Neidhammelhaus Hornburg Ein schlimmer Verlust für die Fachwerkstadt Hornburg war es, als eines der schönsten und größten Fachwerkhäuser 1972 durch Brandstiftung vernichtet wurde. Die wertvolle Schmuckfassade war stehengeblieben, mußte aber wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Das Balkenwerk wurde eingelagert. In der niedersächsischen Denkmalkartei hieß es: " Das Neidhammelhaus ist das wertvollste Beispiel Hornburger Fachwerks. Sein Abriß bedeutet einen empfindlichen Verlust für das städtebauliche Gefüge des Stadt- und Straßenbildes, insbesondere als Eröffnungsbau der Wasserstraße in der Nachbarschaft zur Kirche. Das Neidhammelhaus ist stadt- und wirtschaftsgeschichtlich ein wertvolles Dokument".

Erbaut wurde das Neidhammelhaus 1563 von dem damaligen Stadtkämmerer Valentin Mitgau. Sein Familienwappen, ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz,, ziert einen der zehn Ständerbalken im ersten Stock. Nach den Ratsakten aus dem Jahre 1594 war "der Neidhammel" das höchst besteuerte Haus in Hornburg. Das Haus wurde in der Blütezeit Hornburgs erbaut, 1552 hat die Stadt das Marktrecht erhalten. Handel und Wandel und der Hopfenanbau machten die Bürger wohlhabend.

Das Neidhammelhaus ist ein Fachwerkhaus in Stockwerkzimmerung mit weiten Aus-kragungen. Im Erdgeschoß befand sich ursprünglich eine breite Durchfahrtsdiele, links und rechts lagen die Wohn- und Schlafräume. Die oberen Stockwerke enthielten Speicherräume mit den nötigen Ladeluken. Die Fassade besitzt eine überreiche Renaissancedekoration. Im ersten Obergeschoß verläuft über der Spruchschwelle ein Fächerrosettenfries. Die Ständerbalken sind mit Blumen- und Rankenmotiven (unter anderem Hopfen), mit einem Spruch, mit dem Familienwappen des Erbauers und mit Schalks-und Neidköpfen verziert. Das zweite Obergeschoß enthält weniger Schmuck. Zu sehen sind Flecht- und Sternbänder, Rosetten auf Fußdreiecken, Knaggen mit Kehle-Stab-Kehle-Profil. Der Schalkskopf sollte böse Geister fernhalten, der Neid den Neid der Nachbarn abhalten. Die überlange Zunge des Neidkopfs wird von Kunsthistorikern auch als Schlange gedeutet; die Schlange gilt als das Symbol für Neid und Mißgunst.

1986 gründete der Hornburger Rektor und Initiator des Heimatmuseums, Fritz Sengpiel, gemeinsam mit Gleichgesinnten die "Aktionsgemeinschaft für den Wiederaufbau des Neidhammelhauses". Die langjährigen Bemühungen waren schließlich von Erfolg gekrönt. 1994 wurde unter strengsten denkmalpflegerischen Auflagen die Baugenehmigung erteilt. Der Rohbau war schnell errichtet, und so konnte bereits im November 1995 das Richtfest gefeiert werden. Mit dem Wiederaufbau der historischen Fassade wurden die Werkstätten für Denkmalpflege in Quedlinburg beauftragt. Die Arbeiten der Restaurierung wurden ausschließlich mit artgleichen Materialien ausgeführt, der Einbau von Stahlteilen wurde ausgeschlossen. Besondere Anstrengung verlangte der Aufbau der Fassade in seiner original horizontalen Verformung, eine Meisterleistung der Quedlinburger Zimmerleute. Der Wiederaufbau der Fassade nahm allein zehn Monate in Anspruch. Im September 1996 konnte dann endlich, zehn Jahre nach Gründung der Aktionsgemeinschaft, mit vielen Gästen aus Politik, der Denkmalbehörde, Verwaltung und Wirtschaft der Wiederaufbau des Neidhammelhauses gefeiert werden. Von den acht Eigentumswohnungen, die entstanden waren, wurden die ersten zu Weihnachten 1996 bezogen. Die Baukosten für das Haus betrugen 1,5 Millionen DM. Hinzu kamen die Kosten für das Wiedererrichten der Schmuckfassade in Höhe von 165.000 DM. Wegen der angespannten Haushaltslage der Landes und der Städte und Gemeinden konnten nur geringe öffentliche Fördermittel für die Restaurierung bereitgestellt werden.

1997 erhielt die Eigentümergemeinschaft einen Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung für vorbildliche Denkmalsanierung.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Fritz Sengpiel (2001) Homepage