Fachwerk.de - Warum Fachwerk in gemauerte Innenwände

hallo und guten tag,

kann mir hier im forum jemand folgende frage beantworten?
warum wurde früher in gemauerte innenwände, d=11,5cm, aus ziegelsteine ein Fachwerk eingearbeitet (nicht sichtbar und überputzt)?
die senkrechten stiele dienten evtl. der lastabtragung der
holzbalkendecke...denke ich, aber die Deckenbalken hätte man doch auch auf die gemauerten wände auflagern können. warum also fachwerk?
vielen dank im voraus.

thorsten vormann
www.nutzart.de


vormann | 30.11.09
weil
tragende Wände über 2 Etagen (wenn man die nächste "drufstellt") mit 11,5 cm nicht halten!
Der Statiker gibt da sicher noch eine genaue Auskunft, bei mir ist es nur das "statische Gefühl" .
Das erste Haus baue man für einen Feind, das 2. für einen Freund und erst das 3. für sich selber !
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Olaf aus Sachsen | 01.12.09
Das
Fachwerk wurde nicht ins Mauerwerk eingearbeitet, sondern das Fachwerk wurde nachträglich ausgefacht.
Beim Fachwerkhaus ist das Holz der tragende Bauteil, Mauerwerk hat keine tragende Funktion, abgesehen vom Fundamentmauerwerk.
Nach dem Aufbau des Holzgerüstes wurde mit den Dacharbeiten begonnen und parallell dazu wurde das Gefachmauerwerk ausgeführt, damit wurde eine Bauzeitverkürzung erreicht.
MfG
dasMaurer
alt und neu ist kein widerspruch
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Maurermeister | Ulrich Warnecke | 01.12.09
Warum Fachwerk in gemauerte Innenwände
ok...aber warum hat man überhaupt die innenwände mit Fachwerk versehen und nicht gleich 24er o.ä. wandstärken vermauert...dann hätte man sich das fachwerk doch Sparen können...darum gehts mir...um diesen aspekt.
oder war man bautechnisch/ statisch zur damaligen zeit noch nicht in der lage, ohne fachwerk ein haus zu erstellen?


Thorsten Vormann | 01.12.09
Weil
eine 24 Wand dicker und aufwendiger zu erstellen ist als eine 12 Fachwerkwand.

Die Aussenwände sind ja auch tragend, aber halt dicker.

Grüße
Spezialisten für Lehmbaustoffe, Dämmstofftechnik Wandheizungen und Naturfarben
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Meurer NATÜRLICHES BAUEN GmbH | Gerd Meurer | 01.12.09
Ich weiß nicht, wie alt Ihr Haus ist,
aber meist war das Fachwerk wesentlich früher da, als die Steine.

Feldbrandsteine (Ziegelsteine) wurden erst ab ca. 1850 für viele Bauherren erschwinglich (in Norddeutschland meine ich schon früher), weil um diese Zeit die ersten Ringöfen entstanden, mit denen man die Steine vergleichsweise günstig in größeren Mengen produzieren konnte. Vermutlich wurden die Steine bei Ihnen nachträglich in die Fächer eingefügt, weil Sie um die genannte Zeit Stand der Bautechnik wurden.

Man war damals ganz sicher schon in der Lage, Häuser ohne Fachwerk zu errichten, es konnte sich nur kaum einer leisten. Steine waren lange Zeit nur den Wohlhabenden Bevölkerungsschichten vorbehalten, weil sie enorm teuer waren und andererseits reißt man aus einem bestehenden Fachwerkhaus nicht so ohne weiteres Ständerwerke heraus, ohne die Tragfähigkeit zu gefährden. Ferner hat man früher Dinge, die noch funktionierten, nicht einfach weggerissen (unter anderem wohl ebenfalls aus Kostengründen!);

Vielleicht waren die ursprünglichen Lehmausfachungen bei Ihnen defekt und wurden dann durch die "moderneren" Steine ersetzt. Vielleicht wurden die Ständerwerke auch von vorneherein mit Steinen versehen, weil es sich um eine entsprechende Bauweise in Ihrer Region handelte.

Viele Grüße
Achim Hecke
primum non nocere
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Achim | 01.12.09

Hallo Herr Vormann,

Häuser dieser Bauart - so denn original - wurden bis in das 20. Jhd. hinein errichtet. Das Holzwerk ist erst einmal grundsätzlich als tragend einzustufen. Vertikale Pfosten in der Wand oder auch immer wieder neben den Türen dienen klar zur Lastabtragung, schrägstehende Schwerter, Bänder, Streben dienen der Aussteifung und sollten ohne genaue Augenscheinnahme auch nicht angefasst werden. Das tragende Holzwerk ist sowohl in Innenwänden eingemauert aber auch Innen vor Außenwänden stehend vorzufinden.

Mit der industriellen Fertigung von Backsteinen wurden diese zwar auch immer preiswerter und die traditionellen Ausfachungen verschwanden, doch trotzdem wurde auf das Geld geachtet. "Nur" um die Deckenbalken aufzulagern wurden nicht einfach Wandstärken im darunter liegenden Geschoss verdoppelt.

Weitere Vorteile neben der Ersparnis waren gewiss Bauzeit und Flexibilität bei einem späteren Umbau.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer

Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden. (Mies van der Rohe)
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Architekturbüro Kornmayer | Christoph Kornmayer (Architekt) | 01.12.09
DANKE!
aha...vielen dank für die informativen antworten.

grüße aus gelsenkirchen
thorsten vormann


Thorsten Vormann | 01.12.09
Ziegelwand...
...mit ca 12cm (Steinbreite) wurde durchaus auch als tragende Wand konzipiert.

Ich wohne in einem "Gründerzeithaus" wenn man es so nennen möchte. Im Erdgeschoß verputzt mit Stuck und Obergeschoß Komplett verklinkert.

Die Außenwände sind etwa 50cm stark, also an Ziegeln wurde also nicht direkt gespart. Die Innenwände sind aber ALLE nur in 12cm (eine Ziegelreihe) ausgeführt.

Die Balken (26x18cm) liegen meist neben den Außenwänden (9m Entfernung) nur noch einmal in der Mitte bei rund 4,5m auf.

Diese Wände sind sowohl im Erdgeschoß als auch im Obergeschoß einreihig ausgeführt. Im Kellergeschoß (wo auch die Kappendecke aufliegt mit 24cm).

Die letzten 100 Jahre ist nichts eingestürzt, daher scheint es wohl durchaus möglich zu sein ;-)

Schöne Grüße,
Peter.


Peter Brenner | 01.12.09
Tragende Wände
Wenn Innenwände über mehr wie eine Etage gehen heißt das noch lange nicht das sie tragend sind.
Tragend im baulichen Sinn sind Bauteile, die Lasten aus äußeren Einwirkungen aufnehmen.
Die Eigenlast gehört nicht dazu. Das trifft bei einer z.B. 6 m hohen Innenwand zu. Im beschriebenen Fall wurden solche Wände im Deckenbereich durch Streichbalken gegen Ausknicken gesichert.

Viele Grüße
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | Georg Böttcher | 02.12.09
Fachwerk
war auch ganz massiv eine regionale Sache. In Österreich war Bauholz bis ins 18. Jahrhundert streng reglementiert und die Brandschutzvorschriften der Städte waren streng, daher wurde viel mit Stein und Ziegel gebaut. Das geht so weit, daß man beispielsweise in Wien in Mehrfamilienhäusern keine Holztreppen findet, und zwar nirgends und niemals! (letzteres schränke ich ein auf "zumindest habe ich noch nie Gegenteiliges gehört und/oder gesehen).

In anderen Gegenden, z.B. bei meinen Verwandten in der Altmark wurde dagegen beispielsweise nur die Front gemauert (Sichtziegel), alle anderen Wände sind Fachwerk, mit Lehm ausgefacht. Fiel erst auf, als lang nach der Wende Küchenmöbel angedübelt werden sollten...
Des woa scho immer so!
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Kellergassenkatze | 15.04.10

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