Gewölbekeller in Naturstein Bauen

Mein Vorhaben ist es einen eigenen Weinkeller in meinem Garten zu bauen. Hierfuer moechte ich gerne Sandstein als Material verwenden.Die Herausforderung ist das Gewölbe.
Der Keller soll in den Abmessungen von 550 x 450 cm in der Fläche und eine Deckenhöhe von 220 cm bekommen. Der Gewölbebogen soll bei ca 160 cm beginnen. Der gesamte Keller befindet sich komplett im Erdreich. Hat jemand schon Erfahrung mit einem ähnlichen Projekt?
Bauen und "erleben"
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.07.09

Gewölbekeller


Hallo Jürgen,
bei den Abmessungen und dem Material hast Du Dir eine sehr anspruchsvolle Aufgabe gestellt.
Zur Gewölbeform:

Bei einer Spannweite von 4,50 m ein flaches Segmentgewölbe mit nur 60 cm Stich zu wölben bedeutet erhebliche Schubkräfte am Auflager.
Das Gewölbe selber und die Wandauflager müssen bei dem gewählten Material nach dem Stützlinienverfahren statisch nachgewiesen werden. Empirische Bemessungsregeln sind mir nur für Ziegelmauerwerk mit Betonhinterlage bekannt, ob sie noch zugelassen sind, weiß ich nicht.
Die waagerechten Kräfte am Widerlager bzw. in der Kämpferfuge müssen abgeleitet werden, eine gesonderte Stützkonstruktion ist dafür erforderlich.
Schon die Schalung für dieses Gewölbe wird eine aufwändig gezimmerte, statisch nachzuweisende Konstruktion.

Zum Material:
Dir ist hoffentlich klar, das so ein Gewölbe nicht aus auf dem Acker oder aus einem Scheunenabbruch zusammengeklaubten Bruchsteinen zusammengepappt werden kann.
Sowohl für die Wände als auch die Kappe brauchst Du Werksteine, also sauber zugerichtete Blöcke. Für das Gewölbe und die Widerlager ist die Form und Größe jedes Steines vorher zu bemessen und zu konstruieren.
Das zu so einem Gewölbe auch ein aufwändiger, zu planender Tiefbau, die Planung der Abdichtung, der Be- und Entlüftung und der Überschüttung gehört, versteht sich von selbst.
Alles zusammen wird das ein sehr teurer Spass werden.
Man kann allerdings mit ein paar kleinen Änderungen in der Geometrie und beim Material eine erhebliche Kosteneinsparung erreichen.

Viele Grüße
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 07.07.09

Kellerbau


Hallo

bei den Auflagerkräften im Erdbereich hätte ich jetzt nicht die Angst der Realisierung.
Andererseits würde ich bei dem Aufwand dann schon tiefer und etwas grösser bauen und die altbewährten Materialien nehmen und eine hohe Überdeckung rechnen.
Da gibts ein gutes Buch: Ökobuch Verlag - Naturkeller; Claudia Lorenz Ladener

wenn Bedarf bitte melden

an Sonsten Gutes Gelingen!

FK
langlebig - nachhaltig - einfach
Mitglied der Fachwerk.de Community
Architekturbüro slow-house | | 07.07.09

Gewölbekeller


An FK:
Wenn auf den beiden Mauern noch zwei massive Geschosse stehen würden, sähe die Sache schon etwas entspannter aus. Aber ohne Auflast besteht nun mal die Gefahr, das die Seitenwände durch den enormen waagerechten Schub (allein die Überschüttung wird ca. 1 Tonne pro m² bringen, dazu noch das Eigengewicht)oben auswandern.
Mit passivem Erdruck kann ich im oberen Bereich nicht rechnen.
Deshalb werden wohl ein oder zwei aussteifende kurze Wände außen stabilisieren müssen oder das Widerlager muß als Betonringbalken ausgebildet werden.

Viele Grüße
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 08.07.09


Hallo

Falls es etwas "bescheidener" sein soll: es gibt aus Ziegelsteine fertige Gewölbefertigteile, die auf dem Laster kommen und je zwei Hälfte zusammengesetzt werden. Die Teile gibts in verschiednen Größen von Haushaltsweinkeller bis Rittersaalgröße
Dann müsstest du dich nur noch um die übrigen angesprochenen Punkte kümmern.
Gruß

Dorothée
klagt nicht, kämpft!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.07.09

Gewölbekeller in Naturstein Bauen


Hallo zusammen,
erst einmal vielen Dank fuer die guten Beiträge zu meiner Anfrage. Ein paar weiter Infos zu den Fragestellungen in euren Beiträgen.

Das Material ist wie gesagt Sandstein Der soll geliefert werden als "Bruchsteine gespalten"(siehe Bild).

Die Tiefe wird leider durch den Grundwasserspiegel bestimmt (ca 75 cm unter geplantem Kellerboden.)

Fertigbögen fuer das Gewölbe kommen nicht in Frage, da ich keine Möglichkeit habe mit einem Kran an die Baustelle zu gelangen.

Die Geometrie kann ich noch veraendern. Hier ware es interessant zu wissen in welcher Form.

Oberhalb des Kellers moechte ich eine Betonplatte gießen und ein Gartenhaus aufbauen. Kann man die Bodenplatte bei der Konstruktion des Gewölbes statisch nutzen.

Vielen Dank fuer weitere gute Beiträge zu meinem Vorhaben.
Bauen und "erleben"
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 09.07.09

Gewölbekeller


Hallo Jürgen,
Diese Informationen verändern die Sachlage drastisch.

1. Zu den Steinen:
Die Dinger mögen sich für den Gartenbau als Trockenmauer oder im Innenbereich sehr gut eignen, für statisch hochbelastete Bauteile sind sie nur bedingt und eher als Rohmaterial verwendbar.
Der Lieferant muss Dir die Druckfestigkeit als gesicherte Materialeigenschaft nachweisen, sonst wird ein Verarbeiten im statisch relevanten Bereich noch komplizierter. Der Gewölbekeller kann dann nicht nach den Regeln für Rezeptmauerwerk bemessen und geplant werden, sondern das Mauerwerk muß mit einer Eignungsprüfung auf seine Eigenschaften hin nachgewiesen werden.
Das zumindest kann der Prüfingenieur für die Statik fordern.
Aber lassen wir das mal außer Acht:
Um die Steine zu vermauern, muß jeder einzelne Stein ausgesucht und mehr oder weniger aufwändig zugerichtet werden.
Für die Wände des Kellers mögen die Steine dann funktionieren, allerdings nur als Verblendmauerwerk (Mischmauerwerk).
Wenn bindiger Boden ansteht:
Innen damit eine Wand als Vorlage mauern, zum Erdreich hin dann mit Beton lagenweise auffüllen.
Sonst muß außen mit Kalksandstein o.ä. eine tragende zweite Schale im Verbund vorgesetzt werden.
Für das Widerlager sind die Steine nicht geeignet da zu klein. Hier müssen steinmetzmäßig gearbeitete Werksteinblöcke eingesetzt werden oder ein Ringbalken aus Beton fängt die Schubkräfte ab.
Für das Wölben auf Kuf sind sie ebenfalls nur bedingt, also höchstens als Rohmaterial geeignet. Sie müssen nachgearbeitet werden, um die Verbandsregeln und die Fugenmaße nach DIN 1053 einhalten zu können.
Solche relativ kleinformatigen Steine sind für das geplante Gewölbe ohnehin nur bedingt geeignet.
Besser wären exakt nach Plan geschnittene Blöcke.
Du brauchtes für Dein Vorhaben übrigens ca. 20 solcher Paletten, dazu kämen noch etwa 15 Paletten Kalksandsteine oder die entsprechende Menge Beton.

2. Zur Gründung

Die - 75 cm als GWS sind kostentreibend, da die Gründung auf Streifenfundamenten u.U. wegfallen wird. Eine offene Wasserhaltung dürfte nicht in Frage kommen.
Was ich mir vorstellen kann wäre dann eine Fundamentrost als Floßfundament (Der Fundamentstreifen ist auf jeder Seite ca. 1 m größer als die Wand dick). Der Innenbereich wird so ausgespart, trotzdem werden da etwa 20 m³ Stahlbeton hineinpassen.
Um ein Baugrundgutachten wirst Du nicht herumkommen.

3. Zur Idee mit dem "unterkellerten" Gartenhaus

Das stellt natürlich die Konstruktion des überschütteten Kellers als Einzelbauwerk völlig anders dar.
Wenn Du Deinen Planer mehrmals mit solchen kleinen "Änderungen" kommst, wird allein schon die Planung teurer sein als das Gartenhaus.
Deshalb ist für Dich jetzt das Wichtigste, Dir klarzuwerden was Du eigentlich willst.
Ist der Weinkeller das Wichtigste oder das Material oder die Form des Gewölbes oder die vorgegebenen Maße?
Soll es ein richtiger Weinkeller werden oder mehr eine potemkinsche Ausgabe von Auerbachs Keller?
Wie groß ist der finanzielle Spielraum?
Rein gefühlsmäßig glaube ich, das Deine Idee, wenn Sie 1:1 so umgesetzt wird, bei einer Größenordnung um die 50.000,-€ landen wird.
Also was ist variierbar, was hat Priorität?
Wenn das klar ist, dann kann man in einem weiteren Schritt die technische Umsetzung angehen.

Viele Grüße
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 09.07.09

Gewölbekeller-Bilder aus der Bilddatenbank: