neubau eines erdkellers im garten ?

in meinem alten (stein)haus gibt es keinen Keller
ich ueberlege fuer Lagerung von obst, erdaepfeln, wein etc einen Erdkeller im Garten zu bauen, quasi nicht auf, sondern unter die gruene wiese (leichtes gefaelle , fast eben)
gibt es hier jemandend de so etwas gemacht hat, oder mit weiterfuehrenden informationen (maurermeister, etc..) - ich waere dankbar fuer jeden hinweis
sf

ps: vermutlich ist eine alte technik, gesehen in einem franzoesischen link, nicht mehr ganz zeitgemaess...(siehe untenstehender link - adresse kopieren und pasten, ein paar seiten herunterscrollen...)
http://books.google.fr/books?id=bcuuESQaHJ8C&pg=PA26&lpg=PA26&dq=tuiles+romaines&source=bl&ots=96BzxFsnef&sig=EuDPn-X9zeavdTSzCtJgXuuyWGE&hl=fr&sa=X&oi=book_result&resnum=4&ct=result#v=onepage&q=tuiles%20romaines&f=false/
...den charakter des ehrwuerdigen alten hauses bewahren...
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| 28.11.10

Keller


Hallo,
bei uns in der Gegend sind solche Keller noch relativ verbreitet. Meistens in einen Hügel gebaut, aber einige auch einfach auf die Wiese. Diese wurden einen Meter tief in die Wiese gegraben und dann hat man ein Tonnengewölbe errichtet und es mit Lehm abgedichtet und anschiessend den Bodenaushub wieder als Hügel darüber getan. Zum Schluß Gras ansähen fertig.
Einige Bilder findest Du unter Weinkeller Schlieben.
Habe auch schon mal drüber nachgedacht, kann man in heissen Sommern auch schön drinn sitzen und ein gut temperietes Bierchen trinken, aber meine Frau hat nur eine freundliche Handbewegung gemacht (der Zeigefinger ging zur Stirn).
Uwe


uwe | 29.11.10

Kellerneubau


Hallo Stefan,
der Neubau eines Kellers ist eine teure und aufwändige Geschichte.
Zuerst sollten Sie deshalb die vorliegenden Bedingungen abklären, von denen hängt es ab, welchen Aufwand Sie betreiben müssen.
Da ist erst einmal die verkehrstechnische Erschließung Ihres Gartens. Sie müssen eine Menge an Material in den Garten hinein und eine Menge Aushub hinaus befördern. Es geht hier nicht um ein paar Schubkarren voll, sondern um LKW- Ladungen.
Dann wäre auch der Einsatz von Technik wie ein Bagger möglich.
Zum zweiten ist der vorhandene Baugrund wichtig.
Wir unterscheiden grundsätzlich nach Locker- und Festgestein.
Wenn ich Oberösterreich höre, dann kann ich mir vorstellen, das z.B. bereits nach einem Meter Felszersatz ansteht, etwas tiefer blanker Fels.
Bei Lockergestein unterscheiden wir in bindiges (Tone, Lehme, Schluffe) und nicht bindiges (Kiese, Sande) Material.
In bindigem Material kann man praktisch senkrecht herunterschachten, wenn es trocken ist. Dafür ist der Aufwand zum Lösen des Materials sehr hoch, trockender Lehm kann fest wie Beton sein.
Kiese und Sande sind gut lösbar, aber nicht standfest.
Die Baugrube muß abgeböscht werden, das vergrößert die Menge des Aushubs und damit der Wiederverfüllung erheblich.
Rechnen Sie mit einer Aushubtiefe von min. 3,5 m, wenn Sie dem Beispiel aus dem Internet folgen wollen.
Sie sehen, das Bodenbeschaffenheit und Zugänglichkeit des Bauplatzes entscheidend sind, ob sich das Vorhaben lohnt bzw. ob es bezahlbar ist.
Zum dritten ist dann die Bauweise.
Sie sollte sich den ersten beiden Kriterien anpassen.
Das mit der Bauweise aus Ihrem Internetlink ist zwar sehr malerisch, aber unrealistisch. Es würde nur bei sehr standfestem, trockenem Lehm funktionieren.
Warum?
Erst einmal müssen Sie ca. 3-4 m tiefe Gräben in der Breite der zukünftigen Kellerwände, bzw. in der Breite Ihrer Schultern, also etwa 0,5-0,7 m schachten. Das ist nur bei sehr standfestem bindigem Boden möglich; der wiederum ist nur schwer lösbar. Mit der Hand ist das Sklavenarbeit und dazu noch gefährlich. Dazu braucht man einen Bagger mit Tieflöffel.
In Kies- oder Sandboden geht das gar nicht, die Gräben würden einstürzen.
Nach dem Herstellen des Gewölbes kommt der Aushub der Treppenanlage, das geht noch maschinell, nicht aber der Aushub des Erdkörpers im Keller. Das ist wieder Handarbeit.
Wenn Sie also zufällig über ein paar zinspflichtige Bauern gebieten oder ein halbes Dutzend unterbeschäftigter Knechte herumlungern und trockenen Lehmboden haben, dann könnte man den Keller so bauen.
Ansonsten wäre ein gangbarer Weg:
- Baugrube mit schwerem Gerät ausheben,
- Fundamente einbauen,
- Fertigteil- Ziegelkeller einschl. Treppe montieren,
- Überschütten,
fertig.
Der Vortel dieser Variante wäre die Überschüttung des Kellers mit Aushub, so spart man Erdbewegung und Transport, die Treppe wird kleiner.

Viele Grüße

Sie können so einen Keller natürlich auch klassisch aus Ziegeln mit einem Tonnengewölbe mauern; ich habe dieses Jahr so einen Keller mit Gewölbe und Lehrgerüst für einen Kunden in Aachen geplant.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 29.11.10

Keller


hallo,
sicherlich hat Hr. Böttcher absolut Recht,er geht von den heute gültigen Gesetzen aus.
Die Kurzbeschreibung die ich Dir gegeben habe, ist von den vorhandenen Kellern ausgegangen und bei uns in der Gegend haben es die Alten mit den Fundamenten, egal was sie gebaut haben, es noch nie übertrieben. Fundament =30 cm tief eiergroße Feldsteine mit Sand eingeschlemmt und dann lustig zwei geschossig drauf gebaut, steht nach 130 Jahren immer noch. Daher würde man sowas bei uns auch ohne Genehmigung und ohne Sklaven, aber mit ein paar trinkfesten Nachbarn machen. Alles nach der Methode, ist ja Gras drüber, sieht ja keiner.
Uwe


uwe | 29.11.10

Kellergewölbe


An Uwe:
es geht hier weder um Genehmigungsfähigkeit noch um Nachbarschaftshilfe noch um Gründung.
Die von ihnen angeführten Beispiele sind eine völlig andere Bauweise als die aus dem Internet, auch wenn Ihnen das wahrscheinlich nicht einleuchtet.
Ihre Art Keller zu bauen habe ich in meinem postscriptum angedeutet, die halte ich auch für realistischer.
Ein Tonnengewölbe halb im Boden und mit dem Aushub überdeckt ist etwas völlig anderes als ein flaches Segmentgewölbe gegen passiven Erddruck abzustützen.


Viele Grüße
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 29.11.10

Bei bindigen Böden


wurden teilweise Keller einfach nur gegraben, ohne jede Ausmauerung... im Löß des Weinviertels gibt es noch einige solche Keller. Nachteil: mit Pech kann das nach starken Regenfällen so aussehen:
Des woa scho immer so!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.11.10

Kellergewölbe


An Hr. Böttcher,
schlecht geschlafen? Habe Ihnen doch recht gegeben, was ist daran falsch, das man gleich so rummotzen muß?
Uwe


uwe | 29.11.10

kellerneubau


danke, schon viel gelernt in so kurzer zeit. geologisch gesehen befindet sich der Garten in einer wuerm-moraenenzone - bedenken bestehen eher wegen zu viel wasser im boden (vielleicht ist das der grund warum das haus keinen Keller hat) als wegen fels. natuerlich muss das geklaert werden. die wein- und eis-keller von schlieben gefallen mir - so etwas aehnliches schwebt mir vor. leider fehlen mir aber die unterbeschaeftigten knechte...
...den charakter des ehrwuerdigen alten hauses bewahren...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.11.10


Wenn der Boden nicht standfest ist (bei Moräne vermutlich der Fall), muss auch sichergestellt werden, dass die Auflast des Gewölbes gross genug ist, um die Seitenmauern am eingedrückt werden zu hindern. Üblicherweise wird das durch das Haus sichergestellt, das darauf steht, sonst müssen die Mauern entsprechend dicker gemacht werden.
Das französische Beispiel geht wohl nur in Lössböden. Arbeitstechnisch dürfte Ausschachten an einem Stück und ein Lehrgerüst für das Gewölbe besser sein. Wie soll man eine anständige Bruchsteinmauer aufführen, wenn man nicht davor stehen kann, weil das Ganze in einem Graben von Mauerdicke stattfindet?

Bei solchen Hobbyprojekten ist es mit dem Knecht einfach: Guck in den Spiegel, dann siehst Du ihn.
Ich bin verantwortlich für das, was ich schreibe! Nicht für das, was Du verstehst!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.11.10

keller-Bilder aus der Bilddatenbank: