Aussenfassade Fachwerkhaus

Hallo Forum,
ich bin etwas unsicher und wäre über Antworten/Meinungen zu meiner Frage dankbar:
Ich habe letztes Jahr mein Fachwerkhaus (erst mal wegen der Finanzen nur die 1.Etage) folgendermaßen saniert:
- Ich habe sämtliche (Außen)-Wände von innen entkernt. (Teilweise war Lehmputz mit viel Stroh auf den Wänden, teilweise waren aber auch einfach nur Rigipsplatten mit Glaswolle verbaut (die „gute“, alte, weiße Glaswolle, wenn ihr wisst, was ich meine ? ?)
- Stehen geblieben sind nur Ständerwerk (ca. 150 Jahre alte Eichen-Balken) und die (meistens) Backsteine, mit denen das Ständerwerk ausgemauert wurde.
- Dann habe ich ein Holz-Ständerwerk (von innen) ca. 20 cm vor die Außenwand gebaut, dieses mit Lehmplatten beplankt und den Hohlraum zwischen Außenwand und Holzständerwerk mit Zellulose (Thermofloc) ausblasen lassen
- Auf die Lehmplatten ist dann ein Lehmputz aufgetragen worden.
Im Winter musste ich feststellen, dass die Dämmung sehr gut funktioniert und wir eine (durch einen eingebauten Holzofen) sehr angenehme Wärme in der ersten Etage haben ?

Von außen habe ich bis dato nichts geändert. Da die alten Schiefern aber nicht mehr wirklich ansehnlich sind, wollte ich da jetzt auch einmal dran gehen. Der Aufbau der Fassade ist dort folgendermaßen (wie ich jetzt beim „abreißen“ festgestellt habe:
Von außen sind vor die Ziegelsteine der Wände (Schal-)Bretter (15mm) aufgenagelt worden. Darauf wurde Teerpappe genagelt und auf diese Teerpappe wurden die Schiefer genagelt.
Durch die Teerpappe, würde ich einmal behaupten ist ein Atmen der Wände nach außen nicht wirklich möglich (Teerpappe ist ja nun mal nicht wirklich diffusionsoffen)
Jetzt komme ich zu meiner eigentlichen Frage:
Muss ich außen zwingend für eine diffusionsoffene Fassade sorgen? Ich würde nämlich eigentlich gerne die Schiefer – zumindest bis auf eine Höhe von ca. 2,5m – gegen Kunststoffplatten in Bruchsteinoptik austauschen.
Wenn die Fassade außen zwingend diffusionsoffen werden muss (war es ja bisher – geschätzt die letzten 70 Jahre auch nicht) welche Möglichkeiten bleiben mir da, außer Schiefern und Kalkputz?
Vielen Dank für Eure Anregungen
Gruß
Holger
live is to short, not to have fun
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 06.06.17

Hallo Holger


eigentlich sehr schwer dir zu raten. Hängt damit zusammen, dass ich nicht wirklich verstehe wie dein Ansatz ist. Nun ja ich habe schon verstanden, dass du Kunstoffplatten an die Fassade bringen willst. Das muss wohl optische Gründe haben auch wenn ich das nicht nachvollziehen kann.
Aus Erfahrung kann ich nachvollziehen, das Schiefer sowohl vom Preis als auch von der Optik nicht jedermanns Ding ist.
Willst du im EG nun eine Außendämmung machen und nur im OG die Innendämmung lassen ?

Klassisch war die Bitumenbahn nicht unter dem Schiefer. Aber der Ansatz aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, dass man die Feuchtigkeit draußen halten muss, hat hier zu einigen Stilblüten geführt. Heute setzt man diffusionsoffene Unterspannbahnen ein um die Winddichtigkeit herzustellen. Wenn man sich für einen diffusionsoffenen Wandaufbau entschieden hat, sollte man ihn unbedingt durchgängig durchziehen. Also wenn es denn dann Plastikpaneele sein sollen dann auf jeden Fall gut hinterlüftet. Schau dir aber vielleicht mal vorher Häuser an die solche Verkleidungen seit 10 Jahren oder mehr mit sich rum tragen.

Zu den Alternativen ...
Der gesamte Wandaufbau ist mir bei dir für ein Sichtfachwerk im OG viel zu stark an der Innenseite gedämmt. Hier würde man eine schadträchtige Konstruktion herstellen, erst recht wenn man in unserer Klimazone keine kapilaraktiven Gefache hat. Und die Ausrichtung zum Wetter ist ja hier auch nicht genannt.
Eine Lärchenholzverschalung ist hier sicher eine gute Alternative. Keil-Stülp-Schalung oder Boden-Deckelschalung(ggf. Deckelleisten) ist hier sicher eine gangbare Alternative.

Bilder oder weitere Infos sind hier sicher Hilfreich ... ansonsten alles Gute M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land
Fachwerkflüsterer - Häuser ihre Geschichten und Geschichte erzahlen lassen
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Ingenieurbüro Bergisches Land - Markus Mattonet | | 07.06.17


Hallo,
vielen Dank für die Antwort.

Vielleicht noch einmal zur weiteren Erklärung:

- Ich habe vor, das OG "später" genauso von innen zu dämmen, wie ich es bereits letztes Jahr im EG gemacht habe.

Von außen sieht man NICHTS von dem Fachwerk, da das komplette Haus verschiefert ist (teilweise mit hässlichem und sehr fragwürdigem Asbest-Schiefer aus den 60er Jahren). Der bestehende Unterbau der Verschieferung besteht, wie beschrieben, aus Schalbrettern und Teerpappe

Um das komplette Bild etwas aufzulockern, würde ich einen Teil der Außen-Fassade gerne (die untersten ca. 2,5 m (also ca. EG-Höhe)) im Bruchstein-Look haben, und den Rest weiter verschiefert lassen.
Um den Bruchstein-Look herzustellen, hatte ich eben an die (in der Tat teilweise sehr realistisch aussehenden und sich sehr realistisch anfühlenden) Kunststoffplatten gedacht.....
Weitere Dämmung möchte ich dadurch von außen NICHT erreichen, da die Innendämmung, so wie ich diese hergestellt habe, sehr zufriedenstellend funktioniert

Mit Grüßen aus der Nachbarstadt Wermelskirchen
Holger
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| 07.06.17

Hinterlüftet


Ist die Bretterschicht nicht hinterlüftet? Unter den Brettern sollte sich eine Lattung befinden die bisher die Hinterlüftung gewährleistet hat. Für die neue Verkleidung sollten sie ebenso eine Hinterlüftung vorsehen.
Ein Fachwerkhaus ist romantisch und hat große Vorteile. Die Raumaufteilung ist nicht vernünftig
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.06.17

Keine Hinterlüftung


Nein, Herr Steinhart, bei der klassichen bergischen Verschieferung wurde die Schalung direkt auf das Fachwerk genagelt. Dann direkt verschiefert. Ab Mitte des letzten Jahrhunderts kam es dann auf, Bitumendachbahn auf die Verschalung zu setzen und dann zu verschiefern. Es gibt alteingesessene Dachdecker-Betriebe die das heute noch so machen.
Das geht bei vielen Häusern aus der Bauzeit 1890 und später im städtischen Bereich auch sehr oft gut.

Ich würde es trotzdem nicht empfehlen.
Zur Fragestellung mit den Kunststoffplatten denke ich man sollte hier immer mit einer Hinterlüftung arbeiten.

Erfolgreiche Tage an alle - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land
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Ingenieurbüro Bergisches Land - Markus Mattonet | | 07.06.17

Danke


Interessant, man lernt nie aus.

Herbert
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Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.06.17

Zusammenfassung


Hallo nochmal,

vielen Dank für die Erklärungen/Antworten/Vorschläge.
Zusammenfassen hieße das:
-Es würde nichts dagegen sprechen, eine (platt gesagt) "Plastik-Fassade" zu verbauen, wenn ich für Hinterlüftung sorge?!
-Wie genau sollte/müsste diese Hinterlüftung aussehen?
Reichen vertikal angebrachtes Dachlatten unter der Plastik-Fassade, oder muss da dann noch eine diffusionsoffene Folie drunter?
- Und: Muss oben und unten hinter das Lattengestell tatsächlich Luft gelangen können? Sprich muss ich da jeweils einen Spalt lassen, oder kann ich das Latten-Gestell oben und unten "zu" machen? (wirklich luftdicht würde das ja eh nicht)
Danke noch einmal für Eure Geduld
Holger
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Mitglied der Fachwerk.de Community
| 07.06.17

Teerpappe-Bilder aus der Bilddatenbank: