Neuer Bodenbelag/Türen vom Dankmalamt vorgeschrieben

Neuer Bodenbelag/Türen vom Dankmalamt vorgeschriebenHallo,

wir sind seit Juni stolze Besitzer eines tollen Fachwerkhauses. Dieses ist etwa 1397 erbaut worden und in den 70er/80er Jahren komplett saniert worden. Im 2.OG war bisher eine Galerie untergebracht, wir wollen hier unsere Wohnung unterbringen. Wände müssen gezogen werden, neue Installationen ect. Das Denkmalamt schreibt uns nun Böden und Türmaterialien vor, obwohl bisher ein Sisalteppich aus den 80ern verlegt ist und keine alten Dielenböden mehr darunter vorhanden. Auch sind außer einer Bohlenwand, die geschützt werden muss und von uns auch sichtbar integriert ist, keine alten Türen, Wände ect. vorhanden sondern werden diese von uns erstmalig eingerichtet. Darf das Denkmalamt hier Vorschriften machen? Wie sieht es aus mit der Wangestaltung? Hier sind zwischen den alten Balken, die wir natürlich so erhalten wollen, neue! Holzbretter verabeitet.
Darf man uns hier zum Anstrich vorschreiben, welche Farbe wir bentzen? Es geht alles um den Innenbereicht und wir sprechen nicht von Pink ect., sondern einfach einer deckenden Farbe.
Vielen Dank für Eure Erfahrungen.
Wir schaffen das schon!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.10.16


es ist zu klären , welchen denkmalrechtlichen Status das Objekt hat. Dann läßt sich mehr sagen zu "Dürfen" oder "nicht Dürfen". Zu Raumgestaltung, statisches Gesamtgefüge, Wandaufbau, noch vorhandene historische Bausubstanz Umfang/Ergebnis der sog. Sanierung aus den 70/80 Jahren. gibt es hier keine noch Informationen.

M.E. wird es sich bei dem Haus sicher um ein EINZELDENKMAL handeln, dann halte ich es für ein fachliches Armutszeugnis, wenn das Engagmenet des DS sich nur auf die Auswahl der von ihnen genannten Punkte beschränkt.
Bei historischen Wandaufbauten sollte man moderne Farben (z.B. Dispersionswandfarben) meiden, diese sind oft ungeeignet.

Nutzen sie die Chance eine authentische zum Haus passende Wohnung zu errichten idalerweise auch mit historischen Baustoffen und keinen Gipskarton mit MIWO und Plaste oder Porenbeton in/vor die Außenwände.
Ich glaube kaum, das Türen, Wände ect. von ihnen erstmalig eingerichtet werden, es werden sich mit Sicherheit noch geeignete Spuren finden, die Berücksichtigung finden sollten, gerade wenn sie vorhandene Böden/Wände erneuern/umgestalten. Sie wollen in einem FWH wohnen, da stellt sich nicht die Frage nach dem erhalten wollen von alten Balken, sie müssen diese erhalten.

Leider ist in den letzen 100 Jahren viel Wissen um Fachwerkhäuser verloren gegangen oder wurde durch standardisierte Lösungen der Bauindustrie ersetzt mit der Folge, das von dem ursprünglichen FW nur noch eine schmucke Hülle übrig geblieben ist, vollkommen seiner Funktion beraubt und innen ein Neubau aus Beton, Stein Stahl und Gipskarton steht. Ob Häuser mit derartigen beliebten "Kernsanierungen" die näcshten 100Jahre überdauern bezweifle ich. Lieder sind viele Häuser mit umfangreichen Sanierungen zwischen 1970 und 2000 heute nach nur wenigen Jahrzehnten bereits massiv geschädigt und erneut sanierungsbedürftig.

Ihr Haus sieht von außen gut aus, Innenansichten der zukünftigen Wohnung wären interessant. Ich vermute mal die ehem. Galerie ist "modern" gstaltet und der DS möchte bei Umnutzung zu Wohnzwecken die Gelegenheit nutzen und das Haus in einen historisch passenderen Zustand umgestalten. Das ist aber ein Blick in die Glaskugel. Suchen sie das Gespräch mit dem DS und deren Wissen (sofern vorhanden) billiger können sie das nicht bekommen.

Gruß
Selle
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.10.16

Eigentlich


war ich der Ansicht, der Denkmalschutz hätte sich in Mitteleuropa (vor allem Österreich und Deutschland) generell gegen Rekonstruktionen entschieden und würde nur den Erhalt vorhandener, schützenswerter Substanz fordern?

Da ist die hier geschilderte Situation doch das genaue Gegenteil!
Des woa scho immer so!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 18.10.16


Hallo Joe,

1397 ist echt eine "Hausnummer"... kein Wunder dass da Denkmalschützer - und Denkmalliebhaber! - ein Auge drauf haben. Mein Haus ist vermutlich etwa 280 Jahre jünger und trotzdem habe ich gern mit "meinen" Denkmalschützern abgestimmt was ich umsetzen wollte.

Auch mit "einfach einer deckenden Farbe" kann man besonders im Fachwerk einiges falsch machen, da / wenn sie Feuchtigkeit nicht ausreichend durchlässt. Ein diffusionsoffener Putz ist da vermutlich eher angebracht. Falls Ihr nicht sowieso schon einen habt, sucht Euch einen / eine SEHR erfahrenen Experten die möglichst lange schon Fachwerkhäuser sanieren. Euer Schmuckstück hat es verdient!

Nicht zuletzt: Wenn Ihr Euch mit Euren Denkmalpflegern gut stellt, ist es viel einfacher die Kosten steuerlich anzusetzen. Letztendlich geht es darum welche Kosten aufzuwenden sind um das Denkmal zu erhalten.

Extrembeispiel: Der mit OSB-Platten ausgelegte und mit Laminat zugeklatschte Boden hat da sicher weniger Potential als der zum Denkmal passende Boden aus Eichenbohlen... Nach zehn Jahren ist der Eichenboden vielleicht sogar günstiger - schöner und passender ist er auf jeden Fall :-)

Viele Grüße

Dirk

Ps: Ich habe Euer Haus mit den wenigen Informationen nicht gefunden - wo steht es denn? Das Dach ist doch sicher sehr viel jünger? Hast Du mehr Fotos für uns?
: - )
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 23.10.16

Türen-Bilder aus der Bilddatenbank: