Diverse Fragen zur Innenverkleidung

Sehr geehrte Fachwerksfreunde,

ich lese schon seit einigen Wochen mit und habe schon einige Fragen hier beantwortet bekommen und auch Tipps und Tricks sehr gerne gelesen.

Jetzt komme ich leider in einer "Grundsatzfrage" nicht so recht weiter. Ich muss gestehen ich bin Kaufmann und arbeite mich so langsam rein. Ich habe vor wenigen Wochen ein Fachwerkhaus aus Familienbesitz gekauft. Dieses ist von 1748 und steht im Rhein-Main-Gebiet und die letzte Sanierung war ca. 1950 (Kriegsschäden). Danach ist nur noch eine Zentralheizung eingebaut worden.

Zu meinen Fragen:

Das Fachwerkhaus ist nicht gedämmt. Dies wäre mir jetzt auch nicht so wichtig, aber da meine Freundin die Wände begradigen möchte, würde ich dies gerne miteinander verbinden.

Warum ich die Wände nicht mit Lehmputz begradigen kann? Die Heizungsrohre wurden nachträglich alle Aufputz montiert. Diese möchte ich aber nicht mehr ständig sehen, deshalb meine Frage was kann ich hier am vernünftigsten machen?

Sie stehen ca. 5cm von der Wand weg. Ich dachte an Rigips oder Fermacellplatten, aber wirklich viel dämmen könnte ich bei 5 cm nicht? Würde auch Dämmung weglassen gehen und den 3-4 cm Hohlraum hinter den Rigipsplatten lassen? Macht es wirklich so viel Unterschied ob ich Rigips oder Holzfaserplatten verwende? Wie gesagt Dämmwerte spielen eine untergeordnete Rolle, mir geht es eher um die Haltbarkeit der Balken. Nicht das diese Feucht werden und schimmeln. Weiterer Vorteil wäre, das ich auf die Lattung der Rigipsplatten die Elektroinstallation legen kann ohne groß Schlitze zu klopfen.

Muss ich im Bad anderes verwenden? Bei Rigpis wäre natürlich die grünen Rigips notwendig, klar. Ich habe mal gelesen das ich bei einem Fachwerk nicht die ganze Raumhöhe fließen darf. Ist das richtig oder spielt dies kaum eine Rolle bzgl. der Feuchtigkeit?

Ich möchte die Deckenzbalken wieder verkleiden aber vorher noch gegen den Holzwurm schützen. Welche Mittel sind hier am besten für den Innenraum?

Ich habe einige Mäuselöcher (vermutlich ältere) in der Decke gehabt und die Mäuse sind auf der Zwischendecke gelaufen. Diese Löcher würde ich gerne wieder zumachen. Wie mache ich das? Geht der normale Lehmputz auch für größere Löcher? Wie dick darf ich diesen an der Decke auftragen?

Ich habe in einem Zimmer noch wirklich tolle Holzdielen entdeckt, leider unter einem geklebten PVC-Folie / Teppich. Bekomme ich diesen Kleber wieder ab bzw. bekomme ich Ihn so ab das man die Dielen wieder herrichten kann? An einer Stelle wurde vom Heizungsbauer die Diele ausgeschnitten, ca. 4 cm von der Wand weg. Kann man diese ausgeschnittene Diele wieder halbwegs reparieren? Also irgendetwas Dielenähnliches hineinschütten und damit abschleifen?

Es tut mir leid das ich so einen großen Fragenkatalog habe, aber ich hoffe sehr das mir hier geholfen werden kann.

Vielen Dank schonmal.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 20.06.16

Innendämmung


Ich hatte bei mir dasselbe Problem mit Innendämmung im Fachwerkhaus im Zusammenhang mit Heizungsleitungen auf Putz. Inzwischen sind alle Heizungsleitungen im Putz als eine Art rudimentäre Wandheizung integriert. Ich habe erst einmal mit Holzweichfaser bzw. Stroh-Lehm Gemisch die Heizungsleitungen so gut es ging gegen die Wand isoliert. Danach habe ich die Wand komplett mit Lehm Unterputz egalisiert. Der Aufwand war hoch, da ich alles von Hand verputzt habe und in einer Zweizimmerwohnung, die ich als erstes im Haus fertigstelle, habe ich fast 5 Bigpacks verbraucht. Darauf wurden HWP mit Lehm verklebt und das ganze zweilagig mit Putzarmierung verputzt. Die Heizungsleitungen sind damit auch in der Wand verschwunden. Ich habe 4 cm HWP verwendet, ansonsten sollen nicht mehr als 6 cm HWP verwendet werden. Das ganze wird als KFW Denkmal gefördert und hält die entsprechenden Werte für diesen Bereich ein.

Folgende Seiten haben mir bei der Auswahl geholfen und vermitteln etwas Hintergrundwissen.
https://www.u-wert.net/innendaemmung-von-fachwerk/
https://www.u-wert.net/innendammung-mit-holzfaserdammplatten-und-lehm-tauwasser/

Das System erlaubt die Rücktrocknung des Fachwerks auch nach innnen und es sollte keine Feuchtigkeit an den Balken bleiben.

Im Bad sollen die Fliesen möglichst nicht oder nur kleinflächig verwendet werden, da die Wand ansonsten nicht nach innen Feuchtigkeit abgeben kann.

Viel Spaß bei der Renovierung

Herbert
Ein Fachwerkhaus ist romantisch und hat große Vorteile. Die Raumaufteilung ist nicht vernünftig
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16


Von dem Rigipssystem sollten sie besser Abstand nehmen, da hier eine schwer zu verbauende Dampfsperre nötig ist und sie oft unkontrollierbare Hohlräume erhalten. Beesser ist ein Aufbau den historia beschrieben hat, also hohlraumfrei mit Lehm und HWF oder Schilfrohrplatten ausgleichen und dämmen. Aufbauten hierzu finden sich zahlreiche im Forum und Netz.

Wenn ein Haus bewohnt und trocken ist brauchen sie keinen profilaktischen Holzwurmschutz. Viele sichtbare Fraßschäden sind oftmals alt weil im 18.Jhd. z.b. die Balken noch mit Baumkante verbaut wurden und der Splint in der Folge besonders gern befallen wurde. Jedes wirksame Gift wirkt sich auch für den Menschen schädlich. Wenn sie die Balken wieder komplett Verputzen kommt es eh nicht zum Befall.

Die Mauseelöcher soweit möglich auch mit Holz verschließen, Putzträger befestigen und mit Lehm oder Kalkputz verputzen, je nach dem was schon vorhanden ist.

Die Klebereste lassen sich gut mit einer Lackfräse entfernen gleich abschleifen. Letzteres könnte jedoch schnell zum verkleben der Bänder führen.
Vorsicht bis in die 70er Jahre enthielten viele Kleber, PVC-Böden und auch Auslegware gesundheitsschädliche Stoffe wie Asbestfasern , PCB, PAK etc.

Gruß
Selle
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16

Vielen Dank erst einmal


Vielen Dank erstmal für die Antworten.

Was ist HWP bzw. HWF? Sorry, aber mir sind die Abkürzungen noch nicht so geläufig.

Verstehe ich das richtig das, der für mich richtige Schritt (würde gerne was mit Lattung machen da ich keine 5 Bigpacks Verarbeiten möchte :-)) Balken freilegen, darauf die Lattung, dann Elektrik verlegen, dann die Zwischenräume "zu machen" mit Lehmputz oder Schilfrohrmatten oder ähnliches und dann Lehmbauplatten drauf. Habe ich das richtig verstanden oder spricht etwas dagegen?

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16

Holzweichfaserplatte


bei mir war es eine Pavadentro von Pavatex, aber auch die anderen Anbieter wie Gutex, Homatherm usw. haben ähnliche Platten im Programm und beschreiben die entsprechenden Aufbauten. Möglichst im System bleiben, damit der Feuchtigkeitstransport gewährleistet ist. Bei Lehm als Ausgleich, Lehmkleber für die Holzweichfaserplatte und darauf wieder Lehm als Putz ist das gegeben.

Man muss auch keine 5 Tonnen Lehm verarbeiten. Bei mir waren die Wände sehr uneben und ich habe teilweise bis zu 15 cm Lehm zum Ausgleich verwendet. Das bedeutet aber einen Schichtenaufbau mit Trockenzeiten über mehrere Monate. Bei mir hat das gepasst.

Warum die Balken freilegen? Wenn da ein funktionierender Putz darauf ist kann der als Unterlage problemlos verwendet werden.
Ein Fachwerkhaus ist romantisch und hat große Vorteile. Die Raumaufteilung ist nicht vernünftig
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16


HWP oder HWF meint Holzweichfaserplatte, die gibt es flexibel und fest in div. Ausführungen oder die UDI Reco in von Unger als Mischform.
Wieso meinen sie viele bigbags Verarbeiten zu müssen?
Wie ausgeprägt ist denn der Schiefstand der Wände?

Üblicherweise genügt es den alten Putz / Mauerwerk so freizulegen, das man einen tragfähigen Untergrund hat, aufrauhen und eine Ausgleichsschicht Lehm aufputzen, trocknen lassen und darauf die HWF-Platten vollflächig verkleben. Die HWF werden dann nochmal mit mind. 5 bis 15mm verputzt. Über die Stöße oder die Fläche komplett, Gewebe mit einputzen. Vorzugsweise ein Gewebe mit mind 6*8mm Maschenweite wählen . Standard 4*4mm wird gern verwendet ist m.E. aber zu klein.
Es geht auch mit Lehmbauplatten, schneller aber teurer. wichtig ist das die Konstruktion hohlraumfrei und kapilar wasserleitend ist, um evt. eindringende Feuchte oder Kondensat verteilen und ableiten zu können.
Gipsplattenkonstruktionen mit Mineralwolle können das nicht.
Man könnte bis 4cm Schiefstand auch mit abgehobelten Dämmplatten ausgleichen z.b. 80mm auf 40mm keilförmig abgeschrägt. Macht aber enorm viel Hozfaserstaub und die Kontaktfläche sollte gut abgebürstet sein besser noch mit Lehmschlämme vorgestrichen/vorgespachtelt werden damit die losen Fasern keine Trennschicht bilden.

Gruß
Selle
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16

Holzfaser oder Lehmbauplatten?


Dieses Forum ist Klasse. Vielen Dank!

Sie würden Holfzaserplatten den Lehmbauplatten vorziehen oder?

Ich kann die Lattung auf den vorhandenen Putz (der noch sehr gut ist) drauf machen? Das hält?

Die Wände sind nicht sehr schief, aber die Heizungsrohre welche "verschwinden" sollen sind ca. 5 cm vom aktuellen Kalkputz weg.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16


Geschmacksache, ob nun Lehmbauplatte und Lattung oder klassischer Aufbau. Ich würde letzteres vorziehen.

Sie können die HWF-Platten auch mit Kalkhaftputz verkleben und zusätzlich verschrauben, auf oder in den Altputz die Installation , dann ein 60 oder 80mm HWF-Platte und die Rohre darin verschwinden lassen. Die Udirecoin hat eine weiche Seite die auch eine UP-E-Installation sicher umschließt.

Eine Lattung mit dem Fachwerk oder evt. auch Mauerwerk verschrauben nicht nur am Putz.

Gruß
Selle
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.06.16

Wände begradigen


Hallo Christoph,

wenn eine Wand ganz dolle ungrade ist und Leitungen und ähnliches verschwinden müssen ist eine Leichtlehmschüttung mit hohem Lehmanteil relativ einfach einzubauen(ähnlich einer Stampflehmwand).Wo ist das im Rhein Main Gebiet?

VG Hüpenbecker
Hab ich mich denn vermessen?
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 22.06.16


Vielen Dank Huepenbecker,

ich komme aus Hanau.

VG
Christoph

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 23.06.16