Wie schnell ist der Holzbock? Und eine rechtliche Frage.

Unser FW Haus ist ca. von 1560. Wir haben in mehreren Räumen die Deckenbalken freigelgt, es ist sehr stark angefressenes Nadelholz. Wir hatten einen Schädlingsbekämpfer zur Begutachtung hier. Der sagte daß der Holzbock max 100-200 Jahre altes Holz lecker findet. Wenn also die Deckenbalken noch die orginalen wären (was ich nicht weiß), ist hier wohl schon einige Jahre Ruhe im Holz, also auch kein Bedarf zur Bekämpfung. Der Dachstuhl ist ca. um 1930 erneuert worden. Auch dort ist sichtbarer Befall, der noch aktiv sein könnte. Wenn ich aber den Zeitfaktor mit ins Spiel bringe, ist der Schaden eher Gering. Ich frage mich nun: Soll ich das perfekt Bekämpfen und die Schäden umfangreich Sanieren - das würde dann wohl wieder einige 100 Jahre halten - aber auch unsere finanziellen Mittel sehr (zu) stark belasten (lt. Angebot Schädlingsbekämpfer 5000.- Euro + Zimmermannskosten) - und für mich muss es ja nur noch mmmmh... sagen wir mal 50 Jahre halten.
Oder die Schäden nur da reparieren wo die Tragfähigkeit gefärdet ist und den (vermeintlichen) Holzbock sein langsames (???) Werk vollenden lassen und einer Nachfolgenden Genaration die Sanierung überlassen. Und die rechtliche Frage: Mr. Schädlingsbekämpfer meinte, daß man die Vorbesitzer
für Hausbockbefall rückwirkend 2 Jahre haftbar machen könnte.? Wir haben vor 7 Monaten gekauft!
Fachwerk ist geduldig...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.07.04

Die unheimlichen Fresser


Meine Wenigkeit im Büro  1   (der junge Kerl)Lieber Andreas, liebe Claudia

Eine ganze Menge Fragen.
Gut, versuchen wir sie nacheinander zu beantworten.

1. Die Frage ob es die orginalen 450 Jahre alten Balken sind ist schon von gewisser Bedeutung, also versuchen dies zu überprüfen.

2. Das Alter des Holzes wird in seiner Bedeutung für den Fraß meist falsch eingeschätzt. Nach diversen Untersuchungen ist der Fraß grundsätzlich möglich. Es ist sogar so, das der verminderte Nährwert des Holzes durch die Erhöhung der gefressenen Holzmenge ausgeglichen wird. So steigt die Fraßmenge in 350 Jahre altem Holz im Vergleich zu 30-jährigen Holz auf das 5 - 6 fache.

3. Grundsätzlich ist zu beachten, das bei Kernhölzern (z.B. Kiefer) nur der Splint des Holzes gefressen wird. Wenn nur 10% Splint vorhanden ist werden also nur max. 10% Holz gefressen.

4. Die Überprüfung der Aktivität der Larven und eine sichere Aussage zur Befallsfreiheit ist grundsätzlich sehr schwierig. Daher ist besonders beim Dachstuhl Vorsicht geboten. Solange nicht ausgebaut wird, ist eine Kontrolle gut möglich, bei Ausbau sollte im Zweifelsfall behandelt werden.

5. Sind die Deckenbalken wirklich dicht eingepackt (z.B. Belag oben, verputzte Decke unten, Lehmschlag ohne große Hohlräume) gewesen, dann ist eine Weiterentwicklung des Zykluses sehr erschwert.

6. Antwort ohne Frage: Bei diffusen Befall bitte nur im Heißluftverfahren bekämpfen !

7: Zu den juristischen Auskünften: Sehr schwierig zu beantworten. Diese 2 Jahresfrist erscheint mir aus der VOB hergezerrt und die hat damit nichts zu tun. Entscheident ist der Text des Kaufvertrages. Es handelt sich hier vermutlich um einen versteckten Mangel. Meine Erfahrung bei solchen Auseinandersetzungen haben gezeigt, dass nur bei einem sicheren Nachweis der vorsätzlichen Vertuschung von Seiten des Verkäufers, eine juristische Auseinandersetzung Aussicht auf Erfolg hat.

Mit besten Grüßen


L. Parisek
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 22.07.04

Holzbock ? Hausbock !!!!!!


Hausbock (Hylotrupes bajulus)  hier die LarveAch ja, ich habe ganz vergessen:

Die Kerle von denen wir reden sind die Larven des H A U S B O C K S (hylotrupes bajulus).
Der Holzbock ist eine Zeckenart.
Nebenan das Foto einer Hausbocklarve ca. 2 cm lang

Gruß

Lutz
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 22.07.04

Ah, Hausbock, na klar!


Hallo Lutz.
Danke für deine ausführlichen Antworten.
Zu 1: Das Alter lässt sich doch nur über diese Dendingsdalogie bestimmen? Gibt es andere Möglichkeiten? Ist aber teuer oder? Habe was von mind. 1000.- Euro gehört. Und wer macht so was?
Zu 2: Erschreckend. Komisch ist, daß die Aussagen über Freßdauer der unliebsamen MItbewohner so weit auseínander klaffen. Von 70/80 Jahren bis 350 habe ich jetzt schon alles gehört.
Zu 3. Was ist Splint-/Kernholz? Wie erkenne/unterscheide ich das voneinander?
Zu 4. Unser Dachstuhl ist 2 stöckig, nur ein Stock wird ausgebaut und gedämmt. Ich werde den Aufbau der Dämmung so gestalten, daß ich ohne viel Dreck immer mal wieder nachschauen kann. Also alles geschraubt und nicht genagelt, kein Putz sondern nur eine N/F Betterholzverschalung zur Raumseite hin oder so.
Zu 6. Heißluft aha. Ist es nicht schwierig das Holz über den benötigten Zeitraum "durchzuheizen"?
Zu 7. Hatte eh keine Lust auf rechtliche Auseinandersetzungen. Zu Nervenaufreibend. Die Vorbesitzer waren einfach nur sehr nachlässig, einen Vorsatz kann ich mir nicht vorstellen.
Fachwerk ist geduldig...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 23.07.04

Der alte Fraß


Lieber Andreas, liebe Claudia

zu 1.
ob das Holz noch orginal vom Entstehungsdatum ist, lässt sich auch manchmal durch genaues Anschauen und rekonstruieren der Umbauten herausfinden.

zu 2.
Das es strittige Angaben in der Handwerkerschaft gibt, das weis ich. In der Forschung sind die zitierten Aussagen unstrittig, wenn du willst zitiere ich dir die entsprechenden Untersuchungen.

zu 3.
Bei Farbkernholz z.B. Kiefer zeichnet sich der Kern durch die dunklere innere Holzzne ab.

zu 4.
sehr gut

zu 6
Für eine gut Fachfirma zu bwältigen

zu 7.
denk ich auch

Gruß


Lutz Parisek
Mutabor
Mitglied der Fachwerk.de Community
PARISEK saniert GmbH & Co KG | | 23.07.04

Holz-Bilder aus der Bilddatenbank: