Bretterdach?

Hallo!

Habe wiedermal eine Frage zum Thema Dach.

Wie schon in einem anderen Beitrag geschrieben, haben wir ein altes Bauernhaus, das in grauer Vorzeit mit Stroh gedeckt war. Daher sind die Sparren auch nicht so stark (wie man es sonst bei Ziegeldächern kennt) und der Sparrenabstand groß (1,40 - 1,60 Meter).

Sicherlich könnte man einen neuen Dachstuhl raufsetzen, aber abgesehen von den Kosten, nimmt ein neuer Dachstuhl doch viel von dem alten Charakter/Charme und vom Holz her ist er (überraschend) gut erhalten.

Jetzt suchen wir einen Dachaufbau bzw. Deckung die dafür am Besten geeignet wäre (also leichter als Ziegeln) und sind auf ein "Bretterdach" (meist Lärche) gestoßen.

Weiß hier jemand genaueres darüber, google spuckt nicht viel aus?

Vielen Dank für Eure Mühe!

Liebe Grüße
carpe diem
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.07.09


Hallo,

in Deutschland gibt es das bestimmt nicht mehr. Wenn es zum Wohnen sein soll, würde ich auch andernorts sagen, daß es wohl nicht geht. Als Stall kann man es noch gebrauchen, wenn eine gute Durchlüftung gesichert ist.

Grüße
Neue Nutzungen für alte Gebäude
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Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | | 03.07.09


Vielen Dank erstmals für die Antwort!

In Österreich war es früher in vielen Gebieten wohl üblich (auch als Wohnhaus) und ein Architekt (u. der Ing. von einem Freilichtmuseum) meinte, das es für uns eine gute Alternative wäre und so ein Bretterdach um die 30-50 Jahre halten soll.

Welche Alternativen (leichte u. dennoch haltbar) gäbe es sonst noch zum Ziegeldach?

Danke und liebe Grüße
carpe diem
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.07.09

Dachalternative.


Ein Blechdach.
Man kann Sandwichelemente verwenden, in denen Schaumstoffe verarbeitet sind. Sie sind billig und leicht zu verarbeiten.
Vorsicht: Sie sind in Schrumpffolie verpackt, die man oft erst sieht, wenn das Dach schon verbaut ist. Also vor dem Verarbeiten auszupacken.
Wehe einer lacht !
Neben dem Eigengewicht müssen Sie aber Wind- und Schneelasten berücksichtigen, die ca. doppelt so hoch sind wie das Eigengewicht der Pfannen.
Bei realistischer Betrachtung, und wenn Ihnen die Sicherheit etwas wert ist, werden Sie um eine Verstärkung des daches oder einen neuen Dachstuhl nicht umhinkommen.

Grüße
Neue Nutzungen für alte Gebäude
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Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | | 03.07.09


Vielen Dank für die Antwort!

Der Gedanke war, dass das Haus die Schneelast ja früher mit Strohdach auch hatte?

Wir haben jetzt auch ein altes "fachmännisch" saniertes Haus gesehen, dass von den Dachstuhlgegebenheiten ähnlich ist. Dieses ist mit Eternit (was mir optisch jedoch nicht besonders gefällt) eingedeckt und seit Jahren als Familienhaus bewohnt.

Wg. der Verstärkung des Dachstuhles: an was/wie haben Sie dabei gedacht?

Vielen Dank und liebe Grüße
carpe diem
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.07.09


Hallo,

Dachstuhlverstärkung: kann man nur vor ort beurteilen.
Sie sollten sich dafür einen Statiker oder Zimmermann holen.

Grüße
Neue Nutzungen für alte Gebäude
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Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | | 03.07.09

Wenn kein Wohnraum darunter ist würde


ich Kliptec von Fischer nehmen.
Die Bleche sind nicht schwer und gut zu verarbeiten.
Die Optik kommt Stehfalzblechen sehr nahe.
Pfannenbleche würden auch gehen.
Alt aber schön....Häuser meine ich natürlich
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| 03.07.09

Blechdach?


Hallo


Bei aller Freundschaft, aber auf ein altes Bauernhaus ein Blechdach? Prefa vielleicht?

Ich würde ein Holzschindeldach oder ein Schindeldach aus Bitumen auf einer Sparschalung vorziehen...



Andreas
Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man `nen Arbeitskreis
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| 03.07.09

Zimmerer oder Statiker holen


und vor Ort besichtigen.
Vielleicht sind die Massnahmen gar nicht so aufwendig wie Sie sich das vorstellen.
Aber ein Blechdach auf ein solches Gebäude wäre Stilbruch.

Thomas
Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen. Henry Ford
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| 04.07.09

Soviel zu Stilbruch


Es gibt hier 150 Jahre alte Gebäude die mit Siegerländer Pfannenbleche eingedeckt sind.
Es gibt nette Bücher zu diesen alten Dachdeckungen.
Der Dachdecker und Bauklempner von Architekt Adolf Opderbecke von 1901.
Da sind alte Blechdeckungen mit netten Zeichnungen erklärt.
Sogar die Prefa vorgänger sind darin abgebildet.
Soviel zu Stilbruch.
Alt aber schön....Häuser meine ich natürlich
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| 04.07.09

Regional...


...sind Blechdeckungen mit Stehfälzen verbreitet, auch und gerade auf einfacheren Gebäuden. Ich denke, daß ab Ende des 19.Jh. vermehrt Blechdächer im ländlichen Bereich gebaut wurden.

Ich sebst hatte aufgrund der Sparrenmaße und Dachwinkel nicht so viele Alternativen (vorher war Schiefer drauf) und bin mit meinem Blechdach (nach 2 Nachbesserungen der Firma) sehr zufrieden. Problem war, daß die horizontalen Verbindungen der Tafeln nur überlappend ausgebildet waren, in den schrägen Kehlen (oder wie das auch immer heißen mag) kam durch Kapillarwirkung Wasser 'rein.

Jetzt ist alles Gut.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
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Restauratio GmbH | | 04.07.09

Eternitdach oder Aufdopplung


Ja, der Opderbecke ist gut.

Die Eternitdeckungen haben im alten österreichischen Kaiserreichsgebiet (auch hier in Böhmen) eine lange Tradition.
Eben weil die Dachstühle wegen der Strohdeckung so leicht waren, sind heute die typischen mit Eternitplatten gedeckten Dächer noch recht verbreitet.

Eine weitere Möglichkeit ist Aufdopplung, praktisch wird der gesamte alte Dachstuhl von aussen Nut-und-Feder-verbrettert und bleibt so innen komplett sichtbar.
Dann werden die Sparren aufgedoppelt und eventuell Zwischensparren eingefügt, isoliert wird auch von aussen.
Das Dach ist dann zwar ein bisschen höher, aber der originale Dachstuhl bleibt voll sichtbar.
So ein Projekt ist natürlich arbeitsaufwändiger, erhält aber die Seele des Hauses, auch wenn einzelne Teile im Verlauf ausgetauscht werden müssen, denn das sieht man vorher nicht immer gleich.
So etwas kann Ihnen ein Statiker/ Ingenieur/ Architekt ausrechnen, hängt auch von den Auflagebalken/ Deckenbalken ab.

Alles Gute
Die Alten haben sich schon was dabei gedacht...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 04.07.09

Strohdach vs Blechdach


Mit Verlaub, aber auf ein Bauernhaus gehört eben kein Blechdach, vorallem nicht dann, wenn es sich um eine für die Gegend untypische Bedachung handelt und zuvor Stroh verwendet wurde. Da kann die Blecheindeckung so alt sein wie sie will, wenn nicht passt, passt's nicht.
Holzschindel würden wohl eher in Frage kommen.

Grüsse
Thomas
Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen. Henry Ford
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.07.09


Ich habe jenes, was wohl als Bretterdach bezeichnet wird, schon ab und an gesehen; allerdings nur auf Nebengebäuden wie Wäsche- oder Backhaus. Statt Blech- habe ich auch schon Kupferdächer gesehen; gefällt mir ganz gut. Die Kosten sind wohl höher, die Lebensdauer aber wohl höher und das giftige Zinkfarbe fällt weg - Sie sollten sich hierzu aber noch eingehender informieren.
Ich persönlich würde wohl auf ein Schindeldach setzen.
Die Natur ist der beste Bau- und Lehrmeister
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 05.07.09

@ Thomas


Das ist wohl Dein kategorisches Wochenende :-)

Die Sache mit Schindeln ist ja ganz süß, aber was kosten gute, gespaltene Lärchenkernholzschindeln und die fachkundige Verlegung pro m²? Und wie lange hälts? Wenn man das Dach als Hobby begreifen (kann), wird das eine Augenweide, sicherlich.

Ein Vorteil des Blechdaches ist jedenfalls sein geringes Gewicht, weshalb der Dachstuhl i.d.R. nicht verändert werden muß. Auch das schützt die historische Substanz.

@ Marcel

Giftige Zinkfarbe? Wo wird die verwendet?

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 05.07.09

@Thomas


Natürlich mein lieber Thomas, ich überlege gerade, lasse ich Dir gleich oder später die Ohren stehen :-)).

Hast ja Recht mit Deinen Ausführungen, aber eines ist sicher, das die Chance einen guten Schindelmacher in Austria zu finden wesentlich grösser ist als bei uns.

Ausserdem, reden wir hier über Blech-,Schindel-,Bretter- und Ziegelendeckung und wissen gar nicht wie der Hof aussieht.
Also mal wieder fischen im trüben :-))

@ ag
Es wäre gut, wenn Sie ein paar Bilder einstellen könnten,
dann würde man mal sehen um was es geht.
Aber eine Begutachtung vor Ort mit Zimmerer oder Statiker ist trotz allem der erste Schritt.

Grüsse Thomas
Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen. Henry Ford
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.07.09

Kupferdoppelstehfalz


Oh schön edel wie ein Schieferdach.
Zwar teuer aber was besseres gibt es nicht.
Kann auch nicht jeder Seiteneinsteiger ausführen.
Ein guter Gedanke Marcel.
Alt aber schön....Häuser meine ich natürlich
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.07.09

danke


Vielen Dank für die bisherigen Antworten :-)

Wie das Haus aussieht, habe ich in einem anderen Beitrag schonmal gepostet, kann es gern aber nochmals einstellen.

Also Blechdächer sieht man hier wirklich sehr selten, Schindel auch - wobei die mir sehr gut gefallen würden (mit welchen Preisen kann man da rechnen und mit welcher Haltbarkeit?). Kupfer habe ich so (bis auf Kirchdächer) eigentlich noch nicht gesehen, muss ich mir mal anschaun, wie sowas aussieht. Eternit sieht man hier recht häufig - schön ist zwar was anderes - aber als Alternative wäre es Überlegungswert.

Freue mich noch auf viele weitere Antworten

Liebe Grüße
carpe diem
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.07.09

Mit Eternit


meinst Du ja wohl Welle P5,6 oder 8 wird ja häufig bei Ställen oder Reithallen genommen.
Setzt aber wegen des Gewichtes von 20-24 kN/m² ohne Unterbau einen Statischen Nachweiß voraus.
Die Ausführung ist einfach wenn Du die Vorgaben einhälst.
Alt aber schön....Häuser meine ich natürlich
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.07.09

Eternit


Hallo!

Nein, meinte nicht das "Welleternit" das man häufig auf Ställen/Garagen/Reithallen sieht, sondern hier sieht man häufig auf Wohnhäusern die Quadratischen Platten, leider weiß ich nicht wie man die in der "Fachsprache" nennt.

Wobei ich jetzt gesehen habe, dass es von Eternit auch kleinere Formate gibt, die dann auch schöner aussehen. Wie lange die halten weiß ich allerdings nicht :-(

Freue mich über weitere Antworten

Danke und liebe Grüße
carpe diem
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.07.09

Eternit


Hallo


Rhombus-Platten, gibts für Wand (dünn) oder Dach (etwas dicker).
Haltbarkeit liegt bei einem gut verarbeiteten Dach bei mehr als 40 Jahre. Diese Eindeckung bedarf allerdings eine Sparschalung und eine Pappeneindeckung als Unterlage. Ich hab zwar auch Dächer ohne Teerpappe drunter gesehen, aber die haben nicht lange gehalten.
Ich würde heutzutage immer eine Unterkonstruktion aus 15er Fichten Rauhspund oder 15 Schalung auf den Sparren und diffusionsoffener Bahn empfehlen, dann Konterlattung und dann erst Lattung und Ziegel.
Der Unfug in DE mit Unterspannbahn, Konterlattung, Lattung und Ziegel ist doch nur ein Provisorium...


Andreas
Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man `nen Arbeitskreis
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.07.09

Da hätten wir


Doppeldeckung,Doppeldeckung Boronda , Waagerechte Deckung um die Ouadratischen zu nennen.
Rhombusdeckung und Spitzwinkelschablonen sehr selten hier bei uns.
Oder eben die Schieferdeckung mit Decksteinen 30*30 kleiner geht nicht auf dem Dach.
Alle Deckungen verlangen aber Vollschalung als Deckunterlage.Also nicht wenig Gewicht.
Ach die Schalung muß mid.22mm dick sein.
Alt aber schön....Häuser meine ich natürlich
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.07.09

Dach-Bilder aus der Bilddatenbank: