Fragen zur Verarbeitung von Sumpfkalk im Neubau

Hallo zusammen,

in unserem Neubau möchte ich die Wände innen (verputzt mit Trasskalk Maschinenputz) mit Sumpfkalk (80 Monate eingesumpft) und Naturhaarstreichbürste in secco-Methode streichen/weißen. Hierzu hätte ich ein paar Fragen:

Eine noch nasse (Sumpf-) Kalkfarbe ist ja sehr alkalisch und damit schimmelhemmend und fungizid sowie wohl desinfizierend. Meines Wissens nach reagiert mit der Trocknungsphase das Calciumhydroxid unter Zuzug von Kohlendioxid und Abgabe von Wasser zu Calciumcarbonat, d.h. dem ursprüngliche Kalk. Ist dieser Kalk dann auch noch schimmelhemmend und fungizid oder bleibt (lediglich) die hohe - ebenso gewünschte - Diffusionsoffenheit zurück? Oder ist die "Kalkwand" nur dadurch schimmelhemmend, dass sie keine organischen Bestandteile enthält?

Eine mit Sumpfkalk geweißte Wand ist später wohl nicht mehr einfach mit einer "normalen" Farbe mit organischen Bestandteilen (z.B. Dispersionsfarbe) überstreichbar. Wie verhält es sich jedoch mit Kalkfarben, die vom Hersteller bereits für einen deckenden Anstrich optimiert wurden? Sind diese problemlos auf die Sumpfkalkbasis aufzutragen oder müssen einmal mit Sumpfkalk geweißte Wände immer wieder in der gleichen Methode geweißt werden? Welche Alternativen hätten man hier (abgesehen vom Abschleifen der Wände)?

Ich würde einen dreimaligen Anstrich vornehmen, wobei ich folgende Mischungsverhältnisse ansetzen würde: 1:3, 1:2, 1:3. Ist dies für den leicht sandenen Untergrund des o.g. Putzes sinnvoll?

Im Technikraum habe ich erste Versuche unternommen. Dabei hat es für mich keinen wesentlichen Unterschied ergeben, ob ich den Untergrund vorgenässt habe oder nicht. Wie ist hier die Empfehlung für die secco-Methode? Ich hatte leider z.T. mit Streifenbildung bereits während des Anstrichs zu kämpfen, d.h. die Bürste hinterließ Spuren, jedoch nicht auf allen Wandflächen. Was mache ich hier falsch? Zu viel Kalkmilch aufgetragen, Anstrich zu dünn? Wie kann ich hier optimieren (ohne Zusätze wie Kasein etc.)? Sollte ich im Kreuzgang Streichen oder lieber nur vertikal, um ein einheitliches Bild zu erhalten?

Vielen Dank im Voraus

Toru

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.02.16

Kalken


Hallo Toru,
1)wenn du neu verputzt, kannst du auch gleich danach kalken, wenn du es eh vor hattest. Ein freskaler Anstrich hält tausend mal besser als secco.
2)Kalk ist alkalisch und damit Schimmelhemmend, aber nur solange er alkalisch bleibt. Das verliert sich mit der Zeit, vor allem auf der Wandoberfläche.
3)Eine mit Kalk gestrichene Wand kann man sehr wohl mit einer Akrylfarbe bestreichen. Du verwechselst da was. Bei Leimfarbe ist es so wie du beschreibst.
4)Kalkfarbe, sowie Leimfarbe auch, ist sehr gut Diffusionsoffen. Mit den Schichten des Überstreichens nimmt sie ab.
5)Kalken in Secco funktioniert circa in folgender Weise: 3x1:8, 2x1:5, 1x1:3. Dadurch ist dein Streifenproblem auch weniger. Wand mit Sprühflasche vornässen, je nach Saugverhalten der Wand mehr oder weniger stark. Die Kalkmilch muss langsam carbonatisieren. Das erreicht man mit einem Vornässen.
6)Streichen in kreuzenden Strichen mit Bürste.
7) Viel Erfolg!

Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratorin M.A. Johanna Hamulski | | 02.03.16

Aber


---bitte berücksichtigen das Sumpfkalk nicht passe eine Kalkfarbe ist.

Wer hat sie denn auf die Idee gebracht den Innenputz mit Trasskalk zu machen?

Mitglied der Fachwerk.de Community
BAUST Bau & Sanierung Struve | | 02.03.16

Vielen Dank


@JoAna: Vielen Dank für die Tipps. Es schaut unterdessen schon recht hübsch aus, ich bin guter Dinge, dass ich den Sumpfkalk im ganzen Haus Verarbeiten kann. Allein die Betondecken bereiten mir noch etwas Kopfzerbrechen. Ich überlege, diese zuvor mit Glasfaservlies zu tapezieren, um kleine Haarrisse zu verdecken und leichte Unebenheiten auszugleichen. Ggf. nehme ich zum Streichen dann auch eine Silikatfarbe her. Erste Tests auf der "rohen" Betondecke mit Sumpfkalk waren nicht sehr erfolgsversprechend.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.03.16

Betondecke


Die Deckenunterseite können Sie mit einer Kalkglätte oder einem Gipsspachtel glätten. Dann ein Anstrich Ihrer Wahl drauf. Ob Sumpfkalk dafür die beste Wahl ist bezweifle ich.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 06.03.16

Re: Betondecke


@Georg Böttcher: Es wäre sehr nett, wenn Sie mir genauer erläutern könnten, _warum_ Sie Zweifel an einer sinnvollen Verwendung von Sumpfkalk für eine Betondecke haben und welche Alternative Sie hierfür vorschlagen würden.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.03.16

Sumpfkalk


Ich halte das eher für ein Hobby oder Spielerei.
Fertige Innenwandfarben- und dazu gehören auch Kalkfarben- sind einfacher zu handhaben und die Oberflächenqualität ist besser. Etwas anderes wäre ein frescaler Sumpfkalkanstrich.
Die fertig gespachtelte und geschliffene Decke (oder alternativ die Tapete) können Sie mit jeder fertigen Farbe streichen. An der Decke geht auch normale Dispersionsfarbe.
Irgendwelche bauphysikalischen oder biologischen Vorteile z.B. zu Silikat- oder fertigen Kalkfarben werden Sie nicht feststellen können. Eher Nachteile, z.B. ein Spritzer Sumpfkalk im Auge im Gegensatz zu einem Spritzer Dispersionsfarbe.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 06.03.16

Sumpfkalk-Bilder aus der Bilddatenbank: