Fachwerk.de - FACHWERKSANIERUNG Austausch oder Reparatur?

FACHWERKSANIERUNG  Austausch oder Reparatur?Hallo,
wir wohnen in einem ca 120 Jahre altem Bauernhaus. Es wurde vor ca. 20 Jahren komplett saniert und dabei auch ein Teil des Fachwerks freigelegt. Wir sind jetzt die neuen Eigentümer und wollen das Fachwerk, im Zuge einer Gartenneugestaltung, sanieren. Und jetzt meine Frage:

Wenn die Balken ziehmlich marode sind ist dann immer ein Austausch nötig oder gibt es auch irgendwas wie Harz, Acryl oder irgendeine Spachtelmasse um wieder eine Witterungsbeständige Oberfläche zu bekommen?
Das Fachwerk ist hintermauert und somit nicht mehr unbedingt tragend.
Neues Fachwerk kommt nicht unbedingt in Frage, da wir den Charme des alten und schiefen FWs eigentlich erhalten wollen.
Vielleicht hat ja jemand irgendwelche Erfahrungen damit und kann uns weiterhelfen.
Vielen Dank schon mal im Vorraus

Alexandra & Jürgen
Fachwerk gleich Wohngefühl
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juergen | 05.06.11

Na das iss doch mal ne Frage von einem Schreiner.

Grüße


anonymus | 05.06.11
Acryl + Co. ...
haben bei der Fachwerksanierung wirklich nichts verloren. Die nachfolgenden Schäden sind vorprogrammiert. Es dürfen nur diffusionsoffene, kapillaraktive und hohlraumfreie Materialien bzw. Konstruktionen verwendet werden, sonst droht Tauwasserausfall aus Luftfeuchtigkeit und einsetzende Verrottungsprozesse nebst Schimmelbildung. Keine zementhaltigen Produkte überdies. In diesem Sinne ist auch die "tragende" Hintermauerung sehr kritisch´zu betrachten: nicht belüfteter Hohlraum/Tauwasserausfall.
Eichenholz ist, konstruktiv richtig eingebaut, auch ohne Oberflächenbehandlung witterungsbeständig. Die Balken auf Ihrem Photo sehen mir nicht unbedungt nach Eichenholz aus. Der Putz könnte ein Zementputz sein (diff.dicht/hart/wasserhaltend) und das Fachwerk zusätzlich schädigen. Marode FAchwerkteile sind nicht unbedingt charmant, sondern gefährden u. U. die Standsicherheit des Hauses. Solche Teile müssen herausgeschnitten und fachmännisch nach bewährten Zimmermannstechniken ohne Metallwinkel neu angefügt werden. Morsche Fehlstellen werden herausgeschnitten und aus gleichem, neuen Material als "Intarsie" neu eingefügt und keinesfalls mit Spachtelmassen ergänzt. Fachwerk-"Sanierungen" in den 1990er Jahren sind meistens ohne die spezielle baukonstruktiven und bauphysikalischen Kenntnisse vorgenommen worden, die man bei diesem Bautypus beachten muss. Es wurde die gesamte Baumarktpalette an ungeeigneten Bauprodukten verwendet, möglichst im Eigenbau, mit der Folge, das jetzt die Sanierung der Sanierung ansteht.
Ich rate Ihnen, Ihr Bauwerk von einem fachwerkerfahrenen Architekten/Bauingenieur/Zimmermann/Restaurator einmal begutachten zu lassen. Nach einer sorgfältigen Bauaufnahme und Schadenskartierung lässt sich eine Strategie für eine materialgerechte Sanierung planen. Damit der Charme Ihres Hauses wirklich erhalten bleibt.
retrogarde
Mitglied der Fachwerk.de Community()
pickartz.architektur | Will Pickartz Architekt AKNW | 05.06.11
Vorsicht !
"Das Fachwerk ist hintermauert und somit nicht mehr unbedingt tragend."

Bei einer vorhandenen Hintermauerung darf man keinesfalls davon ausgehen, dass das Fachwerk nicht mehr tragend ist ....
Das erste Haus baue man für einen Feind, das 2. für einen Freund und erst das 3. für sich selber !
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Olaf aus Sachsen | 05.06.11

Hallo, Acryl und Co haben am Fachwerk nichts verloren.
Ich habe die letzen Tage meine Balken ( 1697) von Alter Farbe befreit und die sehen in etwa genauso aus wie Deine.
Vorstreichen mit Leinöl mit Terpentin versetz ( Vorstrich )
Dann würde ich die Holzlasur von Kreidezeit empfehlen.
Da hat 1 Kanister für ca 40 Quadratmeter Hausseite für die Balken gereicht. Ich habe allerdings Farbpigmente in Umbra dunkel 10% also 250gr auf 2,5ltr. Lasur zugegeben.
Sieht tip top aus.

Viel Erfolg und verzichte auf Chemie.

Gruß Holger
So bauen wie 1697
Mitglied der Fachwerk.de Community()
Holger Meier | 05.06.11

Alt und marod ist nicht das selbe.
Ich würde zuerst mal in Erfahrung bringen, was genau bei der Komplettsanierung gemacht wurde und welche Materialien verwendet wurden.
Die Lagerfuge, auf welcher der waagrechte Balken liegt, sieht semiprofessionell aus. Wenn da Schlagregen hinkommt, habt ihr ein Problem - aber dann sähe das Holz vermutlich etwas anders aus.
Ich bin verantwortlich für das, was ich schreibe! Nicht für das, was Du verstehst!
Mitglied der Fachwerk.de Community()
Jens Paulsen | 06.06.11
Schwierig wird es...
...in der Tat, wenn mit Spachtelmasse und Co. versucht wird, den "Charme" eines Hauses zu erhalten.

Alt und krumm ist zwar für ein Fachwerkhaus "charmant", wenn es aber statische oder konstruktive Mängel gibt, gilt es diese zu beseitigen. Dann ist´s vorbei mit dem "Charme".

Die Balken eines Fachwerkhauses sind letztendlich Verschleißteile, die je nach Witterungsbelastung und "Pfusch am Bau" früher oder später mal ersetzt werden müssen.

Das gehört einfach dazu und gehört auch zur Geschichte eines Hauses.

Im Übrigen sehen die Nadelholzbalken auf dem Foto nicht unbedingt marode aus (rein optisch). Bewittert zwar, aber auch das gehört dazu. In den breiten Riss dringt zwar Feuchtigkeit ein, sie kann aber auch wieder schnell entweichen oder abtrocknen.
"Zuschmieren" ist da eher kontraproduktiv.

Über den Putz und den offensichtlich fehlenden konstruktiven Holzschutz (Auflage der Schwelle /des Rähms) würde ich mir da eher Gedanken machen.

Grüße
Martin
Fachwerk ist Lebensqualität (nicht immer, aber oft)
Mitglied der Fachwerk.de Community()
Martin Wittwar, Dipl. Ing. (FH) | 06.06.11
Wo ist denn der Schaden?
Ich sehe nur Trockenrisse und das ist normal.
Alles gegen feuchte Wände und Keller
Mitglied der Fachwerk.de Community()
Bromm Edmund | 06.06.11

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