Photovoltaikanlage - Sparmöglichkeit oder Kostenfalle?

Saubere Energie aus Sonne, Wind und Wasserkraft - statt Kohle, Gas oder Öl verbrennen. Eine wachsende Zahl von Haushalten setzt auf Ökostrom. Dabei geht es nicht nur um Strom, der in Mietwohnungen aus der Steckdose kommt. Wer das Projekt Eigenheim in Angriff nimmt oder die Modernisierung einer Immobilie plant, hat fast immer die Option Photovoltaik mit auf dem Programm.

Solarzellen
Solarzellen auf dem Dach - lohnt sich eine solche Anlage auch für Fachwerkhäuser?

Ob das "Minikraftwerk" auf dem Hausdach am Ende Wirklichkeit wird, steht auf einem anderen Blatt. Hintergrund: Die Errichtung einer Photovoltaikanlage kostet Geld, das nicht immer durch die Einnahmen aus der Einspeisevergütung gedeckt wird. Denn nicht immer lohnt sich die Anlage aufgrund der Rahmenbedingungen. Und als Besitzer muss man auch darüber nachdenken, wie Instandhaltung oder Wartung finanziert werden und wie die Anlage abzusichern ist.

Dennoch: Laut Bundesverband Solarwirtschaft e.V. waren Ende 2013 circa 1,4 Millionen PV-Anlagen in Betrieb. Gemeinsam haben diese eine Kapazität von 35,7 GWp erreicht. Was in den letzten Jahren zu dem Ausbau der Solarstromgewinnung beigetragen hat, sind die Förderungen. So konnten für eine im Januar 2010 in Betrieb gegangene Anlage deren Besitzer mit einer Einspeisevergütung bis rund 39 Cent rechnen. Inzwischen sind diese Sätze deutlich gesunken. Ab August gibt es nur noch bis 12,79 Cent je Kilowattstunde.

Das aktuelle Strompreisniveau - wo geht es preislich hin?

Ob sich die Solaranlage auf dem Dach rechnet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Da die Erträge direkt an die Sonnenscheindauer geknüpft sind, spielt die Lage eine Rolle. Aber auch der Strompreis wirkt sich auf die Frage aus, ob Photovoltaik eine Sparmöglichkeit oder Kostenfalle ist.

Welche Entwicklung ließ sich hier in der Vergangenheit beobachten? Und wo wird der Trend in Zukunft hingehen? Die Strompreisentwicklung vergangener Jahre lässt sich hervorragend an den Daten zur Energiepreisentwicklung des Statistischen Bundesamts ablesen.

Hier hat zwischen 2010 und 2015 ein Preisanstieg bei den Verbraucherpreisen von circa 25 Prozent stattgefunden. Interessant sind aber nicht nur die letzten fünf Jahre. Blickt man insgesamt zehn Jahre zurück, liegen zwischen dem Strompreis 2005 und 2015 insgesamt 50 Prozent. Letztlich wird auch in Zukunft damit zu rechnen sein, dass die Energiepreise steigen. Wer hierbei jedoch nicht auf einen Grundversorger setzt, sondern einen günstigeren Stromanbieter wählt, kann laut Verivox.de trotzdem viel Geld einsparen. Gerade Großfamilien mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 kW/h finden danach Sparmöglichkeiten.

Welche Folgen hat das Ganze für den Betrieb einer Solaranlage? Grundsätzlich steht der wirtschaftliche Vorteil auf zwei Säulen - der Vergütung für die Einspeisung und dem Selbstverbrauch. Letzterer wird attraktiver, je höher der Strompreis ist. Denn wer Strom aus seiner eigenen PV-Anlage entnehmen kann, reduziert die monatlichen Ausgaben für elektrische Energie mehr als deutlich.

Photovoltaikanlagen - Die staatliche Förderung

In der Vergangenheit war der Griff zu Photovoltaikanlagen in erster Linie durch die Förderungen attraktiv. Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sollte der Ausbau sauberer Energien gefördert werden. Die Folge: Wer sich für die Inbetriebnahme einer PV-Anlage entschied, erhielt eine Einspeisevergütung.

Solar auf Fachwerk.
Die Einspeisevergütung ist in den letzten Jahren stark abgesunken, wird aber für 20 Jahre garantiert!

Als Bemessungsgrundlage dienten dabei die Zahl der Kilowattstunden sowie die Größe der Anlagen. Beispiel: Dachanlagen erhielten im Mai 2012 bis:

10 kWp 19,31 Cent/kWh
10 kWp 19,31 Cent/kWh
1 MWp 16,34 Cent/kWh
10 MWp 13,37 Cent/kWh

als Einspeisevergütung. Der Vorteil: Die Höhe der Vergütung ändert sich mit dem Jahr der Inbetriebnahme nicht mehr, sondern wird für 20 Jahre festgeschrieben. Was auf den ersten Blick verlockend wirkt, hat gerade in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität verloren.

Schuld sind die stetig sinkenden Vergütungen. Beispiel: Ab Juni 2015 gelten für Photovoltaikanlagen Vergütungssätze von:

bis 10 kWp 12,40 Cent/kWh
bis 40 kWp 12,06 Cent/kWh
bis 500 kWp 10,79 Cent/kWh.

Damit sind innerhalb weniger Jahre die Vergütungen, welche sich mit den Anlagen erzielen lassen, deutlich abgeschmolzen.

Photovoltaik - die Kosten im Vergleich

Trägt man sich als Hausbesitzer mit dem Gedanken, die Photovoltaikanlage zu realisieren, müssen Kosten und Nutzen gegeneinander antreten. Das Problem: Als Laie lassen sich weder die Erträge durch Einspeisevergütungen noch die Ersparnisse durch den Eigenverbrauch oder die Kosten einer solchen Anlage realistisch beurteilen.

Beispiel:

Laut Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. erreichte eine Solaranlage in der Region Döbeln pro kWp im April 2015 etwa 127 kWh, in der Region Passau/Plattling lag die erzielte Leistung bei 123 kWh - war also um circa 3,2 Prozent geringer. In anderen Regionen lagen die PV-Anlagen um teils sechs Prozent über diesen Werten. (Quelle: http://www.pv-ertraege.de/cgi-bin/pvdaten/src/region_uebersichten.pl/kl)

Die erzielten Abgaben der Anlagen lassen sich pauschal nicht beantworten. Und auch die Kosten unterliegen individuellen Faktoren. So kann eine Anlage, die im Zuge der Neueindeckung des Dachs installiert wird, günstiger sein als eine Anlage, für die Hand an eine Bestandsimmobilie gelegt werden muss. Gleichzeitig spielt die Größe der PV-Anlage eine Rolle. Dabei gilt der Grundsatz: Je größer die Anlage, umso niedriger der Preis je kWp.

Für eine PV-Anlage bis 10 kWp sollten Anschaffungskosten zwischen 1.500 Euro bis 1.750 Euro je kWp kalkuliert werden. Damit ergeben sich unterm Strich Kosten, die schnell im hohen vierstelligen bis fünfstelligen Bereich liegen. Zum Vergleich: Ein 4-Personen-Haushalt verbraucht etwa 4.400 kW je Jahr. Legt man einen Strompreis von 29 Cent zugrunde, kostet der Strom etwa 1.276 Euro.

Um diesen Bedarf zu decken, sind je nach Region schnell Anlagen von 4 kWp bis 6 kWp notwendig. Bevor sich solche Anlagen rechnen, vergehen sechs bis acht Jahre durchaus.

Dach mit Solarzellen
Es kommt immer auf den Einzelfall an, ob sich Solarzellen letztlich lohnen!

Fazit: Solarstrom kann sich rechnen

Saubere Energie wird immer wichtiger. Gleichzeitig wird es aber zunehmend schwerer, sich für die richtigen Alternativen zu entscheiden. PV-Anlagen haben über Jahre vor allem wegen der Einspeisevergütung gepunktet. Inzwischen ist diese niedriger geworden, der Eigenverbrauch des Stroms rechnet sich aber immer noch.

Da hierfür wiederum Energiespeicher gebraucht werden, muss die Anlage genau durchgerechnet werden. Gerade als Laie sollte man sich - eben wegen der Hürden, Hindernisse und Schwierigkeiten - auf den Rat von Profis verlassen. Solarberater haben nicht nur die Kosten im Blick, sondern helfen auch beim Bemessen des Ertrags, den die PV-Anlage letztlich abwerfen kann.

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