Fensterläden restaurieren (hier Abbeizen)

Hallo liebe Community,

Bisher habe ich hier schon sehr hilfreiche Tips bekommen und deswegen
stelle ich mal eine neue Frage.

Einer der wenigen architektonisch interessanten Merkmale meines
Bauernhaus sind die ca. 100 Jahre alten Fensterläden (Kassetten etc.).
Entsprechend des Alters ist aber leider auch der Zustand.

Trotzdem möchte ich sie restaurieren. Bevor ich mit dem neuen Anstrichaufbau
bzw. aussbessern der beschädigten Stellen beginnen kann, muss der alte Lack ab.

Als erstes habe ich die Methode mit Heißluft und Spachtel probiert. Das geht, ist aber äußerst
mühsam (langwierig).
Als zweite Methode habe ich Abbeizen probiert. Das scheint schneller zu gehen
aber ich haben den Eindruck, dass die Beize das Holz aufweicht.
Verwendet habe ich eine Beize (gelförmig) auf Basis von Methylenchlorid/Dichlormethan und aromatischen Kohelwasserstoffen.

Nun die Frage: Mit welchem Mittel hattet ihr den besten Erfolg beim Abbeizen?

MfG

Andreas


Andreas | 25.10.04

Immer tief durchatmen


Hallo Andreas,

da hast Du Dir ja die richtige Brühe ins Haus geholt. Aromatische KWs gehören so ungefähr zum schlimmsten, was man sich antun kann.

Zum Abbeizen wurde hier schon viel geschrieben. Gib doch mal die Suchworte Kalium- oder Natriumhydroxid ein.

Gruß

Bernd


anonymus | 25.10.04

Ökologie !!!!


Meine Wenigkeit im Büro  1   (der junge Kerl)Lieber Andreas

Ich verstehe dein Bestreben zu sparen.

Jedoch:
Aus ökonomischen und besonders aus ökologischen Gründen rat ich dir zu professionellen Abbeizfirmen zu gehen.

Gruß


Lutz Parisek
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 25.10.04

Natriumhydroxid


Hallo Bernd,

Unter Natriumhydroxid finde ich nur einen Eintrag (da scucht jemand große Mengen NaoH).

Die Frage ist nur ob NaOH auch bei Farben auf Kunstharzbasis wirkt (ich gehe davon aus das mindestens eine solche Farbe zum Einsatz kam)?

Gruß

Andreas


Andreas | 25.10.04

Ökologie


Hallo Lutz,

Ökologie ist auch ein wichtiges Thema für mich. Wenn ich hier eine Firma in der Nähe fände würde ich bestimmt zumindest einen Kostenvoranschlag einholen.

Natriumhydroxid (wenn es dann für die betreffende Farbe wirken sollte) sollte aber unkritisch sein. Das lässt sich prima mit HCl neutralisieren und gibt dann Kochsalz und Wasser. (Und zugegebenermassen Farbreste).

Gruß

Andreas


Andreas | 25.10.04

@ Andreas


Geh mal bitte auf den Beitrag "Holzschutz aussen" im Forum vom 20.10.04. und / oder auf Erfahrungsberichte (links in der Navigation), Seite 2 - Abbeizen mit Kalk.

Übrigens: zum Neutralisieren mußt Du nicht HCl verwenden. Verdünnte Essig-Essenz aus dem Küchenschrank tut's auch - und dann nochmals Nachwaschen.

Da die Farbe auf Deinen Fensterläden schon etwas älter zu sein scheint, ist die Chance groß, daß noch alkalisch lösliche Farben verwendet wurden (Öl und Alkyd).

Alkydfarben gehören im Sprachgebrauch zwar zu den Kunstharzlacken, sind aber im Prinzip ein Bindeglied zwischen den natürlichen Ölfarben und den anderen Kunstharzen, die aus Erdölprodukten hergestellt werden - in dem Fall müssen dann andere Mittel ran.

Viel Erfolg

Bernd


anonymus | 25.10.04

NaOH


Hallo Bernd,

Vielen Dank für die Info über den Beitrag.

MfG

Andreas


Andreas | 25.10.04

Abbeizer selbst herstellen.!?


Hallo Andreas, in diesem Forum ist auch schon allerhand geschrieben worden, wie man ökologisch verträglichen Abbeizer selbst herstellt: Aus Löschkalk und Schmierseife.
Was an alten Küchenschränken geht, wird an Fensterläden auch gehen.

Zum Eintrag von Lutz Parisek: Bei professionellen Abbeizfirmen hat man freilich selbst den wenigsten Aufwand und Probleme auf seinem eigenen Grundstück. Eben nur die Kosten. Auch das Holz erscheint dann wundervoll abgelaugt. Aber weil meistens Volltränkung erfolgt ist das Holz hinterher kein Holz mehr. Ich habe auch schon erlebt, daß eine so abgelaugte Tür beim Einhängen in alle seine Einzelteile auseinander fiel, weil sämtliche Verleimungen zersetzt waren. Und schon beim Anfassen bekam man Juckreiz durch die aufgesogene Chemie. Wie gesagt, das war hinterher kein neutrales Holz mehr...

Wieviel man sich selbst als Arbeit zumutet oder was man als Fremdarbeit weggibt, muß jeder selbst entscheiden. Da kann man schwer Empfehlungen geben.
Freundliche Grüße
D.Fr.
Es gibt noch viel zu tun, packen wir´s an.
Mitglied der Fachwerk.de Community
Dipl.-Restaurator (akad.) | | 25.10.04


Hallo Dietmar,

Vielen dank für Deinen Beitrag. Erstmal hast Du mir das richtige Wort für die Suchmachine gegeben. Außerdem ist Dein Argument mit dem Tauchbad für mich sehr wichtig.
Wie gesagt sind die Fensterläden in einem bedauernswerten Zustand und es wäre höchst ärgerlich nachher die schön abgelaugten Einzelteile in der Hand zuhalten.

Ich werde also mal die Variante gel.Kalk + Schmierseife oder NaOH+Tapetenkleister ausprobieren.
Das neutralisieren mit Essig (von Bernd) erscheint mir
auch sinnvoller, da man ja auch die Reste auf dem Holz neutralisieren soll und auf Holz macht sich HCl wahrscheinlich nicht so gut.


MfG

Andreas


Andreas | 26.10.04

Nachschlag


Hallo Andreas,

stell bitte erst einmal fest, ob es sich um Nadel-oder Laubholz handelt. Bei Nadelholz ist Kaliumhydroxid besser, weil schonender für das Holz.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß sich bei Teilen mit sehr vielen Winkeln eine "flüssige" Lauge besser einsetzen läßt als die Variante mit Kalk-Schmierseife. Die läßt sich auf großen Flächen, die du nicht ins Tauchbad bekommst oder in eine Wanne stellen kannst, besser einsetzen.

Bei der Laugenvariante brauchst Du im Prinzip keinen Kleister. Die kannst Du in entsprechender Verdünnung einsetzen.

Mach aber erst einmal einen Test, ob sich die alkalischen Mittel überhaupt eignen.

Gruß

Bernd


anonymus | 26.10.04


Nochmal vielen Dank Bernd für die zusätzliche Info. Welche Holzart kann ich leider nicht sagen und auch nicht bestimmen. Das scheint aber nicht unwichtig zu sein, wenn man dem folgenden Artikel Glauben schenkt:

http://www.aec-fallmann.at/tipps.html

BTW: Auch der Tip von Lutz scheint sehr berechtigt zu haben. (Im Sinne der Umwelt).

MfG

Andreas


Andreas | 26.10.04

Ach du liebe Chemie


Hallo liebe Ökofreaks

Was macht ihr eigentlich mit der ganzen Menge des Chemiecoctails nach dem Abbeizvorgang ?
Verwendet ihr die Brühe mehrmals ?
Wie recycelt ihr das Wasser ?
Wie neutralisiert ihr das ganze ?
Wie garantiert ihr, dass nichts danebenschwappt ? (Ach, hoppla)
Wie geht ihr mit den entstehenden Dämpfen um ?

Die Erfahrung die Dietmar gemacht hat sind erschreckend, bei unserem Partner hab ich das allerdings noch nicht erlebt. Wahrscheinlich ist Ablaugerei nicht gleich Ablaugerei.
Lieber Dietmar, mir geht es hier nicht um den Arbeitsaufwand und die technischen Probleme sondern um die Ökosauereien und gesundheitlichen Gefährdungen die bei diesen Hinterhofaktionen immer wieder entstehen, daher denk ich sollte man doch durchaus Empfehlungen aussprechen.
Ich vertraue auf Betriebe die ihrer ökologischen und handwerklichen Verantwortung gerecht werden.

@Andreas
In welcher Ecke unserer Republik liegen denn deine Fensterläden?


Gruß


Lutz
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 26.10.04

Ätznatron


Hallo nochmal,

Ich habe mir mal ein wenig NaOH zugelegt (Merkwürdigerweise
gibt es HCl in unserem Baumarkt aber NaOH nicht. Dafür hatte unsere Apotheke das Zeug).

Also habe ich mal eine kleine Lösung angesetzt. Erinnert mich irgendwie an meinen ersten Chemiekasten :).
Reagiert ziemlich heftig mit Wasser (auch wenn man die richtige Reihenfolge einhält).

Die Farbe bleibt aber ziemlich unbeeindruckt davon. Mit meinen "Aromaten" hatte ich mehr Erfolg.

Die Menge die ich angemischt habe, kann ich weiter benutzen
um meine Platinenfilme zu entwickeln :)

@Lutz: die Läden befinden sich in der Nähe von Bad Kreuznach und ich tendiere im Moment auch dazu bei einem angemessenen Preis diese Arbeit einem Fachbetrieb zu überlassen. Ich bin kein Weichei aber das hantieren mit
solch agressiven Chemikalien macht mir in meinem fortgeschrittenen Alter nicht mehr so die große Freude :)

MfG

Andreas


Andreas | 26.10.04