Fachwerk.de - Grundsatzfrage zur Dampfbremsefolie

Hallo zusammen,
demächst mache ich mich an die Isolierung meines Daches. Eine Frage beschäftigt mich immer und immer wieder. Dampfbremse ja oder nein? Warum gibt es Häuser die 500 Jahre alt sind, immer noch in sehr gutem Zustand und ohne Dampfbremse?

Ich halte absolut nichts von der neuen EnEv und denke die Langzeitfolgen werden schrecklich sein und wenn es keinen zwingenden Grund gibt, würde ich auch gerne auf die Dampfbremse verzichten.

Hat da jemand mit Alternativlösungen Erfahrungen?

Vielen Dank und viele Grüße
Andreas Göttler
Die Macht des Einfachen
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Andreas Göttler | 21.12.03
Dachisolierung
Guten Tag Herr Göttler,

die Frage, warum es 500 jahre alte Häuser gibt, die ohne Dampfbremse funktionieren, ist einfach zu beantworten: weil in den Räumen unter diesen Dächern in der kalten Jahreszeit ein natürlicher Luftaustausch stattgefunden hat. Diese Dächer waren sogenannte Kaltdächer.
Das hatte zur Folge, daß ein normaler Bürger unterm Dach nicht wohnen konnte: dort lebte allenfalls das Personal, der Student oder der arme Poet. Die Dogen von Venedig sperrten unter den Bleidächern die Gefangenen ein.
Wenn ich annehme, daß man heute gesünder leben will, dann macht man den Bau zunächst mal zu. Und schon hat man den Salat: der Schimmel macht sich überall breit.
Die Wände und die Dachflächen lassen nämlich keinen Stoffaustausch zu, wenn man von der Diffusion von Gasmolekülen absieht. In unserem Fall ist die Diffusion von Wasserdampfmolekülen von Bedeutung, ein sehr langsamer Vorgang, der aber überaus unerwünscht ist, weil er nämlich zu Bauschäden führen kann.
Keinesfalls "atmet" also die Wand oder das Dach, ein Stoffaustausch, hier die Abfuhr von CO2 aus der Atmung und von Wasserdampf sowie die Zufuhr von sauerstoffhaltiger Frischluft kann nur durch eine funktionierende Lüftung sichergestellt werden. Es reicht nicht, sich auf "atmende Wände" zu verlassen.
Keine Dampfbremse einzubauen ist daher riskant und unsinnig. Allenfalls läßt sich das Risiko eines Schadenseintritts durch konsequente kontrollierte Lüftung herabsetzen aber keinesfalls ausschließen.
Schöne Vorweihnachten noch
Neue Nutzungen für alte Gebäude
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Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | D.B. | 21.12.03
kurz und bündig!
Nicht luftdicht, wie uns heute vorgegaukelt wird ist richtig, sondern winddicht ist die Devise. Das bedeutet, daß auf Ihr Dach eine Holzfaserunterdeckplatte sollte (gleichzeitig schon als Dämmplatte deklariert!) und innenseitig ein Baupapier (dies mittels Baupappenkleber winddicht verklebt!)gehört. Dazwischen eine Vollsparrendämmung geblasen oder geklemmt! Grüße zur Vorweihnachtszeit aus der OL.
LEHM - natur am bau
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LehmHandWerk Udo Mühle | LehmHandWerk | 21.12.03

Wie Udo schon gesagt ist die Winddichtigkeit energetisch wichtig. Eine Dampfsperre macht im Altbau keinen Sinn bzw. führt oft zu einer nachhaltigen Schädigung der Substanz. Grundsätzlich sollte ein Wand- oder Dachaufbau so gestaltet sein das aussen Schichten liegen die Feuchtigkeit besser transportieren. Dadurch entfeuchtet sich die Konstruktion selbst. Im Wandaufbau geht das ohne Dampfbremse im Dachaufbau muss auch keine rein, vereinfacht aber die Arbeit. Viele Grüße Gerd Meurer
Spezialisten für Lehmbaustoffe, Dämmstofftechnik Wandheizungen und Naturfarben
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Meurer NATÜRLICHES BAUEN GmbH | Gerd Meurer, Sachverständiger für Lehmbau | 23.12.03
zwei schuhe
dampfsperre und dampfbremse. viele bauteile wirken an sich als Dampfbremse (osb platten, Papierlagen). dampfsperren haben selbstverstaendlich auch ihre berechtigung und sind dringend notwendig, z. b. beim flachen warmdach. wenn es ihnen darum geht eine Folie im dachbereich wegzulassen- tun sie es. ein entsprechender Aufbau macht eine dampfbremse entbehrlich. uebrigens ist die EnEv nicht schlecht, wenn man sie richtig anwendet...
... für ein Gebäude mit Seele.
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Dritte Haut® Architekten | Peter Garkisch (Architekt, Dipl.-Ing.) | 26.12.03
Dampfbremse möglich, aber richtig...
Ich schließe mich Herrn Beckmann an. Außerdem wird viel zu unverantwortlich mit modernen baumaterialien "herumexperimentiert". Damals wurde kaum geheizt, also entstand auch kaum hohe Luftfeuchte.
um es kurz zu machen, Dampfsperre nie !!!Dampfbremse möglich.
Unter die Konterlattung eine Unterspannbahn sd=1-2 und zwischen den Dachbalken 14-16cm unkaschierte Mineralwollematten, dann eine Dampfbremsfolie sd=10-20. jetzt eine horizontale Lattung und Gipskarton 12,5mm anbringen.
Wichtig ist das der sd-Wert von Innen nach Außen deutlich kleiner wird.
so sollte es gehen, gruß Kay
...gut Ding will Weile haben...
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Kay van Treeck | 17.01.04

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