Buchenfachwerk (unglaublich, aber war) und Holzwurm

Buchenfachwerk (unglaublich, aber war) und HolzwurmTeile unseres Hauses sind aus Buchen!holz erstellte Fachwerkwände im Innenbereich, ein massiver Überzug mit dem Querschnitt von 32x24 im unausgebauten Dachgeschoß ebenfalls.

Bis dato war mir Fachwerk aus Buche unbekannt und mich wundert wie lange und wie sorgfältig man dals dieses Holz rissfrei trocknen konnte/musste. Im EG liegen nun leider desolate! Schäden durch Holzwurmbefall und mulmig wirds einem. Mit dem Zimmermann klären wir den Austausch im EG bereits ab.

Meine Frage, kann man den Überzug, der bereits leichte Schadstellen erkennen lässt, durch sog. Borsalz injektionen, wirksam bzw vorbeugend behandeln, oder ist hier aufgrund der damaligen Holzwahl nach Befall Hopfen und Malz verloren?

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| 27.06.17


Buchenbalken

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| 27.06.17

Keine zu großen Panik


Wie alt ist denn dein Haus? Überlege mal wie lange es schon so steht. Wenn der "Holzwurm" überhaupt noch aktiv ist. Überwiegend werden nur Splintholzanteile befallen, das Kernholz bleibt in der Regel verschont. Wir haben bewusst auf Giftstoffe, die lange ausdünsten verzichtet. Die Chemieindustrie hat es meiner Meinung nach geschafft, den Leuten unglaubliche Angst vor Holzschädlingen zu schüren, um ihre Produkte an den Mann zu bringen. Wer weiß wie gesundheitsschädlich diese tatsächlich sind. Das stellt sich wahrscheinlich erst in 10 Jahren heraus. Besonders im Querschnitt geschwächte Zangen/Sparren haben wir verstärkt. Sogar den Hausbock haben wir im Holz. Der Dachstuhl wird mich überleben. Habe noch von keinem Haus gehört, dessen Dachstuhl deshalb die Grätsche gemacht hat. Ich weiß aber nicht, wie sich Kernholz und Splintholzanteile bei Buche verhalten. Buche im Dachstuhl ist eher ungewöhnlich. Wichtig ist das Abstellen der Feuchtezufuhr. In der Regel werden nur Hölzer mit bestimmten Feuchtegehalt befallen. Älteres Holz eh eher selten.
Natürlich solltest du dir eine fachmännische Meinung vor Ort einholen, aber man darf gerne Dinge hinterfragen und skeptisch sein. Wir waren auch lange unsicher und haben uns entgegen des Zimmermanns nur für den konstruktiven Holzschutz entschieden. Altbauerfahrener Architekt und Dachdecker vom alten Schlag waren auf unserer Seite. Wir bereuen nichts. Aber das war auch ein langer Prozess.

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| 28.06.17

Buche wir auch in trockenem Zustand befallen


Ybuche wir auch in trockenem Zustand befallendas Haus ist von 1820 und die Teile, die noch aus Buche stehen, sind außer dem gezeigten Überzug, eher in jämmerlichen Zustand. Beim Ausbau einer Tür, konnten wir einen Ständer freilegen. Ursprünglicher Querschnitt 26x20cm, bis auf 10*10cm heruntergeknabbert. Der Zimmermann, sah es an dieser Stelle recht entspannt, aber der Schaden ist in manchen Bereichen massivst, daher mein Wunsch, den Überzug uU vorbeugend schützen zu können

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 28.06.17

Die Argumentation...


...von Dieter Pete ist falsch.

Buchenholz (Reifholzbaum) hat gar keinen Splint und wird von Holzschädlingen höchst dankbar (fast wie Erle) im ganzen Querschnitt attackiert.

Bockkäferlarven fühlen sich auch im trockenen Holz wohl, zudem ist auch ein Wiederbefall möglich.

Rotbuche ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ungeeignet. Vielleicht findet sich ein Holzschutzfachmann? Hier spielen auch statische Fragen eine Rolle!
Keiner der Zimmerleute wird Erfahrungen mit Tragbalken aus Rotbuche haben, vermute ich 'mal. Ist die Holzartenbestimmung zweifelsfrei?

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
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Restauratio GmbH | | 29.06.17


Ist es denn nicht besser den Balken komplett durch einen geeigneten zu tauschen und danach glücklich und beruhigt zu sein? Die Behandlung mit Injektionen wird auch nicht günstig sein und vielleicht wird es auch problematisch jemanden zu finden, der dafür den Kopf hinhält. Ich weiß aber nicht wie es in der Branche mit Gewährleistung etc. aussieht.

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| 29.06.17

Ooops,


mein Nachsatz ist nicht gespeichert worden.

Ich schrieb, daß ich in meinem Objekt den Balken austauschen würde. Der Zimmermann ist eh da, und schlimmer wär der Wechsel, wenn alles fertig ist.

Buche ist gut im Kamin. Man kann auch Stuhlgestelle daraus bauen. Leider taucht sie bei Massivparkett auf. Für ein Fachwerk aber zeigt der Daumen klar nach unten.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 29.06.17


@Thomas,


zweifelsfrei Rotbuche. Ihrer Antwort bezüglich des Käferbefalls, deckt sich mit meinen Vermutungen.

Den Überzug zu tauschen, ist wahrscheinlich, um Ruhe zu haben sinnvoll. Kostenmäßig natürlich extrem, bei den Außmaßen, zudem der Überzug als einziges ja noch gut von der Substanz dasteht..

Die quer stehende Balkenlage ist glücklicherweise aus Nadelholz.

Also vom Holzschutz wird generell abgeraten? Das Problem wurde natürlich von dem Antwortenden schon umrissen, dass kaum jemand Erfahrungen mit dem Baumaterial Buche im Fachwerk haben dürfte...

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.06.17

Ich kann...


...natürlich nicht generell vom Holzschutz abraten. Es gibt wirksame Mittel. Die Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit einer Borsalzinjektage kann aber eben höchstens vor Ort geklärt werden.

Auch andere Mittel gibt es. Die klassische "Wurmtot-Chemie" würde ich aber nur anwenden (lassen!), wenn das Dachgeschoß nicht ausgebaut wird. Nach ein paar Jahren ist bisher jedes Holzschutzmittel als bedenklich oder schädlich eingestuft worden.

Ob der Balken überhaupt hinreichen tragfähig ist?

Der Einsatz von Mikrowellen, an und für sich ein gutes Verfahren, verbietet sich vermutlich der dicken Eisenstangen wegen. Aber auch da muß etwas gegen einen Wiederbefall getan werden.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 29.06.17


Vielleicht ist es dann ratsam sich mal über die thermische Behandlung zu informieren. Ich kenne das von Antiquitäten. Da gibt es mehrere Holzarten, die dem Wurm immer schmecken. Wenn diese Möbelstücke einmal in der Thermokammer waren, kommt es nicht wieder zu einem Befall. Mir wurde gesagt, dass die Lockstoffe dann nicht mehr vorhanden sind und dass das Holz sich auch chemisch verändert.

Ob das jetzt in diesem Fall umsetzbar ist und wirklich garantiert dass nichts mehr passiert, ist aber wahrscheinlich eine Frage die keiner beantworten will. Ein Tisch aus Esche ist ja nunmal was anderes als die tragenden Teile eines Hauses.

Und da sind wir ja beim alles entscheidenden Thema. Ich kenne das so, dass man das befallene Splintholz entfernt. Dann misst man die verbleibende Dicke aus und weiß ob das ausreicht. Aber hier befällt der Wurm ja das Holz komplett. Da wird man also wahrscheinlich auch keinen Statiker finden, der das jemals absegnet. Worauf soll er sich auch berufen?

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.06.17

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