Definition

Die historische Spinnerei in Klein Lengden Karl Klöckner hat in seinem Buch "Alte Fachwerkbauten" eine sehr treffende Definition für das Fachwerk verfasst:

Als Fachwerk bezeichnet man eine Wandbauweise, bei der die Zwischenräume (Gefache) mit einem anderen Material ausgefüllt werden. Da aber im Normalfall Wände Teile von Gebäuden sind, ist Fachwerk - auch im allgemeinen Verständnis - eine spezifische Art und Weise, Gebäude zu errichten, bei denen die Außenwände und die inneren Trennwände aus Fachwerk bestehen. Decken und Dächer fallen nicht unter den Begriff des Fachwerks. Sie sind zwar hölzerne Gefüge, werden aber auf andere Weise geschlossen: durch Füllungen und Verbretterungen (wenigstens ursprünglich) bei Decken, durch eine Außenhaut aus unterschiedlichem Material bei Dächern.

Fachwerk aus Moskau 3 - Fachwerk Daneben gibt es Gerüste, deren Zwischenräume nicht oder nur teilweise geschlossen werden: Laubengänge, Vorhallen oder etwa die Ständerreihen im Inneren niederdeutscher Hallenhäuser. Es könnte hier von offenem Fachwerk gesprochen werden, doch ist dieser Begriff wenig gebräuchlich. Dach- und Deckenkonstruktionen waren (sind) in Steinbauten die gleichen wie in Fachwerkhäusern. Es ist also lediglich der Charakter der Wände, der einen Bau als Stein- oder Fachwerkbau definiert.

Ein Haus wird also durch seine Wandkonstruktion zu einem Fachwerkhaus.

Fachwerk heute

In Deutschland gibt es ca. 2.000.000 Fachwerkhäuser, von denen jedoch 80% verputzt oder verkleidet sind (Manfred Gerner, Fachwerklexikon). Die Fachwerkhäuser, bei denen die Fachwerkkonstruktion sichtbar ist, geben bereits von außen einen Einblick in die historische Entwicklung der Bauweisen, der Städtebildung, der wirtschaftlichen und sozialen Position des Bauherrn, sowie der ehemaligen Nutzung.

Abschließend ein Zitat von Wilhem Fidler

Das historische Rathaus in SuhlVon all den Schätzen, welche uns unsere Vorfahren aus vergangener Zeit hinterlassen haben, blieben am längsten jene köstlichen Holzbauten unbeachtet, die uns noch in vielen mittelalterlichen Städten und Ortschaften erhalten sind, freilich oft in einer Verfassung, die eben nicht gerade viel Pietät und Achtung vor der alten Kunst erkennen läst.

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Ja, man erkannte, dass diese alten Holzhäuser, fast ausschließlich Wohnbauten, nicht nur dazu da waren, eine Unterkunft zum Arbeiten, Schlafen, Essen und Trinken zu bieten, wie jetzt so viele Mietskasernen, sondern auch vor allem Auge und Herz erfreuen sollten durch ihr anmutiges Schmuckwerk, sei es nun, dass es in kunstvollen Schnitzereien und leuchtenden Farben oder in malerischen und anheimelnden Gruppierungen von Giebeln, Lukarnen und traulichen Erkern bestand. Und wie verschieden, wie manigfaltig sind diese Schmuckformen und Kombinationen, wie bringen sie doch die Eigenart und den Charakter des betreffenden Menschenschlages so trefflich und klar zu Ausdrucke. Man fühlt sich hingezogen zu diesen originellen Schöpfungen und findet bei ihrer sorgsamen Betrachtung immer wieder neue und eigenartige Motive.

Wie ganz anders heute! Verschwunden ist die Eigenart der früheren Zeit, verschwunden sind die malerischen Städtebilder – jetzt gleicht eine Strasse fast völlig der anderen, überall trifft man dieselben Schmuckformen an, dieselben Gesimse, dieselben Bekrönungen, dieselben Tür- und Festerumrahmungen! Stein und Eisen sind jetzt an Stelle des Holzes getreten, und der warme Ton des Holzes hat den kälteren, lebloseren Steinfarben weichen müssen.“

Aus „Das Fachwerkhaus“, Wilhelm Fidler, 1903