100 Jahre alte Treppe lackieren?

Hallo :)

ich bin zufällig auf dieses Forum gestoßen und hoffe, hier kann man mir weiterhelfen :D

Ich wohne in einem alten Fachwerkhaus, was zum größten Teil modernisiert ist. Nun bin ich an der Holztreppe angelangt, welche meine Vorbesitzer mit einem "Leckeren Teppich" überklebt hatten. Der ist nun soweit runter, war eine schöne Arbeit die Klebereste abzukratzen :/
Bis auf ein paar Stellen, die sich als super hartnäckig erweisen, ist der Kleber weg.

Nun habe ich aber folgendes Problem:

Ich VERZWEIFLE an den Stufen!
Da die Treppe schon mal lackiert wurde (das war vor meiner Zeit!) ist der Lack in das Holz gezogen und geht weder mit Abbeize, noch Heißluftfön, noch Spachtel runter. Bei meinem kläglichen Versuch den Lack einfach runterzuschleifen hat mir mein Schleifgerät auf die Schulter geklopft, mir ein schönes Leben gewünscht und sich dann in den Tod gestürzt!

Egal welche Körnung, der Lack ist im Holz und geht nicht ab.
Daher muss ich wohl meinen Plan ändern und die Treppenstufen nun doch lackieren... auch wenn das sicher nicht der Idealfall ist. Nach etlichem googeln im Internet ist die Verwirrung nun groß. Bootslack? Lack auf Silikatbasis?

Nun zu meiner Frage: Welche Lack nehme ich da am Besten?
Muss ich grundieren? und wie oft soll ich den Lack auftragen? o.O

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.10.16

Rotationsschleifer


Hallo,

mit einem Rotationsschleifer geht das recht flott. Erst 60er, dann 100er Blatt. Die Ecken mit einer kleinen Flex mit Schleifaufsatz und der Rest mit einer Abziehklinge. Auch die Rundungen vorne am Tritt mit der Abziehklinge. Alles andere von Hand mit Schleifpapier.

Beim Rotationsschleifer nicht verkannten! Lieber erstmal üben.

Hinterher mit Hartwachsöl 2x versiegeln. Oder halt Lack.

Bezweifle aber, dass der neue Lack auf dem alten toll aussieht. So oder so muss der ab.

Grüße...


Stefan M. | 21.10.16

Danke für die Antwort


Danke für die AntwortHallo Stefan M.

danke für den Tipp. Den Rotationsschleifer werde ich mir dann mal ausleihen und nochmal mein Glück probieren.
Zur Veranschaulichung meines Problems habe ich mal ein Bild hinzugefügt.

So wie es für mich aussieht, ist der alte weiße Lack richtig in das Holz eingezogen, so dass sicher einiges runter muss.

Du kannst dir das Bild ja mal anschauen und nochmal deine Meinung abgeben, falls sie sich danach geändert hat.

Trotzdem Danke für deine Mühe :)

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 21.10.16

Trittstufen


Die Trittstufen wirst du wie oben beschrieben wieder schön hinbekommen. Oft das Blatt wechseln, sonst gibt es schnell Verbrennungen. Ohne Druck, aber mit fester Hand arbeiten.
Die Stoßstufen werden dich Zeit kosten. Vlt bekommst du die mit der Abziehklinge und Schwingschleifer hin.

Viel Erfolg!


Stefan M. | 21.10.16

Abziehen


Hallo Alexa,

hatte bei mir gerade mit der gleichen Baustelle zu kämpfen! ... ;)

Dein Bild der Treppe ist nicht sehr fein aufgelößt. Scheint mir aber trotzdem ein typischer Aufbau aus einer zäelastischen Grundierung und einem Decklack (vermute Ochsenblut) zu sein. Bei mir hat folgendes geholfen:

1. Beseitigung der alten Farbe mittels Ziehklinge (breiter Stechbeitel geht fast noch besser ... dafür etwa 90° zum Holz ansetzen, leicht drücken und abziehen). Alternative Schleifpapier setzt sich schnell zu und Du hast ein nicht zu unterschätzendes Staubproblem! Wenn Du trotzdem lieber Schleifen möchtest ... als Tip: ... Reinigung von Schleifpapier durch kurzem Schleifgang auf Gummimatte möglich

2. Mit der Ziehklinge oder dem Beitel bekommst Du einen Großteil der Grundierung mit weg. Am Ende bleibt aber stellenweise der von Dir beschriebene Eindruck übrig, daß die Farbe in's Holz gezogen ist. Deshalb, ganz ohne Schleifen geht es am Ende nicht.

3. Meine Treppe ist aus Kiefer, und das Holz zeigte teilweise Bläue, wodurch einfaches Lackieren oder Wachsen zu einem recht unsauberen und unruhigen Bild geführt hätte.
Für die Endbehandlung habe ich mich deshalb für eine Kombination aus einer pickmentierten Dickschichtlasur und einem matten Klarlack entschieden. Den Farbton habe ich dabei versucht möglichst nah an eine nachgedunkelte Kiefer (Bernsteinfarben) zu bringen. Alternativ ginge auch Beize, allerdings dann mit dem Nachteil, daß Du die Bläue nicht gelichermaßen abgedeckt bekommst und deine Farbwahl im Zweifelsfall nicht mehr rückgängig zu machen ist, ohne das Ganze mit einem deckenden Anstrich zu versehen.


Jedenfalls viel Spaß noch bei der Arbeit!
Wirst sehen! Am Ende ist es die Mühe allemal wert.

Viele Grüße aus Berlin,
Stephan
Alt ist relativ!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 22.10.16

weitere Frage


weitere FrageHallo Stephan,

vielen Dank für deine Tipps!
Schön zu wissen, dass ich nicht die Einzige mit so einem "Problem" bin :)

Über Dickschichtlasur hatte ich noch garnicht nachgedacht. Ich denke einfaches Wachsen am Ende wird nicht so schön aussehen wie ich mir es vorstelle.

Nun habe ich aber direkt noch eine andere Frage.
Leider sind bei mir in den Stufen auch ein paar Risse und das ein oder andere kleine Loch. Womit Spachtel ich das am besten zu? Normaler Holzkitt wird doch ziemlich hart und passt sich dann vermutlich nicht mehr der Bewegung des Holzes an? Ginge dort ein Mix aus Sägespänen und Holzleim?

Gibt es da einen besseren Tipp als Holzkitt?

Und vielleicht ist es nicht gut zu erkennen, aber zwischen einer Stufe und einem Stoß ist ein Loch in der Treppe, wie könnte ich es schließen? Schätzungsweise ist es so 6 cm breit und 2.5 cm hoch :/




Danke für eure Mühe!!!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 22.10.16

Die Geschichte einer Treppe


in einem alten Haus darf man der Treppe ihre Lebensjahre ruhig ansehen. Ein paar Risse und eine Fehlstelle sind verkraftbar. Ich glaube nicht, dass jegliche Art von Kitt oder Spachtel halten wird, jedenfalls nicht über das 1. Vierteljahr hinaus. Lack auf Silikatbasis ist für Holz nicht geeignet, weil dieser sich mit mineralischen Untergründen verkieseln muss.Parkettlack ginge oder aus der Bio-Ecke Fußbodenöle etc. Übrigens waren früher oft auch die Treppen farblich gestaltet.
Leben ist das was passiert, während Du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen. (J. Lennon)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 22.10.16

Unsere Maler...


... haben mit Heissluft gearbeitet. Der Fön von Mannesmann ist da durchaus brauchbar, aber es braucht Erfahrung damit es keine Brandstellen gibt.

Danach mit einem Exzenterschleifer weiter.
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 23.10.16

...


Hallo Alexa,

Frage ist ... kommst Du von hinten noch an die Treppe ran, oder ist das schon zugebaut? Falls noch zugängig, ließe sich die Fehlstelle (das Loch) ja auch einfach durch ein entsprechend angepaßtes Holz ergänzen.

Auch für den Riss kannst Du eigentlich auf Spachtelmasse verzichten. Sehr breite Risse mit einem entsprechenden Altholz ausspanen (einen passenden Span erzeugen und dann in den Riss einsetzen, schleifen, fertig). Harrisse bei Wachsanstrich mit Hartwachs schließen.


Ansonsten wird z.B. von Tischlern zum Schließen von Rissen oder Kerben bei rustikalen Oberflächen in der Regel auf dunkel (schwarz) pickmentiertes Epoxydharz oder entsprechende Spachtel zurück gegriffen.

Beispiel siehe hier:

Spachtelmasse: http://www.adler-lacke.com/at/service-ratgeber/tipps-tricks/risse-und-aeste-ausspachteln-822/
Harz: https://www.youtube.com/watch?v=xYc6qDkg7lc (Pos. 4:10 - 4:30)


Anleitung zum selber machen kannst Du auch hier nochmal nachlesen:
http://www.lurch-online.net/stylische-regalboeden/
(Verfahren wäre mit Schwarz-Pickmenten identisch)


Wissenswertes zur Herstellung traditionellen Kit's gibt es hier:
https://www.youtube.com/watch?v=xXe-H7w2ftU


Ausgetretene oder beschädigte Kanten der Trittstufen mit Altholz ersetzen/reparieren (ist bei mir der nächste Schritt).


Gruß aus Berlin,
Stephan
Alt ist relativ!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 24.10.16

Lack-Bilder aus der Bilddatenbank: