Der Hippenseppenhof Das dritte Hofgebäude innerhalb des Rundganges im Museum stellt ein Beispiel für einen Haustyp dar, den man als Schwarzwälder Heidenhaus kennt. Dieses Haus ist das älteste seiner Konstruktion nach und zugleich aber auch das häufigste im Schwarzwald. Man kann es als groß bezeichnen.

Durch die klimatischen Verhältnisse des mittleren hohen Schwarzwaldes und dessen Feuchtigkeit bedingt, steht dieses Haus in einem Gebiet kombinierter Wald- und Wechselfelderwirtschaft sowie der Weidenutzung und der Viehzucht. Nahezu geschlossene Wirtschaftseinheiten herrschen hier daher vor. Die Kernlandschaft des Schwarzwälder Heidenhauses ist der spätkolonisierte Bereich des Schwarzwaldes mit seinen wilden Hochtälern und den einsamen Weidebergen zwischen dem Kinzigtal im Norden, dem Dreisam-, Höllen- und Wutachtal im Süden. Wichtigste Kennzeichen dieses Heidenhauses sind: Das Haus steht senkrecht zum Berghang, so daß es von dort aus in den Dachraum befahren werden kann. An der Stirnseite des Hauses befindet sich ein mächtiger tief herabgezogener Vollwalm. Das Erdgeschoß beinhaltet den Wohn- und Stallbereich, wobei die Wohnfläche zweiräumig - mit Stube und Küche - ist. Das wichtigste dieses Hauses ist jedoch, daß Haus- und Dachgerüst, durch die Konstruktion der Firstsäulen eine bauliche Einheit darstellen. Die Folgen dieser Firstsäulenkonstruktion ist eine außermittige Erschließung des Dachraumes. Das Einfahrtstor liegt daher nicht in der Mitte des Walmes an der Bergseite des Hauses. Um 1600 etwa war die First- oder Hochsäulenzimmerung am Abklingen. Sie wurde durch den liegenden Dachstuhl abgelöst, der beherrschend wurde und die Firstsäule total verdrängte. Um aus dieser neueren Sicht das Alter und die Andersartigkeit der Hauskonstruktion zu betonen, nannte man diesen Hausbau "heidnisch" und daher das Haus das Schwarzwälder Heidenhaus.

Der "Hippenseppenhof" im Museum wurde im Jahre 1599 in Katzensteig bei Furtwangen erbaut. Er gehörte in den Einflußbereich des Schwarzwälder Rodungskloster St. Georgen. 1965/66 wurde der Hof in Katzensteig abgebrochen und im Museum wieder aufgestellt. Seinen Namen hat der Hof nach einem Besitzer Joseph Fehrenbach, der aus dem "Hippen", einem Gewann bei der Escheck/Furtwangen kam. Dies geschah vor etwa 200 Jahren. Der Dachreiter mit Glocke dürfte im 18. oder 19. Jahrhundert hinzugekommen sein.

Der "Hippenseppenhof" gehört zu der älteren Form des Heidenhauses, das in seiner Talseite den Viehstall birgt. Dieser wird durch einen breiten Futtergang unterteilt. Seitwärts von diesem standen die Kühe der Hinterwälder Rasse in ihren Ständern. Die Bohlen der Böden sind herausnehmbar. Darunter befanden sich Rasenstücke, die nach gründlicher Durchdringung mit Jauche als Dung auf die Felder oder aber zu den Salpetersiedern kamen, die daraus Salpeter gewannen, den sie ihrerseits an Pulverhersteller oder Metallbearbeiter verkauften. An der Wand hängen Viehglocken, deren vorderste die Leitkuh auf dem großen Marsch zu den alten Viehgroßmärkten zierte. Da der Endpunkt dieses Unternehmens oft Paris war, trägt die Glocke die Aufschrift "A Paris". Ihr Tragband ist reich besetzt mit Schellen. Das Rätsel des Strohgebildes an der Talwand besteht darin, daß seine Nutzung als Regenumhang für die Hütebuben uns heute sehr fremd erscheint. Aus dem Stall heraus passiert man den Brunnentrog mit dem Milchhäuschen und einem Schleifstein. Vorbei am Dengelstein an der Hauswand betritt man den Wohnteil des Hauses durch eine zweigeteilte Tür. Der Hausgang führt einerseits ebenerdig zur Stube und Küche, andererseits über die Treppe ins Ober- und Bühnengeschoß. An der Wand des Hausganges beeindrucken die "Deuchelbohrer", mit denen Fichtenstämme der Länge nach durchbohrt und danach als Wasserleitungsrohre genutzt wurden. Die Beerenpresse diente zur Gewinnung von Saft oder Wein, besonders des beliebten Heidelbeerweines. Die Perlkränze über der Truhe am Ende des Ganges waren über Allerheiligen und bei Todesfällen zum Schmuck der Gräber bestimmt.