Denkmalschutz aufheben um Haus zu retten?

Hallo!

Die Frage steht ja schon in der Überschrift. Wir haben folgendes Problem: Auf dem Grundstück (inkl.. Bauland) das wir gekauft haben, steht u.a. ein Denkmal geschützes Haus. Wir bauen gerade ein neues Haus, möchten das alte aber auch gerne erhalten. Leider hat der Vorbesitzer seit mehr als zehn Jahren nichts mehr daran gemacht. Auf der einen Seite sind sämtliche Balken durcgefault, die Außenwände teilweise eingestürzt. Innen müssen die Decken bzw. Böden erneuert werden usw. Laut Statiker eine riesen Herausforderung, aber machbar. Nur muss es schnell gehen, da das Haus den nächsten Winter nicht überstehen wid. Es gibt weder Heizungen noch Oefen. Die Kamine sind eingestürzt. Die untere Denkmalschutzbehoerde hat eine sehr, sehr lange Liste geschickt, wie alles gemacht werden soll. Natürlich nur von Fachfirmen. Das können wir uns nicht leisten. Da können wir uns gleich noch ein neues Haus bauen. Wir möchten das Haus erhalten, allerdings in Eigenleistung bauen (mit Unterstützung von anderen Fachwerkhausbesitzern, die das alles schon hinter sich haben, ohne Denkmalschutz allerdings). Kommen wir aus dem Denkmalschutz raus? Mit dem Sachbearbeiter reden bringt nicht viel. Im Umkreis von ca. 20km verfallen unzählige denkmalgeschützte Gebäude. Bei der Behörde kein Wunder. Wenn wir einen Abriss beantragen, wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit und diesen durchbekommen, müssen wir dann auch abreißen? Das wollen wir ja nicht. Wir wollen erhalten und wieder aufbauen, ohne die Auflagen, die selbst der Statiker als unsinnig ansieht. Nicht mal innen, dürfen wir die Farbgestaltung bestimmen. Ist alles vorgegeben.
Bin gespannt auf die Antworten.
Grüsle

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| 09.07.16

Denkmalschutz


Ohne das Objekt selber zu kennen oder wenigstens ein paar Fotos gesehen zu haben und ohne Kenntnis der Auflagen der Denkmalbehörde wird es schwer sein, dazu eine fachlich fundierte Meinung abzugeben
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 09.07.16


Ein Notdach, z.B. Wellblechplatten mit größerem Dachüberstand, kann erst einmal das Haus retten. Dann habt Ihr mehr Zeit.
Wie Georg schon schrieb: Ohne weitere Angaben kann Euch hier niemand einen fundierten Hinweis geben.
Es gibt noch viel zu tun, packen wir´s an.
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Dipl.-Restaurator (akad.) | | 10.07.16

jenseits von Eigenleistung...


Auch ohne Auflagen dürfte eine Instandsetzung mehr kosten als ein vergleichbar grosser Neubau. Ein schönes Beispiel wie man Gebäude "kaputtschützen" kann.

Was ich machen würde: Weiter gammeln lassen, nächstes Jahr ist es hoffentlich reif für den Abbruch. Das ganze gut dokumentieren, und die lokale Presse darauf ansetzen. Dann gibt das der Behörde vielleicht einen Rappel, bei anderen Objekten etwas pragmatischer vorzugehen.
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
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| 10.07.16

Sprechen


Warum kauft man erst und spricht dann mit der Unteren Denkmalbehörde ?
Und natürlich empfiehlt die UD Fachfirmen. Soll sie empfehlen es "mal irgendwie hinzupfuschen" oder "suchen sie sich osteuropäische Alleskönner" ?
Fachfirmen bzw. Fachleute suchen, kann auch bei dem weiteren Vorgehen nur meine Empfehlung sein. Suchen sie sich einen erfahrenen Planer in Sachen Fachwerksanierung und Umgang mit den Denkmalämtern. Eigenleistungen sind selbstredend immer möglich. Aber alles soll für das Gebäude dauerhaft sinnvoll sein.
Nichts gegen ihren Statiker aber hat er Erfahrung in der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden jenseits der Berechnung notwendiger Querschnitte. Diese Berechnungen sind in denkmalgeschützten Häusern auch selten notwendig weil die Häuser meist seit Jahrhunderten statisch funktionieren und nachträgliche Eingriffe meist schadträchtig sind.

Eigentum verpflichtet. Sie haben ein Denkmal gekauft und wollen es nun wieder aufbauen. Ggf. auch die steuerlichen Vorteile oder Förderungen nutzen. Gut so. Glückwunsch.

Wenn ein Fachmann mit Ihnen zusammen ein Konzept entwickelt hat, setzen sie sich mit der UD und ggf. der Übergeordneten oder beratenden Stelle zusammen und schauen sie, dass sie eine Lösung finden die für alle tragbar ist.
Eine Lösung findet sich immer. Insbesondere da die Alternative irgendwann der Verlust des Gebäudes wäre.
Fachwerkflüsterer - Häuser ihre Geschichten und Geschichte erzahlen lassen
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Ingenieurbüro Bergisches Land - Markus Mattonet | | 11.07.16


Vergammeln lassen bringt auch nur Ärger und man hat viele Jahre ein Bauruine auf dem Grundstück: Sicherungsmassnahmen, ggf. Nachweis der finanziellen Lage, usw., es gibt sogar Zwangsmaßnahmen zu Lasten des Eigentümers. All das will man nicht.
Das Haus ist ja nicht umsonst in diesem Zustand, da hat schon einer diese Vergammeltaktik versucht, das dauert aber! 10 Jahre reichen hierfür auch nicht aus, wenn das Haus zuvor in einem ordentlichen Zustand war.
Der DS kann übrigens keine Firmen vorschreiben, Eigenleistung geht auch, wenn's fachgerecht ist. Nur darf man bestimmte Dinge eben selbst nicht machen.
Mein Rat: Sicherungsmaßnahmen vornehmen wie Notdach usw., und dann einen (sehr) langfristigen Plan machen. Die Kosten dürften nach der Beschreibung sicher neubaukosten erreichen, wenn nicht mehr.
Wer kann schon in Eigenregie sämtliche konstruktive Holzelemente erneuern? Die Fachfirmen sind ja auch nicht deswegen so teuer, weil der Chef eine Villa am Comer See hat, sondern weil die Sache irre arbeitsaufwändig ist, insbesondere für einen Laien.
Wenn man das nicht selbst machen will klären, ob man das Grundstück teilen kann und den Betreffenden Teil verschenken.
Und noch ein punkt: wenn das Haus seinen Charakter behalten soll, ist der Denkmalschutz von Nutzen, Weil es zumindest Steuervorteile gibt.
Eine Fachgerechte Renovierung ohne Zuschüsse dürfte noch teurer sein.
Eine Bastellösung ist weder sinnvoll noch gewollt.


GEhlerding | 11.07.16

checks and balances


Es muss ein Gleichgewicht geben zwischen den Forderungen der Denkmalpflege, und den baulichen und finanziellen Realitäten. Das scheint in eurer Gegend nicht gegeben zu sein.

Beispiele von kaputtgeschützten Häusern in der Schweiz:

Fröschegrueb in Regensdorf

http://www.srf.ch/news/regional/zuerich-schaffhausen/gericht-ruegt-regensdorf-wegen-froeschegrueb

http://www.heimatschutz-zh.ch/index.php?id=2853

Wallisellenstrasse 24 in Dübendorf

http://www.duebendorf.ch/de/portrait/aktuelles/aktuellesinformationen/newsarchiv/welcome.php?action=showinfo&info_id=311205&ls=0&sq=&kategorie_id=&date_from=&date_to=

http://www.heimatschutz-zh.ch/index.php?id=3026

Beide inzwischen abgerissen. Der Heimatschutz pocht auf Wiederaufbau, da werden aber wohl noch einige Ordner mit Gerichtsakten gefüllt...
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.07.16

Denkmalschutz-Bilder aus der Bilddatenbank: