Gutachten Holzschädlinge Dachboden Kellerdecke

Wir stehen vor einem Hauskauf. Das Haus ist um die Jahrhundertwende (zwischen 1885 und 1915) gebaut worden und von einem Gutachter wurde ein Schädlingsbefall festgestellt.
Dachboden: Mittlerer Befall einiger Dachsparren und Pfetten vom Hausbock
Kellerdecke: Splintholzbereich befallen vom gewöhnlichen Nagekäfer. Vor allem Balkenköpfe sind befallen.
Das Gutachten kann nicht vollkommen ausschließen, dass es sich um einen aktuellen Befall handelt, auch wenn keine Spuren von räuberischen Insekten, die den Larven nachstellen festgestellt wurde, oder auch kein Bohrmehl vorgefunden wurde. Das Gutachten empfiehlt Stoßaxt, Beil Stemmeisen zur Beseitigung des beschädigten Holzes. Bei den Balkenköpfen wird eine starke Zerstörung beschrieben, alle Balken sollten überprüft werden. Eine Verstärkung der Balken wird angeraten.

Dahingegen lautet das Angebot einer Schädlingsbekämpfungsfirma aus der Region wie folgt:
"Es wurden frische Fraßgänge und Ausflugslöcher im Dachboden und in den Deckenbalken festgestellt. Um ein Übergreifen auf die gesunden Hölzer zu vermeiden, soll eine Sanierung gemäß DIN 68800 Teil 4 dringend erfolgen."
Methode: Holzdruckinjektionen mit Adolit Anti Insekt 0,02% Permethrin.
Dauer: 4 Tage. Geschätzte Kosten: gut 5.000 Euro.

Hat jemand Erfahrungen mit Befall dieser Art? Kann jemand Tipps geben, ob sich diese Bekämpfung "lohnt"? Wir müssen in den nächsten Tagen entscheiden, ob wir das Haus Kaufen wollen und würden uns sehr über Hilfe freuen. Wenn Fragen sind, zitiere ich gerne noch mehr aus Gutachten und Angebot. Danke!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 28.04.16

Holzschädlinge bekämpfen


Solche Mittel partiell und zwangsläufig nur bei sichtbaren und zugänglichen Holzteilen anzuwenden wäre mir zu unzuverlässig.
Wie sollen denn dabei eingebaute Balkenköpfe erreicht werden?

Sicherer und unschädlich für die Bewohner ist sicher das Heißluftverfahren, dabei muß nur sichergestellt sein, dass die Temperaturen auch im Balkeninnern erreicht und eingehalten werden.

Andreas Teich

Schädlingsbefall


Mein Vorschlag:
1. Bitten Sie den SV für Holzschutz um eine Stellungnahme.
2. Erbitten Sie von dem Ersteller des Angebotes Informationen bzw. Nachweise über den festgestellten Neubefall.

Mein Eindruck: Hier wird versucht vom Anbieter Geld zu generieren.
Vergessen sollte man allerdings nicht das beide! sowohl der SV als auch der Anbieter (wenn es zum Auftrag kommt)in der Gewährleistung stehen. Der Anbieter sichert sich damit auch ab.
Aber: das könnte er auch mit einer Bedenkenanmeldung machen. Damit wäre er rechtlich abgesichert, würde aber auf 5.000,- € Auftragsvolumen verzichten.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 29.04.16

Holzschädlinge bekämpfen


Hallo und vielen Dank für die Hinweise.
Mir leuchtet ebenfalls ein, dass die verkleideten Balken auf dem Dachboden gar nicht mit der Gift-Methode behandelt werden könnten. Inzwischen denke ich auch, dass hier wohl eher ein Auftrag vergeben werden will.
Funktioniert die Heißluft-Methode denn auf dem Dachboden auch bei verkleideten Balken? Außerdem: wäre die Heißluft-Methode auch bei der Kellerdecke anzuwenden?
Weitere Informationen: einer der Kellerräume – der unter dem Wohnzimmer-Bereich – ist bereits mit einem Stahlträger gesichert. Unsere Frage: nehmen wir an, der Befall in der Kellerdecke ist ein alter Befall und aktuell frisst sich kein Nagekäfer mehr da durch. Wäre dann eine Trägerkonstruktion mit Stahlträger die Lösung und man könnte das Holz einfach dort lassen? Bei dem Holzalter ist ja kein neuer Befall mehr zu befürchten, oder?

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.04.16

Heißluftverfahren


Gib das Stichwort bei der Suchfunktion ein- dann kommen jede Menge Beiträge dazu.
Das Heißluftverfahren ist ja gerade für unzugängliche Bereiche vorgesehen.

Wenn allerdings Balkenköpfe saniert oder überprüft werden müssen würde ich die vorher etwas freilegen.

Bei alten Hölzern ist Schädlings-Neubefall unwahrscheinlicher, obwohl es keine Garantie dafür gibt.
Bei Holz-Kellerdecken kann das Verfahren auch angewendet werden, jedoch ist i.A. Verrottung wegen erhöhter Feuchtigkeit das Hauptproblem- nicht Schädlingsbefall.

Andreas Teich

Holzschädlinge bekämpfen


Der Keller roch bei Begehung kein bisschen muffig und feucht ist es dort nicht. Die aktuellen Eigentümer lagern dort alles mögliche. Ich denke nicht, dass sie das machen würden, wenn der Keller feucht wäre. Uns geht es rein um die sich verändernden Statik, wenn die Schädlinge sich durchgefressen haben. Dann wird es ja wahrscheinlich gefährlich und eine Sanierung sehr teuer. Wir hätten nichts dagegen, jetzt entsprechende Maßnahmen durchzuführen, wenn wir sicher wären, dass die auch was bringen. Wenn Balkenköpfe "starke Zerstörung" (so sagt es das Gutachten) aufweisen, inwiefern ist dann überhaupt noch eine Bewohnung des Hauses möglich/sinnvoll. Schwierig für einen Laien, das einzuschätzen. Wir haben am nächsten Mittwoch einen weiteren Besichtigungstermin. Worauf sollen wir achten, was sollten wir ansprechen?
Vielen Dank nochmal für all die hilfreichen Hinweise und denn hilfreichen Austausch hier.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.04.16

Balkenköpfe geschädigt


Wie würde die Schädigung festgestellt?
Liegen die Balkenköpfe offen?
Sind dabei alle Etagen betroffen?
Welche Art von Schädigung? Feuchte oder Schädlinge?

Holzdecken bei Kellern sollten dann zB durch Ziegeleinhangdecken ersetzt werden. Sanierungskosten sind schwer kalkulierbar.

Wenn solche Schäden im Gutachten erwähnt werden muß der Kaufpreis entsprechend günstig sein, um auch evt nicht entdeckte/aufgeführte Schäden sanieren zu können.

Da umfangreicher Bauteilöffnungen und Untersuchungen selten vorgenommen werden besteht immer die Möglichkeiten von weiteren Schäden.
Wenn die Decke länger nachschwingt kann dies auf Schädigungen hinweisen.

Wenn Holz beim darauf klopfen (mit kleinem Hammer, Schraubenziehergriff oä) dumpf klingt ist es geschädigt- den Unterschied hört man sofort im Vergleich zum Klopfen auf gesundem Holz.

Bei notwendigen umfangreicheren Sanierungsarbeiten wird oft nur der reine Grundstückspreis als Kaufpreis angenommen.
Wenn ihr viel selber machen könnt, zumindest Abriß uÄ. ist die Situation sicher anders, weil ein Großteil der Kosten für Arbeitslöhne anfällt.

Sicherer ist es einen eigenen Gutachter zu beauftragen, der sehr sorgfältig das gesamte Gebäude untersuchen kann und auch kritische Bereiche dabei öffnen darf.

Andreas Teich

Gutachten-Bilder aus der Bilddatenbank: