Großeschmidt- umstrittenes Konzept

Ich hatte intensive Gespräche mit unserem Denkmalpfleger bezüglich der Wohnumnutzung eines Stalls (in einem Fachwerkensemble)in Verbindung mit einer Hüllflächentemperierung nach Großeschmidt zusammen mit einer zusätzlichen FB-Heizung (vorsichtshalber!!). Der Stall (Bj. 1890) ist aus Ziegelmauerwerk (ca. 40cm) und nicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit isoliert.
Der Denkmalpfleger hat größte Bedenken gegen dieses Konzept und befürchtet langfristige Schädigungen für den Bau bis hin zum Gesamtverlust!!Nebenbei bemerkte er, dass das Konzept der Beheizung/Austrocknung nach Großeschmidt schon viele Gebäude zerstört hätte!!
Mit dem seien wir fertig - O-Ton.
Ich führte alle diese Diskussionen im Vorfeld der Entscheidung dieses Objekt u. U. zu kaufen.
Da wir den Stall zu Wohnzwecken benötigen, kommt diesem Vorgehen große Bedeutung zu. Einen sauer gefahrenen Denkmalpfleger könne und wollen wir uns nicht leisten- er muss schließlich für die Steuer den Umbau im Fachwerkteil querschreiben.
Was tun?
Gibt es Belege , dass eine Beheizung nach Großeschmidt ruinieren kann????
Warum unterstützen andere Denkmalämter dieses Konzept???
In einer Reihe "Bautechnik" seien die negativen Ergebnisse dargestellt? Wer hat diese Reihe??
Ich bin gründlich verwirrt, war ich als Ingenieur bisher doch davon überzeugt, dass die vorsichtige (ich will die nicht grillen!!!) Beheizung der nassen Fundamente diese langsam wieder trocknet- also in den Anfangszustand (zu Zeiten des Baus) zurück versetzt und sie in diesem Zusatnd stabil hält!!!!!
Liege ich so falsch?
Wer kann helfen?
Grüße
ein verwirrter Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.04.04


Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, das dadurch Gebäude ruiniert werden sollen. Will Ihr Denkmalpfleger Ihnen denn eine Wandheizung komplett "verbieten" oder "nur" die nach Großeschmidt??
Denn im Endeffekt erreicht man mit beiden eine Trocknung der Wand. Und wozu soll bei einer Ziegelwand Feuchtigkeit gut sein? Kann Ihr Denkmalpfleger denn konkrete Gebäude benennen, die nachweislich durch irgendeine Art Wandheizung zerstört worden sein sollen?
Eine Temperierung nach Großeschmidt ist doch vereinfacht gesagt auch nichts anderes als eine stinknormale Wandheizung, nur mit weniger Rohr und höheren Vorlauftemperaturen.

Aber vielleicht gibts ja noch jemanden der andere Erkenntnisse hat.

Mit besten Grüßen
Das gute Gefühl gesund zu wohnen
Mitglied der Fachwerk.de Community
Naturbaustoffhandel | | 03.04.04

Vorbehalte


@ Siegfried

Hallo, weiß denn der Denkmalpfleger wirklich genau, wovon er redet. Ich habe bisher sehr viele Vorbehalte kennen gelernt, aber bisher hauptsächlich bei Unwissenden und bei Personen, die aus Umsatz-Interessen o.ä. andere Systeme favorisieren ;-)
Eine derart krasse Einstellung ist mir persönlich auch bisher noch nicht untergekommen. Ich bin auch ständig am googeln, um mehr Infos zu bekommen, bin aber bisher noch nicht auf derartiges Material gestoßen.
Im Moment würde ich mich deshalb auch erst einmal dem Gedanken meines Vorredners Gunnar Schneider anschließen und den "Denkmalpfleger" ganz vorsichtig um weitere Infos bitten.
Bin zwar kein gelernter "Techniker" aber eine Schädigung der Bausubstanz kann ich mir rein bauphysikalisch beim besten Willen nicht vorstellen.
Mann kann ja auch einmal ganz verquer denken. Hat der "gute Mensch" da vielleicht irgendetwas verwechselt und meint ggf. irgendein anderes Prinzip, daß mit Temperierung und Heizung nichts zu tun hat ??? Soll ja alles schon vorgekommen sein.

Noch schnell zur früheren Nutzung des Stalls. Haben Sie das Salz-Problem im Mauerwerk bereits bedacht. Dazu gibt es hier im Forum bereits einige Beiträge.
Gruß und viel Erfolg


anonymus | 04.04.04

Denkmalpfleger contra Großeschmidt Konzept


Hallo Herr Schneider,
danke für Ihre Antwort - der Denkmalpfleger will mir die Umnutzung des Stalls zu Wohnzwecken ausreden - ich soll den Stall weiter als Stall, resp. als Garage, oder/und Abstellraum , etc. nutzen - also in jedem Fall ohne Beheizung!
Er konnte und wollte wohl auch nicht konkret angeblich durch Großeschmidt geschädigte Gebäude benennen.
Er verwies auf die besgate Reihe "Bautechnik" - wer kennt die????
Dank auch an Herrn Froehlich - Mir war es nicht möglich zu verifizieren, ob der Denkmalpfleger wusste wovon er redet.
Mit Großeschmidt seien "Sie" (wer auch immer das ist)fertig!!!!
Dahätte es große Auseinandersetzungen gegeben!

Es liegt höchstwahrscheinlich die Versalzung einer Wand vor (Boden wird herausgenommen). Meine Annahmen bisher:
Die zukünftige Austrocknung des Fundaments durch die Hüllflächentemperierung unterbricht den vertikalen Salztransport in den sichtbaren Putz. D.h. der neue Putz wird nicht mehr blühen! Korrekt?
Wir sollten das Thema Hüllflächentemprierung weiter verfolgen und alles sammeln ,was wir bekommne.
Gruß Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
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| 04.04.04

Bautechnik


Es ist eine Publikation aus dem Verlag Ernst und Sohn.
Hab mir mal die Inhaltsverzeichnisse bis 1997 angeguckt. Es sind nur zwei Artikel, die in Frage kämen:
1. Hartwig Schmidt in 7/99 mit Stichwort Trockenlegung
2. Klaus Kempe in 8/98 mit Stichwort Nässeschäden.

Aber auch mit diesen Zusatzinfos bin ich bisher nicht weiter gekommen.
Vielleicht hat jemand einen direkten Zugriff auf diese Hefte.

Habe bisher auch erst eine kritische Passage zu Großeschmidt gefunden. Im Forschungsbericht 2002 der HTWK / Leipzig wird lediglich vermerkt, daß das System unter "Fachleuten" kontrovers diskutiert wird.
Positiv: die bauphysikalischen Vorteile
Negativ: Höhere Wärmeverluste durch Transmission

Das wars bisher
Gruß


anonymus | 04.04.04

Totalschaden


Hallo, ich selber weiß von einem Totalschaden nach Großeschmidt-Heizung (ich werde es mal raussuchen): Der kluge Bauherr war im Winter verreist und hatte aus Sparsamkeitsgründen die Heizung abgeschaltet ... Ansonsten ist der gute Herr Großeschmidt als Temperierungs-Missionar durchaus im Denkmalschutzbereich eine Reizfigur und nicht unumstritten, weil es im Einzelfall gelegentlich zu Interessenskollisionen kommt. Da gab es mal ein Bauernhaus mit schönen Wandmalereien, das zum Museum ausgebaut werden sollte; Herr Großeschmidt wollte dort partout die Wände schlitzen ... Das ändert nichts daran, dass die Methode genial ist, um Bauwerke dauerhaft vor Feuchtigkeitsschäden zu schützen (Trockenschäden gibt es höchstens für Goldfische im Aquarium), um ein Haus effektiv und gesund zu beheizen und obendrein sparsam und mit einem Minimum an Technik. Ich schwitze bei 14 Grad Lufttemperatur auf der Baustelle wie ein Ochse. Wenn's den Herrn Großeschmidt noch nicht gäbe, müsste man ihn erfinden! Das A und O bei dieser Heizung sind die exakte Planung, die individuelle Auslegung und die handwerklich saubere Ausführung (blankes Kupfer ummanteln oder lackieren ...).
Gruß gf
Unser Traum wird wahr!
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| 06.04.04

Materialfrage


Hallo Herr Flegel,

Sie haben nun Cu-Rohr verwendet.
Spricht aus Ihrer Sicht irgendetwas gegen die Verwendung von Metall-Verbundrohr (PE-X/Al/PE-X) mit gleichem Innendurchmesser?
Diese Frage war im Zusammenhang mit Wandheizungen schon häufiger angesprochen. Noch mal kurz:
Verbundrohr ist zwar ca. doppelt so teuer wie Cu-Rohr, aber der Verlegeaufwand ist deutlich geringer. Unterm Strich ergibt sich meines Erachtens ein Kostenvorteil für das Verbundrohr. Außerdem ist die Havarie-Gefahr wegen eventueller undichter Lötstellen geringer.
Gruß aus BS


anonymus | 06.04.04


Hallo Herr Froehlich, das Material ist meines Erachtens zweitranging. Ich wpürde im alten haus, mehr aus traditionalistischen Gründen, wohl auf Kunststoff verzichten; aber die Preisfrage spielt natürlich schon eine Rolle. Bei meiner Ausschreibung ergab sich der günstigste Meterpreis bei der Verlegung von CU-Rohr; Verbundrohr wie von Ihnen beschrieben lag knapp darüber. Im anderen Fall hätten wir uns sicher für das Verbundrohr entschieden.
Gruß gf
Unser Traum wird wahr!
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| 06.04.04

"wundersames verfahren"


...hier ein artikel von Dr.-Ing. klaus graupner, institut für bauklimatik an der TU dresden.
"wundersames verfahren, kritische betrachtung der temperierung für historische gebäude" in: "bausubstanz 3 /99, S. 36-39.

hier auf die schnelle, ohne kommentar und wertung.
falls im netz nicht auffindbar, verschicke ich euch gerne eine kopie.
gruss christian bernard
ZEITGEMÄSSE KONZEPTE FÜR HISTORISCHE GEBÄUDE
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punkt4 architekten | | 06.04.04

wunder


Wunder gibt es nicht - wesentlicher Kritikpunkt an der Temperierung ist der erhöhte Energiebedarf, da man ja quasi die Außenwände mitheizt. Leider hat noch keiner ein Haus drei Jahre lang a la Großeschmidt beheizt und dann drei Jahre lang konventionell - dann hätte man mal eine Vergleichsbasis. So stochert man halt doch im Nebel - die Pi mal Daumen Zahlen zum Energiebedarf sind zwa ein Anhaltspunkt, aber jedes Haus ist anders ...
gf
Unser Traum wird wahr!
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| 06.04.04

Großeschmidt


Hallo Herr Flegel,
ich verstehe sehr wohl, dass man die Temperierung nach Großeschmidt, wie sie schreiben, exakt planen, individeuelll auslegen und handwerklich sauber ausführen muss. Doch bei so wenig Erfahrung, denn kaum eine Temperierung läuft doch wohl schon länger, fällt eine individulelle Auslegung wohl schwer.
Beispiel bei mir: Raum 5,5 x 10m mit 40cm Ziegelwänden (aus 1890)ohne Isolierung gegen aufsteigende Feuchtigkeit, ca. 3m Deckenhöhe,Kappendecke aus Ziegeln in Doppel - T- Trägern (? - sieht von unten so aus), darüber Tenne. Die Decke des Raumes zur Tenne soll ensprechend durch aufgelegtes Material wärmegedämmt werden. Die Wände wirken optisch nicht sehr feucht, außen Ziegeloberfläche o. B. ,die Fugen sanden etwas aus, innen Reste von Putz, die typischen Ausblühungen sind nicht sichtbar.
Meine individuelle Auslegung (PE-X Rohr , 18mmm) sieht den Vorlauf zunächst in Höhe des Bodens vor, läßt ihn dann die Fenster (4 kleine, 3 große Neue) , Ecken und Türen umfahren ,um dann als Rücklauf parallel zum Vorlauf im Höhe des Bodens zurückzukehren zum Kessel.
Um sicher zu gehen, dass der Raum im kalten Winter warm wird, werde ich zusätzlich im Raum eine FB-Heizung verlegen.
Ich denke mir das ist meine individuelle Auslegung?! oder noch einige Schlenker des Rohrs auf den übrigen Wandflächen (sind im übrigen 3 Außenflächen). Anregungen ? Ergänzungen?
Ich bin Ingenieur und wir Ings. haben etwas empirisches im Blut...- ich hoffe das wird in der Praxis bestätigt
Beste Grüße
Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.04.04

Hmmm


Das mit den Erfahrungswerten stimmt schon. Aber gerade bei der Temperierung sind "nach oben" ja keine Grenzen gesetzt. Der Dachstuhl auf Ihrem Haus ist ja auch so ausgelegt, dass er im Ernstfall einen halben Meter Schnee auch noch trägt - auch wenn das nur alle 30 Jahre vorkommt (zugegeben, die Statik ist leichter zu berechnen ...). Übertragen auf die Heizung heißt das: Im Zweifel lieber eine Schleife mehr und ein stärkeres Rohr, das macht kosten mäßig nicht viel aus, und beim Zuviel dann mit niedrigerer Vorlauftemperatur fahren. Aber das muss die Heizung halt auch mitspielen - deswegen exakte Planung und saubere Ausführung. Ihr Konzept haut sicher hin. Leider hört man immer nur Berichte von denen, bei denen es klappt. Schreiben Sie also alsbald von Ihren Erfahrungen - vielleicht gibt es ja eines Tages das Handbuch zur Temperierung, das auch den Empiriker zufrieden stellt. War Kolumbus der Erste, der nach Amerika segelte? Leider: Die, die es versucht haben und gescheitert sind, haben keine e-mail geschickt ...
gf
Unser Traum wird wahr!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.04.04

Großeschmidt


Stimme ihnen zu. Mein Denkmalpfleger murmelte auch nur etwas von gescheiterten Installationen, ohne Details zu nennen.
Aber die Idee mit dem "Handbuch zur Temperierung" gefällt mir:
1. Planungsdaten praktischer Ausführungen zur Temperierung:
Raummaße, inkl. Höhe, Wandmaterial-Fachwerk, massiv, etc., verlegtes Rohrmaterial - Längen, Schleifen und Detailausführung beschreiben (vielleicht Fotos der Wände). Vorlauftemperatur der Heizung,
Ergebenisse: Innentemperatur?, Fundamente ausgetrocknet?
Ließe sich sicherlich noch verbessern.
Werde wenn es so weit sein sollte, meinen Teil dazu beitragen.
Gruß
Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.04.04


Ich habe das auch durchaus ernst gemeint. Meine Erfahrungen füllen fast schon ein Buch - sollten wir ein Autorenteam gründen (Vorwort: H. Großeschmidt ...)???
gf
Unser Traum wird wahr!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.04.04


Wir stellen selbst Wandheizugen her arbeiten oft mit Temperierung. Ich möchte zur Großeschmidt Methode die wir selbst seit Jahren in abgeänderter Form anwenden folgende Bemerkung machen. Der Nachteil in diesem System ist die relativ hohen Vorlauftemperaturen. Diese haben zum einen nichts mit der heutigen zeitgemäßen Niedertemperaturtechnik ( Brennwert, Solares Heizen usw.)zu tun. Zum anderen habe ich ein schlechtes Gefühl bei einem Fundament/ Wand die zur Trockenlegung mit einer thermischen Horizontalsperre ausgerüstet ist und mit 60°C Vorlauf betrieben wird. Hier sind mir Temperaturen zw. 30-45°C viel sympathischer. Die von durchgeführten Projekte belegen die Funktionsfähigkeit unserer Methode. Viele Grüße Gerd Meurer
Spezialisten für Lehmbaustoffe, Dämmstofftechnik Wandheizungen und Naturfarben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Meurer NATÜRLICHES BAUEN GmbH | | 06.04.04

PE-X Rohr


@ Siegfried

Ich würde kein normales PE-X Rohr nehmen.
PE-X ist zwar besser als normales PE-Rohr, aber auch hier ist eine Sauerstoff-Diffusion nicht auszuschließen und dann kann die ganze Anlage verschlammen.
Stattdessen lieber Verbundrohr PE-X / Al / PE-X
Gruß aus BS


anonymus | 06.04.04


Ich kann Herrn Froehlich auch aus anderen Gründen nur zustimmen. 18er Kunststoffrohr läßt sich besch.. verlegen. Die erforderliche Biegeradien lassen einem in den Raumecken und an anderen kritischen Stellen die Haare zu Berge stehen. Da ist Verbundrohr aus Kunststoff-Alu-Kunststoff deutlich verlegefreundlicher. Das sind eigene teilweise schmerzliche Erfahrungen. Mal ganz abgesehen vom Thema Sauerstoffdichtheit, was sicher auch einen wesentlichen Faktor für die Auswahl des Rohres sein sollte.
Das gute Gefühl gesund zu wohnen
Mitglied der Fachwerk.de Community
Naturbaustoffhandel | | 06.04.04


Zum Metallverbundrohr gibt es meiner Meinung nach keine Alternative. Die Verbindungstechnik ist unkompliziert und sicher. Das Rohr ist sauerstoffdicht und kann mit allen Putzen ohne Vorbehandlung beschichtet werden. Viele grüße Gerd Meurer
Spezialisten für Lehmbaustoffe, Dämmstofftechnik Wandheizungen und Naturfarben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Meurer NATÜRLICHES BAUEN GmbH | | 07.04.04

Literatur


Moin moin miteinander,

Christian Bernard hatte Kopien weiterer Infos zu diesem Thema angeboten (s.o.). Ich habe von ihm mittlerweile Hardcopies erhalten.
Ein Versand der Infos (als Scans) per E-Mail scheidet aufgrund der Dateigrößen aus (über 10 MB). Erstelle gerade daraus Textdateien als PDF.
Bei Interesse bitte Email an mich (s. Profil). Versand erfolgt ausschließlich an Mitglieder der fachwerk.de Community zum privaten / internen Gebrauch.
Fertigstellung / Versand: ca. 10.04.04.

Gruß aus BS


anonymus | 07.04.04


Ich stehe auch vor der Aufgabe ien altes Haus zu renovieren inkl. der Heizungsanlage.
Zum Glück bin ich rechtzeitig auf das Thema Wandheizungen aufmerksam geworden. Die Vorteile des Sytems haben mich absolut überzeugt und ich werde meine Heizung derart ausführen.
Auf der Suche nach Infos bin ich auf das Ingenieurbüro Reimer gestoßen. Sie haben Infos für Privatleute, da sich die wenigsten ein Planungsbüro extra für die Heizungsnalage leisten wollen und können (Honorar wäre ca. 4000?).
Sie empfehlen weiche Kupferrohre 18 x 1 mit Schutzmantel (Wica- Rohr) zu verwenden. In Außenwände sollten 2 Schleifen (eine in Sockelhöhe und eine direkt unterhalb der Fenster mit Schleifen im Fensterbereich)und in Innenwände eine Schleife ( im Sockelbereich) verlegt werden.
Jeder Raum sollte einen eigenen Heizkreis bekommen, Steuerung wie bei eine fbh etc... wer die pdf- datei mit den infos haben möchte, kann mich kontaktieren.

Ich persönlich denke, dass es bei nicht feuchtegefährdeten Wänden-z.b. in den Obergeschossen- kaum sinnvoll ist, verstärkt die Außenwände zu beheizen. die (am stärksten) beheizte Wand hat zwangsläufig ja die höheren Wandtemperaturen. Ist das die Außenwand, steigen damit ja zwangsläufig die Wärmeverluste oder nicht?

Grüße aus Bockenem am Harz

Stefan
Prüfet aber alles und das Gute behaltet. [1.Thess 5,21]
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 10.04.04

Vorsicht


@Stefan Pape

Eine Verlegung der Wandheizung nur auf den Innenwänden halte ich für gefählich.
Sicherlich werden dadurch die Wärmeverluste minimiert - das ist vordergründig richtig, jedoch handelt man sich damit zwei andere Probleme ein.
Eine Wandheizung soll natürlich einen sehr hohen Strahlungsanteil liefern, das ist der erste Aspekt.
Hinzu kommt aber die Überlegung, daß die AUßENWAND wärmer sein soll als die Raumluft. Dadurch wird eine Kondensat-bildung an und in der Außenwand verhindert.
Verlegt man nun die Heizung auf die Innenwände, kann es sein, daß die Außenwand kühler ist als die Raumtemperatur und dann wieder Kondensat anfallen kann.
Diese bauphysikalischen Aspekte sollten aber vor dem Hintergrund des konkreten Wandaufbaus gesehen werden.

Eine Wärmeverlust durch die Außenwände wird es immer geben. Unter Aspekten der Bauteiltrocknung ist dieser Aspekt system-immanent und auch gewollt.

Ein bißchen Theorie in kürze:
Wir sprechen bei der Wandheizung - leider immer etwas verkürzt - von Strahlungswärme. Das ist so nicht richtig. Eine Wandheizung hat lediglich einen höheren Strahlungsanteil. Die beiden anderen Formen des Wärmetransport - Wärmeleitung und Konvektion - finden nach wie vor statt, jedoch in geringerem Außmaß als bei Heizkörpern.
Liegt die WH auf der Außenwand, erfolgt auch eine Aufheizung der Innenwände durch alle drei möglichen Formen.
Liegt die WH jedoch auf der Innenwand, besteht ein größeres Temperaturgefälle zwischen Innenwänden und Außenwand. D.h. das sogenannte "Behaglichkeitsgefühl" kann sich je nach den Wärmeverlusten der Außenwand nicht einstellen, da sie mit einer wesentlich tieferen Temperatur strahlt - ähnlich dem Kältegefühl vor einem Fenster im Winter (im Sprachgebrauch immer als Zug bezeichnet, den es jedoch zusätzlich bei geringer Winddichtigkeit auch noch geben kann).

Um dieses "Un-Behaglichkeitsgefühl" zu überwinden, müßte demnach die Temperatur der Innenwände angehoben werden (höhere Vorlauftemperatur). Dadurch steigt dann aber über Konvektion wieder die Raumtemperatur über das notwendige Maß hinaus, und die Wärme wird dann auch wieder über die kühle Außenwand in die Freiheit entlassen.
Unterm Strich: ökonomisch eine kontra-produktive Maßnahme, die auch die baubiologischen Vorteile aus der niedrigen Raumtemperatur vernichtet.

Insofern sind die Transmissionsverluste bei Verlegung in der Außenwand das geringere Übel. Wärmeverluste lassen sich nicht verhindern - gerade im Fachwerkhaus - sondern nur minimieren.

Aber deshalb sind wir noch keine Minimalisten ;-))

Die Belegung der Außenwand ist insofern ein vorrangiges MUSS, die zusätzlich Belegung der Innenwände dann eher ein KANN, je nach dem errechneten oder gewünschtem Wärmebedarf.

Gruß aus BS und frohe Ostern


anonymus | 10.04.04

Sehr schön geschrieben Herr Froehlich


Ich kann Ihren Aussagen nur zustimmen.

Frohe Ostern
Das gute Gefühl gesund zu wohnen
Mitglied der Fachwerk.de Community
Naturbaustoffhandel | | 10.04.04


vielen Dank für Ihre Hinweise, denen ich auch im wesentlichen nicht widersprechen kann und möchte.

Meine Gedanken gingen nicht in die Richtung, auf eine direkte Aufheizung der Außenwände zu verzichten, sondern eine unnötig starke Aufheizung der Außenwände zu vermeiden.
Klar, Wärmeverluste lassen sich nicht verhindern, aber man kann ja nach dem Optimum streben. Das Optimum ist wohl, dass alle Wände ungefähr die gleiche Temperatur haben bzw. die Außenwände eine etwas geringere Temperatur als die Innenwände haben (natürlich beide über der Raumluftttemperatur). Deshalb frage ich mich, ob es nicht sinnvoller ist anstatt zwei Schleifen in die Außenwand zu verlegen, eine in die Außenwand und eine in die Innenwand bzw. das Rohr im Kreis zu verlegen, so dass in den Innenwänden gewissermassen die Rückläufe verlaufen. Evtl kann man auch unterschiedliche Durchmesser einsetzen.
Dies ist sicher eine Optimierungsfrage. Ich habe aber meine Zweifel, ob man dass rechentechnisch in den Griff bekommt, nicht zuletzt aufgrund der vielen Randbedingungen (z.b. spätere Anordnung der Möbel), so dass im Zweifelsfall sicher eine evtl. einseitig starke Beheizung der Außenwände der sicherere Weg ist.
Das sind nur einige Gedanken von mir zu dem Thema, ich bin da noch am überlegen.

Grüsse Stefan Pape
Prüfet aber alles und das Gute behaltet. [1.Thess 5,21]
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.04.04

Thermische Sanierung und Denkmalschutz


Ich habe für mein Haus ein schriftliche Empfehlung für die thermische Sanierung (Einbau einer thermischen Horizontalsperre) vom Landesamt für Denkmalschutz in Bayern. Das Thema "Wie lege ich am besten ein Denkmal trocken?" ist derzeit wohl eher im Stadium der mittelalterlichen Glaubenskriege, soll heißen: Fragen Sie 5 Experten und Sie bekommen 5 Glaubensrichtungen. Negativbeispiele werden auch je nach persönlicher Meinung des Auskunftgebenden als "klappt hervorragend" bis "nur Mist" beschrieben (Beispiel: Rathaus Tittmoning). Vermutlich liegt der Teufel oft im Detail (keine Standardlösung möglich) und die Verwirrung läßt sich kaum beseitigen.
P.S.: In meinem Haus lasse ich derzeit auch eine Hüllflächentemperierung nach Großeschmidt einbauen (zum Trockenlegen und zum Heizen). Warum - weil ich dran glaube.
irgendwos geht oiwei
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04

Großeschmidt


Hallo Frau Zaunseder,
interessant, dass Ihr Denkmalpfleger das empfiehlt.
Darf ich sie bitten, den Wandaufbau ein wenig zu beschreiben - Ziegelwand, Dicke ?, Fachwerkwand?, Bruchstein?, etc.
Wie Verlegen Sie? Schleifen wo und wieviele?
Rohrart?
Vielen Dank
Siegfried Seiffert
Auf der Suche nach dem Traum...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04

Großeschmidt ohne Ende


Eingeflochten: Dass das Landesamt für Denkmalpflege eine Großeschmidt-Heizung empfieht, wundert nicht; Herr Großeschmidt ist dort beschäftigt (Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen). Ich staune immer wieder über die kontrovers geführten Temperierungs-Debatten: Über Heizkörper diskutiert keiner (die hat man halt ...). In einem anderen Forum bin ich mal in der Luft zerfetzt worden, weil ich in meinem Haus eine Großeschmidt-Temperierung eingebaut habe. Dazu habe ich dann diesen Beitrag verfasst (der unwidersprochen blieb):
1. Eine optimale Beheizung alter Häuser nach Gesichtspunkten der Energieeinsparung und Behaglichkeit stößt an Grenzen, die die Bausubstanz, der Denkmalschutz oder gestalterische Gesichtspunkte setzen.
2. Dabei ist die Wahl des Heizsystems von untergeordneter Bedeutung, da keine Technik Wunder vollbringen und die Unzulänglichkeiten der Gebäudehülle vollkommen kompensieren kann.
3. Im Gegensatz zu den von den jeweiligen Befürwortern leidenschaftlich geführten Diskussionen stellt es sich für den Laien so dar, dass Wärme und Wohlfühlen Begriffe sind, die sich nach keiner DIN richten. Die in den Diskussionen immer wieder angeführten Prämissen sind grundsätzlich zu hinterfragen: Fühlt man sich tatsächlich nur in einem Raum mit möglichst gleichmäßiger Wärmeverteilung wohl? Waren folglich die über Jahrhunderte betriebenen Ofenheizungen grundverkehrt? Kann man eine Strahlungsheizung wirklich mit der Sonnenstrahlung vergleichen? Hier eine 40 oder 50 Grad warme Heizquelle in unmittelbarerer Nähe, dort ein glühend heißer Gasball im Weltall? Inwieweit sind die Investitions- und Betriebskosten bzw. die Verbrauchswerte eines Heizsystems bei der Sanierung eines alten Hauses überhaupt relevant? Lohnt sich zum Beispiel eine aufwändige Dämmung... Viele Fragen, die tatsächlich nur im Einzelfall zu beantworten sind.
4. Die jeweils propagierten Heizsysteme sind nicht so leicht vergleichbar, wie die jeweiligen Verfechter glaubhaft machen wollen. Ein „nur“ strahlender Kachelofen erzeugt natürlich auch warme Luft, eine Warmluftheizung strahlt natürlich auch – da das jeweilige Verhältnis wohl je nach Bausituation und Betriebstemperatur schwankt, sind akademische Aussagen Makulatur.
5. Stehen die zwei gängigen Heizsysteme – Heizkörper oder Strahlungsheizung – im konkreten Sanierungsfall zur Diskussion, so sind zunächst die räumlichen Begebenheiten zu berücksichtigen. Bei einer Totalsanierung mit erheblichen Eingriffen in die Wandaufbauten fällt der höhere Konstruktionsaufwand für den Einbau (z.B.) einer Wandheizung kaum ins Gewicht; im anderen Fall ist es sicher einfacher und kostengünstiger, Heizkörper/Strahlplatten an die Wände zu hängen oder Heizleisten zu montieren. Mit diesen Gesichtspunkten sollte die Entscheidungsfindung des Bauherren beginnen.
6. Bei einem alten Haus sollte er sich bewusst sein, dass jedes Heizsystem einen im Vergleich zum optimal gedämmten Neubau erhöhten Energiebedarf haben wird. In einem schlecht gedämmten Altbau mit Heizkörper-Heizung werden die Außenwände immer kühl sein, da die Erwärmung der Wände durch die beheizte Luft im Raum zu gering ist, um die Wärmeverluste nach außen auszugleichen. Das bedingt höhere Heizkosten, da man aufgrund der Zuglufteffekte dazu neigen wird, die Raumtemperaturen zu erhöhen und die Heizung „höher zu stellen“, insbesondere etwa nach der üblichen Nachtabsenkung der Temperaturen. Die Wandheizung hat hier auf den ersten Blick den Vorteil, dass sie zunächst die Außenwände erwärmt und Wärme in den Raum abstrahlt, womit der Zuglufteffekt entfällt. Allerdings ist damit von vorneherein ein höherer Energiebedarf verbunden, da die Heizung nicht weiß, dass sie eigentlich nur Wärmestrahlung erzeugen soll. Wärme aus den Heizleitungen wird also auch nach außen verloren gehen.
Daher ist bei der Sanierung alter Häuser ein umfassendes Konzept zu erstellen, das neben konstruktiven Fragen insbesondere das Problem der Wärmedämmung und Beheizung als Einheit betrachtet und, ausgehend von der Persönlichkeit der Nutzer und der Persönlichkeit des Hauses, eine individuelle Lösung ermöglicht.
Viele Worte, zugegeben.
Gruß Günter Flegel
Unser Traum wird wahr!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04

Bravo


@ Günter Flegel

Es sind zwar viele Worte, aber es ist keines überflüssig.
Gruß aus BS


anonymus | 14.04.04

ja , hoffentlich Großeschmidt ohne Ende...


hätten wir hier im Forum schon alle Antworten, könnten wir es schließen...
Ich möchte noch einmal deutlich machen, was ich beabsichtige.
Wollen wir in einem Denkmal wohnen, müssen wir den Kompromiss finden zwischen Rücksichtnahme gegenüber dem Denkmal und den Ansprüchen der Bewohner. Das bedeutet aber in jedem Fall, dass wir es bewohnbar machen müssen. Mein Traumhaus ist bisher unbewohnt und in diesem Zustand für meine Familie nicht akzeptabel - primär keine Heizung, wenig Wärmedämmung, etc.

Ich bin nicht davon überzeugt,dass "viel dieser Fragen nur im Einzelfall zu beantworten sind - Zitat aus der letzten Mail von Herrn Flegel.
Im Gegenteil - viele unserer Denkmäler sind vergleichbar und damit ähnliche Konzepte, z.B. für die Heizung anwendbar.
Darum versuche ich typische Einbauten von Temperierungsanlagen zu erfassen, ihre Rahmenbedingungen zu beschreiben und damit die Übertragbarkeit (bei guten Ergebnissen) auf "vergleichbare" Objekte zu ermöglichen.
Dieses pragmatische Verfahren funktioniert in Zeiten des "Glaubenskrieges" am ehesten.

Bayrische Denkmalkonzepte a la Großeschmidt:
Der lokale Bezug von Herrn Großeschmidt war mir schon bekannt, doch hatte ich gehofft, dass alle Denkmalpfleger den hohen idealistischen Standards der Denkmalpflege huldigen. Unser zuständiger Denkmalpfleger glaubt offensichtlich nicht einmal daran, dass im "Einzelfall" Großeschmidt funktionieren könnte - sondern verdammt es pauschal.
Also sammeln wir (ich) funktionierende detaillierte Beschreibungen von Temperierungsanlagen, vielleichtläßt sich davon etwas , z.B. auf mein Traumhaus, übertragen.

Lieber Herr Flegel, mich würde noch interessieren, ob ihr schönes Haus ein Denkmal ist und wie sie ihren Denkmalpfleger überzeugen konnten.

Mit freundlichen Grüßen
Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04


Hallo, mein schönes Haus ist ein Denkmal, und überzeugen musste ich niemanden: Beim ersten Termin mit der Referentin vom DA deuteten wir an, dass die Beheizung wohl nach dem System Großeschmidt erfolgen wird. Antwort war: Prima.
Zu Ihrem Einwand: Das mit dem Einzelfall ist richtig und doch falsch. Stellen Sie sich 20 Leute mit einem Schnupfen vor. Jedem können Sie das Nasenspray xyz verschreiben, und es wird wahrscheinlich helfen, auch wenn der jeweilige Schnupfen 20 verschiedene Ursachen hat. Wer die ergründen (und abstellen will), muss tiefer gehen.
Übertragen heißt das: Man kann sicher für die Häuser x, y und z pauschal die Temperierung mit zwei Schleifen Vor- und Rücklauf und 5 cm Schilf- oder Holzfaserdämmung empfehlen. Das wird wohl in der Regel ganz gut funktionieren. Aber ich denke, wer sich schon die Mühe macht, ein altes Haus nach alter Technik mit Lehm und Stroh wieder instand zu setzen und bewohnbar zu machen, der möchte auch bei der Beheizung und Dämmung einen optimalen Weg gehen. Und der hängt eben von x Faktoren ab: Ist eine Dämmung außen möglich oder nicht? Wie sind die Wände aufgebaut und wie dick sind sie? In welche Richtung sind die Wohnräume orientiert, gibt es also Wärmegewinn durch Sonne (Beschattung, Fenster) und dementsprechend Modifikationen bei der Dämmung? Ist der Baugrund eher feucht oder trocken, gibt es einen mechanischen Schutz gegen aufsteigende Feuchte (Vorlauf oben oder unten) ...? Es ließen sich noch dutzende Fragen stellen, und sicher wird die eine oder andere Antwort die nächste so weit aufheben, dass die Standardlösung wieder irgendwo hinkommt. Aber warum eigentlich? Ich betrachte mein Haus (jedes Haus) als Persönlichkeit, und es soll das Mäntelchen bekommen, das ihm passt und steht.
Günter Flegel (schon wieder so viele worte!)
Unser Traum wird wahr!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04


Hallo Herr Seifert,

ich bin mit Herrn Flegel sehr einverstanden (die Photos finde ich klasse), aber kenne die Situation als BauherrIn /IngenieurIn zu gut. Irgendwelche systematischen Grundsätze müssen doch diesen Individuallösungen zugrundeliegen!

Zu den individuellen Lösungsparametern (schön ausgedrückt?!): Mauerwerk ist Tuffstein mit ein paar Ziegeln, stark variierende Mauerstärke (25cm bis >1m), kleine Räume (8-10m2), nicht unterkellert.

Zur Beschreibung meiner Individuallösung:
Verlegekonzept: 2 Kreisläufe (1. einfache Ringleitung an allen erdberührenden Wänden =Ganzjahreskreislauf zum Trockenlegen, 2. Vor- und Rücklauf übereinander=Winterkreislauf zum Heizen) =bis zu 3 Rohrleitungen übereinander.

Zur Position des bayrischen LfD: Dort gibt es keine einheitliche Meinung zum Thema, frei nach dem Motto: "Der Prophet in der eigenen Stadt ..."
irgendwos geht oiwei
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04

Individuelle Lösungsparameter


Hallo Frau Zaunseder,
danke für die individuellen Lösungsparameter.

Ich stimme Ihnen zu Herr Flegel, dass letztendlich individuell angepasst werden muss und ihre aufgezählten Faktoren eingehen werden.
Gruß
Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.04

Telefonat mit H. Großeschmidt


Hatte heute Gelegenheit mit Herrn Großeschmidt telefonisch zu sprechen. Auslöser war mein Mail an ihn, mit der Bitte, mich mit "Munition" für die Diskussion mit meinem Temperierungsgegner, dem lokalen Denkmalpfleger zu versehen.
Die gute Nachricht war, dass es im Mai ein Buch zu dem Thema geben wird: Wissienschaftliche Reihe Schönbrunn Bd. 9, ca. 170 Seiten, 30€.
Authoren: Großeschmidt, Kippes, Käferhaus, Kotterer, u.a..
Konkret beschäftigt sich das Buch mit ausgeführten Temperierungsanlagen, überwiegend in Kirchen, Schlössern Museen, aber auch in privaten Wohnhäusern- Ich bin gespannt.
darüber hinaus erhielt ich noch per Mail weiteres Infomaterial.
Er machte noch einaml deutlich, dass er für z.B. Wohnhäuser, blanke Kupferrohre empfiehlt, die direkt in Putz eingebettet werden. Er betonte, dass der "billigste Massenputz" vollkommen ausreichen würde. Anheizen nach dem putzen, um spätere spannungrisse zu vermeiden.
Beaste Grüße Siegfried
Auf der Suche nach dem Traum...
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| 19.04.04

hüllflächentemperierung


hallo,
habe gerade ihre zeilen gelesen....ich bin auch denkmalpfleger und Architekt und muss sagen, dass die hüllflächentemperierung das einzig brauchbare und preisgünstigste mittel ist, altbauten bzw. denkmäler sinnvoll zu sichern....
leider kennen auch viele denkmalpfleger diese methode nicht.
allerdings muss auch diese variate auf ihr haus passen, d.h. von einem fachmann, der hüllflächentemperierungen rechnen kann, bemessen werden.
viele grüße
Büro AIA Berlin
Denkmalpflege und Bauleitung

mfg
dimitri rauer


dimitri rauer | 27.01.05

Hüllenflächenteperierung


Hallo Leute,

ich habe soeben die folgenden Informationen zur Hüllenflächentemperierung gefunden:


Grenzen der Energieeinsparung bei der Sanierung von historisch wertvollen
Gebäuden
Dr.-Ing. Olaf Freytag, Dipl.-Ing. Kerstin Illing, Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Busch
Fachbereich Bauwesen
1. Einführung
Bei der Reduzierung des Energiebedarfes von Gebäuden steht immer noch die Mini-
mierung der Energieverluste im Mittelpunkt. Obwohl mit der Energieeinsparverord-
nung eine Erweiterung des Bilanzkreises eingeleitet wurde (weitgehende Ablösung
der Führungsgröße Jahres-Heizwärmebedarf durch Jahres-Primärenergiebedarf)
wird die nachträgliche Wärmedämmung als der Hauptweg zur Senkung des laufen-
den Energieaufwandes und zur Vermeidung thermisch-hygrischer Probleme angese-
hen. Ausgehend von den positiven Erfahrungen im Neubausektor (Niedrigenergie-
häuser, Passivhäuser) wird auch für den Bereich der Altbauten eine Übernahme
dieser energieökonomischen Konzepte angestrebt. Eine Minimierung des Energie-
bedarfes ist jedoch bei Altbauten, vor allem bei historisch wertvollen, nur begrenzt
möglich. Zum Beispiel ist häufig eine nachträgliche Außendämmung aus Gründen
der Fassadengestaltung nicht realisierbar; auch die Innendämmung unterliegt in
vielen Fällen Restriktionen. Zudem ist eine nachträgliche Wärmedämmung nicht zur
Behebung bzw. Vermeidung aller möglichen thermisch-hygrischen Schäden geeignet
(z. B. Sommerkondensat). Bei Altbauten ist, im Unterschied zu Neubauten, zu
beachten, dass häufig eine Unterscheidung zwischen
• dem Heizenergieaufwand zur Sicherung des für den Aufenthalt von Menschen
erforderlichem Raumklimas und
• dem ausschließlich bautenschutztechnisch begründetem Mindesteinsatz von
Energie
notwendig ist (Tab. 1). Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass automatisch
bei Sicherstellung des für den Aufenthalt von Menschen erforderlichen Raumklimas
auch alle thermisch-hygrischen Probleme, welche aus der Bausubstanz resultieren,
mit abgedeckt werden.
Sicherstellung des Raumklimas entsprechend der
Nutzeranforderungen
Erhalt des Gebäudes/Vermeidung von
Bauschäden
Heizenergiebedarf
Energieaufwand für Klimaanlagen
Bautenschutztechnisch begründeter
Mindestenergiebedarf
(Abgrenzung nicht immer eindeutig möglich)
Ausgangspunkt für die Bestimmung
Thermische Behaglichkeit
Schutz der Bausubstanz und der
Raumausstattung
Tab. 1: Klassifizierung des Energiebedarfes von historisch wertvollen Gebäuden

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Bedingt durch die o. g. Minimierungsbestrebungen ist das generelle Anerkennen ei-
nes bautenschutztechnisch begründeten Mindestenergiebedarfes von Altbauten fast
ausnahmslos in der Fachwelt nicht opportun. Nur ansatzweise, im Zusammenhang
mit historisch wertvollen Monumentalbauten, wird aus dem konkreten Anwendungs-
fall heraus die Notwendigkeit eines bauphysikalisch bedingten Energieeinsatzes
akzeptiert.
2 Bautenschutztechnisch begründeter Mindestenergiebedarf
Typische Beispiele für Maßnahmen zur Abdeckung des bautenschutztechnisch be-
gründeten Mindestenergiebedarfes in monumentalen Baudenkmälern sind z. B. die
Beheizung von tauwassergefährdeten Bereichen und die Grundheizung im Sommer
zwecks Vermeidung von Sommerkondensat infolge des großen Wärme-
beharrungsvermögens des Gebäudes. Die Ursachen für das Vorliegen eines
bautenschutztechnisch begründeten Mindestenergiebedarfes lassen sich in drei
Gruppen einteilen:
• Vermeidung von erneuten Schäden nach der Sanierung (z. B. Tauwasserbildung)
• Langfristige Behebung von Altschäden (z. B. Austrocknung von stark durch-
feuchten Bauteilen)
• Einsatz von Energie als Alternative zu gängigen Sanierungsverfahren (z. B.
thermische Horizontalsperrung)
Mögliche Ursachen für erneute Schäden
vorhandene Baukonstruktion
Nicht reversible
Altschäden
Auch bei
fachgerechter
Rekonstruktion
nicht vermeidbare
Probleme
Nutzungsänderung
Modernisierungsmaßnahmen
Versalzungen
Wärmebrücken
Störung des bauphysikalischen Gleichgewichtes des Gebäudes
1)
Durch-
feuchtungen
Wärmebeharrungsvermögens
des Gebäudes
Tauwassergefahr durch
nachträgliche Innendämmung
2)
1) z. B: Veränderung des Raumklimas, Erhöhung der Feuchtelast durch Nutzungsänderung
2) z. B: Gefahr der Tauwasserbildung im Auflagerbereich von Holzbalkendecken
Tab. 2: Vermeidung von erneuten Schäden nach der Sanierung
Auch bei einer fach- und denkmalgerechten Sanierung historisch wertvoller Gebäude
besteht zumindest potenziell die Gefahr erneuter Schäden (Tab. 2). Ein erheblicher
Teil von ihnen könnte durch die Zufuhr von Wärmeenergie vermieden werden. In
diesem Zusammenhang wird gegenwärtig in der Fachwelt die Bauteiltemperierung
kontrovers diskutiert. Bei diesem Verfahren werden im raumseitigen Sockelbereich
von Wände oder in tauwassergefährdeten Bereichen, z. B. Fensterlaibungen (Bild 1),

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Heizrohre angeordnet. Die Befürworter der Bauteiltemperierung sprechen ihr
folgende Eigenschaften zu [1]:
• Alternative zur traditionellen Raumheizung
• Vermeidung von Feuchteschäden und Salzausblühungen auf
Mauerwerksoberflächen
• Möglichkeit des Verzichtes auf eine Bauwerksabdichtung
• Energieeinsparung durch Strahlungsheizung und Austrocknung der temperierten
Außenbauteile
Ein Hauptkritikpunkt an der Bauteiltemperierung ist die Energieökonomie. Die Kritiker
dieses Verfahrens gehen von einer deutlichen Erhöhung der Transmissions-
wärmeverluste und damit der Heizkosten aus [2]. Bisher liegen jedoch nur vereinzelt
differenzierte wissenschaftliche Untersuchungen zu den Vor- und Nachteilen der
Bauteiltemperierung vor (vergl. z. B. [3]).
a) Im Mauerschlitz verlegte Heizleitung (Warmwasser), noch nicht verputzt
b) Infrarotaufnahme
Bild 1: Bauteiltemperierung (Schloss Trebsen)
Ein weiteres Verfahren der thermischen Bausanierung ist das Klima-Schleier-Prinzip
[4]. Hierbei wird das Mikroklima vor einer feuchte- und salzbeasteten Bauteiloberflä-
che mittels eines hinsichtlich relativer Luftfeuchte und Temperatur entsprechend ein-
gestellten Luftschleiers so beeinflusst, dass keine thermisch- hygrischen Schäden
auftreten.

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3 Energieeinsparung und bautenschutztechnisch begründeter Mindestener-
giebedarf
Da der Altbaubestand mit über 95 % am baulichen Energieverbrauch beteiligt ist, wird
der energetischen Verbesserung der Altbauten eine zentrale Rolle beigemessen [5].
Durch die energetische Modernisierung aller Baudenkmäler in Deutschland könnte der
Gesamtverbrauch an Heizenergie in Deutschland jedoch nur um maximal 2 % gesenkt
werden [6, S. 22]. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass allein der Erhalt von histo-
risch wertvollen Gebäuden aufgrund der Bewahrung des in ihnen vergegenständlich-
ten Energieaufwandes als Beitrag zum Ökologischen Bauen angesehen wird (vergl.
[7]). Ausgehend von diesen Argumenten ist der Einsatz von Wärmeenergie für spe-
zielle Zwecke im Rahmen der Sanierung historisch wertvoller Gebäude angesichts des
gesellschaftlichen Anliegens Energieeinsparung nicht zwingend kritikwürdig. Proble-
matisch wird aber der Aufwand zur Abdeckung des bautenschutztechnisch begründe-
ten Mindestenergiebedarfes unter dem Aspekt, dass bei steigenden Energiepreisen
die Unterhaltskosten für Baudenkmäler deutlich ansteigen werden.
4 Nutzung von Umweltenergie
Für den Einsatz von Umweltenergie zur Abdeckung des bautenschutztechnisch be-
gründeten Mindestenergiebedarfes historisch wertvoller Gebäude sprechen folgende
Argumente:
• Senkung des Betriebskosten
• Vorbildfunktion der Baudenkmäler für den Umgang mit der Masse der Altbau-
substanz [6, S. 8]
• Teilweise offensichtliche Übereinstimmung von Energiebedarf und Angebot von
Umweltenergie (Sommerkondensat)
• Möglichkeit der Entschärfung der energieökonomisch begründeten Kritik an Ver-
fahren zur thermischen Bausanierung
Das derzeitige Sortiment an technische Lösungen zur Nutzung von Umweltenergie
ist jedoch kaum für den Einsatz zu Abdeckung des bautenschutztechnisch begrün-
deten Mindestenergiebedarfes geeignet. Der Abbau dieses Hemmnisses kann nicht
auf die Markteinführung innovativer Wärmeerzeuger (z. B. Absorptions-Wärmepum-
pen) reduziert werden; vielmehr bedarf es eines Überganges zu einer eigenständi-
gen Produktentwicklung für den Bereich der historisch wertvollen Gebäuden
auf der Grundlage einer integralen Betrachtungsweise an der Schnittstelle der
Arbeitsgebiete von Bauphysiker, Denkmalschützer und Haustechniker. In
diesem Zusammenhang wird ein wesentliches Defizit auf dem Gebiet des
energieökonomischen Bauens deutlich: Derzeitig sind die energieökonomischen
Gebäudekonzepte und die Entwicklung entsprechender Produkte weitgehend
neubauorientiert. Die Untersuchung der Möglichkeit der Übertragbarkeit auf den
Altbausektor erfolgt nachrangig.
5 Zusammenfassung
Die Minimierung des Energiebedarfs historisch wertvoller Gebäude unterliegt
unabhängig von Restriktionen hinsichtlich einer nachträglichen Wärmedämmung
allein aus bautenschutztechnischen Gründen erheblichen Beschränkungen. In einer
Reihe von Fällen kann der Einsatz von Wärmeenergie zur Vermeidung bzw.

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Behebung von Bauschäden sinnvoll sein. Dieser bautenschutztechnisch begründete
Mindestenergiebedarf sollte generell als eigenständige Planungsgröße anerkannt
werden. Für den Einsatzes von Umweltenergie zur seiner Abdeckung bedarf es noch
der Erarbeitung altbauspezifischer Konzepte und Produktentwicklungen.
Literatur
[1] Großeschmidt, H.: Die Temperierung – Verfahren zur Thermischen Bausanie-
rung, Raumtemperierung und Klima Stabilisierung in Museen und anderen Gebäu-
den Arbeitskreis Energieberatung Thüringen, Heft 1/1996
[2] Graupner, K.: Wundersames Verfahren; Kritische Betrachtung der Temperierung
für historische Gebäudebausubstanz (1999) 3, S.36-39
[3] Seele, J.: Bauteiltemperierung; Untersuchungen zur Anwendung – Auswertung
von Praxisbeispielen Manuskript, IGS Institut für Gebäudeanalyse und Sanierungs-
planung München GmbH, 2001
[4] Kießl, K.: Raumklimaänderungen bei feuchte- und salzbelasteten Wänden – Er-
probung bauphysikalischer Schutzmaßnahmen am Objekt FAS – Schriftenreihe –
Heft 10, S. 163-173; Verlag für Bauwesen, Berlin 1999
[5] Gertis, K.: Wärmeschutz Energieeinsparung Umweltschutz, Studie Lehrstuhl
Konstruktive Bauphysik, Universität Stuttgart, 1996
[6] Veit, J., Eckermann, W., Fischer, E.; Henes-Kleiber, U.: Klimaschutz und Denk-
malschutz; Argumente und Hinweise für die energetische Modernisierung von Bau-
denkmälern, Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege Propstei Johan-
nesberg, Fulda 1998
[7] Trebsener Erklärung: „Die graue Energie erhalten – Denkmalpflege als Beitrag
zum Ökologischen Bauen“


Lumi01 | 31.01.05

Quelle ?


Hallo Lumi01,

das war ja nun richtiger "Lesestoff".
Gibt es dazu noch eine detailliertere Quellenangabe?

Gruß aus BS

Bernd


anonymus | 31.01.05

Mehr Info


Schon interessant, was hier betr. Hüllflächentemperierung alles zum Besten gegeben wird. Was Mißerfolge und Erfolge betrifft, bietet meine Seite www.konrad-fischer-info.de/7temper.htm unverblümten Stoff aus über 10 Jahren Temperiererfahrung - auch im eigenen Massivbau - zum Thema

Allgemeines Problem ist ja die ausbleibende Info zu Versagern seitens der Beteiligten. Und da gibt es so einige gerichtsmassige Nieten.

Von der Rohreinputzerei darf man sich nach den mir bekannten Erfahrungen zumindest deutlich erhöhten Energieverbrauch und deutlich geminderte Effizienz (Trägheit des Systems, in bestimmten Fällen unzureichendes Wärmeangebot) versprechen. Außerdem kostet es deutlich mehr als Vorwandinstallation. Dafür siehts obertoll aus ;-) Für Technikfeinde ist das offenbar sehr vorteilhaft und sein Geld echt wert.

Sei´s drum.

Weiteres auf der o.g. Webseite.
Erhaltende Instandsetzung
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Architektur- & Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Architekt | | 14.02.05