachwerk?

Schädliche Innendämmung Fachwerk?Liebe Community,

dies ist unser erster Beitrag und ich möchte mich anfänglich kurz vorstellen. Mein Name ist Matthias Sawatzki, 38 Jahre alt, beruflich eher im Büro und mit IT zu tun und wir bewohnen ein historisches Häuschen an der Mosel. Nach und nach sanieren wir unser Heim und nutzen dieses Forum dankbar als Hilfe und Infoquelle. ...nun also auch ein Beitrag von uns:

Projekt:
Wände in einem Zimmer sollen neu verputzt werden.

Hierzu entfernten wir die Tapeten an einer Aussen-Wand und stellten fest, das diese auf Gipskartonplatten mit aufgeklebten Polystyrolschaum (insg. ca. 3 cm dick) angebracht waren. Diese Platten waren wiederum auf Tapete gesetzt worden. Nachdem ich diese ebenfalls komplett entfernte bot sich uns folgendes Bild (siehe Foto https://www.dropbox.com/s/0j7jygjxgw35ey1/2.jpg?dl=0).

Gut zu erkennen ist das Fachwerk, welches sich hell von den dunkleren Flächen abzeichnet. In der Mitte (braun) vermute ich Lehmputz über eine verschlossene, ehemalige Fensteraussparung.

Spontan habe ich die Flächen mit einem Feuchtigkeitsmesser (den ich für Brennholz benutze) gemessen. Die hellen Wandflächen hatten ca. 10% und die dunklen ca. 15% Feuchtigkeit. An dem Holz, welches ich an einer Stelle freigekloppt habe, wurde kein Wert angezeigt (wohl zu gering für das Gerät).

Nun meine Fragen:
1. Vermute ich es korrekt, das sich hinter den entfernten Platten Feuchtigkeit gebildet hat und daher die dunklen Flecken kommen (Foto https://www.dropbox.com/s/m84jstlt8sfopy0/4.JPG?dl=0)?

2. Sind die dunklen Stellen als Schimmelbefall zu betrachten? Es ist kein Geruch wahrnehmbar und "feucht" wirkt die Wand auch nicht. Mir ist bewusst, dass Fotos keine präzise Aussage auf Schimmel geben können - evtl. hat hier ja doch der eine oder andere Erfahrungswerte zum teilen. Ich überlege auch Proben in ein Labor u senden. (Foto https://www.dropbox.com/s/95nkub0sj4vnc8t/5.JPG?dl=0)

3. Ist die Vermutung richtig, dass das Fachwerk / Holz in der Wand die Feuchtigkeit besser nach aussen geleitet hat und deshalb die Fläche über dem Holz "heller" sind als der Rest? (Foto https://www.dropbox.com/s/4z3vgwszyqcurwb/6.JPG?dl=0)

Schon einmal herzlichen Dank für Ihre Zeit und Antwort.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.01.16

Feuchtigkeit wegen Innendämmung mit Styropor


Es wird sich um Feuchtigkeit handeln.
Es wird sich um Schimmel handeln, soweit das von einem Foto beurteilt werden kann.
Die Ausgaben für das Labor kannst du dir sparen.
Einfach sorgfältig abkratzen- besonders Tapeten- und Leimreste- und behandeln.
Die Wärmedämmung wird wegen der Holzbalken an diesen Stellen besser sein und daher weniger Kondensfeuchte angefallen sein.
Putz leitet wegen höherer Kapillarität Feuchtigkeit besser ab als Holz- vor allem könnte dieses auch noch behandelt worden sein.
Es handelt sich doch wohl um eine Außenwand?

Allerdings wäre es günstiger, die Wand zu dämmen- diesmal aber mit kapillaraktiven Dämmstoffen-zB Holzfaserplatten hohlraumfrei ansetzen und Verputzen (Kalk- oder Lehmputz, wobei Kalk wegen hoher Alkalität besser gegen Schimmel wirksam ist)

Ohne Dämmung kann sich auch Kondensat und in der Folge Schimmel an der Innenseite der Wand bilden-
zudem nimmt die ungedämmte Wand viel Wärme auf und führt so zu unangenehmen Kältegefühlen.

Andreas Teich

Innendämmung


Ob für das Fachwerk diese Art der Innendämmung die beste Wahl gewesen ist bleibt erst mal fraglich. Dazu kam noch die laienhafte, fehlerbehaftete Montage.
Grundsätzlich zur Innendämmung bei Fachwerk:
Generell- das gilt für alle Arten von Außenwänden- sollte eine Auffeuchtung der Wand durch Bewitterung ausgeschlossen sein.
Bei Sichtfachwerk ist das nicht vermeidbar. Falls bei Ihnen Sichtfachwerk vorliegt dann ist eine Innendämmung nur bis zu einer gewissen Dämmwirkung ratsam da sonst die Wand im Winter vom inneren Wärmenachschub abgetrennt wird. Die Heizungswärmeverluste helfen die Wand von innen heraus trocken zu halten. Zu wirksame Dämmung verhindert das, die Hölzer bleiben länger feucht und sind anfälliger gegen holzzerstörende Organismen.
Wenn gedämmt wird dann wie gesagt mit moderaten Dämmwerten, einer kapillaraktiven Innendämmung und vorzugsweise in Kombination mit einer Wandheizung. Kapillaraktiv deshalb weil so die Austrocknung der Außenwand im Winter auch nach innen stattfinden kann.
Die verbaute Dämmung (Rigitherm) ist nicht kapillaraktiv. Sie funktioniert nur schadensfrei wenn:
- die Außenwand vor Auffeuchtung durch Witterung geschützt ist,
- die Dämmung hohlraumfrei und luftdicht aufgebracht ist
und
- sich der Feuchteanfall aus dem Innenraum im normalen Rahmen bewegt.

Rigitherm auf Tapete zu Kleben war natürlich Blödsinn. Vermutlich wurden die Platten auch nicht luftdicht aufgebracht und konnten so von warmer Innenluft hinterströmt werden.
Wie waren die Platten denn angebracht?
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.01.16

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