Historisches Türgewände - kann jemand etwas darüber sagen?

Historisches Gewände - kann jemand etwas darüber sagen?Guten Tag allerseits,

ich bin gerade dabei, an unserem Lothringerhaus das auf dem Foto sichtbare Türgewände freizulegen, dass hinter mehreren Schichten Beton und Farbe verborgen ist.

Im Vergleich zu allem, was ich bisher an Gewänden in unserer Gegend gesehen habe (Moselland - Nordlothringen), ist das sehr ungewöhnlich.

Das Ganze sieht aus, wie aus Einzelsteinen eigenartig unpräzise zusammengesetzt. Die Art von Oberlicht findet sich hier in der Gegend zwar hin und wieder, aber diesen oben halbrunden Aufsatz links vom Oberlicht habe ich so noch nie gesehen.

Kennt sich jemand von Euch mit diesen Dingen aus und kann das Ganze zeitlich und in punkto Stil einordnen?

Ich danke Euch herzlich im voraus!
semper talis
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| 26.10.16

Türgewände


Ich vermute alte, aus irgendeiner Ruine geborgene Steine die wiederverwendet wurden.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 26.10.16

Teile aus Ruinen


Ja, das auf jeden Fall: Das ganze Haus ist voll von Ruinenteilen, auch die Balken. Interessant wäre nur: Aus was für einer Ruine könnte das stammen? Wann könnte diese Ruine ursprünglich einmal errichtet worden sein?

Bringt einen zwar bei der Datierung des Hauses auch nicht viel weiter, aber trotzdem ...
semper talis
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 26.10.16


Es kann sich um Spolien handeln, so wie der Zustand aber ist, mit den ganzen Zementergänzungen und Überarbeitungen, könnte es sich auch um das originale Türgewände handeln, welches lediglich im Laufe der Zeit reduziert wurde.

Die rundlichen Fortsätze neben dem Fenster könnten früher mal Schmuck gewesen sein, da gab es viele verschiedene´, meist aber für die Region sehr typische Gestaltungsweisen. Anbei solch ein Türgewände eines alten Bauernhauses vor der Sanierung, man sieht nur noch einen Teil des Originals, der Rest liegt unter dem Putz. Dass das Türgewände mal so gestaltet war wie ortsüblich, ließ sich durch alte Bilder belegen die vor dem Verputzen des Hauses gemacht wurden, dort erkannte man den besonders dicken Sturz und Profilreste. Anhand dieses Befundes konnte ich das Gewände originalgetreu wiederherstellen und neu einbauen. Da sich er Auftraggeber dafür entschieden hat sein Haus komplett zu dämmen, wurde das Gewände ca. 10cm weiter aus der aktuellen Flucht herausgestellt, damit es später nicht unter der Dämmung verschwindet. Gut finde ich den Dämmwahn nicht, aber immerhin hat der Auftraggeber dieses letzte Detail des alten Hauses erhalten.
"Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen" Jean Paul
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Ostobjekt - Werkstatt für Gestaltung | | 26.10.16


Hier noch die Rekonstruktion.
"Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen" Jean Paul
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Ostobjekt - Werkstatt für Gestaltung | | 26.10.16