Brandschutz früher

Hallo liebe Forumsteilnehmer,

ich bin zwar selber kein Fachwerkbewohner, benötige allerdings im Rahmen einer literarischen Arbeit eine dringende Information: Es geht um den Brandschutz in Fachwerkbauten in der Zeit um 1900. Hat eventuell jemand Informationen darüber, ob und wie früher in Fachwerkhäusern Brandschutz betrieben wurde? Gab es bereits Feuerschutzplatten, spezielle Holzanstriche?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Mit herzlichen Grüßen


Nils Stille | 17.03.16

Gegen


1880 wurde in unserer Region (Nordhessen) Stroh als Bedachung verboten und gegen "harte Bedachungen" getauscht.
Unter Einzelöfen auf Holzdielen wurde ein Blech untergelegt.
In der Küche war meist Steinboden im Herdbereich.
Der Herd bestand teilweise noch aus einem eingemauerten gusseiseren, großen Pott.


Methusalem | 17.03.16

Stadtarchive


Einfach mal in verschiedene Stadtarchive schauen, Ordner von Häusern anschauen, die vor oder in dieser Zeit gebaut oder umgebaut wurden.
Hier finden sich Baupläne, Genehmigungen für Umbauten u.a.
Heizungsanlagen und z.B. Abwasseranlagen waren immer schon mehr oder weniger genehmigungspflichtig und mit gewissen Auflagen verbunden.

Holger Heerdegen
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt

Mitglied der Fachwerk.de Community
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt | | 17.03.16

Brandschutz Fachwerk


Ich ergänze mit weiteren konstruktive Maßnahmen:
Bekleidung der Deckenunterseiten mit Putz
Verputz der Innenwände
Auflagen der Kommunen zur feuersicheren Bekleidung der straßenseitigen Fassaden
Brandsichere, gemauerte Kamine, Kehrzwang.
Nach großen Brandkatastrophen wurden Bebauungspläne durchgesetzt mit breiteren Straßen, größeren Grenzabständen (1 h), Brandwänden bis hin zum Verbot von Fachwerkfassaden und Fachwerk als Bauweise an sich.
Vorbeugende Maßnahmen waren:
Verbot von offenem Licht und Feuer in der Nacht. Erlaubt waren Laternen mit geschlossenem Gehäuse.
Brandwachen- der Nachtwächter war zuerst ein Brandwächter.
Reglementierungen bei der Ausübung bestimmter Berufe bis hin zur Auslagerung.

"Crativii vero velim qiudem ne inventi essent,...

(Marcus Vitruvius Pollio, Lib. II Cap. VIII, 20)
In Deutsch:
"Fachwerk, wünsche ich, wäre nie erfunden. Soviel Vorteil es nämlich durch die Schnelligkeit seiner Ausführung und durch die Erweiterung des Raumes bringt, umso grösser und allgemeiner ist der Nachteil den es bringt, weil es bereit ist zu brennen wie Fackeln..."
Übersetzung C. Fensterbusch 1964

Um 1900 war die Gefahr durch offenes Feuer weitgehend gebannt, Strom hatte sich bei der Beleuchtung durchgesetzt und die Einzelöfen waren relativ sicher. Der Kehrzwang durch den Schornsteinfeger sicherte die Funktion der Kamine.
Fachwerk wurde mehr zur Modebauweise für Einzelhäuser und Villen und nicht mehr nur eine reine Zweckbauweise.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 17.03.16

Kurze Nachfrage


Ich kann mich nur herzlich für die Antworten bedanken, welche mir allesamt weiterhelfen. Erlauben Sie mir eine letzte Frage: Gehe ich Recht in der Annahme, dass es Feuerschutzplatten, wie wir sie heute kennen, um 1900 noch nicht gegeben hat?

Mit besten Grüßen


Nils Stille | 17.03.16

Historischer Brandschutz


ZB Ziegelgewebe wurde als Brandschutzmaßnahme entwickelt und angewendet.

Wasserglasanstriche wurden auch auf Holz als Brandschutz und gegen Schädlinge angewendet-auf Fachwerk jedoch mWn nicht.

Andreas Teich

Brandschutz-Bilder aus der Bilddatenbank: