Diffusionsoffene Farbe auf Gipsputz - Aufklärung der Verwirrung

Moin Zusammen

Bisher habt ihr mir ja schon öfter geholfen. Ich bin auch schon seit Wochen am studieren der Beiträge hier und einiger Datenblätter. Ich habe auch bei einigen Herstellern angerufen ... und was soll ich sagen ... eine Antwort have ich noch nicht.

Die Überschrift beschreibt das Problem schon ziemlich gut. Ist ja auch schon einige Male hier so gestellt worden.

Aus meiner Sicht hat ein Gipsputz sicherlich Nachteile gegenüber Kalkputz aber manchmal will man die Gegebenheiten (vorhandenen Gipsputz) nicht ändern sondern nur Streichen ohne dabei die regulierenden Eigenschaften des Gipsputz (diffussionsoffen) zu verlieren.

Ich trage mal zusammen was ich bisher in Erfahrung gebracht habe. In der Reihenfolge der Häufigkeit:

1. Kalk- und Silikatfarbe auf Gips ist problematisch (Forum)
2. Kalk- und Silikatfarbe auf Gipsputz geht ohne Probleme (Forum - machen wir schon seit Jahren)
3. Kalk- und Silikatfarbe geht nur mit Haft-Sperrgrund (Weber und Hessler - Putz wird abgesperrt)
4. Kalk- und Silikatfarbe geht mit Silikatgrundierung (Baustoffhändler - Putz bleibt zumindest zum Teil diffusionsoffen)
5. Kalk- und Silikatfarbe lieber nicht besser ist Kasein-Kalkfarbe (Forum - ist aber wasserlößlich)
6. Kalkfarbe geht mit Kasein-Grundierung (Forum - Putz bleibt diffusionsoffen)
7. Kalkfarbe geht mit Solsilikat-Grundierung oder direkt Solsilikatfarbe verwenden (Keim oder Kreidezeit)
8. Kalkfarbe geht nur mit quarzgefüllten Mineralgrund (Forum)
9. Kalkfarbe geht mit Kaliumaluminiumsulfat-Grundierung (Forum - das könnte eine Doppelaufzählung sein da ich nicht weiß ob das eventuell in einigen der vorher genannten Produkten enthalten ist.
10. Lieber Silikat-Dispersionsfarbe verwenden (mit oder ohne Grundierung konnte ich noch nicht herausfinden)

Könnte noch mehr geben. Ich nehme an, dass mehrere richtig sein könnten und ein paar sind vielleicht nicht empfehlenswert. Ich persönlich sehe zum Beispiel keinen Sinn einen Haft-Sperrgrund zu verwenden.

Würde mich freuen wenn die Experten hier im Forum noch mal bestätigen könnten womit sie positive Erfahrungen gemacht haben.

Es sollte klar sein, dass der Gipsputz tragfähig, sauber und staubfrei sein muss. Bei bestimmten Methoden muss vorgenässt werden, wäre gut das noch mal zu erwähnen. Es sollte auch klar sein, dass ea nie eine Pauschalempfehlung geben kann. Jede Methode muss vorher auf dem Putz getestet werden. Besser ist wenn man einen Experten des Vertrauens vor Ort hat. Leider ist das nicht so einfach - siehe unterschiedlichste Meinungen.

Gruß Tinko

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.11.16

Wandfarbe


Wie wärs damit:
In den nächsten Baumarkt in die Farbenabteilung gehen, sich einen Eimer stinknormale Innenwandfarbe Kaufen und streichen.
So machen das die meisten.
Funktioniert.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.11.16

Wasserdampfluftschichäquivalent


Keim Biosil Silikatgrundierung s(d) 0,03m
Innendispersionsfarbe s(d) 0,06m bei üblicher Auftragsstärke
Gipsputz Mü = 10, dh. bei 20mm Putzdicke s(d) von 0,2m -Schlüsse bitte selbst ziehen.
Leben ist das was passiert, während Du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen. (J. Lennon)
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| 06.11.16

Farbe auf Gipsputz


Moin , bei den ganzen aufzählungen die da zusammengetragen wurden fehlt noch diese...

Auf Gipsputz zuerst einen Tiefengrund LF aufbringen um die Saugfähigkeit des Putzes herabzusetzen.dann Streichen .

das Spart Farbe und schafft ein einheitliches Streichergebnis.

bei Gipsputz ohne Tiefengrundvoranstrich zieht dir der Putz das Wasser aus der Farbe und man rollt oder Quastet nur noch die Pigmente weiter,ergebnis uneinheitlich , wolkiges Streichbild...

welche Farbe du dann nimmst ist im Prinzip ne Glaubensfrage.. ich Glaube ich würde es nicht mit Kalkfarbe versuchen:)

gutes Gelingen wünscht Flakes..
mehr Bäume Pflanzen als Bäume Fällen
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| 06.11.16

Wasserdampfluftschichäquivalent


Hi Pope

Danke dafür. Wenn ich deinen Beitrag richtig interpretiere, dann spielt es in der Praxis keine entscheidende Rolle für die Diffusion ob der Bauherr auf Putz jeder Art

Kalkfarbe,
Kasein-Kalkfarbe,
Silikatfarbe,
Silikat-Dispersions-Farbe

oder eben die oft kritisierte
Dispersionsfarbe (z.B. die mit der Katze) verwendet!!!

Jetzt mal abgesehen von anderen möglichen Vorteilen der ersten vier Farbentypen (z.B. alkalisch)... ist das mit der Diffusion also eher als Marketing-Argument zu verstehen?

Ist für die meisten unerfahrenen User auch mal interessant zu hören.

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| 06.11.16

Buridans Esel


Er hat`s endlich kapiert.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 06.11.16

Tiefengrund LF oder Haft-Sperrgrund


Hallo Flakes

Danke für den Hinweis. Ich kann das oben mit aufnehmen... ich bin mir aber nicht ganz sicher ob das ein eigener Punkt sein sollte oder eher als Ergänzung zu Punkt 3. zu sehen ist. Liegt ganz bestimmt an meinem Lernpotential in dem Bereich Grundierungen. :)

Tiefengrund LF (LösemittelFrei) haben tendenziell andere Eigenschaften als Haft-Sperrgründe, richtig. Bei Tiefengrund geht es eher darum:
- Saugfähigkeit des Untergrundes einzuschränken
- unterschiedliche Saugfähigkeit auszugleichen
- Verfestigung des Untergrundes
dadurch wird:
- weniger Farbe benötigt
- späteren leichtere Trennung der Tapete vom Untergrund

Das alles finde ich auch in den technischen Datenblättern des mir empfohlenen Haft-Sperrgrund. Hier kommt aber noch hinzu:
- stark absperrende Wirkung
- verbessert die Haftung zum Untergrund
dadurch wird:
- Die Verbindung zu eigentlich nicht kompatiblen Materialen möglich
- Durchscheinende Flecken (z.B. Nikotin) verhindert

Das Thema ist eine Wissenschaft für sich und sowohl im Baumarkt, beim Baustoffhändler und beim Maler/Putzhandwerk bekommt man dazu widersprüchliche Aussagen. Bei Nachfragen kommt bei mir immer das Gefühl auf, als ob die Person gedanklich kurz nach einer Antwort ringt, die das Thema möglichst schnell wieder beendet.

Gruß Tinko

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.11.16

Wandfarbe


Um es im Klartext zu schreiben, Tinko:
Ich mag es nicht wenn Leute wie Du sich hier mit Pseudofragen versuchen wollen zu profilieren oder einfach nur diskutieren wollen. Ich schreibe Antworten für Leute die Probleme haben die sie lösen wollen und nicht um (ein)gebildetete Konversation zu führen. Zum Plappern ist mir meine Zeit zu schade.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 06.11.16

Diffusionsoffene Farbe auf Gipsputz


Sinnigerweise sollte der gesamte Wandaufbau angegeben werden, desweiteren ob es sich um einen neuen, unbehandelten Gipsputz handelt und ob er schon einmal tapeziert, gestrichen etc wurde.
'Vorhandener Gipsputz' kann dabei alles bedeuten.

Im Zweifelsfall helfen die Datenblätter der div Hersteller weiter: Keim, Kreidezeit, Hessler Kalk,etc und die der üblichen Farbenhersteller.

Wenn's ganz diffusonsoffen bleiben soll kann auch ein mineralischer, ggf weißer Haftputz aufgetragen werden, der nicht unbedingt einen Farbanstrich benötigt oder dann auch mit Reinsilikatfarbe gestrichen werden kann, was für die Schimmelresistenz am besten ist.

Ohnehin kommts auf die bauliche Situation an, sodass die Frage nicht allgemeingültig beantwortet werden kann.

Bei einem einigermaßen gut gedämmtem Massivbau ohne bauliche Probleme tut's ohne ökologische Ansprüche fast jede Farbe,
bei früheren Feuchtigkeits- oder Schimmelschäden und bei schlechter Dämmung würde ich einen mineralischen Haftputz auftragen, ggf mit nachfolgendem Reinsilikatfarbenanstrich-
und nur in ernsteren Fällen den Gipsputz entfernen.

Sämtliche Kombinationsmöglichkeiten zu erörtern verwirrt nur und hilft niemend weiter, außer es werden in einer Gesamtaufstellung jeweils die techn Eigenschaften, Untergründe, Einsatzbereiche etc aufgelistet.

Die bei Farbherstellern angegebenen Sd-Werte kann ohnehin niemand einhalten, da weder genaue Auftragsmenge noch Anzahl der Anstriche auch in der Zukunft bestimmt werden können.
Generell für das Raumklima, Feuchtigkeitsaustausch, Sorptionsfähigkeit etc am entscheidensten sind die ersten paar mm der raumseitigen Flächen bis max 1 cm Tiefe.
Organische Bestandteile sind zumindest ein guter Untergrund für Schimmel.

Andreas Teich

Behandelt vs. nicht behandelt


Hallo Andreas

Danke für den wichtigen Hinweis.

Was wären denn der Unterschied zwischen unbehandeltem Gipsputz und sagen wir mal tapeziertem Gipsputz (weil es häufig vorkommt)?

Mit den Datenblättern und auch technischen Beratung der Hersteller allein, habe ich nicht so tolle Erfahrungen gemacht. Auch wenn ich alle bisher renovierten Räume lösen konnte... war das eher durch eure Hilfe als durch die Hersteller. Es gibt zu viele nicht deklarierte Inhaltsstoffe und Widersprüche zwischen den Meinungen der Hersteller und vor allem Widersprüche mit dem Forum.

Ich werde aber auch noch mal Keim und Kreidezeit versuchen. Bisher hatte ich Hessler und Weber.

Deinen Hinweis über die ersten paar mm der raumseitigen Flächen bis max 1 cm Tiefe - gehe ich auch mit. Demnach ist der Gedanke

- mineralischen Haftputz auftragen, ggf mit nachfolgendem Reinsilikatfarbenanstrich- und nur in ernsteren Fällen den Gipsputz entfernen.

absolut valide. Kannst du einen weißen/hellen mineralischen Haft-Putz ohne organische Bestandteile empfehlen? Habe Probleme einen zu finden, den man nicht unbedingt Streichen müsste.

Gruß Mathias

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.11.16

Haftputz


Hallo Mathias
Jede Tapete mit dem Kleister bietet eine gute Entwicklungsgrundlage für Schimmel- insofern würde ich das vermeiden.
Wenn alles trocken und einigermaßen gedämmt ist kann das natürlich trotzdem funktionieren.
Techn Datenblätter geben zumindest Auskunft über Einsatzbereich, wesentliche Inhaltsstoffe und wie die Verarbeitung zu erfolgen hat.
Eine gewisse Skepsis ist immer angebracht

Ich hatte bei meinem Altbau alle Altbeläge entfernt,
auf die alten Putze und die an Decken neu verlegten Fermacellplatten zuerst den Haftputz
MC 55W von Bayosan und darauf den Feinputz EST 01 aufgetragen- allerdings enthält das auch etwas Weißzement.
Später wurde alles mit der Rein-Silikatfarbe von Kreidezeit gestrichen. (Bayosan wurde von Baumit übernommen.)
Zumindest habe ich in dem Gebäude von 1910 seit über 20 Jahren nirgendwo Schimmel.

Es wird sicher vergleichbare Putze auf reiner Kalkbasis geben,
die bei hellen Zuschlagsstoffen nicht unbedingt gestrichen werden müssen.
Oder man mischt sich's selber aus Weißkalk und hellem, feinem Sand.

Untergrund evt etwas aufkratzen, was auch mit Winkelschleifer und grobem Schleifpapier oder entsprechender Frässcheibe möglich ist.

Alternativ gibt's Grundierungen, Quarzbrücken oder Gekkosol von Kreidezeit, aber nicht ganz billig.

Wegen Materialbezug oder bei anderen Fragen kannst du mir auch gerne eine Mail schicken

Andreas Teich

Haftputz


Danke Andreas für den Tipp. Bei tapezierten Gipsputz also am besten mit mieralischem Haftputz drüber oder Grundierungen, Quarzbrücken oder Gekkosol. Muss man sich also überlegen ob es einem das Wert ist.

Ist ein vergleichbarer Aufwand (Haftputz) auch nötig, wenn der Gipsputz unbehandelt ist? Oder gäbe es hier einfachere und kostengünstige Alternativen.

Siehe Möglichkeiten 4,6,7 und 9 aus meinem ersten Post. Das sind Vorschläge, bei denen eine Grundierung gestrichen wird. Könnte mir vorstellen, dass viele User nach so einer Lösung suchen, weil sie für Laien einfacher durchzuführen ist.

Nur stellt sich die Frage wie riskant das ist.

Gruß Tinko

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 09.11.16

Innenwandfarbe


Risiken bestehen nur bei schlechter Dämmung mit der Möglichkeit zu erhöhter Oberflächenfeuchtigkeit durch Kondensatausfall,
bei Feuchteschäden, bei zu hoher Raumluftfuftfeuchtigkeit oder Schimmel etc.
Im Normalfall ist fast alles möglich.
Reinsilikatfarben haben längerfristig den höchsten PH-Wert und daher die beste schimmelvorbeugende Wirkung-
sofern das gewünscht- wird und mit den niedrigsten Sd-Wert, verbinden sich am festesten mit mineralischen Untergründen und haben die höchste Haltbarkeit und schadensresistenz.

Man kann auch einfach Marmormehlkaseinfarbe, Mineralfarbe, Dispersionssilikatfarbe (bis 5% organische Bestandteile) oä auftragen mit vorherigem Grundierungs- oder verdünntem Farbanstrich, wenn's einfach und günstig sein soll.

Die haben natürlich nicht die Eigenschaften wie oben,
werden aber auch in den allermeisten Fällen funktionieren.

Die Deckkraft wird vom Weißgrad, bzw. der Qualität der verwendeten Pigmente bestimmt, was aber nicht vom Bindemittel abhängt.

Andreas Teich

Gipsputz-Bilder aus der Bilddatenbank: