Echter Hausschwamm? ---und wie man ihn wieder los wird!

Ich habe gestern im Keller Putzreparaturen durchführen wollen. Beim abklopfen des Putzes auf lose Stellen stieß ich dann auf eine ziemlich große hohl klingende Stelle. Der Putz war allerdings intakt und fest. Fast zu Fest, mehr so eine Art Beton. Dahinter erwartete mich dann das blühende Leben in Form von Myzelfäden man kann fast sagen bis hin zu kleinen Wurzeln. Ich hab dann erstmal großzügig freigeräumt. Der Aktion sind dann unter anderem zwei anliegende Holztüren, deren Zargentragkonstruktion aus Holz völlig vergammelt war, zum Opfer gefallen. Äußerlich war die Stelle bisher unauffällig gewesen, auch den Türen hat man nicht angesehen, was sich hinter der Zarge abspielt. Naja, als dann alles frei lag roch es dann auch ziemlich modrig. Ich hab den Putz an der Stelle komplett entfernt und so gut es ging auch das Myzel. Ich muß jedoch davon ausgehen, daß das Mauerwerk durchwachsen ist. Im nächsten Frühjahr will ich das Haus ringsrum Freilegen und die Abdichtung erneuern, das macht aber jetzt zum Winter hin keinen Sinn. Die Außenwand ist als Hohlschalenmauerwerk ausgeführt. Die Frage ist jetzt, wie behandelt man die schadhafte Stelle nun. Macht es Sinn das Innere Schalmauerwerk zu öffnen um sich die Lage im Hohlraum mal anzusehen und evtl. diesen zu Trocknungszwecken zu belüften? Ich wollte über der ersten Horizontalsperre mal ein bis zwei Steine raus nehmen. Im nächsten Sommer wollte ich dann wie gesagt außen freilegen und das Mauerwerk austrocknen lassen. Anschließend würde ich eine Tränkung über Bohrungen mit Schwammstopper vorsehen, bevor das Mauerwerk außen abgedichtet wird. Was haltet ihr von diesen Injektionen, wenn man die Horizontalsperre "reparieren" will? Gibt es das Injektionsmittel sowie den Schwammstopper auch für Normalsterblicher, oder muß man da ne Baufirma sein?
Bauschaum und Silicon rettet die Nation!!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10


Generell muss erstmal klar sein um was es sich handelt.

Haben Sie Fotos gemacht?

Grüße aus Schönebeck


anonymus | 15.11.10

Und von außen aufgraben ist Unsinn...


..denn von unten können Sie doch nicht abdichten.
Oder glauben Sie, dass das Wasser nur von der Seite eindringt?
Aber warten wir auf die Bilder.
Alles gegen feuchte Wände und Keller
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10


nein, das denke ich nicht, da die Horizontalsperre ja immer im Eimer ist. Ich wollte von außen die Vertikalsperre erneuern und dann dämmen und ein Drainagesystem einbauen, um das Wasser vom Haus fernzuhalten. Die Horizontalsperre wollte ich mit einer Injektionslösung wieder herstellen. So haben wir das schonmal vor ca. 15Jahren gemacht und es ist bisher ohne Beanstandungen. Hier geht es aber erstmal um die Behandlung des Mauerwerkspilzes und die Problematik des Schalmauerwerks
Bauschaum und Silicon rettet die Nation!!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10

Hausschwamm


Hallo, es sollte als erstes eine Analyse des Schwamms erfolgen, kostet ca 100 Euros, beim Zimmermann ist so ein Test erhältlich. Man muß zuerst sehen, ob es wirklich der echte Hausschwamm ist. Als nächstes wird alles sauber abgetragen, die Fugen tief ausgekratzt und dann das gesamte Mauerwerk abgeflammt. Anschließend erfolgt eine Injektion des Mauerwerkes mit einer Borsalzlösung. Wenn man an die Lösung und die Injektionsdübel kommt, ist das sicher in Eigenleistung zu machen...
viel Glück
Harry
viele Wege führen nach...wohin?
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10


Vielen Dank für die Konstruktive Antwort. Bilder habe ich leider keine gemacht, aber ich kann morgen mal sehen, ob ich noch Bilder von Myzelresten auf dem Schutthaufen machen kann. Mir war erstmal wichtig, daß das Zeug raus kommt.

mit dem Borsalz das hatte ich auch schon gelesen. Ich würde das dann als Tränkinjektion ausführen und dazu die Bohrungen 45° nach unten verlaufen lassen um auch die Fugen Flächendeckend zu erreichen. Die Tränkinjektion (drucklos) soll effektiver sein und man bräuchte keine Dübel. Ich nehme an das Mauerwerk muß dazu abgetrocknet sei? Oder kann man das sofort nach dem Abflammen anwenden? Gibt es einen Richtwert für die einzubringende Salzmenge? Macht es Sinn den Hohlraum des Schalmauerwerkes zu öffnen?

An anderer Stelle im Hauskeller hatte ich ähnliches. Dort habe ich den Putz abgeschlagen und Myzelfäden festgestellt, jedoch wesentlich filigraner als im oben beschriebenen Fall. Interessanterweise wuchs quasi über nacht an der nun nackten Wand ein Fruchtkörper. Das paßt auch gut zum Verhalten des "Echten Hausschwamms" der ja bei Wachstumsstop und Nahrungsknappheit auch schnell wachsende Fruchtkörper bildet, um Sporen bilden zu können. Bild zeigt den ausgewachsenen Fruchtkörper nach wenigen Tagen.
Bauschaum und Silicon rettet die Nation!!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10

die


Dübel brauchts nur, wenn's nicht nach unten laufen kann. Bei mir wurde so auch die Feuchte Wand getränkt. Wichtig ist, so denke ich, daß das Zeug ( Schwamm ) nicht aufwärts wandert. Vermutlich hilft da nur genau gucken. Ich würd dennoch eine Analyse machen lassen. Der Hohlraum ist durchaus ein Spezialfall. Bei normalem Mauerwerk würd ich keine Spezialfirma mehr kommen lassen, das grenzte schon an Wucher...
Harry
viele Wege führen nach...wohin?
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10

Versuch und Irrtum


René Descartes (1596–1650)Natürlich kann man alles selber machen, aber meist ist der Weg sehr steinig und lang. Am Ende des Weges stellt manch einer nach vielen bitteren Erfahrungen fest, dass es vielleicht sinnvoller gewesen wäre für fremde Hilfe einige Euros zu opfern.

Es geht eigentlich nicht darum irgend etwas zu tun, was wie eine sinnvolle Maßnahme ausschaut, sondern es geht darum, zu wissen was hier sinnvoll ist. Die Fachleute die wirklich wissen wie damit umzugehen ist, sollen wie in vielen anderen Berufen auch bitte ihr Geld dafür verdienen dürfen.

Wer je sein Haus selber saniert hat, kennt die Erkenntnis, dass man erst nach der Fertigstellung weiß, wie man es hätte richtig machen sollen.

Die Heuristik als die Kunst mit begrenztem Wissen und wenig Zeit zu guten Lösungen zu kommen, sollte ihre Heimat in den Grenzgebieten der Wissenschaft haben, nicht im erprobten Handwerk.

Trotzdem viel Glück


PS:
Beutelschneider, Gaugler und Scharlatane gab es nicht nur im Mittelalter. Daher Vorsicht!
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 15.11.10

Tja


prinzipiell haben Sie vielleicht Recht, hätte ich ihre Adresse gekannt, wären Sie mir näher gewesen...
Wenn aber Arbeiter erscheinen und gleich sagen, normalerweise macht das ja ein anderer....und zu Fragen waschige Antworten geben, dann ist man bei Tagesrechnungen von 2500 Euros schon nachdenklich...
Harry, der auch im Handwerk sein Geld verdient
PS: nachdem sie so viel nachbearbeiten ;) mach ich es auch... es war eine höchst anerkannte Firma, die mit wenig Aufwand den Kostenvoranschlag nicht eingehalten hat
viele Wege führen nach...wohin?
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.11.10


hier nochmal ein paar Bilder vom Myzel hinter dem Putz. Ist zu erkennen, daß es der echte Hausschwamm ist?
Bauschaum und Silicon rettet die Nation!!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 17.11.10


Hallo Hensel,

Sie haben drei Möglichkeiten:

1. Sie holen sich mal einen Fachmann zur Bestimmung der Pilze auf die Baustelle.
Die finden Sie z.B. hier:

http://www.dhbv.de/firmen-plz.php?menuid=151&pca=14&fType=Holzschutz

2. Sie schicken mal ein paar Proben ins Labor.
Die finden Sie z.B. hier:

http://www.dhbv.de/firmen.php?sect=Pruefinstitut_Holzschaedlinge&phpMyAdmin=NqcSIHxoQWGU5C8Q1DoqhTU0oS9

3. Sie lassen hier weiter raten.

Grüße aus Schönebeck


anonymus | 17.11.10

Neugier


Ich habe mir die Bilder jetzt endlich mal in der Originalgröße ansehen können, und muss sagen: es gibt noch Hoffnung, dass es sich zumindest bei den abgebildeten Pilzen nicht um den Echten Hausschwamm handelt. Bei dem Mycel unter dem Putz habe ich Tintlinge oder evtl. auch Fältlinge (früher als seltene Hausschwämme bezeichnet) im Verdacht. Tintlinge wären dann allerdings nicht für die vollständig verfaulten Türzargen verantwortlich. Die Fruchtkörper aus dem anderen Kellerraum sind nicht sehr deutlich abgebildet, doch passt die Färbung der Fruchtschicht nicht zum Echten Hausschwamm (Foto evtl. farblich verfälscht?).

Ein Fachmann vor Ort ist also von Nöten. Möglicherweise können Sie auf die komplette Schwammsanierung verzichten. Vielleicht sind aber auch mehrere Pilze im Keller vorhanden, darunter auch der Echte Hausschwamm. Auch hier kann Ihnen der Fachmann wieder sagen, wo und wie saniert werden muss und wo nicht. Sie können also nur Geld sparen.

Haben Sie noch weitere Fotos von diesen interessanten Fruchtkörpern und könnten mir diese zusenden (E-Mail-Adresse siehe Profil)? Sollten schon Untersuchungsergebnisse vorliegen (Labor oder Sachverständiger), würde mich das Ergebnis ebenfalls interessieren.

Gruß
Boris Blenn
[...]
Mitglied der Fachwerk.de Community
Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. Boris-A. Blenn GmbH | | 01.12.10

Ganz einfach...


...den Fachmann von um die Ecke mal kommen lassen.
NATUFA in Berlin kann ich da wirklich nur wärmstens empfehlen.
Und das deckt sich ja auch mit einigen Antworten hier im Textbereich.

Grüße Udo Mühle
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 12.02.11