Kalkputz-Arbeiten vergeben -worauf achten?

Hallo liebe Forumsmitglieder,

Oma's Häus'le Bj. 1961 mit Anbau von 1971 wurde auf Rohbauzustand gebracht, teilweise Wände rausgerissen, teilweise neue Wände eingezogen. Neue Wände wurden mittels Trockenbau sowieY-Tong realisiert. Die alten Wande sind z.T. freigelegt (Hohlblocksteine, Ziegelstein), z.T. besteht noch alter Wandputz = Gipsputz oben, darunter Kalkzementputz.

Da ich Asthma habe und das Haus nach KfW-Vorgaben von außen eingepackt ist, möchten wir innen einen Kalkputz aufbringen lassen, dem ja nachgesagt wird, dass er für ein gutes Raumklima sorgt und ggfs. auch Schadstoffe aus der Umgebungsluft absorbieren kann...

Wir möchten evtl. kleine Vorarbeiten leisten, die Putzarbeiten aber einer Fachfirma überlassen.

Nur bei so vielen Untergründen, worauf achten im Angebot?

Für Gipsputz konnte ich hier im Forum den Tipp lesen mit Aufrauhen, darüber Kalkputz P Ia oder P Ib, kein Kaseingrund, da spannungsreich/ vergilbt/ Haftprobleme können entstehen. Besser sei wohl Gekkosol von Kreidezeit.

Was gilt für Trockenbau, Hohlblock- und Y-Tong? Könnte man hier auch das Gekkosol gleichermaßen verwenden? Und wenn ja, sollte man dann bei den restlichen Arbeiten bei der gleichen Firma bleiben? Und was sollte im Bad berücksichtigt werden (es soll halbhoch/ in der Dusche selbstverständlich raumhoch gefliest werden).

Der Stuckateur, dem wir die Arbeiten ursprünglich vergeben wollten, wollte zuerst auf alle bisher unbeputzen Flächen einen Gips-Zement-Putz drauf als Ausgleichsputz, danach ein Armierungsgewebe und drüber einen dünnen Kalkputz als Sichtputz. Das entspricht jedoch ganz und gar nicht dem, was mein Freund und ich uns vorstellen...

Das Angebot eines weiteren Stuckateurs ist jenseits von gut und böse und wenn ich es richtig interpretiert habe, ist in der obersten Schicht von Trasskalk die Rede - nach langem Googlen ist da Kalk kein Hauptbestandteil...

Sind gelinde gesagt gerade etwas am verzweifeln und sind um jeden Ratschlag dankbar.

Vielen Dank schonmal im Voraus für eure Hilfe.
Grüße Jennifer

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 02.11.16

Innenputz


1. Das dem Kalkputz so etwas "nachgesagt" wird trifft es. Alle gängigen Innenputze können kurzzeitig Feuchte abpuffern, bei ständigem Überangebot einlagern (dann gibt es langfristig feuchte, schimmlige Wände) und in geringem Maße Schadstoffe binden. Binden heißt nicht das sie verschwunden sind. Luftschadstoffe in Räumen sollte man durch Lüften entfernen und nicht in Bauteile einlagern.
2. Vergessen Sie das dauernde Verweisen auf irgendwelche Grundierungen. Sie sind bei Innenputz normalerweise überflüssig. Ein genügend rauher und fester Untergrund braucht keine Grundierung. Ausnahmen sind Haftungs- und Reaktionsprobleme bei unterschiedlichen Materialien (Ölsockel, Gipsputz als Untergrund bei Zementputz PIII, bituminöse Abdichtungen...). Bei unterschiedlich saugenden Materialien ist eine Aufbrennsperre sinnvoll, so wie bei Ihrem Materialmix. Das kann eine Haftbrücke aus dünnflüssigem Zementputz sein.
3. Fliesengrund im Bad: Kalkzementputz PII.
4. Gips- Zementputz gibt es nicht.
Üblich wäre bei Ihnen ein einlagiger, armierter Kalkzementputz PII oder ein PIb, optional mit einer Kalkglätte als Deckschicht.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 02.11.16

@ Georg


Es gibt Gott sei Dank seit ein paar Jahren auch Kalkputzanbieter der alten Tradition, die keinen Zement benötigen.
Vielleicht sollte man mal seinen Materialhorizont etwas neu ausrichten.
Die Großindustrie hat uns ja mittlerweile viel Bauschund hinterlassen bzw. offenbahrt.
Also bitte auch einmal etwas dezenter an die Empfehlungen gehen.
Ich würde hier ein Kalkputzsystem von Hessler Kalk empfehlen.
Und dieses ist auch in seiner gesamtheit für einen guten Putzerfachbetrieb mit wenig Umstellung und Akrebie verarbeitbar und das noch dazu in einer hohen Qualität.
LEHM - natur am bau
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LehmHandWerk Udo Mühle | | 02.11.16

Schliesse


mich da Udos Meinung an , Das Hesslerkalk System ist für sowas ideal , Solubel natürlich auch!
Weiß ist keine Farbe,sondern die Abwesenheit einer solchen
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WelschWalls int. | | 06.11.16

und ich würde


mir erstmal anhören mit welchem Material putzerfirma nr 3 überhaupt arbeiten kann oder will,bezogen darauf der er billiger sein muss als die beiden zuvor und wohlmöglich den ultimativen Zauberputz gleich Parat hat..(sarkasmus inside)

mich würde Interressieren was denn so´n Putzangebot Jenseits von Gut und Böse in Zahlen bedeutet? nur um einzuschätzen wie Realistisch hier die Preiseinschätzung auf beiden seiten liegt:)

so nen gut gemachten Kalkinnenputz 2 Lagig mit Flickstellen sogar 3 lagig, wohlmöglich auch noch alles abgeklebt und Böden geschützt gibts ja nu auch nicht Umsonst..

und ich komme nach Kurzem Googeln drauf das Trass ein Zuschlagstoff im Mörtel sein kann sowohl in Zement als auch im Kalkputz sagt man Trass eine gewisse wasserfestigkeit nach die so manchem Putz noch gut getan hat.
und auch alle hier bereit genannten Hersteller kennen dieses Geheimnis auch..

gutes gelingen weiterhin wünscht Flakes
mehr Bäume Pflanzen als Bäume Fällen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.11.16


Vielen Dank Udo und Roland für den Tipp mit dem Hessler und Solubel-System. Wir werden uns das näher ansehen.

@ Herr Bötcher: wir haben sicherlich nicht vor Schadstoffe in großem Maße in unseren zukünftigen vier Wänden einzulagern ;-) wie bereits erwähnt: ich habe Asthma... da mir/ uns an einem gesunden Raumklima gelegen ist, haben wir uns für einen Kalkputz entscheiden. By the way hab ich bereits in einer Mietwohnung mit Kalkputz gewohnt, in der die alten Holz- Einbauschränke mit einer Lackfarbe frisch gestrichen war. Der sonst sehr aufdringliche Lack-Farbgeruch war nach wenigen Tagen nicht mehr riechbar... Von dem her glaub ich, dass da durchaus was dran ist an dem Adsorbieren.
Das mit dem Gipszement-Putz hat der Maler gesagt - hab nur wiederholt, was er gesagt hatte - sorry für meine Unkenntnis und danke für die Aufklärung!

@Flakes: unser Architekt hat in der Kostenaufstellung mit 20-30 €/ qm
gerechnet. Bisher war seine Kostenaufstellung mit den tatsächlichen Kosten recht konform bzw lag er oft auch über den tatsächlichen Kosten. Das Angebot jenseits von Gut und Böse liegt bei gut 70 €/ qm -dies wäre in der Gesamt-Summe annähernd soviel, wie wir für die Fassadendämmung inkl. Armierungs-Gewebe, Putz und Farbe benötigt haben..

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.11.16


P.S.: Bei Solubel auf der Internetseite steht sogar, dass weder Trass, noch adere Feuchte rückhaltende Mittel verwendet werden...
Jen

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.11.16

Innenputz


Natürlich sind im Solubelputz feuchterückhaltende Mittel, zusammen mit etwa einem Dutzend weiterer Zusätze wie Zucker,Fruchtsäuren,Ziegelmehl...
Auch andere Hersteller verwenden z.B. Zelluloseprodukte zur Feuchterregulierung um die Verarbeitungseigenschaften zu verbessern und die Abbindereaktion zu stabilisieren.
Jeder Putz besitzt sorptive Eigenschaften, ebenso wie Möbel, Teppiche, Gardinen, Bücher, Tapete... Dort wird Luftfeuchte eingelagert und je nach Raumluftfeuchte wieder abgegeben.
Das der Lackgeruch bald nicht mehr riechbar war hängt mit dem Lüftungsverhalten und nicht mit dem Kalkputz zusammen. Eine gewisse Schadstoffbindung wurde bis jetzt, neben Aktivkohle, nur bei Lehm- und Tonmineralien nachgewiesen. Die sind in der Lage vor allem im Boden Schadstoffe aus Sickerwässern bis zu einem gewissen Umfang zu immobilisieren.
Durch Sorption, also aus der Gasphase, gelingt diese Bindung nur in sehr kleinem Maße und die Immobilisierung solcher Stoffe im Putz ist nur gering. Jeder der mal in einer Wohnung beim Renovieren alten Putz anfeuchtet weiß was ich meine. Da sind sehr schnell die Altgerüche aus der Kaiserzeit wieder da.
Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen:
Grundlage der Vergabe sollte eine erschöpfende Leistungsbeschreibung sein, also eine Ausschreibung.
Die sichert einen Preisvergleich zwischen einzelnen Anbietern. Bei der Vergabe- das bedeutet Vertrag- sind die speziellen Konditionen für die Arbeiten auszuhandeln. Zeit, Zahlungsvoraussetzungen,Preis,Zahlungsweise, Gewährleistung, Bedingungen auf der Baustelle...
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 08.11.16

kein hersteller


Von "tütenmörtel" kommt ohne solche inhaltsstoffe aus..
speziell bei Solubel wird das Wasserrückhaltevermögen über Dextrin,Pottasche und zuletzt Talkum ermöglicht :)
der zucker in dem Produkt macht dann die Luftporen im Putz...
also so richtig Kalkputz im sinne von Kalk+Sand+Wasser und sonst nix.. ist das glaub ich alles nicht mehr ,

was nicht heißen soll das die verwendeten Zuschlagstoffe nicht auch unter bestimmten bedingungen durchaus ihre Vorteile haben, meistens Bezogen auf Verabeitbarkeit und Maschinengängigkeit ,

ob Talkum jetzt besser ist als Trass das wissen andere besser, aus Kosmetikprodukten wurde Talkum auf jeden Fall Verbannt .

zum Preis Kann man sagen 70€ ist Frech und 20€ ist jetzt nicht grad viel,, kommt auf den Qualitätsanspruch an denke ich,

gutes gelingen wünscht Flakes
mehr Bäume Pflanzen als Bäume Fällen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.11.16

Hessler Kalke...


....heben sich da wirklich mittlerweile mächtig ab.
Bei denen ist sogar das Stützkorn reiner Kalkstein.
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 09.11.16

Kalkputz-Bilder aus der Bilddatenbank: