Neuer Oberputz auf vorhandenen intakten Oberputz? Was beachten?

Liebe Experten,

Nachdem wir unser Stadthaus von 1910 nicht zuletzt dank vieler hilfreicher Tipps vor 8 Jahren kernsaniert haben, wollen wir nun aus rein optischen Gründen die Außenfassade sanieren. Der Putz hier ist an allen Stellen intakt und fest, der Sockel aus Sandstein muss nur an wenigen Stellen saniert werden.
Der Putz passt unseres Erachtens überhaupt nicht zum Haus, wir wollen es mit einer feinen Körnung verputzt haben.
Nun die konkreten Fragen:
1. kann der neue Oberputz direkt auf den fest haftenden gestrichenen vorhanden Oberputz aufgetragen werden. falls ja welche Schritte müssen wir beachten? also müssen wir zum Beispiel ein Netz aufbringen oder ihn nur abstrahlen oder mit welcher Substanz auch immer zunächst behandeln, damit der neue Oberputz auch dauerhaft haften bleibt?
2. Welchen Putz empfiehlt Ihr uns?
3.wir wissen nicht welcher Putz außen auf dem Haus drauf ist, er wurde eher nicht lange vor 2000 aufgetragen. Wie kann ich bestimmen welcher Putz drauf ist? Oder spielt das keine Rolle?
4.wir müssen doch nicht dämmen wenn wir nur neuen Oberputz auftragen, denn das wollen wir auf keinen Fall?

Erwarte gespannt Eure Antworten und hoffe auf hilfreiche Unterstützung wie immer,
Manu
Altbau mit Stil
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 24.02.16

Putzerneuerung


Doch, du müßtest dämmen- Putzerneuerung ist ein ausdrücklich genannter Fall.
Es gibt natürlich immer die Möglichkeit der Befreiung von ENEV-Verpflichtungen zB wegen nachgewiesener Unwirtschaftlichkeit.

Dann fragt sich allerdings warum eine ganz unwirtschaftliche Maßnahme wie Putzerneuerung eines einwandfreien Putzes erfolgen soll ( unbefriedigende Ästhetik ist ein nicht ganz anererkanntes Argument)

Wenn sowohl Putz wie Farbe unbekannt sind ist Neuverputz ohnehin ein Risiko.
Außer bei Kunststoffputzen würde wohl ohnehin Abfräsen des Altputzes notwendig sein.
Warum dann nicht zB Holzfaserplatten befestigen und die mit mineralischem Putz und Silikatfarbe versehen?
Hier muß eine Armierung erfolgen.
Bei Überputzen eines rißfreien bestehenden Putzes ist das nicht notwendig.
Wenn ohnehin ein Gerüst aufgebaut werden muß und anderenfalls Abfräsen des Putzes notwendig wäre ist doch zusätzliche Dämmung sinnvoll- vorausgesetzt das Gebäude ist nicht schon sehr gut gedämmt.

Wie ist der bisherige Wandaufbau?
Kannst du ein Foto davon zeigen?
Putz- und Farbanalyse macht zB www.institut-erfurth.de

Andreas Teich

Putzerneuerung


Hallo Andreas,

herzlichen Dank für Deine rasche und detaillierte Antwort, auch wenn sie mir gar nicht gefällt.
Hatte wohl schon zu gut verdrängt, dass bei der Altbausanierung meist nichts einfach mal unkompliziert geht.

Also mit Dämmung kann ich mich überhaupt gar nicht anfreunden. Unser Haus ist wirklich wunderbar mit dem Lehmstreichputz innen, selbst im Bad musst Du nach Duschnebelschwaden, wenn Du nicht möchtest nicht lüften, kein Spiegel beschlägt, überhaupt nicht der Hauch von Feuchtigkeit irgendwo, selbst im Keller nicht. Von der Ästhetik mit den dann noch tiefer zurückliegenden Fenstern und dem Überstand am Sandsteinsockel als eine Folge der aufgebrachten Dämmung ganz zu schweigen.
Ich habe definitiv keine Ahnung wie der genaue Wandaufbau ist, unser Nachbar beteuert er sei sich sicher, dass eine Dämmung bei der putzsanierung aufgebracht worden sei, aber das ist alles nicht mehr nachvollziehbar. Es war das Elternhaus einer über 90 jährigem alleinstehenden dementen, mittlerweile verstorbenen älteren Dame.

Wie dick müssten denn die Holzfaserplatten sein?

Ich habe natürlich ein Foto von unserem Haus von außen, aber keines von einem Wandquerschnitt, soweit ich weiß(vielleicht bei der fenstersanierung, ich suche mal).

Ein großes danke auch für den Tipp mit dem Institut Erfurth,

Grüße
manu



,
Altbau mit Stil
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.02.16

Fassadendämmung


Hallo manu,
Die Stärke der Dämmung ist nicht vorgeschrieben-
nur der max U-Wert der Fassade ist mit 0,24 W/m²K vorgegeben.
Infos dazu findest du ua hier:

http://www.enev-online.com/enev_2014_volltext/anlage_03_anforderungen_aenderung_aussenbauteile_bestand.htm

Wie dick ist die Außenwand?
Wann wurde das Gebäude errichtet?

Ob du EPS oder Dämmputz an der Fassade hast läßt sich leicht feststellen.
Bei Klopfen hört sichs hohl an und mit einem langen Nagel läßt sich die Dicke feststellen.

Kennst du die bisherigen Heizkosten?
Evt läßt sich der Putz vorsichtig abfräsen/-Schleifen, dass es auch ohne kompletten Verputz funktioniert- allerdings ist das zweifelhaft.
Es ist auch nicht sehr wahrscheinlich, ob überhaupt jemand auf die Idee mit der ENEV-Anwendung kommt- vor allem wenn dein Nachbar sicher ist, dass schon gedämmt wurde.

Eine Berechnung zu bekommen, die du im Falle des Falles vorlegen kannst wäre sicher günstig.
Statt einem Gutachten kannst du auch erst einmal versuchen eine Aussage von einem erfahrenen Malerbetrieb zu bekommen- vielleicht hat ja einer bei euch die Fassade schon bearbeitet?

Andreas Teich

Putzerneuerung


Hallo Andreas,

nochmals herzlichen Dank für deine Antworten und Tipps.

Die Fassade scheint tatsächlich gedämmt worden zu sein, zumindest weisen die Klopf- und Nagelproben darauf hin. Von daher dürfte uns die EnEv Verordnung kein Kopfzerbrechen mehr bereiten.

Abschließend noch zu Deinen Fragen:
Das Haus ist von 1910, unsere Heizkosten sind bei 200 m² Wfl. und insgesamt recht "offener" Bauweise mit einem Jahresverbrauch von 14-18.000KWh auch noch im akzeptablen Bereich.

Wir werden uns nun von 2 oder 3 Fachfirmen ein Angebot und deren fachkundige Meinung einholen...

Vielen, vielen Dank!!!
manu
Altbau mit Stil
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 28.02.16

Oberputz-Bilder aus der Bilddatenbank: