Anheben der Decke

Hallo Zusammen,

wir haben kürlich ein Haus besichtigt, welches zum Verkauf steht und uns sehr interessiert. Erst bei der Besichtigung sind wir darauf aufmerksam geworden, dass es sich hierbei um ein Fachwerkhaus handelt.( von außen nicht ersichtlich da fast komplett verklinkert ). Nun ist die Deckenhöhe im 1. Stock mit nur 2,0 Metern nicht ausreichend. Diese müsste um 30 cm. angehoben werden bzw. planen wir die Decke teilweise frei zu legen ( darüber ist der Dachboden ) und teilweise eine neue Decke einzuziehen um den Dachboden mit als Wohnraum zu nutzen. ( so quasi als Galerie )
Wir haben leider noch keinerlei Erfahrung / Wissen was Fachwerk anbelangt. Alte Baupläne liegen leider nicht vor, das Haus ist über 100 Jahre alt.....
Hat jemand vielleicht schon mal eine Decke anheben lassen und kann mir ungefähr sagen was so auf uns zukommt ??
Einen Statiker habe ich schon kontaktiert und er meinte die ganzen Balken müssten erst frei gelegt werden bevor er überhaupt etwas dazu sagen kann...

Für jede Antwort im Voraus beste Dank !
Mit freundlichen Grüßen
Bianca


Bianca Göke | 27.08.08


Hallo Frau Göke,

da kann ich den Statiker schon verstehen. Bei einem Fachwerkhaus die obere Geschossdecke um 30 cm anzuheben ist schon ein ziemlicher Eingriff in die Tragstruktur des Hauses.

Bisher liegen die Deckenbalken auf den Außenwänden (Rähm) auf, später sollen diese entweder über die Dachsparren oder - was wahrscheinlicher ist - über ein gesondertes Tragwerk abgetragen werden. Sie benötigen Geduld, Zeit, Geld und etwas Nerven.

Machbar ist so etwas schon. Steht das Haus unter Denkmalschutz?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer
Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden. (Mies van der Rohe)
Mitglied der Fachwerk.de Community
Architekturbüro Kornmayer | | 27.08.08

Wenn...


...darüber das DG ist, sollte der Statiker sehen können was er will, wenn ein paar Dielen (im DG) angehoben werden. Dann sollte man sehen, auf welchen Rähm (Plural von Rähm???) die Deckenbalken aufliegen und in welche Richtung sie laufen (Trauf-Trauf, oder Giebel-Giebel.
Je nach Konstruktion könnte das Ganze echt ein etwas "länglicher" Eingriff werden...
Und Christoph Kornmayers Frage bezüglich Denkmalschutz ist gerechtfertigt. Da kann eine Lösung, sofern überhaupt erlaubt, auf einmal ganz anders aussehen...

Gruß Patrick.
Neu bauen kann jeder...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 27.08.08

Denkmalschutz...


..besteht laut Eigentümber nicht, sonst hätten wir auch gleich die Finger davon gelassen.
Ist es nicht möglich, einen Teil der Decke einfach frei zu legen ( also einfach das Innenleben der Balken entfernen ) um so mehr Höhe zu gewinnen ? Wenn die Balken nicht zu eng verlaufen, müsste das doch machbar sein und unter Umständen viel Charme haben.
Und der Konstruktion würde es nichts ausmachen, da nur die Balken an sich eine Stützfunktion haben, richtig ?
Also: teilweise Decke Freilegen und auf der anderen Seite den Dachboden ausbauen. Die Räume darunter haben dann halt eine niedrige Decke.
Denke ich mir mal so ?
Viele Grüße
B. göke


Bianca Göke | 27.08.08

ja, da wär es ganz hilfreich ..


..die Bauart des Hauses zu kennen .
Handelt es sich z.B. um den Kopfboden überm Kammerfach eines bäuerlichen FWHauses, ist das Anheben der Deckenbalken oft leicht realisierbar , da diese nicht unbedingt ins Dach eingebunden sind .
Gruß aus Minden
FensterEcke Brüggemann + Kube ZiMMEREi
Mitglied der Fachwerk.de Community
Brüggemann + Kube ZiMMEREi | | 27.08.08

Deswegen...


bin ich soeben beim Bauamt gewesen und habe dieses gebeten nachzuforschen ob noch alte Unterlagen existieren.
Ich bin sehr gespannt ob etwas dabei herauskommt.

Vielen Dank für die Antworten, diese sind auf jeden Fall schon hilfreich gewesen.
Mit freundlichen Grüßen
B. Göke


Bianca Göke | 28.08.08


Meinen Sie denn, die Zimmerleute von siebzehnhundertnochwas hätten Bauanträge geschrieben ?
Nachsehen !
Falls die Deckenbalken zimmermannsmäßig mit Unterzügen und Rähm verbunden sind, wird die Sache mit dem Anheben schwierig bis unmöglich, weil alle Verbindungen getrennt (zerstört) werden müßten. Nur im Fall, wie ihn Jürgen Kube beschreibt, könnte es klappen.
Sonst: neues Haus suchen, es gibt mehr, als Sie glauben.

Grüße vom Niederrhein
Neue Nutzungen für alte Gebäude
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Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | | 28.08.08

Muß noch meinen Senf dazugeben


Ist zwar paar Tage alt, eure Meldung, und ich hab auch nichts großartig neues, trotzdem reizt es mich ...
Also grundsätzlich haben alle Recht.
Wenn der Statiker erst alles Freilegen will, bevor er überhaupt was dazu sagt, kann ich nur sagen typisch Statiker. Natürlich ist Freilegen immer besser wenn man alles sehen will, aber wenn ich überhaupt noch nicht weiß was ich mache kann ich nicht alles freilegen, da gibts andere Methoden und Leute, die ohne Freilegen schon was erkennen.
Daß die Deckenbalken NICHT mit den Dachsparren verbunden sind, dürfte sehr selten sein, auch das kann man ohne Freilegen erkennen. Wenn sie verbunden sind, und auch mit Unterzügen usw. (wie schon von anderen gesagt), dann kann ich nur sagen: Es ist möglich, die Decke anzuheben, aber trotzdem kaum ratsam - zu aufwendig, teuer, zuviel Zerstörung, dann stellt sich wirklich die Frage warum ich ein altes Haus nehmen soll wenn ich alles neu mache.
Auch das Entkernen (Freilegen der Balken) ist nicht ganz ohne, aber wohl noch der beste Kompromiß: Ihr behaltet etwas vom Charme des alten Hauses (ein neues Haus hat keine 2 m hohe Decke, ist aber auch nicht so interessant) und auch (etwas) von der ursprünglichen Konstruktion und Statik. DENN - sehr wohl haben auch Dielungen, Blindboden und Stakenfüllungen eine statische Funktion, in erster Linie Aussteifung (Scheibenwirkung). Würde man aber mit einer Dielung über den offenen Balken (auch Teilflächen) hinkriegen können - dann natürlich mit Hilfe des Statikers.
achtet die Geschichte!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.09.08

Decke-Bilder aus der Bilddatenbank: