Resthof im Osnabrücker Land

Hallo liebes Forum,

wir interessieren uns für einen Resthof aus 1848.
Es ist ein 2-Ständer Niedersachsenhaus.

Beim Haupthaus ist nur der Giebel mit der Dielentür aus Fachwerk, Traufseiten und Giebel an der Wohnseite sind geklinkert.

Nun ist es so, das das Haus bis vor kurzem viele Jahre vermietet war. Es wurde (leider) auch schon das ein oder andere umgebaut.

Dazu habe ich ein paar Fragen vorab:

1.) Kennt Ihr jemanden aus der Gegend um 49565 Bramsche der uns kompetent für eine Beratung/Begehung zur Seite stehen könnte?

2.) im Wohnbereich ist der Raum über dem kleinen Keller etwa 20cm über dem Flurniveau. Das Wohnzimmer etwa 10 cm über Flur. War das damals bauartbedingt so, oder wurden da eher verschiedene Bodenaufbauten eingebracht (Über Keller scheint normal zu sein, wegen der Holzbalkendecke)

3.) in der Diele fehlen am rechten Hauptständerwerk die Kopfbänder zur Dachbalkenlage, diese wurden entfernt und die Zapflöcher mit Holz verschlossen. Sind die statisch tatsächlich entbehrlich?

3.) Kann ich die Balkanlage in den Kübben problemlos anheben/entfernen um eine höhere Raumhöhe zu erreichen?
Ich habe hier: http://www.fachwerk-lehmbau.de/page.20.html gelesen, das man diese entfernen kann, wenn man traufseitig
neue Kopfbänder in die Hauptständer einsetzt.

4.) gab es Häuser aus dem Baujahr, die so umfangreich geklinkert waren oder wurde das eher aufgrund Beschädigung nachträglich gemacht (ich hoffe die Besitzer haben dazu noch informationen)

5.) Am Fachwerkgiebel ist kein Schweller vorhanden. Es sieht
allerdings nicht so aus, als wenn der nachträglich entfernt worden wäre. die Ständer stehen direkt auf dem Fundament.


Wenn Ihr mir zu meinen Fragen schonmal die ein oder andere Antwort geben könntet, wäre ich Euch sehr dankbar.
Am Sonntag haben wir unsere 2. Begehung, da werde ich nochmal verschärft in die Ecken schauen :)

Gruß und vielen Dank
Markus

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 11.10.12

Also bei uns ist das so .....


Ich nehme an, du hast keine Bilder, denn rein auf Beschreibungen hin lässt sich oft schwer etwas sagen.


zu 2. Gehe ich recht in der Annahme, dass das Wohnzimmer nicht unterkellert ist? Und der Flur gefließt oder ähnliches und ebenfalls nicht unterkellert? Dann kann das durchaus ursprünglich sein. Erst recht wenn's im Keller noch ein antikes "Kühlfach" gibt. Der Keller diente früher dazu Lebensmittel zu lagern. Schön feucht und kühl. Einen Keller auszuschachten war je nach Untergrund jedoch ziemliche Arbeit. Also hat man manchmal das gemacht, was nötig war und halt die Decke drüber etwas höher. Hab ich hier auch schon gesehen. Bei einem Haus in waren z.B. die Etagen der Kellerseite immer ca. 1,50 über den Etagen der Nicht-Kellerseite. Hatte was vom Weasly-Haus.

zu 4. hier fehlt Bild. Was ist gemeint? Ausfachung mit Ziegelsteinen (Klinker?). "Unser" Haus ist gleicher Jahrgang und ursprünglich ganz in Lehmbauweise gebaut. Irgendwann hatten die Besitzer aber ne Menge Geld und das ganze wurde komplett saniert. Dachgeschoss ausgebaut, Windfang hinten zum Anbau mit Wasseranschlüssen (!) erweitert, Strohdach durch Dachziegel ersetzt und alle Lehmgefache (mit Ausnahme von der Hausseite zum Anbau) durch Ziegel ersetzt. Diese allerdings nicht sichtbar, sondern unter Lehmputz. Da war so um 1900-1920. Aber anders als hier wurde in Niedersachsen eh mehr mit Klinker gemacht. Darum kann ich eigentlich nix dazu sagen.
Irgendwie klappt das schon
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 11.10.12

Keller


Solche Kellerhöhen hatten weniger mit Faulheit beim Schachten sondern eher was mit dem Grundwasserstand zu tun.

Viele Grüße
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 11.10.12

Hab beides schon gehört !


Mag in Niedersachsen so sein.

Hier im Sauerland gibts mehr Berge. Da ist Grundwasser nicht so dass Problem.
Irgendwie klappt das schon
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 11.10.12

Niedersachsenhaus


Das mit dem Keller ist eigentlich typisch, bei uns ist der darüberliegende Raum etwa 80 cm höher, die Gegend hatte früher ein Wasserproblem.

Warum der andere Raum etwas höher liegt, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich war das ein Wohnraum mit einem wohnraumtauglichen Fußboden (Balken / Dielen), während die übrigen Wirtschaftsräume meist nur gestampfte Lehmböden hatten, wozu brauchte das Vieh auch Parkett?

Die Sache mit den Kopfbändern sollte sich ein Zimmermann vor Ort ansehen, wenn man ohnehin Arbeiten am Ständerwerk vornehmen muss/will würde ich persönlich die Dinger ersetzen lassen, das ist keine große Sache.

in dem angeführten Link zur Balkenlage in den Kübben steht (Zitat, ohne Rechtschreibkorrektur):

"Da die Räume unter diesen Balken meist sehr niedrig sind, wurden diese Balken oft später herausgeschnitten. Vorsicht diese sind statisch sehr wichtig.
Dies hat zur Folge das sich die Hauptbalkenlage unter dem Gewicht des Dachstuhls nach unten biegt und die Auflanger die Traufewand nach außen drücken.
Soll dies nicht geschehen sollte man die Hauptbalkenlage an den Enden durch Ständer abstützen. Eine schöne Möglichkeit ist es die Hauptbalkenlage durch Kopfbänder zu Stabilisieren die am Hauptständerwerk befestigt werden. "

Solch ein Eingriff erscheint mir wie eine OP am offenen Herzen, darüber kann nur jemand entscheiden, der sehr genau weiß was er tut. In dem zitierten Text wird ja genau auf die wichtige Funktion dieser Balken hingewiesen.
Genau genommen sind es Zuganker, die die Traufe von den Subkräften es Daches entlasten sollen. Ich würd's lassen und mir überlegen, ob es nicht auch geht, aus dem gesamten Seitenschiff einen höheren Raum zu machen in dem es eben die freien Balken gibt. Wenn man das dritte mal dagegen gelaufen ist, wird man sich merken, dass sie da sind.
Entscheidend ist, ob man das Dach soweit herrichten kann, dass die Dachschräge von unten sichtbar bleiben kann.

Die Sache mit den Klinkern ist auf dem sehr kleinen Bild kaum zu sehen. Was man allerdings auf dem Bild des Fachwerkgiebels vermuten kann ist, dass an den Hausecken die Klinkerwand außen vor das Ständerwerk gesetzt ist, man hat den Eindruck, als ob noch ein Rest des Eckständers zu sehen sei.
Für diese Hypothese spricht auch, dass am Klinkergiebel die Fenster nicht mehr außen bündig eingebaut sind (das wäre in unseren Breiten historisch korrekt), sondern eine Fensterlaibung entstanden ist.
Solch ein Vorgehen gab's leider häufig (gerne ist unter den schmalen Klinkern Glaswolle), das ist sicher nicht historisch sondern dürfte prima vista jünger als 50 Jahre sein, möglicherweise, als man auch das Dach gemacht hat.
Das Problem bei der Sache ist, dass in solchen Konstruktionen häufig das Ständerwerk Schaden nimmt, oder aber so verfahren wurde, weil der historischen Zustand nicht mehr wirtschaftlich zu retten war.
Nur den Schmuckgiebel hat man belassen und auch der ist nicht sachgerecht in Stand gesetzt. Fachwerk ohne Schwelle ist ein Problem, weil die Verbleibenden Stiele eigentlich immer in dem gemauerten Fußpunkt im Wasser stehen und weil sie gegen ein- und auswärts wirkende Kräfte nicht gesichert sind.

Allerdings: die Fotos dürften gerne etwas größer sein, vielleicht ist mein Eindruck auch falsch.

Bevor man so ein Haus kauft, lässt man sich sehr genau erklären, was dort eigentlich drin steckt.

gruß G
es gibt viel zu tun, fangt schon mal an
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.10.12


da schient ja schon vieles zu fehlen.

ein Fachwerkhaus, dass in weiten Teilen gar keins ist, hat man auch anno 1848 nicht gebaut.
Der Grund damals in der alten FW-Technik zu bauen und keinen Klinkerbau zu erreichten, war natürlich der Preis. Holz und Lehm hatten die Bauern vor Ort, gebrannte Ziegel mussten herangeschafft werden oder wurden in minderer Qualität vor Ort gebrannt.
Klinkerbauten waren Luxus und viele FW Bauten v.A. im städtischen Raum wurden verputzt um den Eindruck eines massiv gemauerten Hauses zu erwecken.

Warum hätte ein Bauherr, der sich einen Ziegelbau hätte leisten können, ein ganz typischen FW Haus mit Ziegeln errichten und gerade den typischen Schmuckgiebel als Sichtfachwerk ausführen sollen?

Ich denke das Haus ist in wesentlichen Teilen nicht mehr original und auchnicht mehr als FW Haus zu bezeichnen. Wie alt die Klinker sind, kann man natürlich von Ferne nicht sagen, vielleicht stammen sie aber auch vom Abriss einer Scheune nebenan.
Wenn selbst die Eckständer und auch die Kopfbänder in der Halle fehlen, drei Seiten gar kein Fachwerk mehr sind, die Balken in den Kübben nicht gewünscht sind, was spricht eigentlich dafür so ein Geäude zu erwerben (auch wenn der FW Giebel ganz romantisch aussieht). Wenn man die Styropor Dämmung in der Diele ansieht, fürchtet man, dass das nicht das einzige Problem ist, das noch hinzukommt.

gibt's da keine besserer Alternative?
es gibt viel zu tun, fangt schon mal an
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 13.10.12

Keller-Bilder aus der Bilddatenbank: