Fussbodenaufbau im Badezimmer

Fussbodenaufbau im BadezimmerEinen schönen guten Tag an alle Forumsmitglieder. Ich hoffe dass man mir hier weiter helfen kann.
Wir möchten ein ca 70 Jahre altes Holzhaus sanieren, das mit einem Streifenfundament errichtet wurde und teilunterkellert ist.
In einem Raum mit ca 8 m2 soll ein Badezimmer entstehen. Dieser Teil ist nicht unterkellert. Auf dem Boden wurde Schlacke aufgebracht und über diesem befand sich ein Holzdielenboden, der aber bereits entfernt wurde, da dieser Raum nun als Nass Bereich genutzt werden soll.
Ursprünglich wurde uns gesagt, dass dieser Raum bis zu 20 cm abgegraben werden muss, dann soll der Aufbau wie folgt erfolgen:
1) 15 cm Schüttbeton(?) mit Bewehrung die an das Streifenfundament verankert wird.
2) 5 cm Dämmung mit EPS Platten,
3) Folie geflämmt
4) 5 cm Estrich
und das ganze mit einem Gefälle da es sich um einen Nass Bereich mit bodengleicher Dusche handelt.

Nun wurden wir aber darauf hingewiesen, dass eine nachträgliche Bodenplatte frei beweglich sein soll, da bei einem Schwund der Platte das Fundament beschädigt werden kann.

Ist der Aufbau grundsätzlich so richtig? bzw. soll eine Bewehrung erfolgen und wenn ja ohne Verankerung an das Streifenfundament.?

Kann die Schlacke beim Aufbau verwendet werden, oder muss sie entsorgt werden.

Vielen Dank für die Hilfe
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| 24.07.17

Bodenaufbau


Hallo,
bei einem Bodenaufbau muss zu allererst eine Kapilar brechende Schicht (15cm Mineralbeton verdichtet) eingebracht werden. Darauf sollte nach neuesten stand gedämmt werden und dann erst betoniert. Eine Verankerung der Betonplatte in den Ringanker ist sinnvoll. Der Estrich muss aber schwingungsentkoppelt eingebracht werden (1cm randdämmstreifen). Ich denke mit 40-30cm Gesamtaufbau ist zu rechnen. Vor dem betonieren alle Grundleitungen fertig Verlegen und der Entwässerung zuführen.


Pfarrhaus1714 | 24.07.17

Fußbodenaufbau


Manchmal denke ich ich bin im falschen Film, vielleicht waren es auch gestern abend zu viele Spritz.

1. Für einen gedämmten Badfußboden brauchen Sie max. etwa 200 mm Einbauhöhe inklusive Belag.
2. Eine kapillarbrechende Schicht ist überflüssig, dafür gibt es eine Abdichtung.
3. Eine bewehrte Stahlbetonplatte ist völlig überflüssig, inklusive Verankerung an den Fundamenten.
4. Was ein Randdämmstreifen an diesem (überflüssigen) Bauteil mit Schwingungsdämpfung zu tun hat ist nun völlig gaga.
5. Eine Schweißbahn? auf Schaumpolystyrol ("Folie geflämmt") dürfte nicht so einfach zu machen sein. Das ist kein Flachdach.

Hier der übliche Aufbau:
Planum (geglätteter Untergrund)
ca. 3-5 Zentimeter Beton als Sauberkeitsschicht, eben und waagerecht eingebaut
Abdichtung (Schweißbahn, kaltselbstklebende Folie, mineralische oder Kombiabdichtung, KMB)
ca. 80 mm Dämmung aus EPS/XPS, die Schichtwahl richtet sich nach dem Maß der Zusammendrückbarkeit der Platten
Schrenzlage (Folie, Randstreifen)
Zementestrich ca. 40 mm
Fliesenbelag.

Die Randdämmstreifen sind zur schalltechnischen Entkopplung des schwimmenden Estrichs (um diese Bauweise handelt es sich hier)gedacht. Im Eigenheim und im Erdgeschoss nicht unbedingt erforderlich, wirkt aber auch als Sollbruchstelle und Flächenbegrenzung (Stichwort Schrumpfen).
Wenn es schnell gehen soll gibt es auch Trockenbausysteme die ohne Abbinde- und Trocknungszeiten auskommen. Die sind aber teurer und stellen hohe Ansprüche an die Montage.
Die Sauberkeitsschicht hat nur eine Funktion: Sie ist Träger der Abdichtung und damit der Typen die beim Einbau vorher draufrumtrampeln.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 24.07.17

Genau


Deswegen stehen neu gebaute Häuser ja auch immer direkt auf dem rohen Mutterboden. Kapilarbrechende Schicht wird überbewertet, dafür gibt's ja die Abdichtung ;-) . Die Aussage zum Randdämmstreifen bezieht sich auch den Estrich und nicht auf die Betonplatte. Dieser ist immer sinnvoll. Estrich ist erst ab einer Dicke von 4,5 cm als tragfähig zu bezeichnen. Ich habe genug gebrochene Estrichschichten gesehen weil die Schichtdicke nicht hoch genug war. Gerade auf Dämmungen , lieber mehr als zu wenig.


Pfarrhaus1714 | 24.07.17

Fußbodenaufbau


Bleiben wir mal beim Estrich:
Erst mal ist es gut das Sie mitbekommen haben das der Estrich die Punktlasten auf die Dämmung überträgt. Estrich- Punktlasten und Dämmlage- Flächenlasten. Wozu dann zum Teufel eine (verankerte) Stahlbetonplatte darunter?

Dann zur Dicke:
"Estrich ist erst ab einer Dicke von 4,5 cm als tragfähig zu bezeichnen"
Das ist unpräzise.
Die Nenndicken von unbeheizten schwimmenden Estrichen werden nach dem Material, seiner Festigkeitklasse und den lotrechten Nutzlasten festgelegt. Die Einbaudicke von Zementestrich CT der Klasse F 5 beträgt bei einer max. Zusammendrückbarkeit der Dämmschicht von 5 mm und einer lotrechten Nutzlast bis 2 kN/m² mindestens 40 mm.
Steht in der DIN 18560-2, Tabelle 1.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 24.07.17


Vorab vielen Dank für die Antworten.

@Georg-Böttcher: Vielen Dank für die genaue Angabe.
D.h. eine Bewehrung ist nicht notwendig?

@Pfarrhaus: Ich verstehe die kapilarbrechende Schicht nicht. Als Untergrund wurde ursprünglich Schlacke aufgetragen. Meine Frage war nun, ob ich diesen gänzlich abtragen muss oder ob es ausreicht ihn soweit zu entfernen und anschliessend zu verdichten, dass ich ausreichend Höhe für den restlichen Aufbau habe. Von einer von Ihnen angesprochene Verbindung mit dem vorhandenen Streifenfundament wurde mir schon abgeraten, da es sich hier um eine nachträgliche Bodenplatte handelt und eine Verbindung (ich nehme an aufgrund der Spannungen) eher zu einem Schaden am Fundament kommen könnte. (Fairerweise muss ich aber erwähnen, dass ich auch schon Ihre Variante gehört habe). Ihr Einwand, dass neue Häuser auch nicht auf dem Mutterboden stehen kann ich hier nicht nachvollziehen, da die Schlacke auch kein Mutterboden ist und ich möchte einen Neubau nicht mit einer nachträglichen Bodenplatte vergleichen.
Warum sollte man nun einen Mineralbeton verdichten wenn ich nun schon die Schlacke vor Ort habe. Was spricht ihrer Meinung nach dagegen diese zu verdichten.
Liebe Grüße
Familie Sattler
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| 24.07.17

Fußbodenaufbau


Ich freue mich das Sie nachhaken wenn Sie etwas nicht verstehen.
Damit das nicht zu einer Vorlesung wird empfehle ich Ihnen den Link zu öffnen:

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Fu_b_den_im_Altbau_Teil1.pdf

Da finden Sie etwas tiefergehende Informationen zum Thema in einfacher und hoffentlich verständlicher Weise beschrieben.
Das hier auszubreiten würde den Rahmen des Forums sprengen.

Zur Höhe:
Ich hatte Ihnen die 20 Zentimeter genannt, ab Oberkante Fliesenbelag bis Oberfläche Untergrund. Wenn dann noch Schlacke liegt- drinlassen.
Noch was zur berüchtigten kapillarbrechenden Schicht:
So was kam früher unter die Streifenfundamente wenn man sich im frostgefährdeten Bereich in bindigem Boden bewegte. 20 bis 30 cm Kies in den Fundamentgraben, verdichten, Beton eingefüllt. So war eine zu flache Gründung vor Frostschäden geschützt.
Ich habe so etwas (in der Funktion Kapillarsperre) noch als Lehrling gelernt, bei untergeordneten Betonböden in Kellern, Garagen usw. Das schützte vor kapillarer Bodenfeuchte bei bindigen Böden, man sparte sich eine Abdichtung.
Heute spielt geringe Kapillarität bzw. viele Haufwerksporen im Straßen- und Ingenieurbau eine Rolle. Eine Straße liegt nie so tief das sie frostfrei gegründet ist, deshalb wird der Baugrund dahingehend bewertet. Dafür werden die gängigen Bodenarten in drei Frostempfindlichkeitsklassen F1 - F3 eingeteilt. Bei F3, das sind Bodenarten wie TL, TL + UM, OU,ST, GT usw., wird der Baugrund ausgetauscht oder verbessert.
Das hat aber nichts mit einem Fußboden in einem Altbaukeller zu tun. Mit einem Neubau auf einer Flächengründung auch nicht, hier geht es um Frostempfindlichkeit, Setzungsempfindlichkeit und Tragverhalten. Wenn der Baugrund nicht passt, wird er gegen geeigneten Boden ausgetauscht, das sind in der Regel Kiessande. Die Platten werden in der Regel aus hochwertigen Betonen hergestellt die praktisch wasserundurchlässig sind. Unter den Platten kann man manchmal eine Sauberkeitsschicht von ein paar cm Beton finden, sie hat die Funktion den Einbau der Bewehrung höhengerecht zu sichern. Bei Ihnen trägt sie die Abdichtung.
Vergessen Sie nicht: Auf so einer Gründung stehen die Wände des Hauses und nicht nur ein paar Lagen Schaumpolystyrol und 5 cm Estrich (Beispiel)!
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 24.07.17


Ich empfehle auf Herrn Böttcher zu hören und glücklich zu sein. Bei mir wird es auch genau so umgesetzt. Für gut befunden haben das außer Herr Böttcher die einschlägige Literatur inklusive WTA, ein Architekt, ein sehr erfahrener Statiker, zwei Denkmalpfleger, die Architektur studiert haben und alle beteiligten Handwerker.

Und was Pfarrhaus da erzählt ist übertriebener Käse so leid es mir tut. Bei den wenigsten alten Häusern auf Streifenfundamenten wird man überhaupt tief genug für seine Lösung graben können ohne die Standfestigkeit zu gefährden.

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| 24.07.17

Daumen hoch


@ Georg.Böttcher

Vielen Dank für den Link zu Ihrem tollen Skriptum.
Das ist genau das was wir gesucht haben
Viele Grüße
Familie Sattler
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| 25.07.17

Zementfliesen in Bodengleicher Dusche mit Rinne


Hallo,

ich habe die spannende Diskussion zum Fußboden Aufbau interessiert gelesen. Wir haben aktuell ein ähnliches Vorhaben in einer 1890er Villa. Wir wollen statt normalen dünnen Fliesen gemusterte Zementfliesen im Bad legen lassen.
Müssen wir, bis auf die 12 mm mehr Bauraum bei Zementfliesen im Duschbad noch etwas beachten?

Viele Grüße aus Dresden


Bergmogul | 25.07.17

Bodenaufbau-Bilder aus der Bilddatenbank: