Ich brauche Argumente

Wir wollen unsere Scheune am Fachwerkhaus ausbauen. Darin ist dann Küche, Bad und Wohnzimmer über zwei Stockwerke und mit einer Treppe zu den anderen Räumen im alten Haus in der ersten Etage verbunden. Mein Mann meint, daß es günstiger ist eine Ziegelwand hochzuziehen mit Stahlbetondecke(alles innerhalb des Fachwerks), dann hätten wir für Jahre (?) Ruhe mit renovieren und es ist egal, ob uns das Haus übern Kopf zusammenkracht,weil wir im sicheren sind. Wir müßten auch einen Heizung einbauen + im alten Haus Fenster erneuern + mindestens ein Zimmer noch beheizbar machen. Ich würde gerne alles Neue mit Lehm, Holz (haben wir schon da, weil wir einen Stall abreissen müßen) und Grundofen machen. (Das Dach ist auch da) Ist meine Vorstellung wirklich soooooooooooo viel teurer? Auch auf die nächsten 100 Jahre gesehen. Wenn nicht, welche Argumente habe ich? Helft mir, daß unser Haus nicht im Beton erstickt! Danke Helga
Unser altes Haus ist da zum kreativ austoben
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04

Liebe Helga,


die Antwort hast Du Dir fast schon selbst gegeben:"material ist schon da". Welche Argumente braucht Dein Mann denn noch ?
1. Material, das schon da ist, braucht nicht mehr gekauft zu werden = Kostenersparnis.
2. Das Know-How, wie es verarbeitet wird, bekommt Ihr hier;
Entweder als Firma oder als Hilfe für Selbstbauer = Zeit-ersparnis bei der Suche nach Fachfirmen (ich betone FACHfirmen, nicht irgendwelchen Bauleute, die sich als Fachleute ausgeben)
3. Architekten/Statiker braucht Ihr auf jeden Fall für so ne
Beton-/Stahlkonstruktion = Kostenerhöhend !! Diese Fachleute werden meiner Meinung bei Fachwerk nur gebraucht, wenn die Fachwerkkonstruktion geändert werden soll(andere Zimmeraufteilung)
4. Meiner Ansicht nach dauert es genau so lange, einen Betonbau trocken zu bekommen wie einen Lehmbau.

Frag Du die Betonbefürworter doch mal nach den "Vorteilen" einer Betonkonstruktion innerhalb eines Fachwerkbaus! Auf die Antworten bin ich gespannt.
zwei halbe linke Haende - und Mut zur Veraenderung ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04

So ein schönes Haus


und dann Beton.

Setzen wir die Reihe der Argumente mal fort:

A bauhistorische Argumente
- das Haus ist denkmalgeschützt, das heißt, es ist von Bedeutung für die Geschichte der Menschen in Ihrer Region und für die Geschichte der Wohn- und Arbeitsverhältnisse. Dazu gehört mit Sicherheit die besondere Bauweise (Fachwerk) und die ablesbare (!) Trennung in einen Wohn- und einen Wirtschaftsteil (Scheune)
- daraus resultieren besondere Steuervorteile durch erhöhte Abschreibung auf bestimmte Investitionen
- eventuell kommen Sie in den Genuß von Dorferneuerungs- oder Städtebauförderungsmitteln

B Administrative Agrumente:
- ein Betonausbau wird kaum den Beifall der Denkmalpfleger finden und mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Versagung der Steuerbescheinigung führen
- zwischen Wohn- und Wirtschaftsteil eines landwirtschaftlichen Gebäudes sind in der Regel bestimmte Brandschutzanforderungen zu beachten (welche steht in der Bauordnung für Ihr Bundesland - BW ?); das geht mit Lehm ganz gut, mit Beton kommt es auf Eisenüberdeckungen und Putz an.

C Konstruktive Argumente

- das Weiterbasteln mit fremden Konstruktionsweisen will im Sinne einer bautechnischen Ergänzung sehr gekonnt sind und ist für Laien nahezu unmöglich; meist sind Schäden die Folge

- im Gebäudeinnern große Mengen Beton zu verbauen, stellt die ausführenden Handwerker vor gewaltige Probleme beim Arbeitsablauf. Die äußern sich dann in Preisen von bis zu 400.-- € für den Kubikmeter statt 46.-- € für den Kubikmeter Massenbeton in Decken und Platten.

- am Amfang steht immer noch die Diagnose: bauteilweises Erfassen von Zustand und Schäden, anschließend die denkmalgerechte Reparatur oder der fachgerechte Austausch von Bauteilen. Das entfällt deshalb nicht und verursacht die Grundkosten.

D ästhetische Argumente

Ein Fachwerkhaus ist einfach schön, eine gute Adresse und vorzeigbar.

Ihr Mann wird Ihnen dankbar sein, wenn Sie fertig sind, vorher aber wahrscheinlich fluchen. Siehe Berichte hier im Forum.

mit besten Grüßen
Neue Nutzungen für alte Gebäude
Mitglied der Fachwerk.de Community
Dietmar Beckmann | Büro für Städtebau+Architektur | | 03.05.04


Danke für die Antworten
Wenn wir die Scheune ausbauen, wie auch immer glaub ich nicht, daß wir steuerlich was bekommen. Die Holzkonstrucktion ist noch gut und wir bauen ja dazu. Von außen gibt es nicht viel zu sehen von dem Neuen. Wie ist es den mit der Haltbarkeit von der Fachwerkkonstr. außen und einer Beton oder Ziegelschicht innen? Und wie ist es mit den Kosten einer Heizung + Dämmung im Gegensatz zu einem Grundofen...?
Unser altes Haus ist da zum kreativ austoben
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04

Wozu Beton...


... das ist doch die Frage :-(
Hallo erstmal
Meist sind doch die Ständerkonstruktionen in den Scheunen selbst schon nicht ganz so stabil Ausgelegt wie in den angrenzenden Wohnbereichen.
Ich würde mir einen guten Zimmermann suchen der sich das Balkenwerk anschaut und dann eine vernünftige Holzkonstruktion einziehen lassen.
Das so etwas halten kann beweist euer Haus seit einer Zeitspanne die jeglicher bisher Verbaute Beton auf Erden erstmal überdauern muss
Wenn ihr Beton einzieht müsst ihr wie ja schon geschrieben auch hinter die Aussenwände neue Wände einziehen die das alles Abtragen können, sonst ist es vielleicht eher so das die Betondecke ganz bleibt wenn alles über euch zusammenfällt, ihr aber nicht mehr ganz so groß seit wie bisher weil eine Unbeschädigte Betondecke auf euch liegt :-)
Mir jedenfalls fällt kein vernünftiges Argument Pro Beton ein, dem Haus kann es eigentlich nur schaden.
Gruß
Hartmut
Was wir wissen – wissen wir nicht Doch du weißt: das, was du weißt, weißt du nur für dich selbst. MK
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04

Bitte um Erläuterungen


Dein Mann will also quasi innerhalb des Hauses ein zweites Haus bauen und zwar so, dass das Alte die Hülle des Neuen(inneren?) Hauses darstellt !? (richtig erkannt?)

Allgemeine Frage: Wisst Ihr, wie viel Luft Ihr noch an Finanzen habt ?

Heizung:
Welche Fläche/Rauminhalte wollt Ihr beheizen ? Soll das Ganze erweitert werden können ?

Ich heize zwar mit einem Grundkachelofen -wunderbare Wärme-, aber nur ein großes Zimmer; die andere müssen mit anderen Einzelöfen oder (sehr teuer) mit Strom beheizt werden. Und dies auch nur, weil ich mir die Installation eines Wasser-
kreislaufes nicht erlauben kann (würde ich sofort machen und dann Wandheizung Stück für Stück -Zimmer für Zimmer).

Dämmung:
kann, muß aber nicht, je nach vorhandener Wandstärke. Beschreibe den Fachleuten hier doch mal den Wandaufbau und sage noch, ob das Fachwerk aussen sichtbar bleiben muß.

Bei mir ist im Erdgeschoss Westseite eine 0,60er m breite Bruchsteinwand, die werde ich nicht dämmen. Eine Etage darüber ist nur eine 0,24er Fachwerkmauer (Lehmausfachung), da werde ich mir was überlegen müssen...

Du siehst, es gibt keine Patentlösung, Euer Haus braucht eine ganz individuelle Lösung. Und die braucht es auch, denn 0 8 15 Lösungen gibt es in jedem Neubaugebiet zu bewundern. Aber auch in solchen Häusern kann man gut wohnen.

Ich hoffe, Dir ein wenig bei Deinen Argumenten geholfen zu haben, habe leider auch mit allzu "auf neu " getrimmten Menschen in meiner Umgebung zu tun (nurneueBaustoffesindjaachsogutkostenjaauchnixoderwas):-))
zwei halbe linke Haende - und Mut zur Veraenderung ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04


Danke für die Antworten. Das Fachwerk muß aussen schon sichtbar bleiben. Eine komplette "Heizlösung" muß durchdacht werden. Ich denke nur mit Holz und Lehm können wir uns zum Teil die Dämmung sparen. Es muß ohne Grundofen und der entsprechenden Wärmespeicher eine komplette Heizung installiert werden + ein Zimmer im alten Wohnbereich.
Das mit dem neuen Haus in der alten Hülle ist richtig erkannt. Wir können mit den bezahlbaren Arbeiten erst 2006 beginnen, weil wir dann erst wieder Geld haben und natürlich suchen wir nach einer günstigen Lösung. Nur ist Beton und Ziegel wircklich soooviel billiger. (Wenn ich das über die nächsten 100 Jahre überblicke und Heizung Fenster usw. müßen evt. auch anders sein ohne Lehm.-.. Was passiert mit der alten Fachwerksmauer an einer Ziegelwand?
Unser altes Haus ist da zum kreativ austoben
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04

alt und neu


Sehr geehrte Frau Simon,
wen Sie nun;trotz der schon genannten,gut begründeten argumenten so eine baumasnahme durchführen.mit setzungserscheinungen müssen Sie nun mal rechnen ausser das Grundstück sei blanker fels.desshalb wäre es gut für Sie wüssten Sie jetzt schon antworten auf..:wo werden die Fenster gesetzt,im alten oder neuem teil?-die Treppe lassen wir mal weg aber auch nicht vergessen.
das scheunentor--ja was passiert damit? aufmauern oder ergänzung durch zimmermann.
nach Abbruch des stalles;bildet die vorhandene Zwischenwand nacher die aussenwand,oder wird eine neue erstellt?
bei allem respekt Frau Simon-Sie sprechen von 100 Jahren?!
Mit freundlichen Grüssen
Klepac Mladen
gesund bauen
Mitglied der Fachwerk.de Community
Limestone-Kalkbaustoffe | | 03.05.04

Thema Daemmung Ziegel/Betonwand > Fachwerkwand:


Gehe in die Rubrik *Forum* und dann nach rechts oben in die Suchfunktion, dort dann #Daemmung oder Wanddaemmung# eingeben und die bereits vorhandenen Beitraege mal durchlesen, vielleicht hast Du dann Argumente fuer die Betonbauer. Auf jeden Fall bekommst Du dann mal einen allgemeinen Eindruck zum Thema Daemmung, wenn unterschiedliche Baumaterialien fuer den Wandaufbau verwendet werden.

Viel Erfolg weiterhin

und schoene Gruesse aus dem Harz von Doris
zwei halbe linke Haende - und Mut zur Veraenderung ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 03.05.04


Hallo Herr Klepac
Der Stall (ganz rechts - Backstein) Ist nicht denkmalgeschützt und erst später als der Rest angebaut und nach einem Einsturz wieder aufgebaut worden - Jetzt ist er Einsturzgefähdet - Balken fallen von der Decke. Dieser Teil hat auch ein eigenes Dach. Es muß dann ein neuer Giebel gemacht werden, an dessen Seite, wie auf der Vorderfront Fenster gebaut werden. Ich möchte gerne mit den gleichen Materialien wie das alte Haus arbeiten: Stein, Lehm und Fachwerk. Bezieht sich das Setzen auf das Gewicht einer Betondecke? Was haben da die Fenster mit zutun? Ich glaub halt, daß wir keine über dreißig neuen Fenster brauchen + die ganz Neuen, weil in einem Lehm-Fachwerkhaus anders gedämmt oder Isoliert wird.
Bei den Argumenten für "mein" Haus gegenüber den Vorstellungen meines Mannes geht es Hauptsächlich ums Geld - das zählt bei ihm. Ist ja auch nachvollziehbar. (Meine Kinder und ich verbringen die ganze Zeit im Haus und mein Mann arbeitet dafür hart und lange.....)
Unser altes Haus ist da zum kreativ austoben
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 04.05.04


Hallo Frau Simon,
am häufigsten werden streifenfundamente erstellt.
durch das eigene gewicht sinkt das erbaute Gebäude mehr oder weniger ins erdreich.
wenn Sie nun Fenster in's bad,küche,wohnzimmer setzen:/das ist es was ich mir nicht vorstellen kann/wie geht das auf, mit den fensterbänken innen und aussen.
die giebelseite wird neu erstellt.
die frot-und rückseite sollte gegen das auseinanderdriften
gesichert werden.
vorzugsweise sollte der neu-und Altbau nicht miteinander verbunden werden,weil die gebäude verschieden arbeiten (fenster, übergang vom boden,treppe,kamin,spielraum-wanddurchbrüche-wasserleitungen,fachwerk könnte sich anpassen die Ausfachung weniger)
der Spalt zwischen eckpfosten altbau und Mauer Neubau muss ja auch geschlossen werden.auch da ist eine dauerhafte lösung nicht so einfach aus dem ärmel geschüttelt.
ich will ihnen keine angst machen oder den teufel an die Wand malen nein, aber es ist schwierig alte bauweise mit der neuen zu vereinbaren ohne die naturgesetze zu vernachlässigen.
das Sie nicht so viel geld zur verfügung haben ist keine schande aber es würde dafür sprechen vorhandene baustoffe wieder einzusetzen.

Mit freundlichen Grüssen
Klepac Mladen
gesund bauen
Mitglied der Fachwerk.de Community
Limestone-Kalkbaustoffe | | 04.05.04

Beton und Altbau ?


Ich habe für eine Bauherrschaft einen neuen Flügel in eine Scheune eingesetzt, mit Durchgängen in den Altbau. Unten heizung/Werkstatt/TagesWC/Garderobe/Eingangshalle, oben Bad/Atelier.
Fundamentplatte Beton, Wände Zweischalenmauerwerk BS, Decke Beton auf Sicht, Wände ZWS-BS, oberen Abschluss Balkendecke auf Sicht. Treppe Stahl in Kontrast mit dem 300 Jahre alten Fachwerk des Wohnbaus. Die Spannung zwischen alt und neu ist gelungen. Zudem erzielte ich eine wesentliche statische Verbesserung.
Im Altbau alles Holz/Lehm, mit Grundofen. So ein Ofen ist eine extrem lohnende Investition, ihr Mann wird zeitlebens von ihren selbstgebackenen Kachelofen - Brot schwärmen.....
Der Baustoff Beton ist m.E. richtig eingesetzt schon OK.
Es gibt gute Beispiele - aber auch viele Schlechte.
Gruss
Thomas
Archäologie & Altbau
Mitglied der Fachwerk.de Community
ABKW AG | | 10.05.04

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