Einbau Sandsteinfensterbänke

Hallo,

in Kürze geht es an den Einbau der neuen Sandsteinfensterbänke. Bisher hatte ich dafür eigentlich den Einbau mittels TrassKalkMörtel vorgesehen. In den Verarbeitungshinweisen des Obernkirchener Herstellers wird dagegen explizt die Verwendung von Trasszementmörtel empfohlen (vermutlich aus Gewährleistungsgründen?). Das "böse" Z-Wort wollte ich jedoch eigentlich vermeiden, da all die Stellen, an denen die Vorbesitzer (oder ihre beauftragten Handwerker) mit zementären Mörteln am Mauerwerk gearbeitet haben, heute die größten Problemecken sind.

Der Einbau der Fensterbänke erfolgt unter 5° Neigung zwecks definierter Wasserableitung weg vom Fenster. Dadurch wirkt aber ja prinzipiell eine Hangabtriebskraftkomponente auf die Fensterbank. Die Unterseite und die Stirnflächen re/li an der Bank sind beim Sägen, wie ich finde, relativ glatt geworden. Wie gut sich hier ein Mörtel verkrallen kann? Ich würde gerne vermeiden, dass die Fensterbänke im Laufe der Zeit irgendwann langsam selbständig weg von den Fenstern wandern. Daher habe ich auch schon überlegt, ob z. B. mit dem Winkelschleifer an dem im Mauerwerk befindlichen Unterseitenbereich eingearbeitete Nuten, die sich im Mörtelbett füllen und so einen Formschluss erzeugen, sinnvoll wären. Jetzt fand ich dagegen noch den Tipp, die Fensterbank nur vorne und hinten im Mörtelbett aufliegen zu lassen und dazwischen eine Senke auszubilden.

Daher die Fragen an die diesbezüglich Erfahrenen:
# Alleinige Verwendung von Trasskalkmörtel okay oder mit Nachteilen behaftet?
# Rutschneigung der Fensterbank nur theoretisches Hirngespinst oder aus Erfahrung tatsächliches Problem?
# Muss man beim Mörtelbett etwas beachten?

Allgemeine Basisinfos:
Backstein-Vierständer-Haus anno 1895, vollsteiniges Mauerwerk im alten Reichsformat, Fensterbänke mit rechteckigem Querschnitt und 80 mm stark, Überstand Fensterbänke über Mauerwerk ca. 80 mm.

Vielen Dank schon mal für's "Mitdenken".

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| 17.10.16

Fensterbänke


Erst mal zum Z- Wort:

Woher wollen Sie wissen das an bestimmten Stellen (natürlich die Problemstellen) Zement im Mörtel ist?
So etwas kann man eigentlich nur durch chemische Analyse und/oder physikalische Beprobung feststellen.
Können Sie definitiv ausschließen das die Probleme an den Stellen nur durch Zementzugabe im Mörtel und nicht durch andere Ursachen entstanden sind?
Zu den Fragen:
Können die Fensterbänke nach dem Erhärten des Mörtels abrutschen:
NEIN.
Senke im Mörtel ausbilden:
Nein, möglichst vollflächig auflegen.
Nehmen Sie Trasszementmörtel.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 17.10.16

Fensterbank


Ich baue seit Jahren mit Kalk und Zement. Bisher lagen mögliche Bauschäden aber nicht am "bösen Zement", sondern an den kleinen handwerklichen Schludereien meinerseits. Dazu gehört auch die Verwendung von Kalk oder Zement an der falschen Stelle. Ich wüsste in Deinem Fall nicht, warum Trasszementmörtel beim Verlegen von Fensterbänken es Schäden am Haus kommen kann. Es sei denn, Du mischt selber und verwendest zu viel Zement.
Abrutschen - theoretisches Hirngespinnst ....
Mörtelauflager patzenweise, aber dann vollflächig einrütteln(+Gummihammer) mit Gefälle (Wasserprobe!).
Mauerfuge vorher annässen, Fensterbank auf Mörtelseite anrauhen wie Du es vorhast mit Flex, Überstand von 8 cm bei unverputzten Mauerwerk könnte eng werden - die Nut der Tropfkante sollte 5 cm vorm Putz sein. Und der Anschluß zum Fenster sollte unter die Fensterbankanschlußnut (an einem neuen Holzfenster eigentlich schon vorgesehen) reichen. .... Bau ist nicht Maschinenbau ...
Das erste Haus baue man für einen Feind, das 2. für einen Freund und erst das 3. für sich selber !
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| 17.10.16

Kein aufgearbeitetes Gefälle?


Wie muss man sich denn deine Fensterbänke vorstellen? In der Regel waren die ja früher massiv ausgeführt, hatten ein aufgearbeitetes Gefälle, entsprechenden Überstand mit eingearbeiteter Wassernase und Aufstände links und rechts für die Gewände.

Wenn es sich nur um Platten handelt, auf denen keine Gewände stützen, dann kannst du die bedenkenlos mit TrassKalkMörtel oder auch Trasszementmörtel vollflächig einsetzen (Batzenmethode wie vorher beschrieben geht sehr gut, man braucht ein wenig Verdrängungsraum für den Mörtel)

Da der Obernkirchner ein eher feiner Sandstein ist, kannst du zur Sicherheit noch eine kleine Kelle Natursteinkleber mit in den Fertigmörtel geben, das erhöht die Feinanteile. Kommt aber darauf an mit was du versetzt. Bei TM10 von Schwenk würde ich das machen, da der eher grob ist, bei Maxit 960 oder 958 brauchst du das nicht. Als Alternative kann ich den Trasskalkmörtel TKM von Sakret empfehlen.

Wenn die Bank massiv sein sollte und sich Gewände darauf abstützen was es früher üblich diese wie Stürze zu setzen - nämlich mit Hohlfuge die dann später nur mit Holzwolle o.ä. ausgestopft und überputzt wird. Ansonsten besteht Bruchgefahr.

Ob du mit Trasskalk oder Trasszement arbeitest spielt beim Versetzen keine große Rolle, allerdings bei der Ausbildung der Fuge. Zementöse Fugen sind bei weicheren Natursteinen generell schwierig, Trassmörtel bevorzugt man ja auch nur wegen der geringeren Ausblühungsgefahr. Für die Fugen empfehle ich dir entweder einen einen speziellen, weichen Fugenmörtel. Gute Fugenmörtel in vielen Farben gibt es bei Remmers und anderen einschlägigen Fachfirmen (Krusemark, Ruberstein usw).

Die Bank von unten aufzuarbeiten ist sicherlich nicht die schlechteste Idee, kannst du dir aber in der Regel und bei korrekter Verarbeitung auch sparen, würde ich vom Aufwand her abhängig machen. Einfaches Aufspitzen der Oberfläche reicht allerdings völlig zu und macht weniger Staub als die Flex einzusetzen - würd ich abhängig machen von der Stärke der Bänke.
"Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen" Jean Paul
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Ostobjekt - Werkstatt für Gestaltung | | 18.10.16

Fensterbank


FensterbankWeder aufspitzen noch flexen noch sonstwas ist an der Unterseite erforderlich.
Ordentlich und möglichst hohlraumfrei in Mörtel setzen!
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 18.10.16

Bild


Das Bild passt aber nicht ganz - die neuen sind nur laut Text oben 8 cm stark - also eher Platten, die ja geschnitten und somit wesentlich glatter sind. Solche alten Fensterbänke hingegen waren auf der Unterseite nur grob behauen. Das "anflexen wäre ja nun der geringste Aufwand für guten Verbund ...
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| 18.10.16

Fensterbänke


Ich habe das Bild reingestellt um zu zeigen wie ordentliche Natursteinfensterbänke mit Gewände einmal aussahen und meiner Meinung nach aussehen sollten. Das mit den Unterseiten stimmt, aber nicht wegen dem Abrutschen sondern weil nur die Sichtflächen aufwändig bearbeitet wurden. Ich tapeziere auch nicht eine Gipskartonplatte bevor ich sie ans Ständerwerk schraube.
Trotzdem glaube ich das bei 5% Gefällle auch eine gesägte Platte mit glatter Oberfläche nicht aus aus einem Zementmörtelbett rutschen wird. Diese Vorstellung ist völlig unrealistisch. Wer einmal versucht hat das Zementmörtelbett von geborgenden Natursteinplatten abzukriegen weiß was ich meine.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 18.10.16


Das mit der 80mm Stärke hatte ich übersehen, halte das aber für ziemlich aussergewöhnlich für diese Bauzeit - ist mir jedenfalls so noch nicht untergekommen.

Zu den eingemauerten Seiten der Gewände und den gespitzen Oberflächen ergänzend:

Sicherlich ist das mit der Zeitersparnis ein Aspekt, allerdings nicht der einzige. Andere Aspekte waren, dass man durchaus die Masse auch aus statischen Gründen hat stehen lassen und es gab Vorteile beim Einbau, weil sich die Gewände besser mit dem Mauerwerk verbunden haben. Zum Teil hat man sogar den Bossen in gewissen, zum Beispiel bruchgefährdeten, Bereichen auch dicker stehen lassen. Vor kurzem habe ich Fensterbänke ausgebaut, (diese waren übrigens wie üblich hohlfugig gesetzt :-) ) die in der Mitte (bruchgefährdeter Bereich) ca. 6 cm dicker waren als der Rest der Bank. Da das bei allen Fensterbänken der Fall war, gehe ich davon aus, dass das bewusst gemacht wurde. Bei Stürzen hatte ich das schon öfter gesehen. Außerdem habe ich auch ein Türgewände ausgebaut, was nach oben hin im Bossen richtige Auskragungen ins Mauerwerk aufwies.

Begründet ist dies sicherlich in den damals verwendeten leichten Mörteln und der wesentlich geringere Einsatz von Ankern. Nimm den Maxit Mörtel, dann haste Ruhe. Verfuge aber mit was weicherem, ist meine Empfehlung. Als Faustregel gilt eigentlich immer: Fugen weicher als den Stein ausführen.


Die meisten Schäden durch Zementmörtel die ich immer wieder zu beheben habe sind Ausplatzungen oder extreme Verwitterungserscheinungen im Bereich der Fugen. Aber auch eigentlich nur da. Vielleicht waren deine Problemecken schon immer Problemecken, darauf könnte ja auch der Einsatz von Zementmörtel hinweisen - denn es wurde ja mal irgendwann was unternommen :-) Ich würde also nicht den Zementmörtel generell verteufeln, es kommt eben darauf an wo und wie man ihn einsetzt.

Noch was: Sandstein ist wasserdurchlässig. Wenn du deine Fensterbänke nicht mit Blech abdeckst, solltest du dir eventuell überlegen unter der Bank wenigstens ein wenig Dichtschlämme zu streichen. Gerade bei so geringen Stärken. Soll auch Verrückte geben die darauf schwören die Unterseite der Fensterbank damit zu behandeln... :-) Jeder wie es ihm beliebt... :-)
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Ostobjekt - Werkstatt für Gestaltung | | 18.10.16

@George


naja, Mörtel von einer gesägten Sandstenplatte abklopfen geht relativ leicht - der Verbund nicht gerade die Welt. Immerhin kommt es bei der geringen Stärke zu hohen Temperaturwechsel im Winter zwischen Mittagssonne und Nachtfrost. Wegen Abrutschen habe ich keine Bedenken - Haarriss / Naturstein liegt schnell hohl. Habe da mal einen Prozess verloren, da keine Grundierung gestrichen - Treppenstufen könnten sich lösen,obwohl beide Seiten eingeputzt und Sockelplatte geklebt. 70.000 DM im Arsch gewesen!
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| 18.10.16


Naja, also im Regelfall zieht der Zementleim schon in Sandstein ein. Was du beschreibst ist eher bei Hartgesteinen der Fall, weshalb ich diese meist vorher bearbeite - aber auch nicht bei dünnen Platten.

Da macht auch die Verlegung viel aus. Problematisch ist immer eine vollflächige Verlegung bei Treppen aus Plattenmaterial. Man muss einfach davon ausgehen, dass die gesamte Konstruktion im Außenbereich wasserbelastet ist, da drückt sich dann gerne auch mal im Frost-Tauwechsel eine Platte weg.

Ich persönliche baue nur noch Blockstufentreppen, das ist am Ende günstiger, sieht besser aus und man hat damit in aller Regel keine Probleme mehr - vorausgesetzt sie sind richtig verlegt.

Mörtelschlösser baue ich übrigens ganz gerne mal ein, egal ob in Form von Flexschnitten in Granitplatten oder Stufen oder ob keilformig gehauen in Massivstücken, es gibt einfach einen insgesamt besseren Halt und auch das Versetzen ist ein wenig leichter, weil gleich ne ganz andere Stabilität herrscht.

Darum gings hier ja aber nicht, entschuldigt die Abschweifung...
"Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen" Jean Paul
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Ostobjekt - Werkstatt für Gestaltung | | 18.10.16

Fensterbänke


Mit der Flex einschneiden, abspitzen der Unterseite...so etas verbietet sich allein schon aus Material- und Dimensionsgründen bei einer 4 cm starken Sandsteinplatte. Sandstein kann kleine Inhomogenitäten wie Einschlüsse, Haarrisse oder weichere Stellen haben, das sind dann Sollbruchstellen. Schon beim Einklopfen der Platte ins Mörtelbett kann es bei nur 4 Zentimetern auch ohne Flex schon mal knacks machen.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 19.10.16


Naja... Ihre Bedenken in Ehren, aber:

Erstens ging es hier um eine 8 cm starke Platte, 2. handelt es sich um Obernkirchener Sandstein - der ist sehr feinkörnig, dicht und recht homogen.

Ich hab schon 3er Platten aus Porphyrtuff scharriert, über 1m lang, als Vierung an einer Fensterbank (und vor dem Einbau!) - auch das geht, man muss eben nur wissen wie :-)

Zugegeben, für den Laien ist das vielleicht nicht die leichteste Aufgabe.

Trotzdem: ich würde, wenn überhaupt, nur mit der Flex ein paar Schnitte in die Unterseite machen, Schaden tut das nicht und da brauch man auch keine Schäden durchs Versetzen befürchten. Es reicht ja eine Schnittiefe von 3 mm völlig zu. Zur Flex tendiere ich allerdings auch nur aus Zeitgründen, meine Massivstücke spitze oder stocke ich eigentlich alle vor dem Einbau.

Wie gesagt, man kann das machen, wenn man aber den richtigen Versetzmörtel in der richtigen Konsistenz hernimmt, braucht man das eigentlich auch nicht.

Ich rüttele meine Platten meist sanft ins Mörtelbett, da brauch man auch gar nicht groß klopfen. Praktisch sind da diese Verglasungsklötze von den Fensterbauern, mit denen kann man vorher schon die Platte ganz exakt einrichten, dann klappt man die Platte hoch, Mörtel drunter, Platte runter, einrütteln und sobald der Mörtel steif genug ist, dass er selbst trägt, die Dinger wieder ziehen.

Ich habe alleine dieses Jahr über 20to Naturstein bearbeitet und verbaut, ich glaube ich kann schon ein klein wenig abschätzen was geht und was nicht.

Mal abwarten was der Threadersteller sagt, mich interessiert ja nach wie vor warum bei so einem alten Haus nur so dünne Bänke erbaut sind - sowas habe ich noch nie gesehen, es sei denn nach einer frühen Reko oder so. Mir sind solche dünnen Gewände oder Bänke bisher immer nur bei Häusern ab 1915/1920 untergekommen. Mich würde es freuen wenn der TE mnal ein Bild vom Originalzustand postet.
"Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen" Jean Paul
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ostobjekt - Werkstatt für Gestaltung | | 19.10.16

Rückmeldung


Hallo,

vielen Dank für die vielen bisherigen Tipps und Anregungen.

Eine ausführlichere Rückmeldung von mir (auch zu den gestellten Fragen) gibt es in einigen Tagen, sobald mein Tagsablauf außer Arbeiten (Beruf), Arbeiten (am Haus) und Schlafen noch etwas anderes zulässt. Da der Auftragnehmer für die Innendämmung kurzfristig am Montag startet, muss bis dahin alles erledigt sein, was unter der Dämmschicht verschwinden wird.

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| 21.10.16

Einbau-Bilder aus der Bilddatenbank: