Kaufberatung, Sanierungsplan, Finanzierungskonzept, Vorgehensweise

Einen Gruß in die Runde.

Wir (vierkoepfige Familie) beschaeftigen uns seit einiger Zeit gedanklich damit, ein älteres Bauernhaus im Osnabrücker Nordkreis zu kaufen. Das Objekt ist seit etwa einem Jahr nicht mehr bewohnt und erste Kontakte mit dem Besitzer sind hergestellt. Es fanden weder gemeinsame Begehungen, noch Gespräche über den Kaufpreis statt - bisher.
Das Haupthaus, soweit unser Kenntnisstand, wurde etwa 1930 gebaut. Verbunden ist das Wohnhaus mit einer Diele und einer ehemaligen kleinen Stallung. Auf dem sehr großen Grundstück befindet sich zusätzlich ein altes Fachwerkhaeuschen, das als Scheune/ Unterstand/ Holzlager etc. genutzt wurde. Das Abwasser wird im Rahmen eines Dreikammersystems abgeführt. Die Fenster sind bereits doppeltverglast, Heizungssystem (bis auf Kaminöfen) anscheinend nicht vorhanden. Wahrscheinlich wird es im Falle eines möglichen Kaufes auf eine komplette Sanierung hinauslaufen. Sanitär, Elektrik, evtl Böden komplett neu. Zudem ist das Haus teilunterkellert. Wie es um das Dach bestellt ist, kann ich ebenso wie alle anderen Bereiche nicht einschätzen.
Grundsätzlich geplant wäre die Investition in ein bewohnbares, mittleren Ansprüchen genügendes Wohnhaus. Die Eigenleistung soll im Rahmen des machbaren möglichst hoch sein (auch aus Freude an der eigenen Mitgestaltung!). Zusätzlich soll ein Teil der Diele oder des mit angebauten, ehemaligen Stalles zu gewerblichen Zwecken mit umgebaut werden (kleiner Friseursalon).

Um Detaillinformationen möcht ich an dieser Stelle gar nicht bitten, vielmehr sind wir uns bezueglich der sinnnvollsten Vorgehensweise unschluessig. Vielleicht gibt es jemanden, der ähnliche Erfahrungen bereits gemacht hat oder angesprochene Personen, die derarte Vorhaben fachkundig begleiten.

Bereits bei der Kaufentscheidung würde ich Menschen mit Sachverstand zur Seite ziehen wollen. Unklar ist uns jedoch, was sinniger ist.

Macht es Sinn, im Rahmen einer Begehung einen Bausachverständigen zur Seite zu haben, der eine Untersuchung der Bausubstanz vornimmt, den Immobilienwert ermittelt und die Sanierungskosten, soweit diese überhaupt grob abzuschätzen sind, zu ermitteln um sich daraufhin für oder gegen das Haus zu entscheiden und "konkrete" Gespräche mit Banken zu führen? Anschließend würde ich mich an einen Architekten wenden wollen, der die konkrete Baubegleitung übernimmt und im Vorfeld gemeinsame Planungen mit uns durchführt.

In diesem Falle hätte ich zwei am Prozess beteiligte Personen. Schön wäre sicherlich, wenn bereits ein Architekt die Leistungen wie der Sachverständige erbringen könnte und auch das entsprechende Know How hat.
Wichtig ist mir im Vorfeld einen unabhängige Einschätzung, inwiefern eine komplette Sanierung sinnvoll und letzlich auch bezahlbar ist. In welchem zeitlichen Rahmen sich sowas bewegen könnte und auch einigermaßen belastbare Zahlen um eigene Kalkulationen und Gespräche mit der Bank zu führen. Nur vor diesem Hintergrund würden wir eine solche Kaufentscheidunng treffen wollen. Die Kosten für Sachverständige/ Gutachten/ Architekten geben wir daher gerne aus!
Wie dann die weiteren Schritte aussähen, wird sich im Anschluss zeigen.

Ob es Sinn macht, sich bei der Interessengemeinschaft Bauernhaus zu melden, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Denke das Objekt ist zu "neu" :-)

Falls jemand sich angesprochen fühlt, kompetente Sachverständige/ Architekten im nördlichen Osnabrücker Raum kennt oder empfehlen kann, würden wir uns über Anregungen freuen. Wichtig ist dabei die fachmännische Einschätzung aller im Haus vorhandenen Bereiche und eine mögliche, grobe Aufstellung der Kosten bei kompletter Sanierung. Welche Vorgehensweise ist die sinnigere?

1. Sachverständiger,Kaufberatung, Kostenschätzung
2. Gespräche mit Banken
2. Kaufentscheidung
3. Planunung, Sanierung, Begleitung durch Architekten

oder Punkt eins bereits in die Hände des späteren Architekten legen.
Meine Bedenken bei Variante 2 sind, dass ein Architekt nicht ganz uneigennützig begutachtet und dabei evtl seinen Folgeauftrag im Hinterkopf hat. Zudem bin ich mir nicht sicher, ob ein Architekt die Kompetenz hat, die einzelnen Gewerke, den Bauzustand und mögliche Baumängel fachmännisch zu begutachten.

LG

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 23.03.15

Die richtige Vorgehensweise


haben Sie schon sehr detailliert und stimmig beschrieben. Ich würde Ihnen raten, einen altbau- und sanierungserfahrenen Gutachter und Architekten in Personalunion für den Ortstermin zu engagieren. Es kommt darauf an, das Objekt in seiner Gesamtheit zu erfassen und zu bewerten: baukonstruktiv, bauphysikalisch, gebäudetechnisch und vom eventuellen Schadensbild her. Zudem muß auch die bau- und planungsrechtliche Situation bewertet werden: bei Ihnen liest sich das wie ein Objekt im Aussenbereich; da gelten für die Nutzung, Umnutzung und den Bestandsschutz besondere Bedingungen nach §35 BauBG, die ein Architekt beurteilen und behördlich verhandeln kann. Auch die Berücksichtigung von Eigenleistungen kann bei einer Sanierung am ehesten von einem Architekten planerisch, organisatorisch und finanziell angemessen berücksichtigt werden.

Ihre Befürchtung der eigennützigen und tendenziösen Bewertung durch einen akquiseversessenen Architekten kann ich zerstreuen. Ich bin oft selbst in dieser Angelegenheit engagiert: Wenn ich ein Objekt mit Vorbedacht zu optimistisch bewerte, um den Interessenten zu einem schnellen Kauf zu bewegen, muß ich mich ggf. später mit explodierenden, tatsächlichen Baukosten arrangieren, die meinem Ruf Schaden und eventuell auch, aus Haftungsgründen, meinem eigenen Bankkonto.

Deshalb schätze ich bei diesen Erstbegehungen die zu erwartenden Kosten immer nach dem "worst-case-scenario" und kalkuliere noch einmal 30% für Überrraschungen dazu. Immer nach der "Inaugenscheinnahme", d.h. nur nach dem sichtbaren Erhaltungszustand; eine weitergehende Untersuchung ist vor dem Kauf selten möglich.

Wenn der potentielle Käufer dann noch prinzipiell interessiert bleibt, kauft er das Objekt in Erwartung eines recht realistisch geschätzten Finanzierungsrahmens.

Eine detaillierte und an den späteren wirklichen Baukosten orientierte Kostenberechnung nach Bauteilen oder Gewerken, die meistens von den Banken für ein solches Objekt vorausgesetzt wird, hat einen ganz anderen Planungsaufwand zur Voraussetzung. Hierfür muß eine Bestandsaufnahme angefertigt werden; mindestens ein detaillierter Vorentwurf für Umbau, Sanierung, Instandsetzung und Umnutzung und eine möglichst genaue BAukostenberechnung. Dafür müssen Sie einen Architekten engagieren, der dafür ein Planungshonorar nach HOAI von mehreren tsd. Euro in Rechnung stellen wird, tabellarisch berechnet und orientiert und an den sog. anrechenbaren Baukosten. Meine Kostenschätzungen für komplexere Sanierungsmaßnahmen fertige ich ausschließlich auf diesem Niveau an.

Wenn Sie in Ihrer Region keinen geeigneten Gutachter finden, können Sie mich gerne für die Kaufberatung und die Kostenschätzung kontaktieren. Mein Aktionsradius reicht mittlerweile bis 300 Km um das Rheinland.

Meine Kontaktdaten finden Sie unter "pickartz.architektur". Nähere Informationen zu meiner Bau- und Immobilienkaufberatung sende ich Ihnen bei Interesse gerne per Email zu.
... den Dingen auf den Grund gehen ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
pickartz architektur | | 23.03.15

Vielen Dank


für die ausführliche Antwort! Gut zu wissen, dass die grundsätzlich angedachte Vorgehensweise nicht komplett daneben liegt.
Ihrer Homepage entnehmend und ihren bereits durchgeführten Projekten nach zu Urteilen, könnte ich mir eine gemeinsame Zusammenarbeit gut vorstellen; zumindest für einen gemeinsamen "Vor Ort Termin" und einer ersten Besprechung/ Planung/ Abschätzung.
Aufgrund der doch recht hohen Entfernung, ca. 298 km stell ich mir eine länger andauernde Kooperation aus ihrer Sicht eher aufwändig vor. Vom ersten Gefühl her, hätte ich gerne jemanden in erreichbarer Nähe. Aber grundsätzlich abgeneigt bin ich nicht :-)
Schicken Sie mir gerne nähere Informationen zu ihrer Bau- und Immobilienkaufberatung zu. Meine Emailadresse stelle ich Ihnen in einer Privatnachricht zur Verfügung.

Kennt sonst noch jemand mögliche Ansprechpartner im näheren Umkreis von Osnabrück oder hat Ratschläge, wie man altbau- und sanierungserfahrenen Gutachter und Architekten ausmachen kann?

Vielen Dank im Voraus!

Gruß

Dieter Pete

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 24.03.15

Kaufentscheidung


Als groben Richtwert für den Kaufpreis kann man bei notwendiger Komplettsanierung häufig nur den Grundstückswert annehmen- das hängt natürlich auch von der Bausubstanz ab.

Da die Umbaukosten die Neubaukosten erreichen oder sogar noch darüberliegen können ist dies auch gerechtfertigt.

IG- Bauernhaus- Registrierung ist sicher sinnvoll-
dort werden auch kompetente Leute sein, die ggf gut beraten können.
Das Alter einer Immobilie ist dabei nicht entscheidend- ebensowenig wie es in diesem Forum notwendig ist ein Fachwerkhaus zu besitzen.

Es wäre sicher sinnvoll mit dem Eigentümer zuerst einmal über seine Kaufpreisvorstellungen zu reden- sollten diese utopisch sein kann man sich weitere Anstrengungen und Kosten ersparen.

Der Grundstücks-/ Gebäudewert läßt sich zur ersten Orientierung auch kostenlos bei Banken aus der Gegend erfragen oder durch Recherche im Internet, Immobilienbörsen,Maklern, Haus und Grund Vereinen, anderen Verkaufsanzeigen aus der Gegend etc.

Beim Bauamt nachfragen wegen Bebaubarkeit, mögliche Grundstücksteilung, Einschränkungen etc

Dann natürlich noch das eigene Budget, Kreditwürdigkeit, Kreditkonditionen, mögliche Tilgungsraten ermitteln.

Banken machen bei Komplettsanierungen von Altgebäuden eher Schwierigkeiten- da längere Sanierungszeiten, ggf lange Nichtbewohnbarkeit,unkalkulierbare Kosten etc und Weiterverkauf während der Sanierungsphase schwierig ist.

Am Besten dese Bedingungen im Vorfeld mit der Bank abklären und wenns konkret wird einen möglichst detailierten Übersichtsplan erstellen aus dem auch der realistische Umfang der Eigenleistungen hervorgeht-
diese kann als Ersatz/Beitrag zum Eigenkapital herangezogen werden.

Erst wenn dies einigermaßen abgeklärt ist wäre es sinnvoll vor dem Kauf einen Sachverständigen hinzuzuziehen, damit nicht womöglich sinnlose erhebliche Gutachterausgaben anfallen.

Bei guter Anleitung und Planung lassen sich ganz erhebliche Summen durch mögliche Eigenleistungen und günstige Konstruktionen einsparen.
Dadurch können auch Projekte ermöglicht werden, die sonst nicht oder nur schwierig finanzierbar sind.
Bei Bedarf email schreiben-meine Daten sind hinterlegt

Andreas Teich

Kaufentscheidung


Doppelpost gelöscht
Andreas Teich

Beachten


sie bei ihrem Kaufentscheid, das die A 33 im Norden von Osnabrück,und die3 oder 4 neu geplanten auffahrten,nicht im nächsten Jahr genau durch ihren Ort gehen könnte..
der genaue Verlauf ist beim Strassenbauamt einzusehen..

greets Flakes
mehr Bäume Pflanzen als Bäume Fällen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.03.15

Danke


für den Hinweis :-)
Der Ort befindet sich in einer Entfernung von mindestens 30 km zur Autobahn. Das Objekt steht im Landkreis Osnabrück, ländlich gelegen, jedoch keineswegs in Stadtnähe.
Anscheinend kommen Sie auch aus der Gegend? Vielleicht können Sie einen Architekten, Gutachter in dieser Angelegenheit empfehlen oder haben sonstige Kontakte/ eigene Erfahrungen?

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.03.15

ich musste


Sie einfach darauf hinweisen weil grad im Osnabrücker Norden im Moment gern Häuser verkauft werden aufgrund dessen.
Ich bin der Meinung das 300 km Entfernung für einen Architekten, der was von seinem Gewerk versteht,schon noch vertretbar ist. Vieles lässt sich dann ja auch telefonisch/per Mail/klären.
Ich selbst bin Lehmbauer aus dem Osnabrücker Umland und habe letztes Jahr beruflich viel in der Eifel zu tun gehabt,in meinem Gewerk ist das nicht ungewöhnlich.warum sollte es Bei Architekten anders sein?

jemand mit einer solchen Erfahrung auf dem Gebiet der Altbausanierung kann einem auch vor Kosten bewahren,da sollte die Wegstrecke,nur eine untergeordnete rolle spielen.
und ja Ig Bauernhaus sehe ich auch nicht unbedingt als Fehler an, die haben allein durch die vielen Mitglieder bestimmt auch Regionale Geheimtipps,die man auch guten Gewissens weiterempfehlen könnte.

Bei Fragen rund um Lehmbau oder Kalkputz Etc.stehe ich gern zur Verfügung.

ich wünsche gutes Gelingen.
greets Flakes.
mehr Bäume Pflanzen als Bäume Fällen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.03.15

Ich kenne Ausnahmen,


teile aber Ihre Bedenken und empfehle, den SV als erstes in's Rennen zu schicken.

Später suchen Sie sich einen Architekten mit Sanierungserfahrung.

Ich biete selbst gerade einen Fachwerkhof an, und bei den Besichtigungen bringen die Kunden immer 'mal einen Planer mit. Ich staune immer wieder, was da zusammenfabuliert wird, um dem Interessenten den Kauf schmackhaft zu machen (und den Auftrag zu bekommen).

Ich rate im Übrigen eher zu einem regionalen Architekten. Der hat sein Netzwerk von Firmen, mit denen er baut und deren Qualität er weiterempfehlen kann. Da Ihr viel selbermachen wollt, sollte er öfters 'mal vorbeischauen können.

Viel Erfolg

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 26.03.15

Regionalplanung ...


... und -ausführung ist dem Planer- oder Handwerkertourismus immer vorzuziehen. Da gebe ich TWB recht. Auch darin, das viele Architekten, die nur geringe oder keine Erfahrung mit historischen Altbauten -geschweige denn: Fachwerkbauten- haben beim Ortstermin in´s fabulieren kommen, die sog. "Neubauarchitekten"

Genau dieses Resümee hat letztes WoE auch ein -ausnahmsweise mal kompetenter und engagierter- Makler nach einer Kaufberatung zu einem Fachwerkhof mir gegenüber gezogen, nachdem ich mich etwas undiplomatisch zum Maklerstand geäußert hatte.

Das Problem seitens der MAkler und der Interessenten ist aber grundsätzlich, Architekten oder Gutachter mit Erfahrung in der Bewertung und der Sanierung dieser speziellen Altbauten zu finden. Meistens haben sie ihr Büro nicht gerade in der nächsten Kreisstadt.
... den Dingen auf den Grund gehen ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
pickartz architektur | | 27.03.15

Kaufberatung


Eine Möglichkeit, um lange und teure Anfahrten zu sparen und die regionale Wirtschaft zu fördern wäre noch, das örtlich zuständige

DENKMALSCHUTZAMT,
BAUBEHÖRDE,
HEIMATVEREINE oder auch andere örtliche
BAUERNHAUS-/Fachwerkhaus-Eigentümer etc zu befragen-

die sollten alle Architekten/Planer und Handwerker kennen, die mit der örtlichen Baukultur vertraut sind.

Bei ganz speziellen Denkmälern und Bauwerken wie Wassermühlen, Sägemühlen etc mit speziellen techn. Einrichtungen wirds natürlich eher überregional werden.

Und wie schon öfters empfohlen:
IG Bauernhaus sollte auch regional vertreten sein.

Andreas Teich

In kleinen Schritten


gehts voran. Habe jetzt erste Kontaktadressen sammeln können. Vielen Dank auch an alle Antworter hier aus dem Forum. Einen ersten Kontakt mit der Interessengemeinschaft Bauernhaus wurde hergestellt. Weil ich in den letzten Tagen viel um die Ohren hatte, kann ich mich erst jetzt melden.
Habe Gespräche mit Banken geführt um zu schauen, in welcher Kredithöhe ich mich theoretisch bewegen kann.
Wie ich schon sagte, ist ein weiterer Wunsch von uns, einen kleinen Friseursalon mit auf dem Grundstück zu verwirklichen. Meine Frau ist bereits selbständig, jedoch im "mobilen" Dienst. Bei eigenem Haus wollte sie sich einen kleinen Raum (1-2 Stühle) einrichten und ihre kunden nach Termin bedienen. Es gäbe also keine Laufkundschaft, keine Angestellten. Angedacht ist der teilweise Ausbau der am Haus angebauten Diele. Vergleichbar etwa wie eine kleine, geführte Heilpraktikerpraxis (im eigenem Haus), Physiotherapeut oder ähnlichem.
Um uns bezüglich des Vorhabens abzusichern, haben wir uns bei der Handwerkskammer informiert, die jedoch wenig auskunfstfreudig war und uns an das zuständige Gewerbeamt verwiesen hat.Dort konnte man uns auch keine belastbare Aussage geben und schickte uns weiter an das örtliche Bauamt. Mit dem Herren dort, konnte ich mich längere Zeit unterhalten und ihm unser Vorhaben darlegen. Er wollte sich schlau machen, sagte jedoch, dass für soetwas eigtl Baugenehmigungsbehörden; in diesem Falle die untere Bauaufsichtsbehörde LK Osnabrück. Einen Tag später bekam ich vom Herrn aus dem Bauamt eine Email mit einem Link zu einem Gesetzestext (Baugesetzbuch § 35 Bauen im Außenbereich) http://www.gesetze-im-internet.de/bbaug/__35.html
und dem Hinweis, dass es aus seiner Sicht nicht zulässig sei. Ich müsse mich bei der Bauaufsichtsbehörde melden. Habe mir den Gesetzestext duchgelesen und kann nicht eindeutig herauslesen, dass es nicht zulässig sei.
Jedenfalls habe ich mich dann bei der Bauaufsichtsbehörde gemeldet in der Hoffnung hier Auskunft zu erhalten. Die einzige Auskunft, die ich hier bekam war, dass ich einen Antrag auf Bauvorbescheid stellen müsse!

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Ich bin auch bereit, alle nötigen Auflagen des Gewerbeaufsichtsamtes zu erfüllen (Kunden-WC, seperater Eingang, Brandschutz, Notausgänge, Beschilderung, notfalls Zwischenzähler für Wasser und Strom - ALLES!) Aber ist denn von all den kontaktierten Behörden und Ansprechpartnern KEINER in der Lage, mir eine belastbare Auskunft zu geben, mir eine Vorgehensweise zu nennen, Informationsstellen mitzuteilen? Ich versteh auch nicht wirklich, wo da in der Realisierung ein Problem besteht oder öffentliche Belange entgegenstehen, dass da so ein Fass aufgemacht wird.
Wäre es vielleicht sinnvoller, das Gewerbe beim Gewerbeamt anzumelden, den Stempel zu erhalten und die Diele auf gut Glück einfach auszubauen? Es gibt Leute die das so machen. Alle Angaben gegenüber dem Finanzamt, werden ja eh nicht an das Bauamt weitergegeben. Aber SO WILL ich da nicht. Was mich so wütend macht, ist das es unzählige Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Nagelstudion etc. im Außenbereich gibt. Man erhält anscheinend erst Auskunft nach einem Antrag auf Bauvorabfrage, den ich dann auch noch teuer bezahlen darf!?

Musste mal raus :-)

Gibt es hier vielleicht jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, Tipps anbieten kann?

Grüße

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.04.15

Leider...


...stören Sie den ruhigen beamtlichen Alltag. Erwarten Sie etwa Blumensträuße, weil Sie mit Arbeit Geld verdienen wollen? Das ist nicht der Zeitgeist.

Ich will Sie dennoch ermutigen. Ohne einen Bauantrag (bzw. im Vorfeld eine Bauvoranfrage) wird es freilich nicht abgehen. Dazu brauchen Sie ohnehin einen Architekten, am besten einen vor Ort, der die denkfaule Sippschaft auch kennt; und die einzuhaltenden Vorschriften. Was Sie vorhaben, ist ein nichtstörendes Gewerbe, das kann fast überall seinen Platz finden.

Viel Erfolg

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 08.04.15

Leider ...


... müssen Sie überhaupt erst einmal prüfen, ob die beabsichtigte Nutzung / Umnutzung des Objektes rein planungsrechtlich überhaupt zulässig ist (§35 BauBG - Bauen im Außenbereich). Da geht vieles erst einmal nicht. Punktum. Das was gehen könnte, bedarf des phantasievollen Einsatzes und des argumentativen Geschicks eines Architekten, der eine Bauvoranfrage stellt und mit den Behörden verhandelt. Das kann ein paar Monate dauern.

Wenn Sie auf einem ehemaligen Bauernhof im Außenbereich ein Atelier für rurales Haardesign installieren wollen und zusätzlich noch eine Heilpraktikerpraxis, ist das eine ganz klare Umnutzung, die mit der ursprünglichen Nutzung nichts gemein hat und erst einmal nicht zulässig ist. Alles weitere: siehe oben. Das ist Deutschland. Und man sollte solche Vorhaben immer mit der Klärung der realen Verhältnisse beginnen. Vorher sollten Sie nicht kaufen.

Mein Tipp: nicht weiter in Foren surfen, sondern einen kompetenten Architekten suchen. Den brauchen Sie sowieso, für Ihre Kaufberatung und die Sanierungsplanung.
... den Dingen auf den Grund gehen ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
pickartz architektur | | 09.04.15

Ein Termin


bei dem zuständigen Sachbearbeiter für etwaige Vorhaben im Außenbereich (Bauaufsichtsbehörde) brachte Klarheit und Erleichterung.
In einem offenen Gespräch konnte ich ihm unser Vorhaben darlegen. Sehr aufgeschlossen hörte man sich unser Vorhaben an, es wurden Fragen gestellt und Optionen ausgelotet. Da es sich bei dem Vorhaben um ein "nicht störendes" Gewerbe handelt, nur im kleinen Rahmen geplant ist (1-2 Stühle, keine Angestellten) und Dienstleistung nur nach Termin stattfinden (keine Laufkundschaft) sieht er da grundsätzlich keine Probleme. Ähnliches wurde schon des Öfteren durchgeführt, so der Herr. Um eine rechtskräftige Aussage zu erhalten habe ich eine Bauvorabfrage gestellt. Diese sei dann 3 Jahre gültig und könne sogar (falls das Bauvorhaben in diesem Zeitraum noch nicht durchgeführt wurde) verlängert werden. Dann will ich mal hoffen, dass ich die Einverständnis letzendlich auch erhalte. Immerhin werden an der Entscheidung noch andere Instanzen beteiligt (Umweltamt, Straßenamt, da Kreisstraße, zuständige Gemeinde etc.).

Als nächstes werde ich mich intensiver um einen Bausachverständigen, Architekten (altbau-, sanierungserfahren) in meiner Region (LK Osnabrück) bemühen, um die Immobilie zu bewerten und den Sanierungsaufwand fassen zu können. Vielleicht lassen sich die noch sehr hohen Preisvorstellungen des Eigentümers etwas relativieren :-o.
Falls jemand mitliest, empfehlen kann, bin ich für Tipps dankbar. Ansonsten werde ich mich nocheinmal an die IG Bauernhaus als erste Anlaufstelle wenden.

Grüße

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 11.04.15

Es freut mich...


daß Sie nun den richtigen Ansprechpartner gefunden haben.

Viel Erfolg, und das Forum nicht vergessen. Bei solchen juristischen Sachen hat man hier engere Grenzen, bei baulichen Detailfragen blüht mancher thread auf :-)

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 11.04.15

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