Bierlack / Bierlasur & Anstrich mit Leinölfarbe

Hallo,

ich bin bei den Arbeiten an meinem alten Haus mal wieder auf eine Frage gestoßen. Die Innen-Eingangstür ist über 100 Jahre alt und wurde lt. Aussage des alten Vorbesitzers mit Bierlack aufgewertet und auch ich habe durch Anschleifen festgestellt, dass die Maserung nur aufgemalt ist. Unter der aufgemalten Schicht befindet sich wieder diese leicht orange Schicht, welche kaum schleifbar ist (Schleifpapier verklebt ganz schnell). Vorgesehen ist nun, die Tür mit Leinöl zu grundieren und dann mit grüner Leinölfarbe zu streichen. Die Frage ist nun, inwieweit die alten Schichten komplett oder teilweise entfernt werden sollten? Wurde über die Holzmalerei noch ein Decklack aufgetragen bzw. was ist überhaupt der Bierlack, die Malerei oder der Decklack oder Beides? Die unterste orange Schicht besteht wahrscheinlich auch aus Leinöl. Es ist nach wir vor die große Preisfrage, da dieses Problem auch bei den weiß lackierten Innentüren auftrat. Wenn es Leinöl wäre, könnte man die Schicht vor dem Streichen mit Leinölfarbe zumindest teilweise stehen lassen, oder?

Freue mich über Tipps:)… Danke im Voraus:)…

Gruß,
Anett

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| 05.07.17

Foto


BierlackFoto vom Bierlack

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| 05.07.17

Foto


AngeschliffenFoto - angeschliffen mit Resten der orangenen Schicht

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| 05.07.17


Die Bierlasur besteht wirklich aus Bier als Bindemittel für die Pigmente. Diese sind begrenzt wischfest und wurden sicher mit Wachs und Schellack "versiegelt".

Mit der Maseriertechnik wurde dann eine "Edelholzoptik" vorgetäuscht. Mit so einem "Maserierwerkzeug" ist das auch gar nicht so schwer, selber eine Holzimitation herzustellen.

Als Grundfarbe liegt ein ockerfarbener Ölanstrich vor. Auf diesen könntest du Abschleifen und dir dort das Grundieren sparen. Dann baust du den Anstrich als "Renovierung" auf.

Gut die Reste sind ja wirklich nur noch minimal, da spricht doch nichts gegen dein (geplantes) vorgehen.

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| 05.07.17

Grundierung


Hallo Mario,

danke für die Aufklärung. Der Bierlack muss ja runter und so schaut die untere Schicht nach meiner eingespielten Bearbeitung (Exzenter, weiße Schleifscheibe und gaaaanz wenig Druck) aus. Ich würde jetzt mit kaltgepresstem Leinöl grundieren und nehme an, dass es an noch orangenen Stellen einfach nur etwas weniger braucht bzw. weniger einzieht. Unten an der Tür befinden sich Verzierungen. Da würde ich von der Unterschicht einfach etwas mehr stehen lassen - wäre ne Mordsarbeit die Grundschicht dort zu entfernen. Vielleicht dann am Dekor nicht grundieren? Ich habe jetzt mal mit der Bürste am Dekor geschrubbt und gemerkt, dass sich der Bierlack wohl mit Seifenwasser abwaschen lässt…

Also, noch mal Dankeschön für die Antwort & Gruß,
Anett

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| 05.07.17

Ölfarbanstrich


Warum mit kaltgepresstem Leinöl grundieren?
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.07.17

Leinölgrundierung


Hallo,

Ottosson schreibt es in seinem Prospekt und auch der Leinölladen schreibt es so ein seiner Anleitung. Sie bezeichnen es als "imprägnieren"...

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| 05.07.17

Leinöl


Halten Sie "imprägnieren" und "grundieren" für dasselbe?
Ich frage deshalb weil das vom Untergrund abhängt.
Mit Leinöl imprägnieren wenn der Altanstrich komplett runter ist. Grundieren wäre Abstellen des unterschiedlichen Saugverhaltens zwischen verschiedenen Untergründen. Ob das auch mit kaltgepresstem Öl geht weiß ich nicht.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 05.07.17

Grundieren oder Imprägnieren


Danke für den Hinweis. Ich habe mir über die Begriffe noch keine Gedanken gemacht. Mit "Grundieren" meinte ich "Imprägnieren". Also reden wir vom Imprägnieren. Durch das Abschleifen des Bierlacks wurde die rötliche Schicht - lt. Mario und meiner Vermutung eine Ölschicht - zum großen Teil mit abgeschliffen. Wie man auf dem Foto sieht, sind vereinzelt rötliche Teile vorhanden. Der Rest ist das blankes Fichtenholz. Nur im Dekor ist das Entfernen der rötlichen Unterschicht logischerweise schwieriger. Nun ist eben die Frage, was man imprägniert?

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| 05.07.17


Grundieren würde ich nur bei "jungfräulichen" Holz, dass noch nie einen Öl-Anstrich gesehen hat. Das ist ja vorliegend nicht der Fall und der (Alt-) Anstrich ist ja auch nicht so tief abgetragen.

Mit was möchtest du den die Türen grün streichen? Im Innenbereich würde es ja eine "halbfette" Leinölfarbe als Grund- und Schlussanstrich schon tun.

Ich würde das auch wegen der Trockenzeit etwas im Auge behalten. Gerade bei schwül warmer Witterung geht das manchmal gemächlich voran.

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| 05.07.17

Leinölfarbe


Ich habe diese Farbe hier gekauft:

http://www.leinölladen.de/shop/leinoelfarben/gruentoene/details/p/ribbangruen.html

Der Leinölladen bietet auch eine Anleitung und auch in einem anderen Tutorial ist das Vorgehen so beschrieben:

- Imprägnieren mit Leinöl (kaltgepresst)
- erster Anstrich, Anschleifen, Scheiben einsetzen
- zweiter Anstrich
- dritter Anstrich

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| 05.07.17


Du wirst ja sehen wie viel Leinöl das Holz noch aufnehmen kann.

Das ist eine wirklich reine Leinölfarbe. Die "Grundierung" wird auch nicht schaden. Die Trockenzeit ist aber wirklich einzuhalten. In Innenräumen mit 2 bis 3 Tagen eher 3 Tage warten.

Ansonsten ist die Anleitung doch gut. Und die Farbe schön. Da sollte doch nichts schief gehen.

Den Zusatz von Standöl (vollfett) im Schlussanstrich brauchst du Innen aber wirklich nicht, der Anstrich ist dann auch "seidiger" .

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| 05.07.17

Danke für die Hinweise


Danke für die Hinweise, ich werd´s mit dem Untergrund in dem Arbeitsstand versuchen. Gerade die Verzierungen lassen sich ja nicht gut von der unteren Ölschicht befreien. Werde berichten, sind ja meine ersten Versuche mit Leinölfarbe. Wenn´s gut wird, kommen die Fenster dran.

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| 06.07.17


Gut die Verzierungen und Profilierungen können natürlich auch abgebeizt werden. Bei Ölfarbe ist das mit einem alkalischen Abbeizer eigentlich auch kein Problem.

Im Einfachsten fall misch man sich aus Schmierseife und Kalkhydrat selber eine Paste und schrubbt das dann mit der Bürste weg. Das Öl wird ja praktisch zu Seife umgesetzt. Danach zur Neutralisation mit Haushaltessig abreiben.

Vorliegend ist es aber wohl entbehrlich, wenn die (Rest-) Farbe "griffig" ist.

Die Kunst des gelungenen Anstrich in Leinöl ist eigentlich das kräftige und dünne durchstreichen mit dem Pinsel, was wirkliche Hand-Arbeit ist. Wobei der Pinsel mit guter Qualität ein Vorteil ist. Der dicke Farbauftrag führt dann zu der berühmten Runzelbildung, da die Farbe bei der Oxidation noch aufquillt.

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| 06.07.17

Glaserecken


Hallo,

danke für die Hilfe, die Imprägnierung und der erste Anstrich ist dran. Handarbeit, stimmt:)… Man muss schon kräftig ausstreichen, damit der erste Anstrich wie eine Lasur wirkt. Jetzt einglasen, anschleifen und dann die zweite Runde.

Nun will ich morgen einglasen. Ein Bekannter hat mir Glaserecken mitgegeben. Er meinte, das funktioniert bei der Tür besser als mit Nägeln (hatte ich bei meinen Fenstern genommen). Nun aber stellt sich mir doch die Frage, wie bekomme ich die Glaserecken ins Holz ohne die Scheibe zu zertrümmern;)? Vielleicht hat einer einen Hinweis…

Danke & Gruß, Anett

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 13.07.17

Leinölfarbe-Bilder aus der Bilddatenbank: