Balkenkopfsanierung über Stahlträger

Hallo zusammen,

meine Freundin und ich renovieren ein einstöckiges Backsteinhaus (Doppelhaushälfte, Baujahr Ende 19. Jh.). An einer Außenwand (Traufseite) ist ein Hausschwammbefall festgestellt worden, der u.a. auch die Balkenköpfe der Decke zwischen EG und 1.OG betrifft. Die Balken sollen nach Beratung des Holzschutzgutachters ca. einen Meter zurückgeschnitten werden.
Das Angebot des Zimmermanns sieht vor, die weggeschnittenen Balkenteile zu ersetzen und zusätzlich ca. 3 m lange Verstärkungen an beiden Seiten jedes Balkens anzulaschen. Dadurch müsste die komplette Decke inkl Blindboden, Sand/Lehmschicht, Schüttung, Unterboden und Dielen bis in 3 m Entfernung zur Wand erneuert werden.
Jetzt wird unsere Balkendecke von unten von mehreren parallel zur Traufseite verlaufenden Stahlträgern gestützt, in ca. 10 cm Entfernung zur Wand, dann in 1,5 m Abständen. Ich würde also einfach mal behaupten, dass die Decke selbst auch mit deutlich kürzeren Anlaschungen stabil wäre. Laut Zimmermann sind die Deckenbalken aber auch wichtig für die Stabilität der Außenwand. Ein Dachdecker aus dem Bekanntenkreis sagt dagegen, er würde da keinen Aufwand betreiben, die Außenwand (40 cm dick, ca 6 m hoch) würde auch so halten.
Was meint ihr, lohnt es sich einen Statiker zu beauftragen, der sein Einverständnis zu einer abgespeckten Variante geben könnte? Oder könnte man evtl das Risiko eingehen, hier ohne Statiker von der Standard-Lösung abzuweichen, bzw. hat jemand Vorschläge wie man die Stabilität der Außenwand (durch Stahlverbindungen zu den Hauptbalken?) anders gewährleisten könnte?
Entschuldigung für den langen Text und vielen Dank für eure Hilfe.

Paul

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.12.16

Leichte Schulter!!


...wenn später ein Schaden eintreten sollte, würde dann auch euer Bekannter da mit gerade stehen?
Desweiteren würde dann auch keine Versicherung zahlen.
Aus meiner Sicht macht der Statiker sinn.
Oder man vertraut dem Zimmermann!
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 07.12.16


Kommt mir bekannt vorVertrau dem Zimmermann. Außerdem muss bei Hausschwamm 1m zurück geschnitten werden.
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| 08.12.16

Gut so!


Das sieht ja mal fachmännisch vernünftig ausgeführt aus!
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 09.12.16


Danke für eure Antworten.
Ich muss aber nochmal nachhaken:
Die Balken werden in jedem Fall 1 m zurückgeschnitten, auch wenn man von der Regel wohl in begründeten Fällen abweichen dürfte.
Die Frage ist vielmehr wie weit die seitliche Verstärkung an die Balken in der Raum reichen muss (vor allem wenn man die Stahlträger berücksichtigt). Auf dem Foto oben ist es ja auch eher die 1,5-fache und nicht die dreifache Länge des Rückschnitts, oder seh ich das falsch? Wenn die Chance groß wäre, dass man mit deutlich weniger als 3 m auskommt, würden wir evtl den Statiker bemühen.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 09.12.16


Ich denk mal das dein Zimmermann Baufreiheit haben möchte und sich nicht sicher über den Gesamtzustand der Balken ist.
Das sieht er ja erst wenn das offen ist. Mach mal 2m frei, entferne die Schüttung und den Fehlboden und lass ihn noch einmal schauen.
Bei mir war auch alles ausgeräumt. Die Decken haben wir nicht entfernt, aber im Randbereich natürlich beschädigt. Drunter wurde eh mit GK die Decke erneutert.
Dachboden willst du nicht ausbauen?
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| 09.12.16

Deckenbalkenreparatur


Die Außenmauer wird auch gehalten wenn das neue Balkenstück stumpf gestoßen an den vorhandenen Deckenbalken angeschlossen und mit beidseitigen Brettlaschen fixiert wird.
Es gaht dabei nur um Druck- bzw überwiegend Zugbelastungen.
Horizontale Aussteifung erfolgt durch den Boden.

Bei so dicken Wänden hätte ich normalerweise ohnehin keine Bedenken.

Wenn die Stahlträger sowohl die vorhandenen wie auch die freien Enden der neuen Balken unterstützen ist eine wie og Konstruktion ausreichend.

Üblich ist es etwa die doppelte Länge des Balkens anzulaschen- dreifach scheint mir sehr viel- außer die Balken sind geschwächt oder unterdimensioniert.

Andreas Teich

Knicksicherung


Das ist falsch, Herr Teich. Die waagerechte Kraftübertragung aus den Außenwänden und damit die Begrenzung der Knicklänge erfolgt durch Reibung am Balkenauflager in der Wand; an den Giebelwänden durch Zuganker die über die ersten Balkenlagen greifen. Holzbalkendecken haben statisch gesehen keine Scheibenwirkung.
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 09.12.16


Vielen Dank an alle, auch wenn ich immer noch nicht ganz klar sehe:).

Den Dachboden wollen wir nicht ausbauen.
Die Deckenbalken dürften nicht unterdimensioniert sein - jedenfalls hat das noch keiner der Fachleute vor Ort angesprochen und sie sind auch wesentlich dicker als die Dachsparren. Die Decke ein wenig weiter aufmachen, um mehr zu sehen werden, kann bestimmt nicht schaden. Bedenken, dass die Balken woanders als an den Köpfen beschädigt sind, hat der Zimmermann aber eigentlich nicht geäußert.

Zur horizontalen Aussteifung habe ich in den Schneider-Bautabellen (Abschnitt 5.2.1) folgendes gefunden (Ich poste mal den Link, weiß aber nicht ob Links hier ok sind):

https://www.bundesanzeiger-verlag.de/fileadmin/BIV-Portal/Bautechnik_WKD/Schneider-Bautabellen/Ingenieure/LP_BTI_2014_07_005-013.pdf

Danach kann auf einen Nachweis der räumlichen Steifigkeit verzichtet werden, falls die auszusteifende Wand dicker als 30 cm, die Geschosshöhe unter 5 m und der Abstand der aussteifenden Wände unter 8 m ist. Alle Bedingungen wären bei uns erfüllt, demnach müssten horizontale Lasten ja zu vernachlässigen sein. Das gilt aber nicht für die horizontale Komponente der Auflast des Daches auf die Außenwand, weil sie zu einer vertikalen Last gehört? Wenn die Zugwirkung tatsächlich das statische Hauptproblem ist: Gibt es wirklich keine verlängerten Zuganker, die den Meter bis zum Originalbalken überbrücken und einfach anzubringen sind?

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 10.12.16

Austeifung


Die Begründung der Knicksicherheit ist mir unklar- nur die Reibung des Balkens auf einem Stück von 15 cm Länge in Kalkmörtel soll verhindern, dass die Balken ausweichen???
Holzbalken steifen sicher nur in Verbindung mit der gesamten Deckenkonstruktion aus- ohne die natürlich nicht.

Nach innen werden die Wände ohnehin schon durch den Bodenbelag ausgesteift, bei Zug nach nach außen helfen bei größeren Belastungen ohnehin nur Zugbänder, die in Balkenrichtung oder quer zu den Balken über mehrere Balkenfelder angebracht werden.
Wenn die kurzen Balken durch genügend befestigte Brettlaschen mit den vorhandenen Balken verbunden sind entspricht dies ohnehin üblichen Zugbändern.
Bei der Mauerstärke ist in der Praxis ohnehin kaum etwas zu befürchten.

Bei mir haben nur 24 er Ziegelwände bei ähnlicher Höhe ein Erdbeben der Stärke über 5 auch ohne jedes Zugband ohne jeden Schaden überstanden.

Man muß sich nur die Mauern mancher Ruinen ansehen, die ohne jede Aussteifung und Dächer teils Jahrhunderte überstehen-auch die nicht meterdicken.

Die Möglichkeiten bei dir betreffen primär die Tragfähigkeit der Deckenkonstruktion.
Was soll passieren wenn alle 1,5 m ein Stahlträger die Deckenbalken unterstützt? Oder sind die Träger unterdimensioniert?

Ehe die Füllungen herausgerissen werden ist's doch viel sinnvoller, die Balken ohne zusätzliche Stemmarbeiten in die vorhandenen Maueröffnungen zu stecken und durch beidseitige Brettlaschen mit den vorhandenen Balken zu verbinden.
Du solltest besser noch einen anderen Zimmermeister um Rat fragen oder im Zweifel Fotos anfertigen und mit den genauen Maßen einen Statiker konsultieren.
Warum wurden überhaupt Stahlträger zur Unterstützung verwendet?
Bei Holzbalkendecken eher ungewöhnlich.

Andreas Teich


Ich glaub kaum das der Zimmermann die Balken unterhalb der Dielen begutachten konnte. Wie soll er das gemacht haben? Es geht nicht um die Dimensionierung sondern um möglichen weiteren Befall. Das ist erst nach dem Öffnen zu sehen.
Sollen die Stahlträger in dem Raum als Abstützung verbleiben? Was wird zusätzlich gegen den Hausschwamm getan? Es müssen die Fugen des Mauerwerks ausgekratzt werden und der Bereich sollte abgeflammt werden. Schon allein deswegen wäre ein sauberes Rückschneiden erforderlich.
Zwischen die Bohlen und den Balken kommen noch Einpressdübel

@Andreas
Da bin ich mal zufrieden das ich scheinbar einen kompetenten Zimmermann und Bauing. hatte. Bei deinen Vorschlägen kommt sogar mir als Amateur und Bastler das kalte Gruseln.
fachwerk.de super informativ!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 10.12.16

Wenn Hausschwamm vorhanden ist,


...dann sollte ein ganz sensibler Rückbau erfolgen, der so wenig wie möglich Staubaufwirbelungen verursacht.
Desweiteren sollte dann eine komplette Staub-Absaugung mit einem Staubsauger und HEPA-Filtersystem erfolgen.
Dazu, wie bereits erwähnt ein beflammen oder Inkektionsverfahren.

Ich liefere hier mal einen kompetenten Ansprechpartner gleich mit.
Er macht Hausschwammsanierungen mit ökologisch verträglichen Supstanzen.

Fa. NATUFA
Hr. Werner Gensky

...und wenn doch stahlkonstruktive Zusatzabsteifungen unter Holzkonstruktionen eingebaut werden solltem, bitte auf eine t5hermische Entkopplung achten.
Diese kann mittels Rollkork- oder Kokosfaserstreifen erfolgen.
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 10.12.16

Schwammbekämpfung


Es ist doch hoffentlich klar, dass zuerst die komplette Schwammbekämpfung vorgenommen wird.

Da dies aber gar nicht die Frage war, sondern es nur um die minimalinvasive Wiederherstellung der Balkenlage ging setze ich das voraus.
Balken/Stützen stumpf aneinander setzen und mit seitlichen Laschen sichern ist ein absolut übliches Verfahren

Andreas Teich

Decke-Bilder aus der Bilddatenbank: