Kosten für Begasung oder Erhitzung zu Schädlingsbekämpfung - Notwendigkeit?

Guten Tag,
wir sind am Kauf eines denkmalgeschützten Wohnstallhauses mit einer Fachwerkseite - ansonsten Sandstein - (1742) interessiert. Immobiliengutachter und Zimmerer haben uns den sehr guten Zustand bestätigt, allerdings gibt es einige Stellen mit Holzwurmbefall - sichtbar im Dachgebälk. Laut Zimmerer nicht dramatisch. Er hat die Balken aber auch nur kurz bei einer Begehung abgeklopft... Reicht ein lokales Behandeln von Balken? Wir wissen natürlich beispielsweise nicht, was sich an den Balken unter den Böden im 1. OG verbirgt (und möchten diese wenn möglich auch gerne so lassen, da der Boden sehr schön ist... ). Das Haus wird zum Großteil entkernt (für Denkmalschutz nach erstem Vorgespräch ok, denn es ist (leider) stark verbaut worden in den 60ern!), nur die Böden/Decken zwischen EG und 1. OG sowie die historische, typische Raumeinteilung auf einer Seite des EG sollen bleiben. Erreicht man Beim Erhitzen (oder vielleicht sogar beim Begasen?) die verdeckten Balken? Oder muss man alles herausreißen??
Wir müssen die Kosten gut kalkulieren - und würden nun gerne (vor dem Kauf) wissen, was das Erhitzen oder Begasen denn etwa kostet (ein grober Richtwert wäre schon hilfreich) - das Haus wurde noch nicht vermessen, ist aber recht groß (Dachfläche 290qm).
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Grüße
VP

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.06.15

Schädlingsbekämpfung?


Ich würde jede Baumaßnahmen erst dann durchführen wenn eine nachgewiesene Notwendigkeit dazu besteht.

Einige Wurmlöcher werden fast in jedem älteren Gebäude zu finden sein- fast immer beschränkt sich dies auf den Splintbereich oder solche Stellen an denen die Rinde nicht früh genug oder sorgfältig entfernt wurde.

Je älter Holz ist umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Neubefall.

Du müßtest überprüfen lassen oder selber herausfinden, ob es jetzt noch aktive Schädlinge gibt.
Lieber etwas sorgfältiger überprüfen lassen statt teure evt sinnlose Maßnahmen ergreifen.
Eingebaute, geschlossene Bereiche können ohnehin kaum erreicht werden.
Die meisten Holzschutzmittel werden für euch schädlicher sein als für die Schädlinge- also lieber Abstand davon nehmen.

Feuchtigkeitsschäden sind meistens gravierender und wesentlich häufiger als Schädlingsbefall.

Du kannst mir auch gerne eine Mail dazu schreiben

Andreas Teich

Doppel


Doppelpost

Bei begrenztem Befall...


ist eine Mikrowellenbehandlung oft das Mittel der Wahl. Punktgenau und deutlich preiswerter.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 14.06.15

Sicherheiten


Liebe Viola
Deine interessanten Fragen sind immer wieder ein hochbrisantes wichtiges Thema welches zu intensiven Diskussionen und Verunsicherungen führt. Grundsätzlich stellt sich natürlich immer die Frage, ist der Befall aktiv oder bereits abgestorben. In meiner Praxis als ö.b.u.v. Sachverständiger für Holzschutz stehe ich tagtäglich vor diesem Problem. Leider kann es schon aus rein theoretischen Gründen keine "Negativbefunde" geben (Können sie mir versichern, dass es im in diesem alten Dachstuhl keinen Befall gibt?)daher muss ich eine solche Fragen immer verneinen. Grundsätzlich können auch in sehr alten Dachstühlen z.B. noch lebende Larven des Hausbockkäfers aktiv sein. Für die Larven des G. Nagekäfers spielt das Alter des Holzes sowieso keine Rolle. In meiner Praxis hab ich oft genug erlebt, wie von Seiten der handwerklichen Gewerke (Zimmerer, Dachdecker etc.),meist sehr schnell eine Befallsfreiheit attestiert wurde. Dies hat in der Folge immer wieder zu sehr weitreichende wirtschaftlichen aber auch juristischen Konsequenzen auf beiden Seiten geführt. Die Motivation die zu solchen Aussagen aus Handwerkermund führt, ist des öfteren leider von durchaus nachvollziehbaren Gründen einer reibungslosen Auftragsabwicklung geprägt.

Zur Frage des aktiven Befalls kann man auch bei sehr hoher holzschutztechnischer Sachkenntnis jedoch höchstens mit Wahrscheinlichkeiten und mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen arbeiten.
Ein aktiver Befall Holz schädigender Insekten in bereits seit Jahrzehnten fest umschlossenen Holzbauteilen (Balkendecke EG/1.OG) erscheint meist höchst unwahrscheinlich.
In einem auszubauenden, vorher freiliegenden Dachstuhl, sollte man genau überlegen, ob das Risiko eines Ausbaues auf einer befallenen hölzernen Tragwerkskonstruktion ( mit Kosten im höheren 5-stelligen Bereich) nicht eine Absicherung der geleisteten Investition in Form einer nachhaltigen Behandlung rechtfertigt, denn nach dem Ausbau ist eine Behandlung in der Regel kaum mehr möglich.

Die holzschutztechnische Behandlung erfolgt heute im Schwerpunkt meist in thermischen Verfahrenstechniken(Heißluft, Mikrowelle. Chemische Behandlungen scheiden angesichts eines berechtigten Gesundheitsbewusstseins und der aktuellen gesetzlichen Entwicklung auf dem Holzschutzmittelmarkt (Biozidgesetz, Reachverordnung) meist aus.

Eine genaue Kalkultion der Kosten für thermische Behandlungen kann immer nur objektgebunden erfolgen, daher braucht es zu einer Kostenschätzung genauere Informationen.
Eine Begasung des Gebäudes scheitert meist an den extrem hohen Kosten.

Mit besten Grüßen aus Bamberg

L. Parisek
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 14.06.15

Schädlingsbekämpfung-Bilder aus der Bilddatenbank: